Jetzt hat es schon wieder einer gemacht. Ein Österreicher natürlich. Lustigen Krimi geschrieben, wundert uns nicht. Was erwartet man anderes von einem Volksstamm, der mit dem Hang zum Morbiden geboren wird und als seinen Lieblingsplatz nicht wie unsereiner „die Natur“ oder „den Hörsaal“ angibt, sondern ganz spontan lächelnd „den Zentralfriedhof“. Der Tod schreckt sie also nicht, das Schreiben schon gar nicht. Ergebnis, siehe oben: lustige Krimis. Nach Haas, Steinfest, Slupetzy – vom göttlichen „Kottan“ nicht zu reden – nun der Raab. Österreicher. Musiker eigentlich. Jetzt auch Krimiautor. Und, sieh mal an: ein guter.
WeiterlesenDinosaur jr.: Beyond
Die alte Weisheit “They never come back’ hat schon lange keine Gültigkeit mehr. Zumindest nicht für Musiker. Betrachtet man die vergangenen Monate und die Rückkehr vieler alter Recken, können sich jetzt Dinosaur jr. rühmen, das absolut überzeugendste Comeback abzuliefern.
WeiterlesenYouth Group: Casino Twilight Dogs
Die Jungs von Alphaville hätten sich wahrscheinlich diebisch gefreut, wenn sich ein Big Player wie beispielsweise Ronan Keating „Forever Young“ zur Brust genommen hätte. Jetzt gibt’s halt weniger Tantieme, aber dafür Qualität aus dem Hause Youth Group. Aber unabhängig von der seltsam gewählten Coverversion muss man auch für die elf Eigenkompositionen in Stimmung sein.
WeiterlesenSo nicht, bitte
Dass Frau P. aus F. uns wieder an ihrem aufregenden Autorinnen-Alltag teilnehmen lässt, gehörte zu den guten Nachrichten des Wochenendes. Dass sie uns gar →ihren Arbeitsplatz (sehr ordentlich) zeigt, wird hier stürmisch begrüßt. Dass sie aber beiläufig schreibt: „…Im Bild oben stehen ein paar Bücher auf der anderen Seite, da sitzt ein Stoffhase drauf (Rudi)…“, kann so nicht hingenommen werden. Nenn mich Didi, nenn mich Paulchen, aber nenn mich bitte nicht Rudi! Und Stoffhase…tz.
Schwedenduo

Nach der Schwedenkrimischelte en générale et en détail, wie sie in letzter Zeit hier zu lesen war, heute zwei erfreulichere Exempel aus dem Legoland der Kriminalliteratur.
WeiterlesenWalter Mosley: Cinnamon Kiss
Bekannt wurde Walter Mosley mit seiner Serie um den Detektiv Easy Rawlings. Für den Erstling „Devil in a Blue Dress“ erhielt er 1991 den renommierten „Shamus Award“ (verliehen für Bücher mit Privatdetektiven). Er war zwar nicht der erste der zeitgenössischen afroamerikanischen Autoren, der einen der renommierten Krimipreise gewann, aber er war derjenige, der auch vom „weißen“ Lesepublikum in größerem Umfang akzeptiert und gelesen wurde, und er war der erste Afroamerikaner als Präsident der „Mystery Writers of America“. Auch heute, 17 Jahre nach dem Beginn seiner Karriere, unterschiedlichen Serien, Jugend- und Science-Fiction Büchern, hat Mosley wohl immer noch als Leitstern der afroamerikanischen Krimiliteratur zu gelten. Anderen afroamerikanischen Autoren hat sein Erfolg bei der Akzeptanz durchs „weiße“ Publikum jedoch nur wenig geholfen.
