Derek Nikitas: Pyres

„Coming of Age“ bezeichnet im englischsprachigen Raum Entwicklungsromane, in denen das Erwachsenwerden eines Menschen dargestellt wird. „Pyres“ erzählt die Geschichte von Lucia Moberg, geboren am 13.12., dem Tag der heiligen Lucia und nach dieser benannt. Sie ist die Tochter von Oscar, seines Zeichens Professor für englische Sprache am regionalen College, und ein mehr oder wenig gewöhnliches 15 jähriges Mädchen mit den üblichen Interessen, Sorgen, Problemen. Dann wird vor ihren Augen ihr Vater erschossen und später verliert ihre Mutter die Kontrolle über sich. Das Buch beschreibt, wie Lucia versucht, die Ordnung in ihrem Leben zu wahren und zu verstehen, was eigentlich nicht zu verstehen ist.

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Letzte Hand

Seine eigenen Ergüsse wieder und wieder lesen zu müssen, schlimmer noch: aufmerksam lesen zu müssen, Wort für Wort, das ist das Schlimmste, was man einem Autor antun kann. Aber es muss sein. Du kannst das Zeug 10x lesen, einen Fehler findest du immer noch, wahrscheinlich sogar zwei oder drei oder fünfundachtzig. Na, ganz so schlimm ist der letzte Durchgang der „Menschenfreunde“-Korrektur denn doch nicht geraten.

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Glauser 2008

Herzlichen Glückwunsch an Lilian Faschinger (Roman), Bernhard Jaumann (Kurzgeschichte), Boris Koch (Jugendroman) und Sabine Deitmer (Ehrenglauser): Sie alle haben einen Glauser gewonnen und werden es verschmerzen können, dass ich die damit ausgezeichneten Texte nicht gelesen habe. →Gelesen habe ich aber Rainer Gross‘ „Grafeneck“, als bester Debütroman ebenfalls mit einem Preis bedacht. Und das freut mich wirklich. Für den Autor ebenso wie für den Verleger Günther Butkus und seinen wackeren Pendragon Verlag. Die Begründungen der Jury kann man →hier einsehen.

Schlechte Affen

Über Matt Ruffs „Bad Monkeys“ ist hier ja schon das eine und andere gesagt worden. Jetzt findet man beim →Titel-Magazin die Vollkritik. Denkwürdiges Buch. Und meine vierte von insgesamt 99 Rezensionen, die ich einem der geschätzt 197 Krimipäpste hierzulande als Fronarbeit liefern muss. Immer Samstags, wenn bei Titels drüben Krimitag ist.

Thea Dorn: Mädchenmörder

(Unser Azubi Jochen mag die Frauen. Aber mögen die Frauen unseren Azubi Jochen? Wir hegen starke Zweifel. Frau Thea Dorn jedenfalls wird unser liebestrunkener Lehrling endgültig von der Liste der begehrenswerten Objekte für seine grenzenlose Libido streichen müssen. Aber vielleicht betört sein Totalverriss eine unserer Leserinnen? – Wir helfen gerne mit der Telefonnummer unseres notleidenden Jünglings aus!)

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Lee Child: Sniper

Wer sich mit einem Jack-Reacher-Roman auf die Couch fläzt, tut gut daran, alles zu vergessen, was man ihm / ihr bisher über die Qualitätsstandards von Kriminalliteratur der gehobenen Preisklasse erzählt hat. Psychologische Tiefe bei Handlungsführung und Figurenzeichnung etwa, das Ganze schön nah an der Realität, diese mit feinen literarischen Gerätschaften sezierend – all das findet man in den Romanen Lee Childs offenkundig nicht.

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Weltpremiere: Cover total

Exklusiv für wtd-LeserInnen, das Cover von „Menschenfreunde“ komplett von hinten nach vorne:

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Wie unschwer zu erkennen, prangt links oben das Porträt des Autors, darunter die wichtigsten Stationen seines an Abenteuern reichen Lebens (Klappe hinten). Auf der Rückseite lesen wir einen kernigen Ausschnitt aus dem Roman: Eine Frau wird beleidigt und rächt sich, indem sie einen Mann aufs Bett stößt.

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Ken Bruen: Priest

„Priest“ ist vermutlich das bisher beste Buch der Jack Taylor Serie von Ken Bruen. Nicht nur, dass Taylors Geschichte, die immer auch als Leinwand dient, auf der sich die einzelnen Episoden abspielen, nahtlos ans Vorgängerbuch anschließt und dessen Geschichte logisch fortentwickelt, sondern die Geschichte, die Priest erzählt, ist, wenn auch nicht besonders komplex, so doch vom Detektivischen her stimmig.
Schon der Anfang des Buches enthält im Kern all das, was an Themen wieder vorkommen wird und ist darüber hinaus berührend, witzig und flott, wie es nur wenige erste Szenen sind. Taylor hat es nach den Erlebnisssen des letzten Bandes erwischt: Fünf Monate lang verbringt er in der Irrenanstalt und lebt in einem Stupor, aufrechterhalten im Zweifel auch durch Psychopharmaka, ohne Kontakt und Erinnerung, bis dann einem Mitinsassen die passende Ansprache gelingt.

Die innere Leere und Zerstörung Taylors ist immens. Müde und ausgebrannt kommt er aus der Anstalt nach Hause und gerät schneller wieder unter Druck, als ihm gut tun kann. Ridge, die ihn abholt, Tochter eines alten (natürlich verstorbenen) Freundes und selber bei der Polizei, entdeckt einen Stalker, der sie verfolgt und bittet Taylor um Hilfe. Gleichzeitig bittet ihn Malachy, gehasster Priester und ehemaliger Vertrauter von Taylors verstorbener und gehasster Mutter, den Tod eines dekapitierten Priester zu untersuchen. Und dann ist da noch ein alter Freund, der abgestürzte und verschwand, nachdem seine kleine Tochter verstorben war.

