Hört man Lucinda Williams‘ Alben nur oberflächlich, könnte man ihre Songs als unspektakulär abtun. Wenn sie singt, hat es etwas von einer angezogenen Handbremse, die Songstrukturen wirken gleichförmig.
WeiterlesenAutor: Dirk-Michael Mitter
Lizard: Southern Steel
An manchen Tagen durchzucken mich böse Gedanken, bevor ich eine CD überhaupt gehört habe. So in der Art von „zum Abschuss freigegeben“. Lizard bringen aber auch wirklich alle Voraussetzungen mit: Eine deutsche Band spielt Southern Rock. Da denk‘ ich gleich an Schnauzbärte, Vokuhilas und total tolles Western-Equipment vom Versandhandel. Stilecht präsentiert beim Country-Club Maintal-Dörnigheim oder Lüdenscheid. Alles so authentisch wie Rothäute in John Wayne Filmen.
WeiterlesenSeventh Key: Seventh Key
Hinter dem Bandnamen verbirgt sich Billy Greer, sonst in Lohn und Brot bei den Rock-Dinos Kansas. Wer jetzt ähnliche Klänge erwartet, kann gleich wieder weghören. Während Kansas im vergangenen Jahr mit „Somewhere To Elsewhere“ eine appetitliche Scheiblette kredenzt haben, setzt ihr Bassist auf melodischen Hardrock.
WeiterlesenShadow Gallery: Legacy
Obwohl ich einen ausgeprägten Hang zu Prog-Rock/Metal habe, sind Shadow Gallery bisher komplett an mir vorbeigerauscht. Dabei ist „Legacy“ schon ihr viertes Album. Schande über mich – Ruhm und Ehre über die Band. Auffallend ist, wie melodisch und strukturiert die sechs Mannen aus Pennsylvania an ihre mörderlangen Epen herangehen.
WeiterlesenIan McNabb: Ian McNabb
Ian McNabb war früher bei Icicle Works und ich hab‘ das erste Mal von ihm Notiz genommen, als er 1993 im Vorprogramm von Big Country spielte. Das Debüt „Truth And Beauty“ konnte die Live-Vorschusslorbeeren zwar nicht ernten, aber die beiden nachfolgenden Alben waren trotz gewisser Längen OK. Nach sehr amerikanischen Klängen (auf „Head Like A Rock“) wendet er sich auf seinem selbstbetitelten Werk wieder melodischem Pop mit unüberhörbar britischer Prägung zu.
WeiterlesenLucyfire: This Dollar Saved My Life At Whitehorse
Schaltet das Gehirn aus und aktiviert das SD+R-Zentrum. Gruftkopf Johann Edlund -sonst Vorsteher der Düsterband Tiamat- hat mit Lucyfire ein zweites Projekt am Start und hier lautet die Devise „Spaß“. Breit grinsend schwingt er die Klischeekeule und covert ZZ Top („Sharp Dressed Man“), reimt lustige Verse („I want Sex, Drugs & Rock’n’Roll – give it to me baby ‚til I loose control“) und freut sich diebisch, dass er im Opener die Zeile „Baby, come on“ singt.
John Phillips: Pay, Pack & Follow
John Phillips war der Kopf der Mamas & Papas und ist Anfang diesen Jahres an Herzversagen gestorben. Das vorliegende Album ist 1977 bei einer Session mit Mick Jagger und Keith Richards entstanden und war mehr als zwei Jahrzehnte verschollen.
WeiterlesenThe Inchtabokatables: Mitten im Krieg
1992, als die meisten Menschen „Mittelalterrock“ noch für ein antikes Kleidungsstück hielten, fiel eine junge Band mit unaussprechlichem Namen ins Rampenlicht. The Inchtabokatables spielten Rock ohne Gitarren, getrieben von einem Cello und zwei Violinen. Als mittelalterliche Klänge dann in Mode kamen, hatten sich die Berliner schon experimentellen Industrialklängen zugewandt. Die Alben „Too Loud“ und „Quiet“ waren dann auch wilde Grenzgänge, die dem Hörer eine Menge abfordern. Ihren Majordeal haben sie zwar verloren, ihre Kreativität und der Mut zum Risiko sind anscheinend zurückgekehrt. Die Ziellosigkeit des vergangenen zwei Alben ist verschwunden. „Mitten im Krieg“ ist wild und klingt unheimlich befreit.
WeiterlesenMXPX: The Renaissance EP
Langsam wird’s mir ein bisschen viel. MXPX sind zwar schon seit Jahren am Start, aber ein eigenes Profil haben sie für sich noch nicht erarbeitet. Melodic-Punk, wie ihn halt auch Green Day gemacht haben und Blink 182 machen. Wer’s mag, liegt mit der „Renaissance EP“ aber nicht falsch.
WeiterlesenDouble Trouble: Been A Long Time
Double Trouble – da müsste es eigentlich bei jedem Blues-Rock Fan klingeln. Genau, die Rhythmustruppe des 1990 verstorbenen Stevie Ray Vaughan. Zusammen mit einer wechselnden Allstar-Besetzung brennen Tommy Shannon (Bass) und Chris Layton (Drums) ein wahres Feuerwerk ab. Dr. John, Doyle Bramhall II, Jonny Lang, Kenny Wayne Shepherd, Charlie Sexton und Susan Tedeschi, um wirklich nur Einige zu nennen.