In Deutschland scheint es in den letzten Jahren stiller um Mosley geworden zu sein, seine neueren Bücher sind bei uns allesamt nicht erschienen. Im Vergleich ist sein inniger Stil wohl zu wenig plakativ, zu wenig reißerisch und belohnt zu sehr den mitdenkenden Leser. Dabei ist Ezekiel (Easy) Rawlings, Held auch des vorliegenden Buches, eine zutiefst moralische Figur, die scheinbar naiv auf die (rassischen) Ungerechtigkeiten dieser Welt blickt und uns an ihren „Philosophien“ über das Leben als schwarzer US-Amerikaner teilhaben lässt.
Seit Beginn an folgen die Bücher der Serie, wie einstmals die der McGhee Serie von John D. MacDonald der „Farbenlehre“. Mit „Cinnamon Kiss“ ist Easy bei einer zimtfarbenden Schönheit angekommen, die weißen wie schwarzen Männern durch Intelligenz und Aussehen den Kopf verdreht und die im Besitz wertvoller Dokumente ist. Easy wurde eigentlich beauftragt, den Chef von „Cinnamon“ ausfindig zu machen und so dringend er den Auftrag braucht, leicht tut er sich nicht ihn anzunehmen, denn der Auftraggeber heißt mit Nachnamen Lee, ganz so wie der Südstaatengeneral, welcher im amerikanischen Bürgerkrieg gegen die Aufhebung der Sklaverei kämpfte.
Easy wird schnell klar, dass der Gesuchte ermordete wurde und dass Cinnamon sich versteckt hält. Aus gutem Grund wohl, denn ein Killer sucht Easy in seinem Büro auf und versucht ihn von seiner Suche nach Cinnamon abzubringen.
Die Serie, deren erstes Buch zurück ins Jahr 1948 führte und sich langsam durch die Zeit arbeitet, gelangt mit „Cinnamon Kiss“ ins Jahr 1966. Ein Jahr nach den berühmten Rasseunruhen in LA´s Stadtteil Watts (und etwa zwei Jahre vor dem gewaltsamen Tod Martin Luther Kings) ist die Stimmung in LA zwischen weiß und schwarz immer noch gereizt. Anderenorts merkt Easy zwar, dass sich die Zeiten zu ändern beginnen, und dass es Weiße gibt, die ihn und „seinesgleichen“ nicht aufgrund seiner Hautfarbe beurteilen. Aber dennoch, schwarz zu sein bedeutet immer noch ökonomisch benachteiligt zu sein und willkürlich von der Polizei aufgegriffen zu werden.
Sicher, diese Überraschung, die es beim Lesen der alten Mosleys gab und die wohl auch einen Teil des Erfolges ausmachte, ist weg; mittlerweile kann man andere, „radikalere“ Autoren finden – wie die von deutschen Lesern konsequent nicht verstandene Paula L. Woods – und dennoch: „Cinnamon Kiss“ ist ein ausgesprochen gutes Buch. Die in sich gekehrte Figur des Easy Rawlings ist vielleicht noch etwas dunkler getönt als sonst, aber das ist eigentlich auch kein Wunder. Stürzt er sich überhaupt nur in das Abenteuer um die zimtfarbende Schönheit, weil er schnell die astronomische Summe von 35.000 $ braucht, um seiner über alles geliebten Adoptivtochter zu helfen, die eine rätselhafte Bluterkrankung hat und nur durch eine teure Therapie in der fernen Schweiz gerettet werden kann [Mithin ein Strang, den Mosley nicht weiterverfolgt, obwohl die problematische medizinische Versorgung der Unterprivilegierten in den USA durchaus ein interessantes Thema wäre].
Aber Easys mitunter eigenwilligen Beobachtungen und seine exzentrischen Freunde und Bekannten, die sich über die Bücher der Serie angesammelt haben und ihm auch diesmal wieder helfen, geben dem Buch doch mitunter auch eine Leichtigkeit und profunden Humor. Alles das ist geschrieben aus der sehr persönlichen Sicht Easys, die vieles beschreibt, aber wenig auswalzend erklärt. Nichts also für Liebhaber mankellschen Erklärungsoverkills. Aber im Vergleich zu diesem hat Mosley ja auch ein „echtes“ Thema, über das er mit dem Leser reden möchte.
