Die Schienenmenschen: Angriff der Weißen Garde

Was Chauvel und Simon mit dem ersten Band ihrer Reihe DIE SCHIENENMENSCHEN gelang, verdiente mehr als nur einen Achtungserfolg. Der Meinung waren jedenfalls Publikum und Fachleute beim Comic-Salon in Erlangen. Entsprechend riß man sich auch um die beiden als sich die Gelegenheit bot, Alben, T-Shirts und Was-weiß-ich-alles signieren zu lassen.

Der zweite Band ANGRIFF DER WEISSEN GARDE setzt die Geschichte von Wolf Pearce fort, der ursprünglich als Undercover-Agent in die Jaguar-Gang, einer Bande von schwarzen Schienenpiraten, eingeschleust, von seiner Dienststelle geopfert und enttarnt wurde.

Wider Erwarten hat Pearce das Gemetzel und sogar seine eigene Hinrichtung überlebt. Iki Dread, der Chefmechaniker hat ihn gerettet und bringt ihn zu den Söhnen Judas, einer anderen schwarzen Schienen-Gang, die von Schwester-Mutter Matty angeführt wird. Aber auch dort, als Schwarzer unter Schwarzen, wird Pearce als Eindringling gesehen und auch die Söhne Judas sollen vernichtet werden. Dazu ersinnt Pearce` Ex-Chef eine teuflische Intriege: Er spannt eine Horde von durchgeknallten WASPs für seine Interessen ein, bewaffnet sie und hetzt sie hinter den Söhnen Judas her. . .

Was vordergründig wie ein harter Actioncomic daherkommt, ist hintergründig betrachtet auch einer – aber darüberhinaus auch noch viel mehr. David Chauvel, der Szenarist, beweist einmal mehr, daß auch große Themen in kleinen Bildchen an Intensität gewinnen können und Fred Simons Zeichenstil könnte in die Annalen eingehen als die Ligne-Claire der Neunziger. Unbedingt zu empfehlen.

David Chauvel/Fred Simon
DIE SCHIENENMENSCHEN
Bd. 2 - Angriff der Weißen Garde Carlsen Comics
16,90 DM
ISBN 3-551-72242-0

Valerian und Veronique: Im Bann von Ultralum

Wer träumt nicht davon, zwanzig Jahre die aufregendsten Abenteuer zu erleben und immer noch keine Zipperlein zu haben, sondern volles Haar und eine Figur, an der die Schwerkraft keine Wirkung zeigt. Valerian und Veronique, die Agenten des Raum-Zeit-Service, haben sie. Seit sie 1967 der Feder von Jean-Claude Mézières entsprungen sind, haben sie fünfzehn Abenteuer in den Weiten des Weltraums bestanden und das sechzehnte steht ihnen jetzt bevor:

Weiterlesen

Trans-Am: Surrender to the night

„Surrender to the night“ ist ein Album-Titel, den man meiner Meinung nach nur wählt, wenn man a) das Mainstream-Hard-and-Heavy-Ghetto noch nie verlassen hat oder b) zeigen möchte, daß man Humor hat. Eine ganz bestimmte Sorte Humor, die eigentlich gar nicht so lustig ist. Wenn dann auf dem Cover auch noch ein Sonnenuntergang zu sehen ist, der ein bißchen zu romantisch für unsere postmoderne Zeit daherkommt, dann ist klar: Bei Trans Am sind wir im Land der intellektuellen Spitzfindigkeiten gelandet.
Leider gilt diese Bestandsaufnahme nicht nur für das Layout des Albums, sondern auch für die Musik. Um das mal klarzustellen: Ich habe nichts gegen Intellektualität – allerdings stelle ich mir darunter etwas anderes vor als akademisches Bildungsbürgertum. Aber genau diesen Eindruck vermitteln die Drei von Trans Am über weite Strecken der Platte: Hier basteln und pfriemeln sich 23jährige ein Album zusammen, das experimentell und anders sein soll und das dennoch sehr bemüht und blutleer klingt.

