Print vs. Blog?

Vieles von dem, was jüngst in der →New York Times diskutiert wurde, kommt einem auch hierzulande bekannt vor: Der allmähliche Rückzug der Literaturkritik aus den Feuilletons, die von den „Gedruckten“ misstrauisch beäugte Konkurrenz aus dem Digitalen, die Irritationen ob dieser Entwicklung auf Seiten der Verlage und Autoren. Print versus Blog? Zwei Argumente aus dieser Diskussion wollen wir etwas genauer betrachten.

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Pieke stellt klar

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Die Wirklichkeit ist manchmal doch kein schlechter Kriminalroman, in dem das Weiße weiß und das Schwarze schwarz ist. Manchmal ist sie richtig wirklich, sprich: verwirrend. So wie in der neuen Kriminalreportage von Pieke Biermann aus der Reihe „Menschen – Orte – Kriminalität“: „Serén, Ann-Charlott und der alltägliche Judenhass“. Sollte man reinhören. Im RBBinfoRADIO 93,1 5. Mai 2007 um 11:45 Uhr, Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 0:45 und 5:45 Uhr.

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Thomas Raab: Der Metzger muss nachsitzen

Jetzt hat es schon wieder einer gemacht. Ein Österreicher natürlich. Lustigen Krimi geschrieben, wundert uns nicht. Was erwartet man anderes von einem Volksstamm, der mit dem Hang zum Morbiden geboren wird und als seinen Lieblingsplatz nicht wie unsereiner „die Natur“ oder „den Hörsaal“ angibt, sondern ganz spontan lächelnd „den Zentralfriedhof“. Der Tod schreckt sie also nicht, das Schreiben schon gar nicht. Ergebnis, siehe oben: lustige Krimis. Nach Haas, Steinfest, Slupetzy – vom göttlichen „Kottan“ nicht zu reden – nun der Raab. Österreicher. Musiker eigentlich. Jetzt auch Krimiautor. Und, sieh mal an: ein guter.

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So nicht, bitte

Dass Frau P. aus F. uns wieder an ihrem aufregenden Autorinnen-Alltag teilnehmen lässt, gehörte zu den guten Nachrichten des Wochenendes. Dass sie uns gar →ihren Arbeitsplatz (sehr ordentlich) zeigt, wird hier stürmisch begrüßt. Dass sie aber beiläufig schreibt: „…Im Bild oben stehen ein paar Bücher auf der anderen Seite, da sitzt ein Stoffhase drauf (Rudi)…“, kann so nicht hingenommen werden. Nenn mich Didi, nenn mich Paulchen, aber nenn mich bitte nicht Rudi! Und Stoffhase…tz.

Walter Mosley: Cinnamon Kiss

Bekannt wurde Walter Mosley mit seiner Serie um den Detektiv Easy Rawlings. Für den Erstling „Devil in a Blue Dress“ erhielt er 1991 den renommierten „Shamus Award“ (verliehen für Bücher mit Privatdetektiven). Er war zwar nicht der erste der zeitgenössischen afroamerikanischen Autoren, der einen der renommierten Krimipreise gewann, aber er war derjenige, der auch vom „weißen“ Lesepublikum in größerem Umfang akzeptiert und gelesen wurde, und er war der erste Afroamerikaner als Präsident der „Mystery Writers of America“. Auch heute, 17 Jahre nach dem Beginn seiner Karriere, unterschiedlichen Serien, Jugend- und Science-Fiction Büchern, hat Mosley wohl immer noch als Leitstern der afroamerikanischen Krimiliteratur zu gelten. Anderen afroamerikanischen Autoren hat sein Erfolg bei der Akzeptanz durchs „weiße“ Publikum jedoch nur wenig geholfen.
In Deutschland scheint es in den letzten Jahren stiller um Mosley geworden zu sein, seine neueren Bücher sind bei uns allesamt nicht erschienen. Im Vergleich ist sein inniger Stil wohl zu wenig plakativ, zu wenig reißerisch und belohnt zu sehr den mitdenkenden Leser. Dabei ist Ezekiel (Easy) Rawlings, Held auch des vorliegenden Buches, eine zutiefst moralische Figur, die scheinbar naiv auf die (rassischen) Ungerechtigkeiten dieser Welt blickt und uns an ihren „Philosophien“ über das Leben als schwarzer US-Amerikaner teilhaben lässt.

