Volksbloggen -10-

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Ja, regt sich denn hier keiner mehr auf außer mir? „Ambitionierte Anti-Kriminalromane … benutzen die Strukturen und Konventionen des Thrillers nur als Gerüst … die literarische Tradition des Kriminalromans …“ Zu finden →hier, aber nein, dazu äußere ich mich nicht, heute schon gar nicht, heute hab ich meinen Ruhetag, da sind die LeserInnen dran und können sich aufregen, über dies und das und ganz was anderes. Oder loben, empfehlen, ein bisschen rumspinnen. Wie stets am Mittwoch, wenn das Volk bockt. Äh: bloggt.

Schluss jetzt!

„Die Lage ist ernst, aber hoffnungslos.“ Wann immer Chef Walter eine Redaktionssitzung mit diesen Worten beginnt, wissen wir, was die Stunde geschlagen hat: Scheffe hat mal wieder eine Idee.
„Entgegen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“, doziert der oberste aller Redakteure, „hat HINTERNET, die Spannungstankstelle am Rande des Mainstreams, sein Geschäftsvolumen lediglich um mickrige 0,3 % steigern können. – Wo ist eigentlich Fräulein Anobella?“

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Jubel, Trubel, KJB

Auch in diesem Jahr ist passiert, was schon in den Jahren davor passiert ist. Die Planung des Krimijahrbuchs 2008 wird jetzt, in der heißen Phase, fast täglich über den Haufen geworfen. Zugesagte Beiträge fallen (aus akzeptierten Gründen) aus, neue werden avisiert. Aus „wahrscheinlich nicht“ wird „kommt!“, aus „kommt garantiert“ ein „Sorry“. Der folgende Dingestand kann also nur ein höchst vorläufiger sein…

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Joe Gores: Hammett

Joe Gores’ „Hammett“, der Krimi über einen Klassiker des Genres, ist seit seinem Erscheinen 1975 selbst zum Klassiker dieses Genres geworden und die Neuauflage in der metro-Reihe des Unionsverlages entsprechend löblich. Denn hierzulande wurde der Roman öffentlich vor allem als Grundlage eines Films von Wim Wenders wahrgenommen, über dessen chaotisch-desolate Genese Wenders wiederum einen Film („Der Stand der Dinge“) gedreht hat. Das ist, wohl ohne Absicht, putzig, denn „Hammett“ selbst ist – unter anderem – ein Krimi über Krimis.

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Volksbloggen -9-

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Also wie immer heute. Ihr gebt euren Senf dazu. Zu was? Liegt bei euch. Kleine unverbindliche Anregung? Folgendes: Im Krimijahrbuch 2008 gibt es einen Beitrag mit insgesamt sieben Rezensionen von aus der Jahresproduktion herausragenden Krimis. „7 für die temporäre Ewigkeit“. Was wäre eure Wahl? Welchem 2007 veröffentlichten Kriminalroman traut ihr zu, wenigstens die überschaubare Ewigkeit der nächsten Jahre unbeschadet zu überstehen? Outing, please!

P.J. Parrish: An Unquiet Grave

Es ist ein großes Gelände, auf dem die leeren Häuser verstreut liegen. Bis vor zwei Jahren war dort eine Verwahranstalt für psychisch Kranke. Jetzt sind kaum noch Menschen anwesend. Ein, zwei Schwestern, die die alten Akten aufräumen, bevor die Gebäude abgerissen und auf dem Gelände Wohnhäuser errichtet werden, und Charlie, ein ehemaliger Patient, der kein anderes Daheim kennt und immer wieder zur ehemaligen Klinik zurückgekehrt.
Louis Kincaid, mittlerweile in Florida lebender Privatdetektiv, dessen letztes Abenteuer -> hier beschrieben worden war, kehrt nach Michigan zurück, weil sein Pflegevater ihn bat, ihm zu helfen. Eine alte Freundin des Pflegevaters war in der Krankenanstalt. Nachdem sie dort verstarb, wurde sie auf dem dortigen Friedhof bestattet. Als nun der Friedhof umziehen sollte, entdeckte man statt der Gebeine Steine in ihrem Grab.

Die Beziehung des Pflegevaters zu der Frau ist mysteriös. Das Buch führt nicht nur ihn in seine Vergangenheit zurück, sondern auch Kincaid in die seine. Und natürlich geht es auch um das Krankenhaus und seine Geschichte. Im Gebäude E waren Verbrecher: Massenmörder und Serienvergewaltiger.

Die Entwicklung der Psychiatrie und ihre unglücklichen Experimente in der Vergangenheit sind ein häufigeres Thema. Bange machen gilt also nicht: Die Toleranzschwelle ist hoch. „An Unquiet Grave“ erzählt, einigermaßen unspektakulär eigentlich, aus der Krankenakte, wie eine Anstalt in Verbindung mit den Angehörigen sich anschickte, Gewalt über den Geist ihrer „Schutzbefohlenen“ zu erlangen und schafft es tatsächlich damit zu berühren.