Weiterlesen

Neal Stephenson: Diamond Age – Die Grenzwelt

Neben William Gibson gehört Neal Stephenson zu den innovativsten Science Fiction Autoren der letzten Jahre. Wie es scheint, setzt Stephenson bei jedem seiner Romane einen Schwerpunkt auf ein Thema, das ihm als Berufsvisionär auf den Nägeln brennt. In SNOW CRASH, seinem letzten Roman drehte es sich vor allem um Viren und künstliches Leben. In DIAMOND AGE, seinem neuen Buch, geht es diesmal um ein anderes populäres Thema das selbsternannte Zukunftsforscher beschäftigt: Nanotechnik. Daneben bleibt Stephenson allerdings auch seinem Lieblingsthema treu: globale Verschwörungen. Aus diesen beiden Themen entwickelt er die Geschichte eines interaktiven Buches, das brisantes Wissen enthält und die Weltordnung ernsthaft gefährdet, wenn es in falsche Hände gerät.

Weiterlesen

Gerd Gerken/Michael Konitzer – Trends 2015

Die Zukunft ist ja nicht unbedingt nur das Arbeitsgebiet von Science Fiction Autoren, sondern auch von Marktforschern und Trendscouts. Zwei von ihnen, Gerd Gerken und Michael Konitzer, haben sich dazu hinreißen lassen, ihre Erkenntnissen und Prognosen dem schnöden Volk in Buchform nahezubringen, einem Medium, dem sie in ihrem eigenen Werk auf Seite 84 keine Chance mehr einräumen. Sei’s drum.
Was die beiden Zukunftsprofis in TRENDS 2015 bieten liest sich so wie der Abschlußbericht aus dem Muppet-Labor wo die Zukunft von morgen schon heute gemacht wird.

Weiterlesen

Peter Kuper/Franz Kafka – Gibs Auf!

Club der toten Dichter, Teil 714

Wie hat der Literaturwissenschaftler Patrick O´Neill mal so schön zu Kafka Übertragungen ins Französische gemeint: „Mein Kafka ist nicht dein Kafka.“ Damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen.

Jeder, der sich mit Kafka beschäftigt, macht sich seinen Kafka selbst. Die seriöse Literaturwissenschaft hat ihren Kafka, der vor allem ‚kafkaesk‘ ist, die jüngeren Intellektuellen haben einen Kafka, der eine Vorliebe für Bodybuilding (damals noch Körperkultur genannt) hatte, gern Motorrad fuhr und begeisterter Jahrmarktgänger war und für viele amerikanische Leser, aber auch deutsche, ist Kafka erstmal ein kleiner, knöchriger Schriftsteller aus dem alten Prag, der phantastisch schrieb, aber irgendwie doch depressiv und paranoid war.

Weiterlesen

Lucky Luke (Bd 70): Am Klondike

In einem seiner letzten Western spielte John Wayne die Rolle eines gestandenen Headhunters, der sich auf seine alten Tage noch einmal aufmachen muß, seinen gekidnappten Neffen aus der Hand übler Schurken zu befreien. Überall wo er auftaucht erntet er ungläubiges Staunen darüber, daß er als totgeglaubte Legende quicklebendig schießt, prügelt, säuft und all das macht, was ein rechter Westernheld so machen muß. Entsprechend lautete auch der gehauchte letzte Satz des im Sterben begriffenen Oberschurken: „Blake? Scheiße, ich dachte sie wären schon lange tot.“

Weiterlesen

David Lapham: Stray Bullets

Zwei Typen, der ältere fett und unflätig, der jüngere scheinbar etwas wirr im Kopf, fahren mit einem Amischlitten Größe XXL durch die Nacht. An einer unbelebten Stelle halten sie an. Der junge steigt aus, öffnet den Kofferraum und schleppt eine eingewickelte Leiche in den Wald. Ein Cop auf Streife sieht den Wagen am Straßenrand und will den Fahrer kontrollieren. Kurz darauf ist er das zweite Opfer. Und er ist nicht das letzte, denn das Killerpärchen, das eigentlich nur eine Frauenleiche loswerden will, stolpert ungewollt aber zielsicher von einer Scheiße in die nächste – und immer gibt es Tote. STRAY BULLETS der Titel dieser Reihe sagt es bereits.

