Und wieder ist Mittwoch! Der Tag, an dem der Chefblogger seine LeserInnen arbeiten lässt! Was so nicht in seinem Arbeitsvertrag steht! Aber freut euch: Zum Jahresende läuft dieser Vertrag aus und ob ihn die Geschäftsführung verlängert, das hängt von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ab! Kommentieren Sie die bisherige Arbeit des Bloggerkollektivs! Haben Sie Anregungen? Wünsche? Vermissen Sie etwas? Geht Ihnen etwas gehörig auf die Nerven? Haben Sie eine/n (billige!) WunschkandidatIn für die Nachfolge? – Tun Sie sich keinen Zwang an! Und bedenken Sie bitte: Jede negative Kritik am Chefblogger spart Hinternet bares Geld (der Bursche fordert 300% Lohnerhöhung…)!
Diese Besprechung von Peter Temples „The Broken Shore“ hat eine Vorgeschichte. Dieser liegt der Versuch zugrunde, unterschiedliche Bewertungen des Buches zu verstehen. Dabei hatte ich einige Rezensionen anderer, erfahrener Leser gelesen. Mein Kopf ist also voll mit deren Gedanken. Schwierig ist es deshalb erst einmal, die eigenen Gedanken zu finden.
Kurzkrimis sind kurze Geschichten, aber keine Kurzgeschichten. Das ist ihr Problem, aber auch ihre Chance.
Wir haben in der →vorigen Woche gesehen, wie sich der Krimi aus der Kriminalnovelle zum „vollwertigen Roman“ entwickelte, weil Spannungsaufbau und –auflösung an den Faktor (Lese-)Zeit gekoppelt wurden. Der Leser möchte „mitfiebern“, er möchte sich mit Personen identifizieren oder sich von ihnen abgrenzen, kurzum: Er möchte eine WELT vor sich entstehen sehen, ein in sich logisches und plastisches, sinnmachendes Zeichensystem. Dazu braucht es Raum.
Scharen besorgter LeserInnen haben uns darauf hingewiesen, dass Kommentare zwar ordnungsgemäß abgeschickt werden können, aber nicht dort ankommen, wo sie’s eigentlich sollten, auf diesem Blog nämlich. Sie verschwinden irgendwo im Nirvana. Woran das liegt, wissen wir im Moment (15 Uhr 45) nicht, aber wir arbeiten an der Lösung des Problems. Wahrscheinlich ein Fall von Sabotage, wobei ich den Verdacht, Ludger M. aus Hamburg habe seine Hand im Spiel, empört von mir weise. Der hat doch keine Ahnung, wie man sowas macht.
„Krimiweisheiten aus dem BÜRGERECK“. So heißt eine neue Serie, in der wir zufällige Gäste der bekannten einheimischen Gaststätte BÜRGERECK zu fortgeschrittener Stunde mit krimiaffinen Themen konfrontieren und um möglichst empirisch abgesicherte Weisheiten zum Genre bitten. Heute wollen wir uns anhören, was Karl-Heinz T. nach sieben „Männergedecken“ (1 Pils, 1 Klarer, 1 Klosterfrau Melissengeist) zu sagen hat. Nein, es lässt einem keine Ruhe. „Mehr als ein Krimi“, „über das Genre hinaus“ … da schwillt sogar dem notorisch netten →Tobias Gohlis die Kollerader kindskopfdick, Krimidummdeutsch ist das, aber selbst das Unterirdische muss doch irgendwo einen Ausgang nach oben haben, nur wo, bitteschön, ist der? Oder anders gefragt: Was ist ein Krimi, wenn er mehr als ein Krimi ist?
Ganz schreckliches Eingeständnis: Ich kann diese Frage beantworten. Es macht überhaupt keine Schwierigkeiten, sich vorzustellen, wohin man gelangt, wenn man diesen Mehrwert sucht: zu den Kritikern nämlich. Schreibt ein Rezensent dieses „mehr als Krimi“, dann meint er unweigerlich: „mehr als mein Kopf fassen kann“. Mein Kopf? Wie das? Oder, anders gefragt: Was ist das eigentlich, Kopf? Und was ist drin?
Stellen wir uns das mal rein rezeptionstechnisch vor. Jemand liest einen Krimi. Wohin liest er ihn? In seinen Kopf selbstverständlich. Denn dort sitzt etwas, das ein Kritiker besitzen sollte: ein Gehirn. Dort wiederum, im Gehirn, sitzen Zellen – ich will das jetzt nicht ausführen, aber diese Zellen sind von Natur aus ziemlich intelligent, fast so intelligent wie ein Buchhändler, das heißt: Diese Zellen brauchen nur auf einen Buchumschlag zu gucken und schon wissen sie: Aha, ein Krimi. Wenns denn draufsteht. Manchmal steht „Kriminalroman“ drauf, da sagen sich die Zellen schon: Obacht, da steht Roman dabei, vielleicht ist das ja Literatur und überhaupt kein Krimi und wenns kein Krimi ist, dann ist es sofort „mehr als Krimi“.