Seit Beginn an folgen die Bücher der Serie, wie einstmals die der McGhee Serie von John D. MacDonald der „Farbenlehre“. Mit „Cinnamon Kiss“ ist Easy bei einer zimtfarbenden Schönheit angekommen, die weißen wie schwarzen Männern durch Intelligenz und Aussehen den Kopf verdreht und die im Besitz wertvoller Dokumente ist. Easy wurde eigentlich beauftragt, den Chef von „Cinnamon“ ausfindig zu machen und so dringend er den Auftrag braucht, leicht tut er sich nicht ihn anzunehmen, denn der Auftraggeber heißt mit Nachnamen Lee, ganz so wie der Südstaatengeneral, welcher im amerikanischen Bürgerkrieg gegen die Aufhebung der Sklaverei kämpfte.

Easy wird schnell klar, dass der Gesuchte ermordete wurde und dass Cinnamon sich versteckt hält. Aus gutem Grund wohl, denn ein Killer sucht Easy in seinem Büro auf und versucht ihn von seiner Suche nach Cinnamon abzubringen.

Die Serie, deren erstes Buch zurück ins Jahr 1948 führte und sich langsam durch die Zeit arbeitet, gelangt mit „Cinnamon Kiss“ ins Jahr 1966. Ein Jahr nach den berühmten Rasseunruhen in LA´s Stadtteil Watts (und etwa zwei Jahre vor dem gewaltsamen Tod Martin Luther Kings) ist die Stimmung in LA zwischen weiß und schwarz immer noch gereizt. Anderenorts merkt Easy zwar, dass sich die Zeiten zu ändern beginnen, und dass es Weiße gibt, die ihn und „seinesgleichen“ nicht aufgrund seiner Hautfarbe beurteilen. Aber dennoch, schwarz zu sein bedeutet immer noch ökonomisch benachteiligt zu sein und willkürlich von der Polizei aufgegriffen zu werden.

Sicher, diese Überraschung, die es beim Lesen der alten Mosleys gab und die wohl auch einen Teil des Erfolges ausmachte, ist weg; mittlerweile kann man andere, „radikalere“ Autoren finden – wie die von deutschen Lesern konsequent nicht verstandene Paula L. Woods – und dennoch: „Cinnamon Kiss“ ist ein ausgesprochen gutes Buch. Die in sich gekehrte Figur des Easy Rawlings ist vielleicht noch etwas dunkler getönt als sonst, aber das ist eigentlich auch kein Wunder. Stürzt er sich überhaupt nur in das Abenteuer um die zimtfarbende Schönheit, weil er schnell die astronomische Summe von 35.000 $ braucht, um seiner über alles geliebten Adoptivtochter zu helfen, die eine rätselhafte Bluterkrankung hat und nur durch eine teure Therapie in der fernen Schweiz gerettet werden kann [Mithin ein Strang, den Mosley nicht weiterverfolgt, obwohl die problematische medizinische Versorgung der Unterprivilegierten in den USA durchaus ein interessantes Thema wäre].

Aber Easys mitunter eigenwilligen Beobachtungen und seine exzentrischen Freunde und Bekannten, die sich über die Bücher der Serie angesammelt haben und ihm auch diesmal wieder helfen, geben dem Buch doch mitunter auch eine Leichtigkeit und profunden Humor. Alles das ist geschrieben aus der sehr persönlichen Sicht Easys, die vieles beschreibt, aber wenig auswalzend erklärt. Nichts also für Liebhaber mankellschen Erklärungsoverkills. Aber im Vergleich zu diesem hat Mosley ja auch ein „echtes“ Thema, über das er mit dem Leser reden möchte.

