Spannung! Spannung?

Ohne Spannung ist der Krimi kein Krimi. Was aber ist das, Spannung? In den nächsten Wochen wollen wir uns in der Crime School diesem zentralen Thema zwanglos nähern, morgen geht es los. Für alle aufmerksamen Schülerinnen und Schüler hier schon einmal die Mitmachfrage: Was ist für DICH beim Lesen eines Krimis spannend? Das Sujet kann frei bearbeitet werden, es gibt keinerlei Vorgaben. Wer mitmacht, erhält ein Fleißkärtchen, wer sich verweigert, muss zwei Stunden lang in der Ecke stehen.

Eleanor Taylor Bland: A Dark and Deadly Deception

Eleanor Taylor Bland, die Autorin mit dem ausgeprägten sozialen Gewissen, hat in „A Dark and Deadly Deception“ die Familie im Visier. Weiße, schwarze, „patchwork“, intakte, kaputte, mit Kinder, „ohne Kinder“, mit familiären Banden und ohne solche: Sie dekliniert die Varianten von Familie und ihre sozialen Bezüge durch.
Es ist März und für die Polizei gibt es wenig zu tun in Lincoln Prairie. Für Marti MacAlister die Gelegenheit ihr Lieblingsprojekt zu verfolgen: Die Beschäftigung mit alten ungelösten Fällen. Diesmal ein Skelett, das Arbeiter in einem verborgenen Raum eines alten Gebäudes gefunden hatten. So richtig Spaß macht Marti und ihrem Partner „Vic“ Jessenovic dieser Fall allerdings nicht, erst recht nicht als sich herausstellt, dass die unbekannte Leiche 60 Jahre verborgen war und es keinerlei Informationen zu ihrer Identität und dem Gebäude gibt, in dem sie gefunden wurde.

Da ist es dann direkt eine Erlösung für die beiden Polizisten, als eine „frische“ Leiche erschlagen in dem durch die Schneeschmelze momentan zu einem reißenden Strom angeschwollenen lokalen Fluss gefunden wird. Es handelt sich um eine Schauspielerin, die für die Dreharbeiten eines B-Movies zum ersten Mal in ihrem Leben in Lincoln Prairie war. Ihr Familienschmuck ist verschwunden und auch hier gibt es keinerlei Hinweise auf den Täter.

Nun ja, soweit so gut. Die Idee, zwei Verbrechen zusammen zu montieren, die nichts miteinander zu tun haben und von denen eines in der Gegenwart stattfindet (und gewissermaßen nach „vorne“ erzählt wird) und das zweite sich in der Vergangenheit zugetragen hat, ist erst einmal ganz nett. Der Leser kann natürlich sicher sein, dass Marti und ihr Partner die Fälle lösen werden und sich ganz auf die Geschichte und den Blick für die soziale Realität konzentrieren. Etwa wenn der Patriarch der rumänisch-orthodoxen Kirche nach Amerika reist, um Geld für die verwahrlosten und elternlosen Straßenkinder Bukarests zu sammeln und er durch die Strasse Pittsburghs geht, wo er auf ganz ähnliche Kinder trifft.

Wer Bland liest, weiß, dass er auch eine ordentliche Ladung Romantik bekommt. Romantik, die durch den Blick auf die sozialen Verhältnisse im Gleichgewicht gehalten wird. Aber hier hat sie nicht nur „ihr“ Familienthema, welches schon für sich „romantikgefährdet“ ist (oder doch zumindest von ihr so ausgelegt wird) und einen Patriarchen, der seinen herzenswarmen Auftritt zum Ende des Buches hat, sondern darüber hinaus muss Martis Familie auch noch mit der Tatsache eines deutlich erhöhten PSA-Werts bei ihrem Mann und den daraus resultierenden Ängsten umgehen.

