Thomas Raab: Der Metzger muss nachsitzen

Jetzt hat es schon wieder einer gemacht. Ein Österreicher natürlich. Lustigen Krimi geschrieben, wundert uns nicht. Was erwartet man anderes von einem Volksstamm, der mit dem Hang zum Morbiden geboren wird und als seinen Lieblingsplatz nicht wie unsereiner „die Natur“ oder „den Hörsaal“ angibt, sondern ganz spontan lächelnd „den Zentralfriedhof“. Der Tod schreckt sie also nicht, das Schreiben schon gar nicht. Ergebnis, siehe oben: lustige Krimis. Nach Haas, Steinfest, Slupetzy – vom göttlichen „Kottan“ nicht zu reden – nun der Raab. Österreicher. Musiker eigentlich. Jetzt auch Krimiautor. Und, sieh mal an: ein guter.

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Youth Group: Casino Twilight Dogs

Die Jungs von Alphaville hätten sich wahrscheinlich diebisch gefreut, wenn sich ein Big Player wie beispielsweise Ronan Keating „Forever Young“ zur Brust genommen hätte. Jetzt gibt’s halt weniger Tantieme, aber dafür Qualität aus dem Hause Youth Group. Aber unabhängig von der seltsam gewählten Coverversion muss man auch für die elf Eigenkompositionen in Stimmung sein.

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So nicht, bitte

Dass Frau P. aus F. uns wieder an ihrem aufregenden Autorinnen-Alltag teilnehmen lässt, gehörte zu den guten Nachrichten des Wochenendes. Dass sie uns gar →ihren Arbeitsplatz (sehr ordentlich) zeigt, wird hier stürmisch begrüßt. Dass sie aber beiläufig schreibt: „…Im Bild oben stehen ein paar Bücher auf der anderen Seite, da sitzt ein Stoffhase drauf (Rudi)…“, kann so nicht hingenommen werden. Nenn mich Didi, nenn mich Paulchen, aber nenn mich bitte nicht Rudi! Und Stoffhase…tz.

Walter Mosley: Cinnamon Kiss

Bekannt wurde Walter Mosley mit seiner Serie um den Detektiv Easy Rawlings. Für den Erstling „Devil in a Blue Dress“ erhielt er 1991 den renommierten „Shamus Award“ (verliehen für Bücher mit Privatdetektiven). Er war zwar nicht der erste der zeitgenössischen afroamerikanischen Autoren, der einen der renommierten Krimipreise gewann, aber er war derjenige, der auch vom „weißen“ Lesepublikum in größerem Umfang akzeptiert und gelesen wurde, und er war der erste Afroamerikaner als Präsident der „Mystery Writers of America“. Auch heute, 17 Jahre nach dem Beginn seiner Karriere, unterschiedlichen Serien, Jugend- und Science-Fiction Büchern, hat Mosley wohl immer noch als Leitstern der afroamerikanischen Krimiliteratur zu gelten. Anderen afroamerikanischen Autoren hat sein Erfolg bei der Akzeptanz durchs „weiße“ Publikum jedoch nur wenig geholfen.
In Deutschland scheint es in den letzten Jahren stiller um Mosley geworden zu sein, seine neueren Bücher sind bei uns allesamt nicht erschienen. Im Vergleich ist sein inniger Stil wohl zu wenig plakativ, zu wenig reißerisch und belohnt zu sehr den mitdenkenden Leser. Dabei ist Ezekiel (Easy) Rawlings, Held auch des vorliegenden Buches, eine zutiefst moralische Figur, die scheinbar naiv auf die (rassischen) Ungerechtigkeiten dieser Welt blickt und uns an ihren „Philosophien“ über das Leben als schwarzer US-Amerikaner teilhaben lässt.

