Sampler: Glad I´m a girl

„Houses in motion“ heißt eine kleine, unabhängige Frankfurter Plattenfirma, die sich spezialisiert hat auf kleine, unabhängige Produktionen aus den USA. Ihre neueste Veröffentlichung heißt „Glad I´m a girl“ und präsentiert eine Auswahl neuer amerikanischer Sängerinnen. Sängerinnen, die auch selbst texten, komponieren und Instrumente spielen. Sängerinnen zwischen Folk, Pop, Rock und Jazz.

Auch eine Zusammenstellung wie „Glad I´m A girl“ kommt – soll sie verkauft werden – nicht ganz ohne bekanntere Namen aus. So finden sich auf der CD als Appetithappen und Orientierungspunkte (nicht unbedingt brandneue) Titel von schon recht renommierten Musikerinnen wie Carla Torgerson, Sara K oder Penelope Houston.

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Frank Ronan: Dixie Chicken

„Dixie Chicken“, der Song von Little Feat tönt laut aus dem Autoradio, als der allseits beliebte Architekt Rory Dixon mit seinem Wagen über die Klippe schießt und von einer Felsnadel aufgespießt wird. Dieses Ereignis löst in dem kleinen irischen Kaff vor den Toren Dublins Bestürzung aus. Die Umstände des Unfalls sind rätselhaft und es dauert auch nicht lange bis gemunkelt wird, daß es sich um Mord handelt. Da aber niemand ein Motiv hat, ist die Neugier groß.

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Nicolette – No Government

Talking Loud veröffentlichen wieder interessante Sachen, und „No Government“ killt Dich mit einem verführerischen Lächeln. Der Sound führt vorbei an Electro, Jungle, Jazz, HipHop und Dub, ohne diese für sich zu vereinnahmen. Immerhin ist Nicolette inzwischen über dreißig (31) und möchte daher eine Meta-Position einnehmen, was Pop-Untergründe betrifft.

Genau diese Position symbolisiert der Radio-Edit, während die Bud Brothers einen hervorragenden Drum’n Bass-, Plaid (ex Black Dog) einen Mix beisteuern, der auf geradezu unheimliche Weise das Phänomen der Gleichzeitigkeit erforscht. Dazu kommt ja auch noch Nicolette’s Stimme: sie pflückt in der Hölle Blumen.

Bones – When the night comes

Auch die gelegentlich lärmenden Gitarren täuschen nicht über die Tatsache hinweg, dass der Song doch eher seicht und charakterlos daher kommt. Dass die Band mehr zu bieten hat, ahnt man beim dritten Titel auch wenn dort offenbar auf Teufel-komm-raus ein Refrain in einen atmosphärisch angelegten Song eingebaut wurde.

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Wuhling – Mondsound

Wahrscheinlich ist diese Veröffentlichung als Appetithäppchen gedacht. Wuhling sind die erste Berliner Band auf City Slang, und Ende Februar werden sie nach Chicago fliegen, um bei Steve Albini ihre Debut-Lp aufzunehmen. Diese Nummerngröße ist angesichts ihrer Liveauftritte etwas verwundernswert. Dort wurde zwar schon gezeigt, daß sie einmal sehr aufregende Musik machen werden können – aber noch lernen müssen, die Spreu vom Weizen zu trennen.

In ihren besten Momenten spielen sie silbrigen, introspektiven Rock in Triobesetzung. Dazu gehört „Dimdedimde“, die B-Seite- doch „Mondsound“ selbst klingt zu hölzern und hüftsteif, um schon mal eine Vorahnung für „Wuhling sind das neue Ding“ sein zu können. Die deutschsprachigen Lyrics sind mir zu esoterisch, aber die sind auch nur mit größter Mühe zu verstehen.

Rainbirds – Absolutely Free

Katharina Franck ist immer noch die Stimme der RAINBIRDS. Zusammen mit Ulrike Haage macht sie seit einigen Jahren sehr elektronische Popmusik ohne einem wirklich aufzufallen. Der Titelsong ist ein Stück von der demnächst erscheinenden CD „Making Memory“. Ohne die Stimme von Frau Franck würde wahrscheinlich niemand die RAINBIRDS hören. Entsprechend klingt auch die Musik. Geschmackssache!

Unemployed Ministers – Humperdinck

Maxi-CD! Aus Augsburg (Gruß an Walter und seine Parish Garden, das Szene Magazin und das Kerosin!)! „Humperdinck“ ist ein toller Ohrwurm, der – vielleicht nicht ganz so überdreht und shaken – in die Ecke Superchunk tendiert. Schon ihr vergangenes Album „Selfish“ bewies die Songwriterqualitäten von Alaska Winter, leider damals von der Mehrheit der Szene eher unbemerkt. Dabei bieten die Songs gitarrengeprüfte und orgelgetränkte Wirklichkeiten jenseits des allzuernsten äh Lebens (?, bitte nie zitieren!). Gitarrenpop goes Jahrmarkt und verjüngt dadurch angenehm stark.

