Barkmarket – Visible Cow

Klingt am Anfang ein bißchen nach Beck, eine nölende Stimme begleitet von einer typischen Verlierer-Slidegitarre. Aber dann kommen sie doch, die harten Gitarren: exakt nach 1:07 Minuten kracht es derart aus den Boxen, daß dieses Erlebnis den Preis der CD-Single schon wert sein kann. Für zärtere Gemüter allerdings nicht, denn insgesamt kommen die beiden Songs auf dieser Scheibe schon ziemlich muskelmäßig rüber. Gute, harte Musik. Bin gespannt aufs Album.

Fun Lovin‘ Criminals – Scooby Snacks

From the head down to the toe: Superposer.

Sie hätten das Titelstück dieser 2-Track-Single noch nicht mal mit einer Szene aus Pulp Fiction einleiten müssen, die Verbindung wäre auch so offensichtlich gewesen. Leute, die sich für cool halten, entprechend hippe Musik machen (in diesem Fall: entspanntes Rumrocken und Rumgrooven, ein bißchen rappen, Surf-Tremolo-Gitarre) und ganz sicher auch etwas vom Coolsein verstehen. Aber the real stuff ist das natürlich nicht.

An der Cleverness gescheitert oder: Du kannst auch Urge Overkill zu ihnen sagen.

Ryker’s – Hunting Season

Mir ist es ja nicht aufgefallen, aber einem guten Freund: „Hunting Season“ ist wie eine Bastelanleitung für den geschmackssicheren Hardcore-Song. Abgestoppte Gitarren, die Double-Bassdrum, der heisere Brüllgesang, immer schön wechseln vom langsamen Mosh-Part zum schnellen Abgeh-Teil. Routiniert und erprobt, aber nicht sehr kreativ.

Der Rest ist – nicht Schweigen, sondern Punkrock. Zwei kurze Non-Album-Bonus-Tracks, die mir besser gefallen als die Single. Allerdings sind die wirklich so kurz, daß sie als Kaufempfehlung für diese CD-Single auch nicht taugen.

Ministry – Lay Lady Lay

Ganz genau, exakt dieses „Lay Lady Lay“, an das Ihr jetzt auch denkt: Bob Dylan in den Händen von Ministry. Eine seltsam zurückhaltende Version des Klassikers, nicht schlecht, aber auch nicht aufregend.

Würde ich die Single im Radio hören, würde ich bestimmt nicht ausdrehen, vielleicht sogar ein klein wenig lauter stellen. Aber im Radio läuft das Stück nicht. Hätte ich die Scheibe ständig zuhause, würde ich sie allerdings auch nicht auflegen, d.h. irgendwie ist hier alles verquer.

Die restlichen Stücke auf dieser CD-Single sind übrigens ein Non-LP-Track von 94 bzw. eine Live-Aufnahme vom 92er Lollapalooza Festival.

„High Fidelity“-Leseprobe

Der Song, bei dem ich weinen muß, hat mich nie zuvor zum Weinen gebracht. Ehrlich gesagt, mußte ich bei dem Song, bei dem ich jetzt weinen muß, normalerweise kotzen. (…) Der Song, bei dem ich weinen muß, ist Marie LaSalles Version von Peter Framptons <Baby, I Love Your Way>. Man stelle sich vor, mit Barry und Dick in seinem Lemonheads-T-shirt zusammenzustehen, eine Coverversion eines Peter-Frampton-Stücks zu hören und loszuflennen! Peter Frampton! <Show Me The Way>! Diese Miniplifrisur! Dieses dämliche Tütendings, in das er immer geblasen hat, um diesen Donald-Duck-Sound mit der Gitarre hinzukriegen! (…) Ich akzeptiere durchaus, daß ich dringenden Bedarf an Symptomen habe, die mir begreifen helfen, wie traumatisch die jüngsten Ereignisse für mich waren, aber müssen es derart extreme Symptome sein? Hätte Gott sich nicht mit einer kleinen Abscheulichkeit begnügen können, einem Diana-Ross-Hit oder einer Elton-John-Komposition etwa?