Seit Beginn an folgen die Bücher der Serie, wie einstmals die der McGhee Serie von John D. MacDonald der „Farbenlehre“. Mit „Cinnamon Kiss“ ist Easy bei einer zimtfarbenden Schönheit angekommen, die weißen wie schwarzen Männern durch Intelligenz und Aussehen den Kopf verdreht und die im Besitz wertvoller Dokumente ist. Easy wurde eigentlich beauftragt, den Chef von „Cinnamon“ ausfindig zu machen und so dringend er den Auftrag braucht, leicht tut er sich nicht ihn anzunehmen, denn der Auftraggeber heißt mit Nachnamen Lee, ganz so wie der Südstaatengeneral, welcher im amerikanischen Bürgerkrieg gegen die Aufhebung der Sklaverei kämpfte.

Easy wird schnell klar, dass der Gesuchte ermordete wurde und dass Cinnamon sich versteckt hält. Aus gutem Grund wohl, denn ein Killer sucht Easy in seinem Büro auf und versucht ihn von seiner Suche nach Cinnamon abzubringen.

Die Serie, deren erstes Buch zurück ins Jahr 1948 führte und sich langsam durch die Zeit arbeitet, gelangt mit „Cinnamon Kiss“ ins Jahr 1966. Ein Jahr nach den berühmten Rasseunruhen in LA´s Stadtteil Watts (und etwa zwei Jahre vor dem gewaltsamen Tod Martin Luther Kings) ist die Stimmung in LA zwischen weiß und schwarz immer noch gereizt. Anderenorts merkt Easy zwar, dass sich die Zeiten zu ändern beginnen, und dass es Weiße gibt, die ihn und „seinesgleichen“ nicht aufgrund seiner Hautfarbe beurteilen. Aber dennoch, schwarz zu sein bedeutet immer noch ökonomisch benachteiligt zu sein und willkürlich von der Polizei aufgegriffen zu werden.

Sicher, diese Überraschung, die es beim Lesen der alten Mosleys gab und die wohl auch einen Teil des Erfolges ausmachte, ist weg; mittlerweile kann man andere, „radikalere“ Autoren finden – wie die von deutschen Lesern konsequent nicht verstandene Paula L. Woods – und dennoch: „Cinnamon Kiss“ ist ein ausgesprochen gutes Buch. Die in sich gekehrte Figur des Easy Rawlings ist vielleicht noch etwas dunkler getönt als sonst, aber das ist eigentlich auch kein Wunder. Stürzt er sich überhaupt nur in das Abenteuer um die zimtfarbende Schönheit, weil er schnell die astronomische Summe von 35.000 $ braucht, um seiner über alles geliebten Adoptivtochter zu helfen, die eine rätselhafte Bluterkrankung hat und nur durch eine teure Therapie in der fernen Schweiz gerettet werden kann [Mithin ein Strang, den Mosley nicht weiterverfolgt, obwohl die problematische medizinische Versorgung der Unterprivilegierten in den USA durchaus ein interessantes Thema wäre].

Aber Easys mitunter eigenwilligen Beobachtungen und seine exzentrischen Freunde und Bekannten, die sich über die Bücher der Serie angesammelt haben und ihm auch diesmal wieder helfen, geben dem Buch doch mitunter auch eine Leichtigkeit und profunden Humor. Alles das ist geschrieben aus der sehr persönlichen Sicht Easys, die vieles beschreibt, aber wenig auswalzend erklärt. Nichts also für Liebhaber mankellschen Erklärungsoverkills. Aber im Vergleich zu diesem hat Mosley ja auch ein „echtes“ Thema, über das er mit dem Leser reden möchte.

Most Americans wouldn´t understand why two well-dressed men would have to explain why they were standing on a public street. But most Americans cannot comprehend the scrutiny that black people have been under since the days we were dragged here in bondage.