Most Americans wouldn´t understand why two well-dressed men would have to explain why they were standing on a public street. But most Americans cannot comprehend the scrutiny that black people have been under since the days we were dragged here in bondage.

Walter Mosley: Cinnamon Kiss. 
Warner Books 2006, 336 Seiten. 6,26 €
(noch keine deutsche Übersetzung)

Zugespitzt und abgestumpft

Den Einbruch der Wirklichkeit in den Kriminalroman nahmen wir wohlwollend und erleichtert zur Kenntnis. Allwissende Ermittler in einem gesellschaftlich aseptischen Umfeld, die Polizei mal unfähig mal treudoof, meistens beides, die Welt ein leicht oder schwer in Unordnung geratenes Rätselpflaster, das man mit dem Besen des Rechts sauberfegte Der Realiendreck untern Krimiteppich gekehrt. So ist’s halt nicht; und selbst die überzeugtesten Eskapisten hatten es irgendwann einmal satt, angenehm durchs abgebrannte Maikäferland kutschiert zu werden. Aber: Inzwischen nervt sie nur noch, die angebliche Wirklichkeit.

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Nur Spaß, gelt?

Gerade habe ich den Eintrag für morgen geschrieben, u.a. über „…ein Armutszeugnis, das vor allem diejenigen sich selber ausstellen sollten, die schon in der Vergangenheit eine Menge dummes Zeug zu alten Krimis herausschwafelten und es wohl auch in Zukunft tun werden“, da les ich (welcher Teufel ritt mich nur) →das da und glaub es nicht:

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Glauser 2007

Wie ich soeben dem „Liechtensteiner Vaterland – meistgelesene Tageszeitung in Liechtenstein“ entnehme, ist der Schweizer Autor Martin Suter für seinen Roman „Der Teufel von Mailand“ mit dem Friedrich Glauser – Preis 2007 ausgezeichnet worden. Den Debütpreis gewann Andrea Maria Schenkel, den Kurzgeschichtenglauser Sabina Naber, der Hansjörg-Martin-Preis für Kinder- und Jugendliteratur ging an Christoph Wortberg. Die Abteilung „Preise im Krimisegment“ der Hinternet-Redaktion gratuliert recht herzlich!

Schleimiges Grinsen

Nein, da muss er schon selber durch, der liebe Ludger. Nur ganz kurz: In einem inzwischen wegen der Androhung rechtlicher Schritte →entbloggten Beitrag hatte Kollege Menke aus einer Rundmail der Autorenvereinigung Syndikat zitiert, die nicht gerade schmeichelhaften Äußerungen Anne Chaplets zu seiner, Ludgers Person betreffend. Ob es sich hierbei um eine „öffentliche Aussage“ Frau Chaplets handelte oder nicht – das mag ich nicht entscheiden, darum soll es nicht gehen. Dass ich persönlich die Mail nicht veröffentlicht hätte, sei hier nur der Vollständigkeit halber angemerkt. Dass sich einige AutorInnen flugs zu Menkes Verhalten äußerten, wäre auch nicht weiter bemerkenswert, ist ihr gutes Recht. Aber dann ist mir was eingefallen…

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Stieg Larsson: Verdammnis

Willkommen im Zoo der nicht artgerecht gehaltenen Krimikonsumenten. Enge Käfige mit rostigen Gitterstäben, ein Schild „Vorsicht Hochspannung!“ drangeschraubt. Fütterung. Uniform gekleidete KrimiAutorinnen zwängen die Brocken durch die Gitterengen. Portionsgerecht zerteilt, vorgekaut, ja, sogar vorverdaut. Gammelkrimis, zur Düpierung der Geschmacksnerven in einer Tunke aus „Gesellschaftskritik“ mariniert. Nein, nicht artgerecht: keine freie Wildbahn, kein Belauern der Beute, kein Triumph bei Jagderfolg. Nichts als fressen, nichts als rumtigern, kuschelige Objekte mit verfilztem Fell.

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