Bei all dem wechselt Taylors Gemüts- wie Geisteszustand häufig. Momente von Klarheit und fast Heiterkeit wechseln mit rabenschwarzen Empfindungen, bei denen Taylor der nächsten Kneipe schnurstracks zusteuert und man als Leser die Guinness oder sonst welche Reklame für Alkoholika verdammt, weil sie Taylor auf die Idee bringen, die Alkoholabstinenz zu beenden. Lichtblick seines Lebens ist Cody, ein junger Mann, der sich an ihn ‚ran schmeißt, mit ihm eine gemeinsame Detektei aufziehen möchte und für den Taylor fast väterliche Gefühle hegt.

Das Leben, eine Achterbahn also; die Aufgaben lösbar, sind sie doch Folgen emotionaler Zustände, die Taylor nur zu vertraut sind. Das Ganze bruchlos miteinander verknüpft und erzählt, so poetisch und witzig, dass man weinen möchte. Wie immer bei Bruen verankert in der Popkultur und klug beobachtet. Darüberhinaus beschäftigt Bruen, Taylor und den Leser der Einbruch der US-amerikanischen Kultur in den irischen Sprach- und Gesellschaftraum. Kaum eine Seite vergeht, auf der Taylor nicht von einem Beispiel des Bedürfnisses der Iren berichten kann, sich in der amerikanischen Kultur zu verlieren.

Wenn man denn möchte, könnte man aber auch feststellen, dass „Priest“ ein Buch über den Fluch der bösen Taten ist. Nichts, so zeigt es, währt länger als das Gedächtnis einer Verletzung.

Ken Bruen: Priest. 
St. Martin Minotaur 2008. 304 Seiten. 9,99 €
(noch keine deutsche Übersetzung)

Pieke ist angesagt

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Eben noch in einer Rezi auf diesem Blog lobend erwähnt – und schon schiebt Pieke Biermann eine Kriminalreportage hinterher. In der Jugend-U-Haftanstalt Kieferngrund wird nämlich nicht nur weggesperrt, es wird auch ausgebildet. Wie? Das berichtet Pieke am Freitag,11. April 2008 im RBB-Inforadio 93,1 um 10:27 und 13:27 Uhr (Wiederholungen: 13:45 und 18:45 und Montagnacht 04:45 Uhr) und am Sonnabend, 12. April 2008 in DER TAGESSPIEGEL, für alle, die noch etwas mit schwarzweiß Papier anfangen können. „Zwischen Hiphop und Hartz IV“ heißt der Beitrag (im TAGESSPIEGEL vielleicht ganz anders), aber wer das Radio anklickt, hört keinen Hiphop, damit das klar ist.

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Roger Graf: Die Frau am Fenster

Krimileser sind faule Gesellen; so wie alle Menschen, die anderen gerne bei der Arbeit zusehen. Wie sich ein wackerer lonely wolf durch den Großstadtdschungel schlägt und dabei selbst geschlagen wird, physisch und psychisch, aber das ist last year’s model, gewissermaßen, aktuell – seit mehreren Jahren, seien wir genau – schaut man lieber gleich ganzen Abteilungen von Kriminalpolizei beim Arbeiten zu. Und weil es so bequem ist, schauen wir dabei auch den Menschen bei ihrer Geistes- und Seelenarbeit zu; und weil es am allerbequemsten ist, werfen wir auch noch einen Blick auf die uns mundgerecht zugeschnittene Gesellschaft. Voila, das nennt man Police Procedural nach Mankell.

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La belle de la helle

Wo Thomas Wörtche, der Jack Reacher der Krimikritik, →hinhaut, da wächst keine Spannungsliteratur mehr. Wehren ist zwecklos, denn der Bursche beherrscht auch den intellektuellen Nahkampf. Nur die Waffen einer schönen Frau vermögen ihn zu verwunden. Ob Christiane Geldmacher, betörende Herausgeberin der wunderbaren Anthologie „Hell’s Bells“, die Pfeile aus dem Köcher ziehen wird? Wir sind gespannt.

Robert Littell: Die Söhne Abrahams [Kritikerstammtisch, Teil 2]

…und hier der zweite Teil des Kritikerstammtisches mit weiteren drei Rezensionen.
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Die Region, in der „Vicious Circle“ spielt, ist eines der heißesten Pflaster, das die Realität zur Zeit zu bieten hat. Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist sein Thema und wird von verschiedenen Gesichtspunkten „bearbeitet“. Das Buch und das Handeln darin wird von den Radikalen beider Seiten bestimmt, entweder weil sie selber handeln oder aber andere zum Handeln zwingen.

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Morgen tagt der Kritikerstammtisch

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Morgen werden hier sechs RezensentInnen Robert Littells „Die Söhne Abrahams“ besprechen. Für den Organisator des Ganzen, moi, keine leichte Aufgabe, die mit dem Hineinkopieren der fertigen Texte abgetan wäre. Die Idee etwa, alles in einem Blogeintrag zur Verfügung zu stellen, wurde wegen der zu erwartenden längeren Ladezeiten verworfen. Es gibt zwei Einträge mit jeweils drei Rezensionen. Aber ein anderer Punkt ist problematischer.

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April, April!

„Meine Dame – meine Herren!“

Wie üblich kleben die Augen der Redaktionsmitgliederinnen an des Chefredakteurs Lippen, an denen wiederum die Reste eines opulenten Frühstücks aus Vollkorn-Croissants und Kraftmüsli kleben.

„Es ist April!“ verkündet der Chef, „Und das heißt: Zeit für einen Aprilscherz! Irgendwelche Vorschläge?“

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