Ekel und Schmerz

Das traurigste aber an dem widerwärtigen Machwerk Die Burg aber ist, wie schonungslos sie den Niedergang eines einst brillanten Musikers dokumentiert – und die Rede ist nicht vom Burginsassen Christian Anders, der schon vor langer Zeit das Ticket für den mentalen Zug nach Nirgendwo gelöst hat. Die dudelige Titelmelodie zu der Freak-Show der prügelnden Proleten stammt von Ritchie Blackmore, einst grandioser Gitarrist der großartigen Rockband Deep Purple. So hinterlässt Die Burg neben Ekel auch einen tiefen Schmerz.

Stefan Behr in der Frankfurter Rundschau: „Schmerzhaft“

Apocalyptica: Apocalyptica

Bisher gab’s noch keine Notwendigkeit, das der Öffentlichkeit mitzuteilen, aber ich halte The Rasmus für eine sensationell untalentierte Band. Die stumpfsinnigen Riffs im Refrain ihres Megahits „In The Shadow“ sind an Einfallslosigkeit kaum zu überbieten. Aber da Apocalyptica in der Wahl ihrer Vokalkollaborateure bislang nicht zimperlich waren, dürfen wir jetzt auf der ersten Singleauskopplung „Bittersweet“ Lauri Ylönen (The Rasmus) und den schon lange zur Lächerlichkeit verkommenen Ville Valo (HIM) anhören.

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Kuttner zum ME

Auf leshow.de, der nicht-offiziellen ‘Sarah Kuttner – die Show’-Fansite lese ich mit Schrecken Folgendes:

Ab sofort gibt’s jeden Monat eine kleine, aber feine Sarah Kuttner Kolumne im Musikexpress zu bestaunen. In der aktuellen Ausgabe berichtet Sarah dem Musikmagazin ihres Vertrauens und dessen Lesern, wer und was ihr popkulturelles Jahr 2004 geprägt hat und wie nah sie dem “Sex & The City” – Phänomen steht.

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Kuttner zum WDR?

Die Süddeutsche Zeitung meldet, dass Sarah Kuttner noch im Februar beim WDR eine Pilotsendung produzieren soll. Was genau daraus werden könnte, weiß erst mal keiner. Der WDR selbst will erst einmal gar nicht bestätigen.
Zu einem Jamba-Klingelterror-freien Sender zu wechseln scheint eine gute Idee. Bedenklich stimmt mich allerdings die Meldung, SK wolle sich von der Unterhaltung weg Richtung Kultur umorientieren.

Pete Astor: Hal’s Eggs

Erinnert sich noch jemand an die Weather Prophets? Sicher eine der besten Acts des Creation-Labels Ende der 1980er Jahre; nach eigenem Bekunden stark beeinflusst von Velvet Underground und Leonard Cohen.

Nach dem Split hatte Gitarrist und Sänger Pete Astor diverse CDs solo und mit anderen Bands (u. a. The Wisdom Of Harry) veröffentlicht, wahrgenommen wurde das aber nur in loyalen Fankreisen.

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Beleidigungsklage gegen Pocher

Spiegel Online: Schmerzensgeldforderung: Wirbel um Pochers “Wetten dass…?”-Auftritt.

Eine Frau fühlte sich bei der letzten “Was bin ich”-Show von Oliver “Lass dich nicht verarschen” Pocher beleidigt und klagt jetzt auf Schmerzensgeld. Dem ZDF ist’s peinlich (“Das ist nicht meine Vorstellung von einer guten Kinderstube”).
Hallo? ZDF? Was hast Du eigentlich erwartet. Gepflegt unverbindliche Moderationen wie von Gottschalk himself. Oder Hochgeistiges à la Sloterdijk? Wer Pocher bestellt kriegt eben auch Pocher. Basta!

Better Propaganda

Freunde des RIAA-kompatiblen Downloads kennen natürlich die Site von Epitonic. Einer der Epitonic-Gründer steckt mit hinter einen neuen Website, die auf den ersten Blick auch ein ganz ähnliches Konzept hat. Better Propaganda bietet legale MP3s – für den User Gelegenheit, neue Bands kennenzulernen, für die Independent-Labels, die sich hier präsentieren eine kostengünstige Art, ihre Künstler bekannter zu machen. Wie bei Epitonic gibt es auch bei Better Propaganda Kurzbeschreibungen der einzelnen Bands und Querverweise, die zum Stöbern einladen. Das Spektrum reicht von Electronic bis Punk, von bekannt (Frank Black, The Church, Mogwai, Yo La Tengo) bis kommend.
Für die Anhänger der gepflegten Melacholie sei hier etwa „Carry Me Ohio“ von Sun Kil Moon empfohlen, der neuen Band von Red House Painters-Mastermind Mark Kozelek.

Bright Eyes – Digital Ash In A Digital Urn

Das neue Jahr ist noch keinen Monat alt und alle Feuilletonisten haben drei Künstler direkt zum Konsens erhoben: Trail Of Dead, Adam Green und natürlich Conor Oberst von Bright Eyes. Und Bright Eyes biegen gleich mit zwei Alben um die Ecke.Wer bisher nur den schmachtenden Conor Oberst kennt, muss keine Angst haben, dass er sich mit „Digital Ash In A Digital Urn“ ein digitales Grab geschaufelt hat.

Musikalisch gesehen ist die Asche noch warm und trotz aller elektronischer Verkleidung sind die zwölf Songs eindeutig Bright Eyes zuzuordnen. Etwas häufiger blitzt hier die Verehrung für das larmoyante Cure-Schluchzen durch, aber die Songs hätten auch ihren Platz am Lagerfeuer bzw. auf „I’m Wide Awake, It’s Morning“ finden können.

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Bright Eyes – I’m Wide Awake

Das ist er also, der tiefgründige, verständnisvolle Bruder von „Digital Ash In A Digital Urn“. Ein Frauenversteher, Einer, der zuhört und sich einfach darauf verlässt, dass seine Botschaft auch ohne großes TamTam ankommt. Das kommt erst am Ende der Platte, wenn Conor Oberst seine Stimme erhebt und bei schräger Trompete und einem ausufernden Jam nochmal die Sau rauslässt.

Bis dahin werden ländlich verwurzelte Oden an die Dornen oder Blüten des Lebens in zehn Songs verpackt, die so stark sind, dass sie oft kaum mehr als eine Gitarre brauchen. Neben der Saddle Creek Familie (Azure Ray, Now It’s Overhead, Mike Mogis…) adelt Emmylou Harris drei Songs mit Harmony Vocals und man kommt aus dem Staunen nicht heraus, wie tief, wie anrührend das Album geworden ist. „I’m Wide Awake, It’s Morning“ ist eine durchweg großartige Platte, die nicht nur in den kommenden Monaten viele Herzen trösten wird.

Bright Eyes
I'm Wide Awake, It's Morning
Saddle Creek/Indigo
VÖ: 24.1.2005