Lizard: Southern Steel

An manchen Tagen durchzucken mich böse Gedanken, bevor ich eine CD überhaupt gehört habe. So in der Art von „zum Abschuss freigegeben“. Lizard bringen aber auch wirklich alle Voraussetzungen mit: Eine deutsche Band spielt Southern Rock. Da denk‘ ich gleich an Schnauzbärte, Vokuhilas und total tolles Western-Equipment vom Versandhandel. Stilecht präsentiert beim Country-Club Maintal-Dörnigheim oder Lüdenscheid. Alles so authentisch wie Rothäute in John Wayne Filmen.

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Ian McNabb: Ian McNabb

Ian McNabb war früher bei Icicle Works und ich hab‘ das erste Mal von ihm Notiz genommen, als er 1993 im Vorprogramm von Big Country spielte. Das Debüt „Truth And Beauty“ konnte die Live-Vorschusslorbeeren zwar nicht ernten, aber die beiden nachfolgenden Alben waren trotz gewisser Längen OK. Nach sehr amerikanischen Klängen (auf „Head Like A Rock“) wendet er sich auf seinem selbstbetitelten Werk wieder melodischem Pop mit unüberhörbar britischer Prägung zu.

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Lucyfire: This Dollar Saved My Life At Whitehorse


Schaltet das Gehirn aus und aktiviert das SD+R-Zentrum. Gruftkopf Johann Edlund -sonst Vorsteher der Düsterband Tiamat- hat mit Lucyfire ein zweites Projekt am Start und hier lautet die Devise „Spaß“. Breit grinsend schwingt er die Klischeekeule und covert ZZ Top („Sharp Dressed Man“), reimt lustige Verse („I want Sex, Drugs & Rock’n’Roll – give it to me baby ‚til I loose control“) und freut sich diebisch, dass er im Opener die Zeile „Baby, come on“ singt.

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The Inchtabokatables: Mitten im Krieg

1992, als die meisten Menschen „Mittelalterrock“ noch für ein antikes Kleidungsstück hielten, fiel eine junge Band mit unaussprechlichem Namen ins Rampenlicht. The Inchtabokatables spielten Rock ohne Gitarren, getrieben von einem Cello und zwei Violinen. Als mittelalterliche Klänge dann in Mode kamen, hatten sich die Berliner schon experimentellen Industrialklängen zugewandt. Die Alben „Too Loud“ und „Quiet“ waren dann auch wilde Grenzgänge, die dem Hörer eine Menge abfordern. Ihren Majordeal haben sie zwar verloren, ihre Kreativität und der Mut zum Risiko sind anscheinend zurückgekehrt. Die Ziellosigkeit des vergangenen zwei Alben ist verschwunden. „Mitten im Krieg“ ist wild und klingt unheimlich befreit.

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Double Trouble: Been A Long Time

Double Trouble – da müsste es eigentlich bei jedem Blues-Rock Fan klingeln. Genau, die Rhythmustruppe des 1990 verstorbenen Stevie Ray Vaughan. Zusammen mit einer wechselnden Allstar-Besetzung brennen Tommy Shannon (Bass) und Chris Layton (Drums) ein wahres Feuerwerk ab. Dr. John, Doyle Bramhall II, Jonny Lang, Kenny Wayne Shepherd, Charlie Sexton und Susan Tedeschi, um wirklich nur Einige zu nennen.

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16 Horsepower: Hoarse

„…denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht.“
(Th 5,2)

Bis es soweit ist, martern uns 16 Horsepower mit düsteren Vorahnungen und apokalyptischen Szenarien. Das aktuelle Live-Album wurde schon 1998 mitgeschnitten und gab es schonmal im kleinen Rahmen als Mailorder-Only-CD, daher fehlen Songs von „Secret South“ komplett. Schade, ändert aber nichts an der wahnsinnigen Ausstrahlung der Band.

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Of The Wand And The Moon: :Emptiness:Emptiness:Emptiness


Wie Honig auf warmem Toast breitet sich die Atmosphäre des Albums aus, Fast unmerklich, aber stetig stülpt sich die melodische Monotonie über den Hörer. Obwohl die einzelnen Instrumente auszumachen sind, besticht „:Emptiness:Emptiness:Emptiness“ durch klangliche Dichte. Die düstere Stimme von Kim Larsen tut ihr Übriges, dass man wohlig eingelullt wird.

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Marillion: Anoraknophobia

Marillion: Anoraknophobia
(Marillion / EMI)
Es gab vor Jahren eine Single von Gerd Knebel (damals Flatsch, heute Badesalz), die handelte auch von Anoraknophobia – da hieß es im Refrain: „Mama, ich bracúch‘ kein Anorak, ich will ’ne Bomberjack'“ (oder so ähnlich). Das aktuelle Album von Marillion mit dem bemerkenswerten Titel ist das 12. der Band und der „neue “ Sänger Steve Hogarth ist inzwischen auch schon 12 Jahre dabei. Ich selbst bin einer dieser Fish-Nachheuler, aber ganz nüchtern betrachtet kann Mr. Hogarth besser singen.

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Feeder: Echo Park

„Echo Park“ sollte man nur hören, wenn man nichts gegen Endorphine hat. Das schon heftig im TV rotierte „Seven Days In The Sun“ gibt die Marschrichtung vor: Feeder sind eine Happy-Band und Nichts für das Ehepaar Griesgram aus der Sesamstraße. Während sich bei den meisten ach so „witzischen“ Bands musikalisches Niveau und Humor die Waage halten, haben Feeder genug Ideen, um nicht nach der ersten Party im CD-Regal zu verstauben.

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Entwine: Gone

Ganz schlimm – schon wieder eine düstere Metal-Band aus Finnland, und schon wieder eine, die voll aufräumt. Entwine ist zwar die X-te Band, die klingt wie Sentenced, 69 Eyes oder (unvermeidlich) HIM. Dabei sind sie nicht so poppig wie Ville Valos Mannen oder so hart wie die Erstgenannten. Hinzu kommt, dass Mika Taurainen weder eine typische Gothic- noch eine Metalstimme hat.

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Antichrisis: Perfume

Allein aufgrund des Namens hätte ich eine finstere Death-Metal-Combo erwartet und war ziemlich überrascht, als mir keltisch geprägte Klänge entgegen schlugen. Antichrisis haben zwar unüberhörbar auch Freude an härteren Klängen, aber eine exakte Stilschublade zu finden, ist gar nicht so leicht. Die sechs Musiker experimentieren mit Loops, Tribal-Voices, Whistles, Uillean Pipes und atmosphärischen Keyboard-Flächen. Obwohl die Beats fast schon Ambient-Charakter haben, bleibt der Gesamteindruck sehr akustisch, irgendwo in dem breiten Feld zwischen Celtus und M. Walking On The Water.

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