Jeep Beat Orchestra: Treffpunkt der modernen Jugend

So also klingt es, wenn sich die moderne Jugend trifft – typisch deutscher Nichtgesang, scheppernde Gitarren, billige Keyboards und gelegentlich eine liebliche Geige.
Solltet Ihr jemals Bands aus der Region in Eurem hiesigen Jugendzentrum gesehen haben, dann kennt Ihr ja bereits den Treffpunkt der modernen Jugend anno 96. Tja, Dilettantismus ist eben nicht gleich Dilettantismus: Auch die Jungs von Tocotronic können ja bekanntlich nicht singen, aber da spielt’s keine Rolle, denn die sind originell und aufregend und erzählen von Dingen, die man schon immer hören wollte.

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Combustible Edison – Short Double Latte

Combustible Edison, angeblich eine ehemalige Rockband aus Chigaco, machen schon seit einigen Jahren Easy-Listening-Musik. Auch die neuen Stücke ihrer kommenden CD, drei Stück gibt es schon mal vorab auf Maxi, klingen musikalisch nach James Bond, Lalo Schifrin und 60er Jahre-Filmmusik. Eigentlich sind Combustible Edison eine sympathische Band, aber wegen dem ganzen Easy-Listening-Trend, den vor allem igendwelche trendgerechten Studenten und Studentinnen mit schlauen Sprüchen und Mützen derzeit pflegen, kann ich diese Art der Musik im Moment nicht ohne ein laues Gefühl im Magen hören.

My own victim: Burning Inside

Schöne, fette Riffs, schöner, breitbeinig-stapfender Groove, schöne Breaks, schöne Tempowechsel und gutklingende Amps! Hört sich nach der NYHC-Schiene an. Is aber nich! Kommen aus Louisville, Kenntucky! Kenntucky-Hardcore klingt ein wenig metallisch! Aber wem macht das schon was aus, wenn der Kern des Ganzen hart und bös und rauh und energiegeladen klingt.

My own victim: Burning Inside
(Century Media)

Alice In Chains – same

Konnte Sänger Layne Staley mit seinem Side-Project MAD SEASON Anfang des Jahres noch begeistern, enttäuscht mich die neue ALICE IN CHAINS eher, denn zu oft kommt Langeweile auf.
Zwar gelingt es den Herren Staley und Cantrell irgendwie einen gewissen Standard zu halten, aber sie schaffen es einfach nicht, die Sache auf den Punkt zu bringen. Saft- und kraftlos (sprich: ideenlos) rockt man sich durchs vorgegebene Sortiment ohne besondere Höhen und Tiefen zu erreichen.

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Deadeye Dick: Whirl

Ja, es ist „melodiöser Gitarrenpop“, aber nicht „im Stile von Blur und Oasis“, wie uns der Waschzettel glauben machen will.
Hier fehlt a) die Innovation, b) das rechte Feuer, c) der Refrain, der die Gehörgänge im entscheidenden Moment aufbricht. Nein, bitte nicht falsch verstehen. Deadeye Dick machen guten mainstreamigen Poprock, vielleicht bisweilen eine Spur zu verliebt-greasy. Nur sie riskieren zu wenig. Es ist wie mit den Baywatchers, die Bereitschaft zeigen, sich in die stürmische See zu stürzen, um…ja, um die schöne Jungfrau (nein, Pamela Anderson ist keine Jungfrau mehr, ja, ich bin ganz sicher!) zu retten, aber auch immer genau wissen, daß sie einen Rettungsring bei sich tragen und die Kumpels im Notfall beispringen können.

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Cindy Lee Berryhill: Garage Orchestra

Cindy Lee Berryhill ist eine Songwriterin aus L.A., die vor 10 Jahren ihr erstes Soloalbum veröffentlichte (Erinnert sich noch jemand an Songs wie „Damn, I wish I was a man“ – mit der legendären Textzeile „I would be sexy with a belly like Jack Nicolson… “ ?). Nach einer zweiten LP zog sie sich für fünf Jahre zurück, in denen sie ihren Stil grundlegend überarbeitete. Resultat ist ihre dritte CD „Garage Orchestra“
Cindy Lee Berryhill hatte ihre ersten musikalischen Erfahrungen in verschiedenen Punkbands zu Beginn der 80er gemacht. Das brachte ihr bei ihren Platten in den 80ern Titulierungen wie „Königin des Anti-Folk“ ein. Titulierungen, die nur halb zutreffend waren, beschrieben sie doch mehr die Haltung mit der Cindy Lee Berryhill an die Sache heranging, als die daraus resultierende Musik selbst. Denn die war immer noch folklastig.

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