Im Nachherein entpuppt sich auch die Idee der zwei Fälle als gar nicht so leicht zu handhaben. Ständig wechselt die Aufmerksamkeit des Teams zwischen den Fällen hin und her; der Leser fühlt sich nicht so sehr in die Auflösung gezogen wie sonst bei Bland.

Ein Buch mit gewissen Schwächen also. Mit einer starken zweiten Hälfte, denn gute Auflösungen und Rätsel bekommt Bland allemal hin, wird es, da bin ich sicher, „romantisch“ geneigten Krimilesern gut gefallen.

Eleanor Taylor Bland: A Dark and Deadly Deception. 
St. Martin`s Minotaur 2005. 272 Seiten. 20 €

Kapitel VII

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Was bisher noch nicht geschah: Claudia Roth wird nach Gerhard Schröder und Angela Merkel zur dritten Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland gewählt – Franz Müntefering erleidet beim Studium der neuesten Arbeitsmarktzahlen einen vorzeitigen Samenerguss – Jan Seghers nimmt als „Jan Ullrich“ an der diesjährigen Tour de Literatur teil und wird prompt beim Dopen mit intravenös verabreichten Fremdwörtern erwischt – Was bisher wirklich geschah, wird Herr Wickius im Folgenden noch einmal knapp zusammenfassen.

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Krimiwelt-Bestenliste Juli 2007

Uh, das mit der Vorabinfo per Verteiler hat diesmal nicht geklappt, aber →hier ist sie dennoch: la liste. Zehn Titel auf sechs Rängen, Markaris hat es von oben nach unten gehauen, Gold für Collins, Silber für Rönkä, Bronze für die deutsche Titelhoffnung Paprotta, die aus dem Stand in die Medaillenränge gehüpft ist (vorläufig; das Ergebnis der Dopingkontrolle steht noch nicht fest). Neu auch: Haefs, McBride, Scholten, Slaughter sowie der Lehmannsche „Allmachtsdackel“.

gestern paul flora entdeckt.

ich kann mir vorstellen, dass dieser zeichner auch raphael gefiele (er kennt ihn bestimmt): >>>paul flora, runterscrollen. ich vorher nie was von ihm gehört. verdächtige besucher, raben, düstere burgen … mich erinnert das manchmal an lyonel feininger. sehr schön >>>die diashow links auf der webseite, und man kann direkt beim künstler kaufen, braucht aber viel geld für. aber warum auch nicht, nach einem langen zeichnerleben? ich hab mir einstweilen >>>hier was rausgesucht.

Kontinuität

Schön, wenn die Arbeit zur Abwechslung auch mal gelobt wird, wie →hier das Krimijahrbuch 2007 beispielsweise. Ob aber das KJB zur Institution wird, wie es sich der Rezensent wünscht? Immerhin: Den bisherigen Rekord von Compart / Wörtche haben wir locker eingestellt: zwei Ausgaben. An der dritten wird – tata! – gearbeitet. Aber spätestens nach der muss auch mal Zwischenbilanz gezogen werden. Wer will, dass das KJB zu einer bleibenden Einrichtung wird, hat es selber in der Hand. Abonnieren, das Ding! Fünf Euro sparen! Dem Verleger eine Mail schicken! →Dorthin!

Horst Eckert: Königsallee

So wird es kommen: Die einen spekulieren, ob Horst Eckerts „Königsallee“ eine Reaktion auf das absonderliche Benehmen des Düsseldorfer Oberbürgermeisters sei, der den Autor nicht in städtischen Gebäuden hat lesen lassen. Die anderen diskutieren über die im Text ausgebreitete Korruption und ihre Entsprechung im wirklichen Leben. Und eine dritte Gruppe mokiert sich über das desolate Bild der Polizei, wie es der Roman zeichnet. Alles in Ordnung, schön & gut.

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Verschickt. Angekommen?

Die Digitalausgabe von makro scoop 1 wurde inzwischen an alle Abonnenten verschickt. Wer sie noch nicht erhalten hat, wurde entweder Opfer der Technik oder des schlampigen Verschickers oder – hat noch gar nicht abonniert? Kann man nachholen. Drei Ausgaben für 12 (digital + Papier) oder 6 (nur digital) Euro. →Hier natürlich.