Weiterlesen

Laika: Sounds Of The Satellites

Eines der innovativsten Labels mit einem weiteren innovativen Act meldet sich zurück. Was sich anhört wie die kühle Feststellung eines gelangweilten Rezensenten, ist vielmehr ein Stoßseufzer mit dem imaginären Anschluß „Gottseidank“! Auf einem Major hätten Laika ernsthafte Chancen (zumindest in England) den Sprung ins Big Business zu schaffen. War der Vorgänger „Silver Apples On The Moon“ ein Stück ungebremste Experimentierfreude bringen Laika ihre Geräuschvielfalt bei „Sounds Of The Satellites“ in eine etwas homogenere Form, was den Gesamteindruck als ein Fließendes Etwas erscheinen läßt.

Weiterlesen

Gunsmith Cats: Verfolgungsjagd

Die Welt ist hart, brutal und schlecht, aber wir sind die Guten!“ So könnte das Motto der knackigen Waffennärrinnen Rally Vincent und May Hopkins lauten. Und da die Welt, im besonderen die amerikanische Welt und ganz besonders die amerikanische Welt von Chicago, böse und gemein ist und von üblen Strolchen nur so wimmelt, sind die GUNSMITH CATS laufend gefordert.

Als Prämienjäger verfolgen sie Straftäter, ballern wild in der Gegend herum, veranstalten heiße Verfolgungsjagden und tragen scharfe Unterwäsche. Auch im dritten Band geht wieder einiges zu Bruch oder fliegt ganz ungehalten in die Luft als die beiden Mädels mit Gray, einem alten Fiesling, konfrontiert werden. Der hat bei der letzten Begegnung mit den beiden bereits seine rechte Hand eingebüßt und sinnt auf Rache. Kurzentschlossen entführt er die liebe May. Ihre Freundin Rally hat indes einige Abenteuer zu bestehen, bis May aus der Klaue dieses Rüpels befreit ist und sich zum Schluß alles wie selbstverständlich in ein paar Explosionswölkchen auflöst.

Kenchi Sonoda
GUNSMITH CATS - Verfolgungsjagd
Feest Comics 16,80 DM
ISBN 3-89343-578-6

Adventures in Stereo – Adventures in Stereo

Die „Roaring Sixties“ sind wieder da! Das dachte ich jedenfalls während der ersten Takte der „Adventures in Stereo“-CD: Beat-versetzter Harmonie-Pop, der einen augenblicklich auf die Insel der Pilzköpfe beamt, und Easy Listening, der aus dem Fahrstuhl raus auf die Straße geht, natürlich auf die Carnaby Street. Was Jim Beattie – dem männlichen Part des Duos – wohl nie passieren könnte, denn der Schotte hat das ganze Album („selftitled“ oder namenlos?) in seiner Wohnung eingespielt.

Weiterlesen

Pavement: Brighten The Corners

Pavement sind nun endgültig in die Songwriter-Ecke abgerückt, und wenn auch ab und zu die bekannten schrägen Elemente aufblitzen, dann erlebt der Fan alter Pavement – Klassiker schon die Höhepunkte auf ‚Brighten The Corners‘. Sicherlich besitzt diese Platte auch drei bis vier schöne Melodien, aber ehrlich gesagt kann ich mich dem Eindruck nicht erwehren, daß sich Steve Malkmus und seine Mitstreiter diesmal vielleicht ein bißchen zu lange ausgeruht haben, bevor es zu den Aufnahmen dieser neuen LP kam. Bis auf ‚Stereo‘ (Die erste Auskopplung) und ‚Embassy Row‘ hat ‚Brighten The Corners‘ weder die Kraft noch irgendeinen Moment, der mich aufhorchen läßt. Die gesamte Spielzeit über plätschert die folky Musik vor sich hin und dabei verbraten Pavement all das, was sich in der Zeit ihres Bestehens an langsamen Nummern so angesammelt hat.