Im Vergleich zum Vorgänger, „A Killing Rain“, ist das Buch emotionaler. Das Thema der Vergangenheit, die sie alle im Griff hat, bringt es mit sich. Ganz zwanglos ist das Krankenhaus der Kristallisationskern, an dem die Personen, seien es Angehörige, Ärzte oder eben Kincaids Pflegevater, zusammenkommen und mit ihren früheren Handlungen konfrontiert werden.

Immer wieder zeigen sie in ihren Büchern, was für hervorragende Spannungsautoren P.J. Parrish sind. In „An Unquiet Grave“ sind es insbesondere die Szenen in den leeren Räumen der Bettenhäuser oder in den Katakomben unterhalb der Gebäude. Dunkle, geheimnisvolle Gänge, in denen auch dem sonst abgeklärten Kincaid unheimlich ist, zumal er entdeckt, dass dort noch wer anderes sein muss.

Dass das Buch dieses Jahr zwei so unterschiedliche Preise wie den Thriller Award und den Shamus Award (für Privatdetektive) auf sich vereinigen konnte, zeigt auch, welche große Spannweite es besitzt. Psychiatrie, Serientäter, die Bürde der Vergangenheit: Das sind nicht unbedingt neue Themen. Aber die beiden Schwestern, die hinter dem Pseudonym P.J. Parrish stecken, laden diese Themen neu auf und stellen sie so dar, dass ein sehr guter, spannendes und lesenswerter Krimi dabei ‚rauskommt.

P.J. Parrish: An Unquiet Grave. 
Pinnacle Books 2006. 384 Seiten. 5,99 € 
(noch keine deutsche Übersetzung)

Volksbloggen -8-

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So. Wieder mal Mittwoch. Der Chefblogger hat zwar seine Tarifverhandlungen erfolgreich beendet (er forderte 300% – der Chefredakteur drohte mit 300% Abzug – geeinigt hat man also in der Mitte bei 0%), nutzt aber den Tag für anderweitige Aktivitäten (der Whirlpool wird gerade mit neuen Praktikantinnen frisch gefüllt). Du, liebe Leserin, lieber Leser, bist wieder am Zug. Denn du hast weder Whirlpool noch Praktikantinnen. Also los. Meckern! Loben! Vorschlagen! Oder nur einfach schreiben: Huhu, ich bin da! Ja, wär doch mal was. Wem nichts einfällt, der meldet sich einfach per Kommentarfunktion zum Dienst. Mal sehen, wer hier alles kostenlos mitliest.

Jason Goodwin: The Janissary Tree

„The Janissary Tree“ ist der diesjährige Edgar-Gewinner und damit der jüngste Vertreter einer herausragenden Reihe von Büchern. Das Buch ist einer der Edgar-Gewinner, die bei den großen US-amerikanischen Krimipreisen sonst nicht weiter in Erscheinung traten. Die Frage ist, ob das was bedeuten mag. Wir werden sehen.
Die Geschichte, die das Buch erzählt, spielt im Jahre 1836 in Istanbul. Das osmanische Reich nimmt nicht recht Anteil an der europäischen Moderne und fällt gegenüber den anderen Mächten zurück. Das gilt natürlich auch für das Militär und seine Erfolge. Die Janitscharen, die einst schlagkräftige Elitetruppe des Sultans, war in die Jahre gekommen und hatte sich als degenerierter Staat im Staat etabliert, der die Herrschenden fest im Griff hatte. So kam es, dass der gegenwärtige Sultan sie vor zehn Jahren blutig beseitigte.

An ihrer Stelle ist nun die Neue Garde getreten, die durch europäische Ausbilder auf einen modernen militärischen Standard gehoben werden soll – wenn auch, wie ja jeder weiß, das osmanische Reich nicht mehr zu retten war und letztendlich in der Folge des 1. Weltkrieg unterging.

Vier junge Offiziere der Neue Garde sind verschwunden und einer nach dem anderen tauchen ihre Leichnamen schrecklich verstümmelt wieder auf. In wenigen Tagen steht die große Inspektion der Neue Garde durch den Sultan an, da kann der kommandierende General sich keine Unruhe erlauben. Er beauftragt Yashim der Sache auf den Grund zu gehen und die Drahtzieher zu identifizieren. Mit Yashim hat es nun eine besondere Bewandtnis, denn er ist Eunuch, hat das Vertrauen des Sultans und dessen Mutter, und so kommt es, dass er zeitgleich in den Palast gerufen wird, weil eine junge Kurtisane aus dem Harem ermordet worden ist und der Mutter des Sultans Schmuck abhanden gekommen.

Viel zu tun also für Yashim. So macht er sich denn auf, durchstreift pittoreske Szenerien der Stadt, sucht Spuren der Janitscharen und stöbert im Harem nach dem Mörder und den Diamanten.