Der Kritiker liest also in seinen Kopf, in sein Gehirn, in seine Zellen. Und siehe: Es ist ein Krimi. Weils nämlich draufgestanden hat und der Kritiker, wenn er Krimikritiker ist, einen Krimi quasi von berufswegen lesen muss, er liest gar nichts anderes, kriegts ja nicht bezahlt, außer Harry Potter auf Englisch in der U-Bahn, das zeugt von Abitur.
Das ist wie in der Backstube, verstehen Sie? Also in der Backstube: Da wird Brot gebacken. Aus Mehl. Wenn jedoch der Bäcker feststellen muss, nanu, auf dem Sack da steht „Mail“, aber es sind Smarties drin, dann bäckt er eben mit Smarties und nennt das Ergebnis „mehr als ein Brot“. Weil er kann ja nicht sagen: Das sind gebackene Smarties und sie schmecken scheußlich. Klar, ja? Und so geht es einem Krimikritiker, der etwas liest, das gar kein Krimi ist, obwohls draufsteht, sondern, sagen wir mal: irgendso ein gesellschaftsrelevant kritischer Dünnpfiff, dass du garantiert auch dünnpfeifst, aber jetzt mal ehrlich: Davon kann ein Krimikritiker nicht leben. Er muss eine Krimikritik schreiben und er kann das dann auch nicht Dünnpfiffkritik nennen, sonst wäre er ja rein logisch ein Dünnpfiffkritiker, was aber kein Mensch sein will außer denen im Fernsehen. Er kann höchstens feststellen, dass das, was er da gelesen hat, überhaupt kein Krimi ist, nur da wären wir wieder beim Bäcker, der auch gucken muss, wo er bleibt mit seinen gebackenen Smarties und der doch der Omma nicht sagen kann, hör ma Omma, das ist kein Brot, das sind Smarties, die ziehen dir das Gebiss aus, also lass ma die Finger von.
Das Problem ist also: Der Kritiker hat etwas gelesen, das heißt, seine Zellen haben festgestellt: Uh, ich pack das nicht. Soll Krimi sein, ist aber nicht Krimi. Soll nicht höhere Literatur sein, ist es aber, denn höhere Literatur ist qua definitionem alles, was nicht unterhält und ein Krimi sollte schon unterhalten, sonst wärs ja kein Krimi, sonst wärs gleich Literatur, aber für die ist der Kritiker – und jetzt kommts! – ja gar nicht zuständig, davon müsste er nämlich etwas verstehen, deshalb ist er ja Krimikritiker geworden, weil er von Literatur nichts versteht und von Krimis auch nicht, aber er muss drüber schreiben, als wärs ein Krimi, und weils partout keiner werden will, er kann sich die Finger wundschreiben, ist es halt mehr als ein Krimi, nämlich gar kein Krimi oder doch einer, aber der Krimikritiker ahnt nichts davon.
So geht’s ab in den Zellen da oben, man glaubt es nicht. Krimikritiker ist schon ein Scheißberuf. Und jetzt leckt’s mich doch…
Um das grundlegende Bauprinzip von Patrick Bomans Peabody-Reihe auf den Punkt zu bringen, genügt es eigentlich, die Schlussszene des aktuellen Bandes, „Peabody geht in die Knie“, nachzuerzählen. Unser Titelheld, Ausbund lüsterner, fettiger Schmierigkeit, kniet vor einem jungfräulichen Mädchen und reibt seinen schwitzenden Kopf an ihrem entblößten Schoß. Das zunächst schockierte, überrumpelte Mädchen wird erregt, packt Peabodys Kopf – und die Geschichte ist aus. – Und was sagt uns das jetzt?
Natürlich bei →Shayol / funny crimes, natürlich nur in allerbester Gesellschaft (Lansdale, Block et al), natürlich mit der Möglichkeit, sich bei mir ein signiertes Exemplar vorzubestellen (ohne Aufpreis, portofrei, Buch kostet wohl so 12-14 €), natürlich werd ichs nicht selber rezensieren. Warum eigentlich nicht?
Aus Köln zurück. Bahn verflucht. Im Dom gewesen (weils draußen geregnet hat). Das Schönste: die neuen bunten Fenster! Schnell was essen und dann ins Bett. Mittwoch – also heute! (Achtung, das ist jetzt ein Zeitsprung!) seid ihr dran! Schreibt, was das Zeug hält. Das ist jetzt euer Blog! Lobt, tadelt etc. Noch ne Pizza da? (Achtung, das war jetzt ein Gedankensprung!)
