Das Debütalbum von Planet X hat mich seinerzeit mächtig gegruselt. Das Gehexe der drei Großmeister hat manchmal fast selbstbefriedigende Züge. Auf dem zweiten Album wird zwar auch wieder heftig geschwurbelt, aber obwohl die Band stärker improvisiert, wirken die meisten der zehn Songs strukturierter und durchdachter als beim Debüt.
WeiterlesenAutor: Dirk-Michael Mitter
Munitionsvernichtungsschießen
Verschiedenen Schulwechseln sei Dank, werde ich jetzt alle Nase lang zu diversen Klassentreffen gebeten. Und da erfuhr ich von einem ehemaligen Schulkameraden (sehr deutsches Wort), dass es bei der Bundeswehr Munitionsvernichtungsschießen gibt. Ich war auf Anhieb begeistert! Während ich als Zivi Amputationsstümpfe mit Melkfett eingerieben habe oder mir -in den Backen gesammelte- Leberwurstbrote ins Gesicht genießt wurden, hatten die Y-Jungs die ehrenvolle Aufgabe Munition in die Luft zu ballern. Könnt‘ ja schlecht werden, war ja auch erst kurz nach dem Kalten Krieg. Was wäre denn gewesen, wenn der Iwan das mit Glasnost doch nicht so ernst gemeint hätte?! Oder hatte hier nur jemand keine Lust auf Inventur? Eines weiß ich jetzt sicher: Ich hätte all die alten Männer nicht wegen ihrer ausgeprägten Verdauung bedauern müssen. Das war Taktik – Windelvernichtungssch….
Van Morrison: Down The Road
Das Album-Cover von „Down The Road“ ist zwar sowas von plakativ, führt den Hörer aber gleich auf die richtige Spur. Vom ersten bis zum letzten Ton klingt das neue Album von Van Morrison, als hätte er sich durch alle alten Platten eines Second Hand Ladens gewühlt, um wieder einmal mit einer expliziten Mischung aus Celtic, Soul, Jazz und Rythm’N’Blues aufzukreuzen.
Alejandro Escovedo: By The Hand Of The Father
„By The Hand Of The Father“ ist nicht wirklich ein neues Album von Alejandro Escovedo. Die 15 Songs sind der Soundtrack des gleichnamigen Theaterstücks und setzen musikalisch die Geschichte der mexikanischen US-Einwanderer um. Nur rund die Hälfte der Titel sind Songs im klassischen Sinne, die anderen musikalische Überleitungen und/oder Spoken Word Passagen. Zwei der Songs („Wave“ und „Rosalie“) waren auch schon auf dem Vorgänger vertreten. „By The Hand Of The Father“ ist zweifelsohne ein interessantes Album, man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass es „by the way“ nicht funktioniert.
WeiterlesenSongs In The Key Of Cooking Vinyl
Wenn die Großindustrie einen Sampler herausbringt, auf dem Singer und Songwriter versammelt sind, darf da jeder drauf, der schonmal sehnsüchtig blickend mit der Gitarre in der Hand in der Wüste stand. Wer’s ein bisschen differenzierter mag und sich auch nicht abschrecken lässt, wenn die Melodie nicht beim ersten Mal ins Ohr geht, sollte sich „Songs In The Key Of Cooking Vinyl“ antun.
WeiterlesenThe Fullbliss: This Temple Is Haunted
Wie sehr kann man eine Gitarre verzerren, ohne ihr die Melodiosität zu nehmen? David Judson Clemmons, sonst Kopf von Jud kommt mit seiner neuen Band The Fullbliss der Grenze dieser Frage im Titelsong sehr nahe. Fast zwei Minuten nehmen die melodisch verstörenden Klänge den Zuhörer wie in einem Schraubstock gefangen und ziehen ihn tief hinein in pures Leid. Nachdem der Gesang von Clemmons einsetzt, wartet man auf die erlösende Bridge oder wenigstens auf einen kakophonischen Ausbruch – beides bleibt dem Hörer verwehrt und lässt ihn mit diesem fragenden, klagenden Song allein. Erst das direkt im Anschluss rockende „I See The End“ lockert die Schwere etwas auf.