Das alles ist schön erzählt, mit einem Auge für die Stadt, damals die größte der Welt, und einem Gespür für Dramatik. Viele der nötigen historischen Informationen werden scheinbar wie nebenbei gegeben. Yashim gerät in Gefahr, muss Zeichen deuten und aufspüren und sich Informationen ertrotzen, ganz wie in einem zeitgenössischen Krimi. Und doch, wenn auch auf hohem Niveau, das Buch enttäuscht. Denn es ist, wie es in einem Blurb auf dem Umschlag heißt „The perfect escapist mystery“. Dazu trägt auch der Erzählstil bei, der immer entspannt, sich mehr für den Clubsessel als für den Dreck der Straße eignet: Möglicherweise der perfekte Loungekrimi, aber kaum der beste der im Jahre 2006 publizierten Krimis in den USA.

Jason Goodwin: The Janissary Tree.
Faber and Faber 2007. 352 Seiten. 10,00 €
(Deutsch: Die Weisheit des Eunuchen. Piper 2006. 361 Seiten. 14 €)

Sittengeschichte

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Von einem lobenswerten und höchst überfälligen Projekt ist zu berichten. Ab Januar 2008 wird Frank Göhre bei der →Edition Köln eine „kriminelle Sittengeschichte Deutschlands in zehn Bänden“ herausgeben. Dahinter verbirgt sich nun kein Kraftakt in soziologischer Theorie, sondern schlicht die Wiederauflage von zehn exemplarischen Kriminalromanen aus dem Zeitraum 1957 – 1993.

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Ein Streich

Aus einem alten Krimi:

»Ja, ja, die Streiche, die Streiche!« – rief Herr Scheuermann aus. »Die strikes« – verbesserte Herr Hähnchen – »ein englisches Wort. – Meinen Sie, daß ich mir dieselben gefallen lassen würde?« – »Aber was wollen Sie machen?« – fragte Herr Scheuermann. »Hier muß man vorbauen, Verehrtester!« – sagte der Eisenwerkbesitzer. – »Und ich rathe Ihnen dringend, in ähnlicher Weise zu verfahren, obwohl Sie als Öconom so glücklich sind, mit dem in der That scheußlichen Proletariate der Fabrikarbeiter nicht in Berührung zu kommen.«
»Nun, nun« – meinte der Landwirth – »Knechte undTaglöhner sind auch Schlingel.«
»Aber kein solches Gesindel, wie die Fabrikbrut« – versetzte scharf Herr Hähnchen. »Man muß die gärende Masse mit Gewalt niederhalten, man muß den Lästermäulern das rechte Gebiß anlegen.«

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Pieke und keine Kollateralschäden

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Zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ am Sonntag hat Pieke Biermann ein passendes Thema für ihre Kriminalreportage herausgesucht: häusliche Gewalt. Hören kann man das – Achtung, Terminänderung! – jetzt schon am Freitag, 23. November 2007 im RBB-Inforadio 93,1 um 10:27 und 13:27 Uhr, die Wiederholungen gibt es am Sonntag um 13:45 und 18:45 Uhr und Montagnacht um 04:45 Uhr. Leser des „Tagesspiegels“ kommen am Sonnabend, 24.Oktober 2007 in den Genuss der „Wo bleiben die Kinder?“ betitelten Reportage. Und Podcaster wissen schon, dass sie aufs Radio klicken müssen.

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Stephan Pörtner – Köbi Santiago

Pörtner, Stephan: Köbi Santiago:

Ja, der Köbi. Mit der Schweiz hat er abgeschlossen, in Spanien, in Santiago de Compostela, lebt es sich behaglicher. Geld steht ihm – woher eigentlich? – reichlich zur Verfügung und die Vergangenheit liegt weit hinter den sieben Bergen. Da passiert es. Köbi trifft einen Freund aus alten, stürmischeren Tagen in den Achtzigern, als „Züri brennt“ wörtlich zu nehmen war. Aber der Freund ist doch seit Jahren tot, oder? Ermordet…

Der Einstieg in Stephan Pörtners Roman ist klassisch. Ein Totgeglaubter lebt, er will seine Tochter in der Schweiz besuchen, die Tochter ahnt nichts von ihrem Glück, Köbi soll vermitteln. Dann ist der Wiederauferstandene zum zweiten Mal tot, diesmal endgültig, und Köbi, der in einem früheren Leben als Privatdetektiv gearbeitet hat, macht sich auf die Suche nach Täter und Tathintergründen.

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Stephan Pörtner: Köbi Santiago

Ja, der Köbi. Mit der Schweiz hat er abgeschlossen, in Spanien, in Santiago de Compostela, lebt es sich behaglicher. Geld steht ihm – woher eigentlich? – reichlich zur Verfügung und die Vergangenheit liegt weit hinter den sieben Bergen. Da passiert es. Köbi trifft einen Freund aus alten, stürmischeren Tagen in den Achtzigern, als „Züri brennt“ wörtlich zu nehmen war. Aber der Freund ist doch seit Jahren tot, oder? Ermordet…

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