Lost Dogs: Real Men Cry

Nach dem Tod von Gene Eugene haben sich die verbliebenen drei Lost Dogs wieder für ein Album zusammengetan und klingen erwartungsgemäß melancholisch. Wohl überlegter, leicht skurriler Country-Folk mit genialen Harmonien und schönen Vocal-Arrangements. Die stilistische Bandbreite ist diesmal zwar etwas enger gesteckt, tut aber der Qualität keine Abbruch.

(7 Fritten)

Lost Dogs: Real Men Cry
BEC Recordings/BV-Music

Gordon Gano: Hitting The Ground

„Hitting The Ground“ ist ein musikalisches Überraschungsei. Drei Alben in einem: Soundtrack für einen Film, der nie einen Vertrieb gefunden hat, Indie-Sampler und ein Soloalbum von Violent Femmes Frontman Gordon Gano. Dieser hat verschiedene Alternative Haudegen dazu vergattert, seine Songs zu interpretieren und allein die Namen lassen das Schmalz in den Ohren zusammenfließen: PJ Harvey rotzt den Titelsong mit debilem Wahnsinn in die Menge, während John Cale in gewohnter Brummigkeit brilliert („Don’t Pretend“).

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The Inchtabokatables: Ultimate Live

Übertreibe ich, wenn ich bei The Inchtabokatables von einer deutschen Independent-Institution spreche? Ich glaube nicht. In den vergangenen elf Jahren hat sich das Quintett mit seinen Streichinstrumenten den Arsch abgespielt und wahrscheinlich in jedem Ort der Nation die Geigen ausgepackt. Als es das Genre Mittelalterrock noch gar nicht gab, sind The Inchtabokatables wie die Derwische über die Bühne gefegt und haben dieses zu enge Korsett hinter sich gelassen, als andere hinterhergehechelt kamen. Die experimentellen Noise-Ansätze auf den Alben „Quiet“ und „Too Loud“ haben sicherlich den ein oder anderen alten Fan vergrault, der dann wahrscheinlich das gelungene Abschlussalbum „Mitten im Krieg“ nicht mehr mitbekommen hat.

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Threshold: Critical Mass

Threshold dürfen das. Dass sie sich jeder musikalischen Schublade entziehen, erwartet man inzwischen fast von ihnen, aber es klingt immer noch ungewohnt, dass eine epische Progressive-Band mit solch hymnischen Refrains aufwartet. Aber nicht dass mir jetzt einer an die italienische Drachentöter-Liga und ihre simplen Melodien denkt. Obwohl Threshold auf Hymnus setzen, sind sie erfrischend anders und verschmelzen wie kaum eine andere Combo Artrock, Progressive-Rock und Metal.

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Messiah’s Kiss: Prayer For The Dying

Metalheadz kann man ja die größte Freude machen, wenn die Sachen so richtig schön nach der guten, alten Zeit klingen. Jaja, Vorurteile, ich weiß. Aber gerade deswegen müssten Messiah’s Kiss ziemlich begeistern. Die vier Teutonen haben mit Mike Tirelli zum Glück einen Muttersprachler am Mikrofon, so dass die erste Peinlichkeit schon von allein ausgeschaltet ist.

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Chumbawamba: Readymades

Die von mit sehr geschätzte britische Band Latin Quarter sang 1988 „The chosen course was writing anthems for the people, but no-one whistled, no-one noticed, no-one asked!“ (aus „It Makes My Heart Stop Speaking“ von „Swimming Against The Stream“) und löste sich nach dem dazugehörigen Album erstmal auf. Eine ähnliche Müdigkeit muss ich jetzt Chumbawamba unterstellen, die zwar inhaltlich immer noch was zu sagen haben, aber den Biss vermissen lassen. Zudem hat sich das Musikerkollektiv auf „Readymades“ in sehr poppiges Gefilde begeben und scheint zu versuchen, die bissigen Texte mit einschmeichelnden Pop-Hymnen zu tarnen.

