…der deutschen Kriminalliteratur ist Karl Labacher vielleicht nicht. Aber wenig weiß man über ihn, fast gar nichts. Wer ihn kennenlernen möchte, der sei am sofort an die →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ verwiesen, die ihn als 39. AutorIn in ihre Regale gestellt hat. Mit dem ca. 1905 erschienenen Erzählbändchen „Der Dämon vom Walde“.
Es muss schleunigst einen neues Subgenre her, um eine seit Jahren zu beobachtende Entwicklung am Schlawittchen packen zu können. Nach dem Boom des Regionalkrimis, der ja eigentlich keiner ist, sondern schnöder Fremdenverkehrskrimi, plustert sich in den letzten Jahren der sogenannte „historische Krimi“ gar mächtig auf. Und der ist natürlich auch nicht „historisch“, sondern allenfalls „historisierend“, bei genauerer Betrachtung aber dann doch nur oberflächliches Infotainment für Leute, die im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst haben. Genau: Nennen wir das Kind doch Infotainment-Krimi. Einen solchen hat Jan Eik mit „Der Ehrenmord“ in der Reihe „Es geschah in Berlin“ verfasst, wo sich Horst Bosetsky schon dem Jahr 1910 und Sybil Volks dem Jahr 1912 gewidmet haben. Eik hat „1914“ aus der großen Lostrommel gezogen und schickt den Reihenermittler Kappe in einen Fall von Mädchenmord. Was nun so dröge und vorhersehbar, so holzschnittartig und wenig aufregend ist, dass wir hier kein weiteres und schon gar kein gutes Wort darüber verlieren wollen. Interessant ist das „historische Setting“ am Vorabend des ersten Weltkrieges. Wir erfahren, dass die meisten Deutschen begeistert von der Aussicht auf ein zünftiges Schlachten waren, „jeder Stoß ein Franzos, jeder Schuss ein Russ“ eben, ein paar waren auch dagegen. Wir erfahren auch, dass es in Berlin damals genauso ausgesehen hat wie auf den Bildern von Meister Zille. Die Armen waren halt arm, die Reichen reich, die Hinterhöfe dunkel und die Triebe schweinisch. So. Und das wars schon mit dem Gratisgeschichtsunterricht. Selbst für Infotainment ein bisschen wenig.
Man muss dem Volk aufs Maul schauen. Sprich: Auf die Finger, wenn die elegant über der Tastatur kreisen. Tun wir hiermit. Also: lasst kreisen. Schreibt. Über alles, was irgendwie mit Krimi oder Literatur zu tun hat. Lobt, tadelt etc. Um eine kleine Anregung zu geben – die man aber nicht aufgreifen muss -, hier zwei extreme Definitionen von „Krimi“ und „KriminalLITERATUR“…
„Copper River“ von William Kent Krueger macht da weiter, wo der letzte Band der Serie, Mercy Falls aufgehört hatte. Cork O’Connor, suspendierter Sheriff von Aurora, ist auf der Flucht. Killer sind hinter ihm her, weil er angeblich den Sohn von Lou Jacoby getötet hat. Es verschlägt ihn nach Bodine, weit weg von seiner Familie und schwer verletzt. So hockt er nun in einer Hütte in einem ehemaligen Urlaubercamp, von seiner Cousine, einer Tierärztin, wieder zusammengeflickt, der das alles gar nicht recht ist, weil ihr Mann, Aktivist für Indianerrechte, von Uniformierten erschlagen worden war.
Rick DeMarinis Roman „Kaputt in El Paso“ ist ein Text über Grenzerfahrungen oder, was nur ein anderes Wort dafür ist, über das Verwischen von Grenzen, die Entgrenzung. Dass er in El Paso, also unmittelbar an der Grenze zu Mexiko und somit dem, was wir die „Dritte Welt“ nennen, spielt, ist natürlich kein Zufall.
…dass man ihre Kriminalreportagen ab sofort nicht mehr Samstags, sondern schon Freitags im Radio hören kann. die neue also am Freitag, 26. Oktober 2007 im RBB-Inforadio 93,1 um 10:27 Uhr und 13:27 Uhr (am Wochenende wird sie dann noch mehrmals wiederholt). Bei der Printversion bleibts unverändert: immer am Samstag. Und das mit dem Podcast? Eh klar. Pieke anklicken, reinhören. In „ein Lehrstück über private Solidarität, zugeschweißte öffentliche Kassen und echte Gesetzeshüter“.
Robert Wilson hat es nicht leicht. Man kommt fast nicht umhin, seine neuen Bücher mit seinem Meisterwerk „Der Blinde von Sevilla“ zu vergleichen. „Die Maske des Bösen“ ist schon der dritte Fall des spanischen Ermittlers Javier Falcón und wie so oft bei einer Krimi-Reihe mit durchlaufenden Charakteren scheinen den Autoren die Lebensgeschichten der Einzelnen wichtiger zu sein als der eigentliche Fall.
Auch wir wollen es nicht versäumen, einen neuen Krimiblog in unserer Mitte zu begrüßen. →„Tatort: Krimi“ heißt der und konzentriert sich momentan auf Rezensionen, zuletzt Robert Littells „Kalte Legende“. Tja, und da bin ich nun über den Schlussabschnitt der Besprechung gestolpert:
„Nur zum Schluß ein kleiner Wermutstropfen: Selbstjustiz, so gerechtfertigt sie auch zu sein scheint und zu deren Zustimmung Littell uns geneigt machen will, ist immer, immer reaktionär.“
Hm, LITTELL macht geneigt? Nicht vielleicht eine Figur aus dem Roman? Und selbst das halte ich für fraglich.