WeiterlesenFozzy: Happenstance

Manchmal überrasche ich mich selbst. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass ich mal in einer Kritik die Scorpions loben würde. Ferner hätte ich auch nicht gedacht, dass mir ein Band, die Fozzy heißt und deren Mitglieder saublöde Synonyme haben doch irgendwie gefallen würde. Auf der einen Seite ist es fast schon enttäuschend, dass die sechs Chaoten ganz klassischen Hardrock spielen, auf der anderen Seite liegt genau hier die Überraschung.
WeiterlesenOrplid: Nächtliche Jünger
Ehemalige Chorknaben treffen Deine Lakaien – das ostdeutsche Duo Orplid verwirrt seine Hörer mit einer Mischung aus Choralgesängen und fein ausgearbeiteter Mittelaltermusik. Schade nur, dass der Gesang permanent zwischen Krypta und Chor hin und her pendelt und so in erster Linie nur anstrengend ist, sich aber nicht wirklich erschließt.
WeiterlesenStonesour: Stonesour
Oh, wie hab‘ ich sie alle satt, die Bands mit weggedrehten Augen und wirren Haaren. Jetzt beglücken uns zwei unmaskierte Iowaner mit ihren Sideprojects. Joey Jordison, der Schlagzeuger von Slipknot, hat zwar die Maske abgezogen, kann aber mit seiner Combo Murderdolls trotzdem nicht am Innovationswettbewerb teilnehmen. Im Vorfeld disqualifiziert wegen stumpfsinnigen Bedienens einer Erwartungshaltung. Ähnlich tumbes habe ich von Slipknot-Chef-Schreihals Corey Taylor erwartet. Fast zeitgleich bringt er sein Nebenprojekt Stonesour an den Tag und gönnt dem Zuhörer deutlich mehr Abwechslung zum Bandimage.
WeiterlesenGeoff Tate: Geoff Tate
Vor ein paar Jahren haben sich alle Hardrocker die Haare abgeschnitten und gleichzeitig ihren Stil geändert. Umgekehrt funktioniert diese Gleichung nicht mehr – wenn die Haare jetzt wieder lang sind, heißt das noch lang nicht, dass die Jungs wieder zur alten Klasse zurückfinden. Geoff Tate, seines Zeichens Frontröhre der Ausnahme-Rocker Queensrÿche, legt sein erstes Soloalbum vor und knüpft (leider) an die vergangenen Studioalben seiner Stammband an.
WeiterlesenPeter Green Splinter Group: The Best Of
Peter Green, der Mann mit der Neigung zu lustigen Kopfbedeckungen und ehemaliger Gitarrist von Fleedwood Mac, hat jetzt auf einem Doppelalbum seine größten Hits versammelt und verdient, dass man ihm ein Ohr schenkt. Sein respektables Schaffen ist an der großen Masse leider immer vorbeigegangen, aber wer sich Songs im Stil eines ungeschliffenen Eric Clapton vorstellen kann, der sollte hier zulangen.
(7 Fritten)
Peter Green Splinter Group: The Best Of
Snapper/SPV
Mitchel Forman Quintet: Mr. Clean
Auch wenn der Live-Mitschnitt nach dem formidablen Studiowerk „Patience“ erscheint, war das Baked-Potato-Konzert schon im November 1998. Trotzdem sind zwei der Titel auch auf „Patience“ vertreten. In rund einer Stunde zelebrieren Mitchel Forman und seine Band feinste, tight gespielte Jazzkunst. Nur schade, dass von der Live-Atmosphäre nicht mehr zu spüren ist.