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Elizabeth George: Vergiss nie, dass ich dich liebe

Elizabeth George, die Meisterin des groß angelegten Krimiromans, ist jetzt auf dem Spielfeld der Kurzgeschichten angelangt. Beherrscht sie in den bisher erschienenen elf Romanen um das Ermittlerduo Lynley/Havers das Spiel der langen Pässe, ist das kleine Feld nicht so sehr ihr Terrain. Zu oft verdribbelt sie sich und scheitert an dem fehlenden Raum, den sie gebraucht hätte, um ihr literarisches Spiel zum Laufen zu bringen.

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Doro: Fight

Ach Mensch, ich nehm‘ mir jedes Mal vor, die nächste Doro richtig scheiße zu finden und es gelingt mir nie so wirklich. Es ist aber auch zu gemein; während Manowar hören sich zum Kult entwickelt hat, ist es immer noch höchst peinlich Doro-CDs zu besitzen. Obwohl ich eine optische Begeisterung entschieden von mir weise, gebe ich aber offen zu, dass mir einige der CDs richtig gut gefallen haben. In der Pubertät von den Warlock Sachen versaut, habe ich zumindest jedes Mal die Ohren gespitzt, wenn Frau Pesch ein neues Langeisen unters Volk geschleudert hat.

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Enchant: Blink Of An Eye

Während ein Teil des Prog-Genres im selbst geschnürten Korsett erstarrt, winden sich Enchant von Album zu Album mehr, um diese Umklammerung zu lockern. Die Entwicklung von „Juggling 9 Or Dropping 10“ setzt sich hier weiter fort; der Sound ist deutlich entschlackt und an vielen Stellen um einiges härter als in der Vergangenheit. Auch wenn das neue Material mehr in Richtung klassische Rockband tendiert, reihen Enchant die Songperlen auf wie an einer Schnur. „Blink Of An Eye“ verändert sich wirklich mit jedem Li(e)dschlag -sanft dahingleitende Melodien und vertrackte Rhythmen folgen den verschlungenen Wegen der Arrangements.

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Munitionsvernichtungsschießen

Verschiedenen Schulwechseln sei Dank, werde ich jetzt alle Nase lang zu diversen Klassentreffen gebeten. Und da erfuhr ich von einem ehemaligen Schulkameraden (sehr deutsches Wort), dass es bei der Bundeswehr Munitionsvernichtungsschießen gibt. Ich war auf Anhieb begeistert! Während ich als Zivi Amputationsstümpfe mit Melkfett eingerieben habe oder mir -in den Backen gesammelte- Leberwurstbrote ins Gesicht genießt wurden, hatten die Y-Jungs die ehrenvolle Aufgabe Munition in die Luft zu ballern. Könnt‘ ja schlecht werden, war ja auch erst kurz nach dem Kalten Krieg. Was wäre denn gewesen, wenn der Iwan das mit Glasnost doch nicht so ernst gemeint hätte?! Oder hatte hier nur jemand keine Lust auf Inventur? Eines weiß ich jetzt sicher: Ich hätte all die alten Männer nicht wegen ihrer ausgeprägten Verdauung bedauern müssen. Das war Taktik – Windelvernichtungssch….

Cracker: Hello, Cleveland! Live From The Metro

Irgendwie haben Cracker fast schon was Altmodisches – die Songs sind traditionell und melodiebetont, aber verschroben und vielseitig genug, um von jeher als „Indie“ durchzugehen. Nach dem formidablen diesjährigen Studioalbum „Forever“ legen Label und Band jetzt einen Live-Mitschnitt von 1999 vor, der sowohl in Sachen Klang als auch Songauswahl keine Wünsche offen lässt.

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Gallop: How Much Is The World?

Martin Gallop ist Kanadier, lebt in Oldenburg und hat mit „How Much Is The World?“ schon zu Beginn des Jahres sein Debüt auf den Markt geschmissen. Stimmlich zwischen dem Knödel-Timbre Dave Matthews‘ und der belegten Stimme von Peter Gabriel ist Martin Gallop nicht nur ein ausdrucksstarker Sänger, sondern in erster Linie ein famoser Songwriter. Alle zehn Songs sind in diversen Studios und Küchen aufgenommen und den wenigsten liegt ein Bandgefüge zugrunde.

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