Millencolin: Home From Home

Millencolin ist eine der Bands, bei denen Schreiberlinge immer erst die Vergangenheit abhandeln, dann auf die veränderte Geschwindigkeit hinweisen, um abschließend festzustellen, dass die Jungs immer erwachsener werden. Damit sollte nach „Home From Home“ endlich Schluss sein – deswegen letztmalig: kein Ska mehr, weniger Gas, aber immer noch genug Dynamik und Frische, um ordentlich in den Pudding zu hauen.

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Untitled

Wie sang Bruce Cockburn vor rund 25 Jahren in „Laughter“:

„Let’s hear a laugh for the man of the world
who thinks he can make things work
tried to build the New Jerusalem
and ended up with New York.“

Alles falsch – das neue Jerusalem ist Mannheim.

Xavier Naidoo hat in Offenbarung 21,16 den passenden Vers dazu entdeckt und verkündet in „Sie ist im Viereck angelegt“ seine Erkenntnis: Aha, Mannheim ist also Zion.

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Medication: Medication

Große Namen werfen ihre Schatten voraus. Das Quintett Medication präsentiert sich zusammengewürfelt aus ziemlich bekannten bis mehr oder weniger bekannten Bands. Allen voran Whitfield Crane (ex Ugly Kid Joe) am Mikro und Logan Mader (ex Machine Head) an der Gitarre. Bevor Medication mit dem Debütalbum im Sommer zum ganz großen Schlag ausholen, gibt’s jetzt eine gleichnamige 5-Track-EP als Appetizer.

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Lambchop – Is a Woman

Das sechste Album von Lambchop wirft bei Schreiberlingen die Manierismus-Maschine an. Ungläubig sitzt man vor diesem Werk, und versucht krampfhaft, Eingebungen wie: „unterkühlte Jazzatmosphäre“, „blaue Nacht“, „gepflegte Arrangements“ zu verwerfen. Ich versuch’s ohne: Kurt Wagner und seine Mannen haben sich auf dem neuen Werk selbst übertroffen.

Der Opener „The Daily Growl“ beginnt mit einem präsenten Piano, wird von einer noch präsenteren Gitarre gekrönt, um den Weg freizumachen für Kurt Wagner. Mit seiner sonoren, ruhigen Stimme füllt er jede Lücke aus und ist klanglich noch viel weiter vorne als alle Instrumente. „Is A Woman“ lebt von einer fast physischen Präsenz, von einem Ausfüllen der Zwischenräume und klingt trotz aller Behutsamkeit so dicht, dass man meint die Nähe der Musiker zu spüren.

Die drei verschiedenen Drummer/Percussionisten streicheln so behutsam die Felle, dass „Schlagzeuger“ schon fast eine Beleidigung ist, während Pianist Tony Crow mehr als einmal an das Cave’sche Intensitätslevel heranreicht. Feinster Singer/Songwriter Stuff mit jazzigem Feeling und einer seelenvollen Stimme – ich krieg den Lämmerwahnsinn.

Lambchop
Is A Woman
City Slang/Labels/Virgin

Kev Russell’s Junkers – Buttermilk & Rifles

Wenige kennen ihn, den kleinen Bruder von Lucky Luke. Mit seinem Pferd Sad Hobbler reitet er im Schatten seines großen Bruders durch die Welt. Apropos Schatten – dieser Mann zieht definitiv nicht schneller als derselbe, weil er so unscheinbar ist, dass er gar keinen hat. „Buttermilk & Rifles“ ist randvoll gestopft mit kleinen, sympathischen Looser-Balladen, die mit ihrem hintergründigen Humor erst beim zweiten oder dritten Mal zünden. Kev Russell war früher bei The Gourdes und hat jetzt mit einer Armada von Gastmusikern ein Album aufgenommen, das all denen gefallen müsste, die auch nicht schneller ziehen als ihr Schatten und dabei Mark Olson oder Mary Gauthier hören.

Kev Russell's Junkers
Buttermilk & Rifles
(Munich Records/Indigo)

All Star United: Revolution

Mastermind Ian Eskelin ist einfach ein verrückter Hund. Er mischt alle Einflüsse zwischen Brit-Pop und Rock zusammen, haut ’ne Portion gute Laune drauf und schafft es trotzdem, nicht lächerlich zu wirken. Auf dem dritten Album von All Star United ist zwar eine gewisse Melodie-Repetierung zu den beiden vorangegangenen Werken festzustellen, was aber dem Spaß keinen Abbruch tut. Oder, um eine alte Weisheit zu zitieren: In einem guten Rocksong ist in rund drei Minuten alles gesagt.

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Brendan Benson: Lapalco

Würde die Vokabel „schön“ das Album nicht so unzureichend beschreiben , wäre die Kritik an dieser Stelle zu Ende. Was soll man sich auch immer zu Superlativen hinreißen lassen – „Lapalco“ berührt mehr als nur die Ohren, auch wenn das Album recht unspektakulär durch die Tür kommt. Eigentlich erst nach drei bis vier Durchläufen wird klar, was hier für ein Kleinod im Player liegt.

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Elliott Murphy: Soul Surfing

Ups, beim Seelensurfen wurde Elliott Murphy anscheinend vom Schunkelheinz heimgesucht. Speziell die ersten drei Songs zeichnen sich durch 1A Schunkelrhythmus aus und haben mich eingangs doch ziemlich überrascht. Im weiteren Verlauf öffnet Mr. Murphy zwar das ein ums andere Mal den Beutel der feinen Weisen, aber „Soul Surfing“ erreicht nicht die hypnotische Geschlossenheit von „Rainy Seasons“ oder dem famosen „La Terre Commune“ mit Iain Matthews.

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