Most Americans wouldn´t understand why two well-dressed men would have to explain why they were standing on a public street. But most Americans cannot comprehend the scrutiny that black people have been under since the days we were dragged here in bondage.
Walter Mosley: Cinnamon Kiss.
Warner Books 2006, 336 Seiten. 6,26 €
(noch keine deutsche Übersetzung)
The John Butler Trio: Grand National
This album goes out with respect to the indigenous people of the land that is beneath your feet. To the universal dream and obtainable reality of justice, peace, love & respect for all life on this earth. This songs are a prayer for courage, faith, compassion, tolerance, education and action for all citizens of our grand national community. Man kann es dem Gutmenschen John Butler einfach nicht übel nehmen, dass seine Platten eher sub- als objektiv überzeugen. Auch wenn sein musikalischer Ansatz und sein Instrumentarium nicht der Norm entsprechen, kommen am Ende doch immer recht normale Songs plus Jam-Einlagen raus.
Weiterlesen„Wickerts Bücher“ gibt´s in Zukunft nur noch im Radio.
Weil es im Radio >>>mit nur einem Autor vielleicht weniger Stress ist als mit dreien im Fernsehen (wovon mancher zwar schreiben, aber nicht reden kann) und weil er lieber Krimis schreiben will. Ich habe die einschlägigen Krimiblogs durchforstet – wie schreibt er denn (ich weiß, wie er REDET: nicht der SCHNELLSTE und das Gegenteil von spritzig)?
James Crumley: Land der Lügen
Milo Milodragovitch, eigentlich alt genug in Rente zu gehen, finanziell versorgt dank seines letzten Auftrags als Privatdetektiv, der ihm Unmengen an schmutzigem Geld bescherte, sitzt mitten in Texas, als Barbesitzer und Geldwäscher in eigener Sache, verbandelt mit einer attraktiven Frau. Alles könnte eigentlich einfach und schön sein. Eigentlich.
WeiterlesenSilje Nergaard: Darkness Out Of Blue
Die Norwegerin hat mit ihrem neunten Album den Pop für sich entdeckt. Nicht, dass sie bisher eine schwer zugängliche Jazz-Diva war, aber „Darkness Out Of Blue“ setzt Jazz nur noch als Stilmittel ein. Viele Songs lassen eher an Indiepop-Bands denken als an bisherige Schubladennachbarinnen wie Diana Krall oder Rebekka Bakken.
WeiterlesenKrimiWelt-Bestenliste Mai 2007
Wo sich eine dritte Jungfrau verführerisch an exponierter Stelle räkelt und dabei dem kalten August die dito Schulter zeigt, da sind die dirty old men des Kriminalromans nicht weit. Crumley (am Montag in der wtd-Kritik), Markakis und Leonard lassen den Nachwuchs alt aussehen, was sehr für die Alten, aber weniger für die Nachwuchs spricht.
WeiterlesenAngemessene Kleidung
Pete Harris ist tot. Wie →PCPalm berichtet starb der Musiker am Mittwoch 60jährig an einem Gehirntumor. Wer sich jetzt grübelnd am Kopf kratzt sei beruhigt: Auch wenn er es auf vier CDs und eine DVD brachte war Harris doch „nur“ eine lokale Größe in Florida und bei uns muss, ja kann man ihn nicht kennen.