Weiterlesen

Babylon 5: Der Preis des Friedens

Nachdem im April ´96 der erste Band der Comic-Reihe BABYLON 5 erschienen ist, liegt nun das nachfolgende Album vor. Der Konflikt zwischen den Erdlingen und den Minbari strebt seinem Höhepunkt entgegen, nachdem Sinclair, ehemaliger Commander von BABYLON 5, in seiner neuen Funktion als Botschafter nach Minbar gereist ist. Kaum angekommen gerät er in den Verdacht, ein Attentäter zu sein: In seinem Gepäck wird ein Lageplan und ein Plasma Auflösungsgewehr gefunden. Alles spricht dafür, daß er das Oberhaupt der Minbari töten wollte, um den jungen Frieden zwischen den beiden Völkern zu zerstören. Der Hinweis zu seiner Ergreifung kam jedoch aus den eigenen Reihen, von der Raumstation BABYLON 5. Nur: Sinclair ist unschuldig. Er ist das Opfer einer undurchsichtigen Verschwörung geworden.

Weiterlesen

Die Sterne – Themenläden Remixe

orweg: das Gelbe ist das hier nicht!
Vier remixe von „Themenläden“ auf der Achse Hamburg-Köln (Egoexpress, Hans Nieswandt) und der Achse Hamburg-Berlin (Le Hammond Inferno), dazu ein Mix aus Hamburg selbst (Sound 8). Herausgekommen ist leider nicht viel. „Themenläden“ wurde der Hitqualitäten, die das Stück im Original besitzt, beraubt und die Mixe hören sich genauso an, wie man es den Namen nach auch vermuten könnte. Den passenden Club (der Ort des Geschehens) konnte ich mir trotz vielfältiger Drogen-Experimente leider auch nicht vorstellen und zu hause hat´s dann auch nicht funktioniert. Alles in allem bleibt der Beigeschmack einer vertanen Chance.

Luscious Jackson – Naked Eye

Nettes kleines Liedchen, das mit Strophe, Refrain, Strophe, Refrain usw. auskommt. Emanziperte Frauen rappen über Frauenprobleme in der immer noch von bösen Männern dominierten Welt. So rebellisch wie ein Haufen Nackter im Englischen Garten zu Temperaturen von 40Grad im Schatten. Sprechgesang in der Strophe und gesungener Chorus – das haben die Spice Girls auch vorzuweisen und darüber hinaus haben die Zuletztgenannten sogar die griffigeren Hooks (und Looks haha…).

Nick Cave – Into My Arms

Nach „Murder Ballads“ nun wieder ein zur romantischen Lyrik zurückgekehrter Nick Cave, aber immer noch mit dem gewohnten Schwulst und Pathos. Das macht ihm kein anderer nach, und deshalb ist jede Cave – Platte eine Erweiterung des eigenen Mikrocosmos. Der Grund für die Verweigerung der Teinahme bei den MTV-Music Awards ist voll und ganz einsehbar- Nick Cave steht nicht im Wettbewerb mit irgendeiner anderen Musik, er steht höchstens im Wettbewerb mit sich selbst und den gesteckten Standards. Der Standard der letzten Veröffentlichung wird gehalten, wenn auch nicht ausgebaut. Cave nur mit Flügel, das ist wie die Vorspeise zum Hauptgericht. Warten wir also ob das volle Album eher einem Entrecote oder einem Spiegelei gleichen wird.

Built To Spill: Perfect from now on

Soll ich jetzt das erzählen, was alle über Built To Spill schreiben? Soll ich schreiben, daß Doug Martsch, der Komponist, Texter, Sänger und Gitarrist des Projektes Built To Spill, einen Vollbart trägt? Daß er unscheinbar und zurückhaltend ist, in Idaho lebt und festes Mitglied bei Calvin Johnsons Halo Benders ist? Daß er „Perfect from now on“ ausschließlich an Wochenenden aufgenommen hat und deshalb jede Woche 500 Meilen nach Seattle und 500 Meilen zurück gefahren ist, um möglichst oft bei seiner Freundin und seinem Sohn zu sein? Daß der Mann so vollkommen unhip ist, daß er schon wieder als role model auf dem Laufsteg der Szene-Trends herhalten kann? Werden „intelligente Rockmusiker“ im Club bei Dir um die Ecke diese Saison so aussehen wie Doug Martsch? Ich weiß es nicht.

Weiterlesen