(7 Fritten)
Mitchel Forman Quintet: Mr. Clean (Live At The Baked Potato) Skip/Edel Contraire
Sonata Arctica: Songs Of Silence
„Es hat scho e Gschmäckle“ – würde der Schwabe sagen, wenn Bands, die erst zwei Studioalben am Start haben, direkt mit einer Live-Platte aufwarten. Die fünf Finnen sind zwar in Sachen Melodic-Metal die absoluten Überflieger, aber vielleicht wäre es auch ganz vernünftig, nicht sofort das ganze Pulver zu verschießen. Nichtsdestotrotz ist „Songs Of Silence“ ein gelungenes Dokument einer Band, die sich rasant entwickelt hat.
WeiterlesenCrown Of Thorns: Karma
Nachdem das vergangene Studioalbum von Jean Beauvoir eine ganz müde Nummer war, müsste das neue Crown Of Thorns Werk wenigstens die alten Fans von Voodoo X beeindrucken. Ich frage mich nur ernsthaft, wer sowas heute noch braucht – viel Fett, wenig Pommes. Nicht wirklich schlecht, aber halt nur Metal-Pop.
(5 Tütchen Majo, 3 Fritten)
Crown Of Thorns: Karma
Voodoo Island/Point Music
Shana Morrison: 7 Wishes
Nee, die Bürde von Shana Morrison würde ich nicht tragen wollen! Wenn der Vater einer der angesehensten Songwriter der Welt ist, ist die Wahrscheinlichkeit, permanent mit dem alten Herrn verglichen zu werden, doch ein bisschen hoch. Vielleicht ist das der Grund, warum sie ihr Album mit leicht verdaulichem Radio-Pop eröffnet. So weit so belanglos.
WeiterlesenCha Cha Guerillas: 7 Traditionals for Guitar, Organ and Drums
Die Small Faces („Happy boys happy“) als trägen Schieber mit Hammondorgel interpretiert – darauf muss man erstmal kommen. Überhaupt ist der Sound das große Plus der Cha Cha Guerillas aus Reutlingen: saftige Gitarren, die unwiderstehliche Orgel im Hintergrund und (dann doch) treibende, kontrastreiche Rhythmik.
WeiterlesenBryan Adams: Spirit O.S.T.
Ich bin aber auch zu blöd! Aus pubertärer Verbundenheit denke ich bis heute, dass Bryan Adams nochmal ein richtig gutes Rockalbum machen könnte. Von mir aus auch Stadionrock, so wie in jüngster Live-Vergangenheit zielsicher in Trio-Besetzung gezeigt. Aber der Kanadier ist statt dessen Hotel-Lobby-Rocker, Fahrstuhl-Rocker oder auch Kaufhaus-Rocker.
WeiterlesenSuidakra: Emprise To Avalon
Ohne Gnade wird man von dem deutschen Trio in eine heftige Black- und Death-Metal-Schlacht geworfen, in der es nur ein Ziel gibt: überleben. Wer die harten Knüppelattacken übersteht, wird belohnt mit hymnischen Melodien, die kurze Siegeshoffnung verbreiten, um dann wieder ins dickste Getümmel zu geraten. Was hier so martialisch klingt, ist auf CD gebannt ein ziemlich cleveres Stück Musik.
WeiterlesenRollins Band: The Only Way To Know For Sure
„Es gibt nur ein‘ Henry Rollins…..“ – ohne jetzt in Schlachtengesänge zu versinken, aber es ist gut, dass es Henry Rollins gibt. Seit zwei Alben hat er den Rock’n’Roll für sich entdeckt und manifestiert seine neue Liebe mit einem Live-Album, das die Bezeichnung „lebendig“ wirklich verdient.
WeiterlesenMedication: Prince Valium
Zugegeben, aufgrund der Vorboten-EP hätte ich ein noch etwas stärkeres Album erwartet, aber „Prince Valium“ kann sich sehen lassen. Die Pillen, die hier angeboten werden, sind eindeutig Generika. Die Entwicklungsarbeit haben andere geleistet, es war alles schon mal da, aber helfen tut’s trotzdem.
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