WeiterlesenHazeldine: Doubleback
Die Mädelsband (plus Drummer) ist inzwischen eine feste Institution in Sachen Americana geworden. Früher fand ich sie immer ein bisschen schlafmützig, aber die ersten vier Songs hauen mächtig in den Pudding.
Weiterlesen16 Horsepower: Hoarse

„…denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht.“
(Th 5,2)
Bis es soweit ist, martern uns 16 Horsepower mit düsteren Vorahnungen und apokalyptischen Szenarien. Das aktuelle Live-Album wurde schon 1998 mitgeschnitten und gab es schonmal im kleinen Rahmen als Mailorder-Only-CD, daher fehlen Songs von „Secret South“ komplett. Schade, ändert aber nichts an der wahnsinnigen Ausstrahlung der Band.
WeiterlesenAt Vance: Dragonchaser
In schöner Regelmäßigkeit hat die deutsche Formation At Vance in drei Jahren drei Alben veröffentlicht. Dass Mastermind und Gitarrist Olaf Lenk jedesmal ein Klassikstück über’s Griffbrett jagt, ist absolut OK, aber welche Hardrock-Combo kommt auf die Idee, pro Album ein ABBA-Stück zu covern? Normalerweise wird sowas mit Agnetas Soloalben nicht unter 48 Stunden bestraft.
WeiterlesenOf The Wand And The Moon: :Emptiness:Emptiness:Emptiness
Wie Honig auf warmem Toast breitet sich die Atmosphäre des Albums aus, Fast unmerklich, aber stetig stülpt sich die melodische Monotonie über den Hörer. Obwohl die einzelnen Instrumente auszumachen sind, besticht „:Emptiness:Emptiness:Emptiness“ durch klangliche Dichte. Die düstere Stimme von Kim Larsen tut ihr Übriges, dass man wohlig eingelullt wird.
Marillion: Anoraknophobia
Marillion: Anoraknophobia
(Marillion / EMI)
Es gab vor Jahren eine Single von Gerd Knebel (damals Flatsch, heute Badesalz), die handelte auch von Anoraknophobia – da hieß es im Refrain: „Mama, ich bracúch‘ kein Anorak, ich will ’ne Bomberjack'“ (oder so ähnlich). Das aktuelle Album von Marillion mit dem bemerkenswerten Titel ist das 12. der Band und der „neue “ Sänger Steve Hogarth ist inzwischen auch schon 12 Jahre dabei. Ich selbst bin einer dieser Fish-Nachheuler, aber ganz nüchtern betrachtet kann Mr. Hogarth besser singen.
Amorphis: Am Universum
Immer wieder entfernen sich Bands von ihren Wurzeln und brechen zu Ufern auf, die man ein paar Alben vorher noch gar nicht erahnen konnte. Speziell aus dem engen Death-Metal-Korsett haben sich einige atmosphärische Highlights herausgeschält. Paradise Lost mögen Geschmackssache sein, aber Bands wie Katatonia oder Amorphis waren nie besser.
WeiterlesenFeeder: Echo Park
„Echo Park“ sollte man nur hören, wenn man nichts gegen Endorphine hat. Das schon heftig im TV rotierte „Seven Days In The Sun“ gibt die Marschrichtung vor: Feeder sind eine Happy-Band und Nichts für das Ehepaar Griesgram aus der Sesamstraße. Während sich bei den meisten ach so „witzischen“ Bands musikalisches Niveau und Humor die Waage halten, haben Feeder genug Ideen, um nicht nach der ersten Party im CD-Regal zu verstauben.
WeiterlesenSautiva: Sautiva
Italienische Rockmusik? Da fällt mir auf Anhieb nicht viel ein. Chansoneske Nuschelprinzen, Pop-Langweiler oder eine ganze Liga Haarspray-Rocker, die tönen, als hätten sie schonmal einen Lindwurm mit der Hand gefangen.
WeiterlesenEntwine: Gone
Ganz schlimm – schon wieder eine düstere Metal-Band aus Finnland, und schon wieder eine, die voll aufräumt. Entwine ist zwar die X-te Band, die klingt wie Sentenced, 69 Eyes oder (unvermeidlich) HIM. Dabei sind sie nicht so poppig wie Ville Valos Mannen oder so hart wie die Erstgenannten. Hinzu kommt, dass Mika Taurainen weder eine typische Gothic- noch eine Metalstimme hat.
WeiterlesenAntichrisis: Perfume
Allein aufgrund des Namens hätte ich eine finstere Death-Metal-Combo erwartet und war ziemlich überrascht, als mir keltisch geprägte Klänge entgegen schlugen. Antichrisis haben zwar unüberhörbar auch Freude an härteren Klängen, aber eine exakte Stilschublade zu finden, ist gar nicht so leicht. Die sechs Musiker experimentieren mit Loops, Tribal-Voices, Whistles, Uillean Pipes und atmosphärischen Keyboard-Flächen. Obwohl die Beats fast schon Ambient-Charakter haben, bleibt der Gesamteindruck sehr akustisch, irgendwo in dem breiten Feld zwischen Celtus und M. Walking On The Water.
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