In der Pfalz ist der Erdenplanet ein prallrunder Saumagen, auf dem die Kontinente wie fette Wurstscheiben driften und die Meere als Weinpfützen dümpeln. Und erst Bad Dürkheim! Pfalzkrimi kann also im Regelfall nichts anderes sein als lausig dramatisierte Tourist Information, aber da der Regelfall seine Ausnahmen kennt, sehen wir uns heute in der glücklichen Lage, von einem solchen berichten zu dürfen. Denn Monika Geiers „Schwarzwild“ ist ein gelungenes Stück Kriminalprosa.
Jetzt, mit dem neuen Logo aus der Logoschmiede von Ludger „Blog der Woche“ Menke, macht das Volksbloggen sogar noch mehr Spaß! Hier ist – fast – alles erlaubt! Rummosern, hemmungslos loben, schüchtern anfragen, gnadenlos fordern, grenzenlos Eigenwerbung betreiben. Heute hole ich noch mal eine Frage von gestern zum Anheizen hervor: Muss, wer einen Krimi schreibt, wirklich „über Krimis nachdenken“? Wenn ja: was denn? — Aber schreibt doch, was ihr wollt…
An Sherlock Holmes führt kein Weg vorbei. Manchem getreuen Leser mag es zu weit gehen, aber Laurie R. Kings Wiederbelebung des Detektivs im Jahr 1994 war ebenso originell, wie gelungen durchgezogen. „Locked Rooms“ ist das nunmehr achte Buch der Mary Russell Serie.
(Unsere neue Montagsserie ist ein Kriminalroman der besonderen Art. Zunächst: Er spielt in der Zukunft. Dann: Es wird nicht gemordet. Weiter: Sein Gegenstand ist der Kriminalroman selbst und wie er Wirklichkeit herstellt oder abbildet oder was auch immer. Am Ende gibt es auch keine Lösung, sondern nur Lösungen. Das heißt: viele Fragen.)
Der Kollege vom „Krimiblog“, der ja nichts besseres zu tun hat, als durch die Blogosphäre zu segeln, wusste es natürlich als erster: Willi Voss →bloggt. Willi Voss? Die Altvorderen kennen und schätzen ihn als Autor veritabler Thriller, die Newbies seien dringend auf ihn hingewiesen. Hat nicht unser Lehrling Jochen… doch, hat er. →Hier.
…lautet natürlich: „Wer ist schuldig“? Darauf wusste schon Anton Oskar Klaußmann 1889 eine Antwort. Jetzt in der → „Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ nachzulesen. Nebst einem journalistischen Text über „Attentate“ (1910) sowie einer „kriminalistischen Studie“.
Und was erwartet uns nächste Woche in diesem Blog? Wir beginnen am Montag mit einer hochspekulativen Szene aus dem Jahr 2401. Es geht um Krimis und ihren Wirklichkeitsgehalt und wir erfahren endlich, wozu ein Krimi aus der Gegenwart auch in 300 Jahren noch gut sein kann. Am Dienstag überrascht uns Bernd mit einer neuen Rezension und am Mittwoch wird wieder volksgebloggt. Die größte Sensation der Woche haben wir uns für den Donnerstag aufgehoben…
Warum ist Deon Meyers „Der Atem des Jägers“ ein gelungener Kriminalroman? Betrachten wir uns die „Eckdaten“, könnte es genauso gut ein grottenschlechter, ganz und gar von den Konventionen des Genres in die Bedeutungslosigkeit gezogener Krimi sein. Uns begegnen: eine Hure mit Herz, ein Polizist mit einem Alkohol- und Beziehungsproblem, ein sympathischer Killer. Dazu kolumbianische Drogenbarone, korrupte Bullen, missbrauchte Kinder. Legen wir das Buch nach der Lektüre des Klappentextes also resignierend aus der Hand? Sollten wir nicht tun.
Und wieder ist unser basisdemokratischer Tag. Heute darf sich hier jeder zu jedem beliebigen Krimithema ausbreiten, Lob und Tadel spenden, auf Bücher hinweisen, von ihnen abraten, sich etwas gaaaanz feste wünschen etc. Ran an die Kommentarfunktion!
Dr. Bob Wells ist Psychotherapeut und ein richtig guter Mensch: Für wenig Geld behandelt er die Psychopathen und Gestrandeten von Downtown Baltimore. Während Freunde und Bekannte aus Studententagen und aus der Zeit des politischern Aktivismus mittlerweile längst mit Frau und Kindern in die Vororte gezogen sind, bleibt er sich treu und lebt immer noch mitten drin in der Stadt. Glücklich ist er aber längst nicht mehr. 52 Jahre alt, die Frau zu einem Kollegen abgehauen und seiner Praxis geht es schlecht: Das Leben, so scheint es, hat Wells nur noch wenig zu bieten.
Neulich in FFM: Lore Kleinert (Radio Bremen, Bestenliste-Jurorin) im Gespräch mit Astrid Paprotta und Arne Dahl, 40 Minuten zum Mitlauschen. Hören Sie →hier, was ap auf die Frage, wie sie zum Krimi gekommen sei, NICHT antwortet: „Weil meine Geschirrspülmaschine kaputt war.“
(Auch für die folgende Arbeit unseres Rezensenten-Azubis Jochen übernehmen wir, wie immer, keinerlei Verantwortung. Erzürnte und kommentarmäßig enthemmte LeserInnen mögen bitte berücksichtigen, dass hier ein noch junger und unreifer Mensch seine ersten Schritte auf das glatte Parkett der kritischen Analyse setzt. Dabei sind schon ganz andere auf die Schnauze gefallen, wir nennen jetzt aber keine Namen.)