Robert Littell: Zufallscode

Ach, hätte ich doch nur Zeit und Gelegenheit! Unauffällig in einer Buchhandlung platzieren, dort, wo sie auf dem Novitätentisch Robert Littells „Zufallscode“ hingelegt haben (kleines Schildchen: „Gewinner des Deutschen Krimipreises 2007!“). Na, was heißt hier Novität. Der Roman ist 1993 erschienen, hieß auf Deutsch „Der Gastprofessor“, weil „The Visiting Professor“ nun einmal so zu übersetzen ist, jetzt also bei Knaur „Zufallscode“, auch okay. Und ganz klein unten drunter: Thriller.

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Fertig: makro scoop 1

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So, geschafft. „Schlechter Krimi Wirklichkeit“ ist fertig. 24 Seiten, die erste Ausgabe von makro scoop, der kleinsten Krimizeitschrift der Welt. Wird im Laufe der Woche als digitale Ausgabe an alle Abonnenten verschickt, die Papierversion folgt Anfang der nächsten Woche. Jetzt schon ein Sammlerstück. Und so kann man das Heft beziehen:

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Pieke liest

Morgen zufällig in Berlin? Abends noch nichts vor? Dann ab ins „Friedenauer Antiquariat“, Cranachstr. 8, 12157 Berlin, um 19 Uhr gehts los: Pieke Biermann liest. Wir wissen nicht was. Kaffeesatz wird es nicht sein. Gehen Sie hin und richten Sie der Dichterin einen schönen Gruß von uns aus, die ihrerseits uns bitte ausrichten soll, wer ihr einen schönen Gruß ausgerichtet hat.

Kapitel VI

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Was bisher geschah: Die Ereignisse spitzen sich zu. Nach dem Tod eines berüchtigten Krimibloggers, dem Auffinden einer merkwürdigen Liste sowie dem Verschwinden von sieben herausragenden Vertretern des SYNDIKATS, der Vereinigung deutschsprachiger Krimischaffender, beginnt Horatio Wickius, zwei und zwei zusammenzuzählen. Das Ergebnis: vier. Es wird Zeit, dass die Geschichte endlich auf Handlungstouren kommt!

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Bobo: Lieder von Liebe und Tod

Cover: Bobo - Lieder von Liebe und Tod

Dieses Projekt hätte wirklich mit Vollgas in die Hose gehen können. Nicht, dass die Stimme von Bobo In White Wooden Houses nicht zu deutschen Texten passen würde, aber die musikalische Umsetzung von altem Textgut durchzieht so sehr der Hauch von Volkshochschule und Selbstverwirklichung, dass man die Phrase ‚ambitioniert, aber…‘ schon parat hat. Schön, dass die „Lieder von Liebe und Tod“ das genaue Gegenteil geworden sind.

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Editors: An End Has A Start

„In the end, all you can hope for, is the love you felt to equal the pain you’ve gone through“ — diese Textzeile aus „Bones“ ist zu großartig, um sie unerwähnt zu lassen. „An End Has A Start“ ist eine Trauerplatte, die sich textlich um die großen Fragen dreht und von einem Schmerz durchzogen ist, der in keiner Sekunde aufgesetzt wirkt.

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Nina Nastasia & Jim White: You Follow Me

Falls Nick Hornby gerade an einer Liste der besten Rock-Schlagzeuger arbeitet, sollte er Jim White nicht vergessen. Der Drummer von Dirty Three hat sich in den vergangenen Jahren fleißig durch die Platten von Kollegen getrommelt und jedes Mal einen atemberaubenden Job abgeliefert. Grund genug für Nina Nastasia, zehn neue Songs nur auf das Spiel ihres langjährigen Schlagzeug-Kumpans und ihre Stimme und Gitarre zu reduzieren.

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