Beste Liste

Zwei sehr erfreuliche Notierungen auf der aktuellen →Krimiwelt-Bestenliste. Einmal: Jean Amilas →„Mond über Omaha“ des kleinen Saarbrücker Conte Verlages, mit dem ich weder verwandt noch verschwägert noch näher bekannt bin, sondern nur landsmännisch verbunden (Ethik!). Zum Zweiten: Mit Astrid Paprottas „Die Höhle der Löwin“ erstmals ein deutscher Krimi auf der Spitzenposition. Schwerverdientermaßen. Mag auch, Frankfurter →Buchmessengossip zu Folge, die Bestenliste nur „eine Liste BESTER Literatur“ sein, so wollen wir genau das hier loben und preisen und hoffen, sie werde niemals eine Liste erstbester Literatur, in der halt ein Mord passiert und die also Krimi genannt wird.

Schule der Rezensenten -10-

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Der Leser längerer Krimirezensionen. Nicht ausgestorben wie der Tasmanische Tiger, aber vielleicht so selten wie der Sibirische. Behutsame Nachzucht dieser aussterbenden Spezies ist also geboten.
Das Internet, denkt man, könnte ein solcher idealer Ort zu Hege und Pflege sein, zumal er, wenigstens in den Sphären, in denen wir uns bewegen, „contentmäßig“ kosten- und gebührenfrei ist, wo man nicht zur Auflage hinschielt wie nach einer schönen Frau, wenn die eigene neben einem steht. Bliebe die Frage: Wünscht der Leser überhaupt längere Rezensionen?

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Roll Deep: In At The Deep End

Man hätte einen Test machen können: Der Proband hätte die Augen schließen und einen Kopfhörer aufsetzen sollen. Man hätte auf den Startknopf des angeschlossenen CD-Players gedrückt und ‚In At The Deep End‘ von Roll Deep wäre gestartet. Sobald sich der Proband sicher gewesen wäre, aus welchem Land die zu hörende HipHop-Posse stamme, hätte er den Arm heben sollen. Es hätte wahrscheinlich nicht einmal einen Song lang gedauert. Großbritannien natürlich.

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Messe, Kürzestbericht

Die gute Nachricht: Auch 2006 wird es Krimis geben. Die noch bessere Nachricht: Erstmals fand auch eine Antiquariatsmesse statt. Die beste Nachricht: Edgar Allan Poe in der französischen Erstübersetzung von Baudelaire für 450 Affen. Die schlechte Nachricht: Ich hatte meine Kreditkarte dabei. Und sonst?

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Krimikultur – die Kommunikation

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Gemütlich im Sessel, im Bett: einen Krimi nach dem anderen dem stampfenden Häcksler der Augen vorwerfen: ein kulturelles Idyll. Oh, ich mag dieses private Kultivieren eines Interesses. Mache es ja genauso. Manchmal ist mir allerdings auch nach Austausch zu Mute, interessieren mich die Meinungen anderer, ihre Erkenntnisse, sogar ihre Irrwege. Als Krimifreund habe ich es da nicht leicht.

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Kinky Friedman: Greenwich Killing Time

„In dieser Nacht regnete es wie eine Hure mit Überziehungskredit.“ – Eigentlich habe ich alles verstanden in Kinky Friedmans Erstling „Greenwich Killing Time“, die Bedeutung dieses Vergleichs ausgenommen. Macht nichts. Ein Krimi, der von den Assoziationen seines Protagonisten lebt, ist immer noch besser als einer, der von seinen vorgestanzen Bauteilen erschlagen wird.

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Smoke Blow: Dark Angel

Schwarz? Ja. Engelhaft? Nein. Trotzdem der passende Titel für diese Scheibe. Das neue Album der eigentlich netten Jungs von Smoke Blow ist pechschwarz und düster wie eine Nacht ohne Mond. Nicht das Cover, der Inhalt ist gemeint und damit die Texte und die Musik. Allein schon die Songtitel, die Smoke Blow sich ausgedacht haben: „Diabolical“, „Diabolical Reaction“, „Black Church Of America“ oder „Demonslaver“. Dämonen und Teufel allerorten. Es ist zum Gruseln. Man könnte fast meinen, die Jungs hätten gar keinen Spaß.