Anmerkung des Rezensenten:
Das „dämliche Tütendings“ heißt „Talkbox“. Man steckt eine dünne Metallröhre in den Mund und singt die Melodie, die man gleichzeitig auf der Gitarre spielt. War eine Zeitlang wirklich Mode, ist aber nicht gut für die Zähne, abgesehen von dem metallischen Geschmack, den man anschließend so schnell nicht mehr los wird. Den m.E. gelungensten Talkbox-Einsatz hört man in „Haitian Divorce“ von Steely Dan (LP „The Royal Scam“).

Im übrigen ist es so, daß Rob eine wesentliche Tatsache verschweigt: Es geschah nämlich bei uns Besitzern des einzig guten Geschmacks tatsächlich auch, daß wir uns bisweilen schwer vergriffen. Also z.B. Genesis- oder Yes-Fans waren. Und man konnte Peter Frampton durchaus ein paar Wochen mögen.

zur „High Fidelity“-Rezension

Nick Hornby: High Fidelity

Das ist meine Top 5 der „Romane, um die ich einen großen Bogen mache“:

  • Romane, in denen Frauen Männer verlassen;
  • Romane, in denen verlassene Männer ihren Frauen nachweinen;
  • Romane, in denen es verlassenen Männern nicht gelingt, neue Frauen zu finden;
  • Romane, in denen sich verlassene Männer an all die Frauen erinnern, die sie einmal verlassen haben, oder von denen sie verlassen worden sind;
  • Romane, die damit enden, daß Frauen zu den Männern zurückkehren, die sie am Romananfang verlassen haben.
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Jawbox: Jawbox

Smooth
Wurden die ersten Alben von JAWBOX hoch gelobt, ließen die Verkaufszahlen doch noch Wünsche offen. Das neue Album setzt ihre musikalische Richtung konsequent fort und wirkt aber schon beim ersten Hören sehr gefällig. Dies liegt sowohl an der eingängigen Stimme von Robbins, als auch am gepflegten Einsatz von Akustik-Gitarre, Saxophon und Hammond Orgel. Auch der HiddenTrack Cornflake Girl (Tori Amos) die leichte Mainstream Verschiebung.

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The Pride: Lipstick Traces

Blue Rose, das Label, das uns schon einige Perlen amerikanischer Songwriter-Kunst beschert hat, bringt uns jetzt eine Band aus der Schweiz. Schaffhausen, um genau zu sein.
War bei Shell der Sound ein echtes Manko, hatten The Pride den richtigen Mann an den Reglern. Hier kracht´s an allen Ecken und Enden. Ich rede hier nicht von Lärm! Der Sound wirkt lärmig und erweitert die Spannungsbögen des Songwritings um mindestens drei Bewußtseinsebenen (vielleicht auch vier).

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Shell: Out ofTune

Und wieder eine Band aus dem Weilheim-Umfeld. Obwohl eigentlich „nur“ die Schwester von Mark Kowarsch (Speedniggs, Sharon Stoned, Locust Fudge) am Start ist, bemüht sich die Plattenfirma doch sehr um gepflegtes Namedropping. Man liest Namen wie Christopher Uhe, Schneider, Markus Acher und sogar Evan Dando. Musikerkollegen, die ausnahmslos von den Homerecording-Tapes von Shell derart begeistert waren, daß dabei doch glatt ein Plattenvertrag herausgesprungen ist. (Hört! Hört!).

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The Secret Goldfish: Aqua-Pet … you make me

Very british, indeed. Genau gesagt: schottisch. Aus Glasgow kommen The Secret Goldfish und pünktlich zur Fußball-EM auf der Rindfleisch-Insel veröffentlichen sie ein Debüt-Album, das so unverschämt unverblümt an die britische Musik der späten Achtziger anknüpft, daß dir der Ball verspringt.

Und da sind sie plötzlich wieder, all die vertrauten Namen aus diesen Zusammenhängen: Vergleiche mit den Buzzcocks, mit Orange Juice, mit Jesus and Mary Chain, der New Musical Express ist begeistert und John Peel hat auch mal wieder eingeladen.

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Blind: Life Guard

Die Rezension dieser CD scheint eine besonders kniffelige Angelegenheit darzustellen, da keine(r) meiner Kolleg(Inn)en es wagen wollte nur eine Zeile zu schreiben- aus verständlichen Gründen: in einer überschaubaren Saarbrücker Musikgemeinde ist es nicht sehr verwunderlich, daß einige Hinter-Net!-Mitarbeiter über Umwege oder direkt mit Blind in Kontakt stehen, oder gar in der Band selbst mitwirken.

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