WeiterlesenZugespitzt und abgestumpft
Den Einbruch der Wirklichkeit in den Kriminalroman nahmen wir wohlwollend und erleichtert zur Kenntnis. Allwissende Ermittler in einem gesellschaftlich aseptischen Umfeld, die Polizei mal unfähig mal treudoof, meistens beides, die Welt ein leicht oder schwer in Unordnung geratenes Rätselpflaster, das man mit dem Besen des Rechts sauberfegte Der Realiendreck untern Krimiteppich gekehrt. So ist’s halt nicht; und selbst die überzeugtesten Eskapisten hatten es irgendwann einmal satt, angenehm durchs abgebrannte Maikäferland kutschiert zu werden. Aber: Inzwischen nervt sie nur noch, die angebliche Wirklichkeit.
WeiterlesenCD-Neuheiten KW17/2007

Und hier kommt sie wieder, unsere wöchentliche Liste mit den CD-Neuheiten dieses Freitags. Die meiste Aufmerksamkeit erfährt dabei „Beyond“, das erste Dinosaur JR-Album in Originalbesetzung seit fast zwei Jahrzehnten („Erhaben dreckig, eigenbrötlerisch und kompromisslos.“ Karl Fluch im →Standard).
Es geht in dieser Liste immer um die Veröffentlichung in Deutschland, nicht um irgendwelche über Import erhältliche Alben. So werden die Cosmic Rough Riders, ein vielversprechendes Trio aus Glasgow, mit einem Jahr Verspätung auch bei uns veröffentlicht, während Mute Maths gleichnamiges Album in ihrer Heimat sogar schon 2005 erschien.
Washington: Astral Sky
Tasteten sich Washington mit ihrem Debüt „A New Order Rising“ noch behutsam nach vorne, haben sie für „Astral Sky“ jegliche Zurückhaltung abgelegt. Sänger und Hauptsongwriter Rune Simonsen setzt ausschließlich auf die großen Gefühlen und kramt alles aus der Pathos-Trickkiste, was andere schon wieder verschämt zurückgelegt hätten.
WeiterlesenPeter Temple: Kalter August
Die Erwartungen sind hoch bei Peter Temples „Kalter August“. Als „bestes Buch über Australien“ ausgezeichnet, Spitzenreiter der aktuellen KrimiWelt-Bestenliste: Dutzendware sollte das also kaum sein. Oder doch?
WeiterlesenIch schenke euch ein Buch
Aber ich tue es, wer will es mir verdenken, mit einem weinenden Auge. Denn viel lieber hätte ich dieses Buch, den Jahresband 2006 der →„Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“ verkauft. Auf Papier gedruckt, drei Erzählungen, die beweisen sollen, wie politisch und gesellschaftsbezogen sie waren, die alten Krimis.
WeiterlesenKenny Wayne Shepherd: 10 Days Out
Nachdem Kenny Wayne Shepherd mit „The Place You’re In“ vom Mainstream-Bus gestreift wurde begibt er sich jetzt zurück zu seinen Wurzeln. „10 Days Out – Blues From The Backroads“ ist genau das, was der Titel verspricht und das vertonte Roadmovie eines ‚Weißbrots‘, das in zehn Tagen den Süden der USA abklappert und mit Blues-Veteranen in die Saiten greift.
WeiterlesenNur Spaß, gelt?
Gerade habe ich den Eintrag für morgen geschrieben, u.a. über „…ein Armutszeugnis, das vor allem diejenigen sich selber ausstellen sollten, die schon in der Vergangenheit eine Menge dummes Zeug zu alten Krimis herausschwafelten und es wohl auch in Zukunft tun werden“, da les ich (welcher Teufel ritt mich nur) →das da und glaub es nicht:
WeiterlesenLee Child: One Shot
Wenn ein erfahrener Krimikritiker wie Tobias Gohlis gesteht, dass er innerhalb kürzester Zeit sämtliche Bücher einer Serie verschlungen hat, weil ihn diese so sehr fesselte, dann ist das sicherlich ein großes Lob. Lee Child, dem dieses Kompliment zuteil wurde, verbindet in seiner Serie um den einsamen Wolf Jack Reacher in überragender Weise das Rätsel und den Thrill.
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