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Das Weib zur freiwilligen Sclavin ihres Herrn

Für Männer brechen harte Zeiten an. Jetzt sind die Frauen sogar schon Bundeskanzler, und morgen rasieren sie sich, während wir uns die Beine mit heißem Wachs enthaaren. Carl von Holtei war nicht nur Autor blutrünstiger, sexprotzender, tiergrimmiger Romane wie „Schwarzwaldau“; nein, er war auch ein Kenner des Geschlechterkrieges und hellsichtig obendrein. Wie das Verhältnis von Mann und Frau sein sollte, das hat er wie kein Zweiter in Worte gefasst. Schon deshalb muss man „Schwarzwaldau“ subskribieren. Den Männern als Hoffnung auf bessere Zeiten, den Frauen zur Ermahnung.

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Criminal-Bibliothek des 19. Jahrhunderts

Noch ist sie nichts weiter als ein feuchter Traum, die Criminal-Bibliothek des 19. Jahrhunderts. Aber das war Holteis „Schwarzwaldau“ auch einmal, und jetzt wird aus dem Traum so langsam Wirklichkeit. Könnte man beides nicht verbinden? Ja, zum Nutzen des Lesers gar mit einer Art „Alterssicherung“ versehen, damit in hohem Alter und großer Not das Zeug profitabel verscherbelt werden kann? Man kann.

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The Royal We: The Royal We

Nach seinem Ausstieg bei Scumbucket wollte deren ehemaliger Bassist Dylan Kennedy musikalisch nicht untätig bleiben. Ergo gründete er The Royal We, anfangs ein Soloprojekt, das über das Kölner Indielabel Rakete vor einigen Monaten die EP ‚A New Sunrise‘ herausbrachte. Die Presse verglich die Songs des Mini-Albums mit Tom Waits, Grandaddy und Calexico. Eine fürwahr interessante Mischung.

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Lichte Worte

„Gibt es Nachgeborene, die sich für die Geschichte der Kriminalliteratur in Deutschland interessieren? Für die Geschichte der Kriminalliteratur überhaupt, ausserhalb eines Studiums? Einfach aus Interesse? Man weiß es nicht. Und ebenso, ob das Interesse fehlt oder das Angebot. Es fehlt ein wenig die Struktur. Und die kräftige, gemeinsame Notwehr. Die scheinen die Fans der Science Fiction schon länger aufgebaut zu haben …“

– schreibt weise und wahr Stefan Lichtblau in seinem Krimiblog →„Ducken!“, den anzuempfehlen wir nicht zögern wollen, von wegen „gemeinsame Notwehr“ und aufrechter Gang.

Cathedral: The Garden Of Unearthly Delights

Lee Dorrian ist der Gott des Doom. Oder besser gesagt: der geistige Bruder des Doom-Gottes. Denn es gibt ja noch Scott „Wino“ Weinrich. Jedenfalls sind Cathedral eine der Bands, auf die kein echter Doom-Fan verzichten will/kann. Was zum einen am Einfallsreichtum der Band liegt. Zum anderen an der unverwechselbaren Stimme Dorrians. Zumal Cathedral selten langweilig klingen – auch nicht auf ihrem mittlerweile achten Studioalbum, das den seltsamen Titel ‚The Garden Of Unearthly Delights‘ trägt und dessen Cover im typischen Cathedral-Stil gezeichnet wurde.

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Blackalicious: The Craft

Was soll man über Blackalicious noch viele Worte verlieren? Das ist der allerbeste Underground-HipHop, den es auf dem Markt gibt. Wer der Verkommerzialisierung des New Yorker Labels Rawkus hinterher trauert, dem Ende von Company Flow Tränen nachweint, sich mit dem dumpfen Gehabe der Mainstream-Rapper nicht anfreunden kann/möchte und lieber die kongenialen A Tribe Called Quest oder Sage Francis & Co. hört, der ist bei Blackalicious an der genau richtigen Stelle.

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