Es ist eine lukrative Aufgabe: 10 Millionen Dollar, wenn Max Mingus das entführte Kind findet und lebend zurückbringt, oder 5 Millionen Dollar, wenn er das tote Kind findet und weitere 5 Millionen, wenn er den Täter bringt. Nicht, dass er meint, das Geld wirklich zu brauchen, aber so richtig rosig scheint sie nicht auszusehen, die Zukunft des Expolizisten, Ex-Privatdetektives und Exknackies, frisch aus der Haft entlassen.
Sprechen wir vom „Krimi“, meinen wir den KriminalROMAN. Alles unter 200 Seiten fristet sein Dasein im Schatten des Genres und muss sich gelegentlich gar den Vorwurf gefallen lassen, „zu kurz“ zu sein und damit ein schlechtes Preis-/Leistungsverhältnis aufzuweisen (man denke nur an „Tannöd“). Der Kurzkrimi immerhin hat noch seinen, wenn auch begrenzten Platz im Krimisegment. Anders sieht es bei der Kriminalerzählung, der Kriminalnovelle gar, aus. Außerhalb der lobenswerten Reihe „kaliber .64“ der Edition Nautilus scheint sie hierzulande nicht mehr zu existieren. Dabei ist doch sie die Urform des gesamten Genres.
Einen Kalender braucht der Mensch. Sei es, um löbliche Maximen zukünftiger Lebensplanung festzuhalten wie Astrid Paprotta („Endlich wieder mit dem Bloggen anfangen!“), sich eigene Schwächen einzugestehen wie Ludger Menke („30.11.: Wieder nichts gelernt“) oder einfach zum Festhalten besonders schöner Momente des Alltags wie Anobella („Dpr ist ja so süüüüüß!!!“). Aber welchen Kalender braucht man nun? Keine Frage: Den „Kalender für Kriminalliteratur 2008“.
Wer D.O.A. nicht kennt (das Original von 1949, nicht das Remake mit Dennis Quaid) kann sich den kompletten Film bei archive.org herunterladen. In schwarz&weiß und völlig legal: → www.archive.org/details/doa_1949 (klein in MPEG1 oder MPEG4 oder als fast 4GB schweres MPEG2-File) Auch für Liebhaber alter Krimireihen und – serien ist archive.org eine Fundgrube. Ich sag´ nur Sherlock Holmes, Bulldog Drummond, Dick Tracy,…
Die Welt in naher Zukunft. Das US-amerikanische Irak-Abenteuer endet im Fiasko, in Bagdad haben die Iraner das Sagen. Und noch etwas besitzen sie inzwischen: Atombomben. Saudi-Arabien gibt es nicht mehr, das Land heißt jetzt Islamijah und wird von Gottesfürchtigen regiert, Fundamentalisten und gemäßigte Kräfte ringen um die Macht. China, immer öldurstiger, schickt „Berater“ nach Islamijah, Raketen sollen folgen, eventuell mit Atomsprengköpfen? Der Iran schließlich hat Interesse an den Emiraten. Keine Rolle in diesem Szenario spielen die EU und Russland, was denn doch ein wenig überrascht.
Der Blogdiktator macht heute Ferien und lässt die Geknechteten und Unterdrückten an den Fleischtopf der Kommentarfunktion. Nutzt sie! Schüttet eure Herzen aus! Macht ihnen Luft! Öffnet sie! Werft euren kriminellen Ballast von der Seele! Hier dürft ihr es! Ohne Vorgaben! Macht was ihr wollt! Nur niemanden beleidigen. Außer den Blogdiktator selber.
Nichts gegen Elmore Leonard. Aber manchmal wünscht man sich, die Krimiautoren blieben Krimiautoren und hielten sich bei den Gesetzgebungsverfahren des Genres zurück. Zehn „Schreibregeln“ hat Leonard zum Besten gegeben und Kollege Bußmer diese dankenswerterweise verdeutscht und → ins Netz gestellt. Grausige Regeln.
John Blake ist ehemaliger Privatdetektiv und trägt eine schwere Last mit sich. Er fühlt sich schuldig am Tod seiner damaligen Freundin und an der schweren Verletzung einer guten Bekannten. Er hat sich zurückgezogen an die Uni. Dort arbeitet er ein bisschen in der Verwaltung und studiert ein wenig. Bei einem „creative writing“ – Seminar lernt er Dorothy Burke kennen. Es entwickelt sich eine freundschaftliche Beziehung, man findet Vertrauen zueinander, tauscht sich aus und bespricht die Texte fürs Seminar.
Ha, zu früh gefreut! Der Blogger verabschiedet sich nicht mit einem letzten „bye“, nein, er stellt die erste saarländische Krimi-Anthologie vor, „Letzte Grüße von der Saar“ eben, wo man nicht nur das Savoir Vivre schätzt, sondern auch das Saarvoir Mourir.