Walter Mosley: Cinnamon Kiss. 
Warner Books 2006, 336 Seiten. 6,26 €
(noch keine deutsche Übersetzung)

The John Butler Trio: Grand National

This album goes out with respect to the indigenous people of the land that is beneath your feet. To the universal dream and obtainable reality of justice, peace, love & respect for all life on this earth. This songs are a prayer for courage, faith, compassion, tolerance, education and action for all citizens of our grand national community. Man kann es dem Gutmenschen John Butler einfach nicht übel nehmen, dass seine Platten eher sub- als objektiv überzeugen. Auch wenn sein musikalischer Ansatz und sein Instrumentarium nicht der Norm entsprechen, kommen am Ende doch immer recht normale Songs plus Jam-Einlagen raus.

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Angemessene Kleidung

Pete Harris ist tot. Wie →PCPalm berichtet starb der Musiker am Mittwoch 60jährig an einem Gehirntumor. Wer sich jetzt grübelnd am Kopf kratzt sei beruhigt: Auch wenn er es auf vier CDs und eine DVD brachte war Harris doch „nur“ eine lokale Größe in Florida und bei uns muss, ja kann man ihn nicht kennen.

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Zugespitzt und abgestumpft

Den Einbruch der Wirklichkeit in den Kriminalroman nahmen wir wohlwollend und erleichtert zur Kenntnis. Allwissende Ermittler in einem gesellschaftlich aseptischen Umfeld, die Polizei mal unfähig mal treudoof, meistens beides, die Welt ein leicht oder schwer in Unordnung geratenes Rätselpflaster, das man mit dem Besen des Rechts sauberfegte Der Realiendreck untern Krimiteppich gekehrt. So ist’s halt nicht; und selbst die überzeugtesten Eskapisten hatten es irgendwann einmal satt, angenehm durchs abgebrannte Maikäferland kutschiert zu werden. Aber: Inzwischen nervt sie nur noch, die angebliche Wirklichkeit.

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CD-Neuheiten KW17/2007

Stöhn! So viele neue CDs.
Und hier kommt sie wieder, unsere wöchentliche Liste mit den CD-Neuheiten dieses Freitags. Die meiste Aufmerksamkeit erfährt dabei „Beyond“, das erste Dinosaur JR-Album in Originalbesetzung seit fast zwei Jahrzehnten („Erhaben dreckig, eigenbrötlerisch und kompromisslos.“ Karl Fluch im →Standard).


Es geht in dieser Liste immer um die Veröffentlichung in Deutschland, nicht um irgendwelche über Import erhältliche Alben. So werden die Cosmic Rough Riders, ein vielversprechendes Trio aus Glasgow, mit einem Jahr Verspätung auch bei uns veröffentlicht, während Mute Maths gleichnamiges Album in ihrer Heimat sogar schon 2005 erschien.

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Washington: Astral Sky

Tasteten sich Washington mit ihrem Debüt „A New Order Rising“ noch behutsam nach vorne, haben sie für „Astral Sky“ jegliche Zurückhaltung abgelegt. Sänger und Hauptsongwriter Rune Simonsen setzt ausschließlich auf die großen Gefühlen und kramt alles aus der Pathos-Trickkiste, was andere schon wieder verschämt zurückgelegt hätten.

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Kenny Wayne Shepherd: 10 Days Out

Nachdem Kenny Wayne Shepherd mit „The Place You’re In“ vom Mainstream-Bus gestreift wurde begibt er sich jetzt zurück zu seinen Wurzeln. „10 Days Out – Blues From The Backroads“ ist genau das, was der Titel verspricht und das vertonte Roadmovie eines ‚Weißbrots‘, das in zehn Tagen den Süden der USA abklappert und mit Blues-Veteranen in die Saiten greift.

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Nur Spaß, gelt?

Gerade habe ich den Eintrag für morgen geschrieben, u.a. über „…ein Armutszeugnis, das vor allem diejenigen sich selber ausstellen sollten, die schon in der Vergangenheit eine Menge dummes Zeug zu alten Krimis herausschwafelten und es wohl auch in Zukunft tun werden“, da les ich (welcher Teufel ritt mich nur) →das da und glaub es nicht:

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