Sitzt in der Ersten Reihe bei Tatort-Kommissar Boris Aljinovic (Tatort Berlin, in der Figur des Kommissars Felix Stark, nächste Sendung, 9.12. 07).
WeiterlesenKategorie: Watching the detectives
Messebericht 2007
„Den Kaffee bezahle diesmal ICH!“
Mein diesjähriger Besuch der Frankfurter Buchmesse beginnt mit einer faustdicken Überraschung. Krimischaffende Astrid Paprotta, die mich zum traditionellen Hintergrundgespräch geladen hat, ist gewillt, den Löwenanteil ihrer Tantiemen für „Feuertod“ in völlig überteuertes heißes und schwarzes Wasser zu investieren. Wir zapfen die Getränke („Selbstbedienung“) und ziehen uns zum Gedankenaustausch zurück.
Fünf Minuten rühren wir versonnen im Gebräu, bevor ap mit ausdrucksloser Stimme sagt:
„Meine Geschirrspülmaschine ist kaputt.“
Es überläuft mich. Am Stand des Dortmunder Grafit Verlages droht ein Buch umzufallen. Wir rühren weiter im Kaffee. Noch einmal fünf Minuten.
„Bei defekter Geschirrspülmaschine kann ich nicht schreiben.“
Natürlich nicht. Ich nicke mitfühlend und sammle erste Eindrücke der heurigen Modetrends bei den Verlagsmädels. Stiefel. Stiefel in allen Variationen. Röcke. Meist mittellang. Das Buch bei Grafit steht noch. Die Zeit (fünf Minuten) vergeht.
„Kein Mensch kann Krimis schreiben, wenn die Geschirrspülmaschine defekt ist“, klärt mich ap auf. Ich nicke auch diese Weisheit ab. Wir starren auf den von keinem Lüftchen bewegten, starren schwarzen See in unseren Tassen. Fünf Minuten ziehen ins Land.
„Höchstens Oliver Bottini.“
Äh…ich habe den Faden verloren. Bottini? Macht nichts. Es ist wieder an der Zeit, im Kaffee zu rühren. Vier Minuten? Nein. Fünf.
„Nein, der auch nicht.“
Wer? Was? Unwichtig. Der Kaffee ist kalt, das Buch am Grafitstand in bedenklicher Schieflage.
„Ich muss jetzt zum nächsten Termin. War schön, mal wieder mit dir zu sprechen“, gibt ap das Zeichen zum Aufbruch.
„Und grüße Anobella von mir. Ich mag sie sehr.“
„Werd ich ausrichten“, lüge ich. Interessantes Gespräch.
Auf dem Weg zu meinem nächsten Termin mit Krimiexperte Thomas Wörtche Vertiefung der bisherigen modischen Eindrücke. Ja, Stiefel. Ich mag keine Stiefel. Und Röcke. Ich mag Röcke. Dazu bisweilen recht nachlässig geknöpfte Blusen. Sehr schön.
Ex-metro-Herausgeber Wörtche wartet mit einer Sensation auf: Er hat sich das Rauchen angewöhnt. „40 Jahre Nichtraucher – ich muss ein vollständiger Idiot gewesen sein“, bekennt er hustend. Wie er es geschafft habe, mit alten Gewohnheiten so radikal zu brechen? Stolz streckt sich Wörtche zu voller Körpergröße und bekennt: „Es war nicht leicht. Am Anfang hat es einfach scheiße geschmeckt. Heute auch noch. Aber seit ich rauche, habe ich viel mehr Erfolg bei Frauen.“ Er zieht ein schwarzes Feuerzeug aus der Jackentasche und überreicht es mir. „Statt Visitenkarte“. Ich lese den Aufdruck. „Even non-smokers get the Blues“. „Vierzig Jahre! Ich fass es nicht!“
Sprichts, entsorgt seine CAMEL LIGHT nonchalant auf dem Teppichboden und verabschiedet sich auf den Spuren einer viel zu jungen Verlagsmitarbeiterin. „Grüß Anobella von mir, ich liebe sie“, sind seine letzten Worte. Ich vergesse sie sofort wieder.
Inzwischen ist es Nachmittag geworden, das Büchergemensch drückt sich durch die Flure, an Atmen ist nicht mehr zu denken. Meine nächsten Gesprächpartner, Christina Bacher und Ulrich Noller, erwarten mich in einem der zahlreichen – und natürlich überfüllten – INDOOR COFFEE SHOPS. Thema: Krimijahrbuch. Läuft alles? Noller: „Jo.“ Bacher: „Aber immer“. DPR: „Dann hätten wir uns nichts mehr zu sagen.“ Noller: „Nö.“ Bacher: „So siehts aus.“ Wir trennen uns als Freunde. Schöne Grüße soll ich ausrichten. An wen? Die LeserInnen ahnen es.
Auf dem Weg zum Höhepunkt meines Messebesuchs passiere ich den Stand des Dortmunder Grafit Verlages, als dort just jenes schon mehrmals erwähnte Buch umfällt. Es handelt sich um Horst Eckerts „Königsallee“. Ein Mann springt sofort auf, bückt sich und sorgt für die ordnungsgemäße Platzierung des Werkes. Der Mann ist kein anderer als Horst Eckert selbst, wie ich vorbeieilend im linken Augenwinkel erkenne. Schade, hätte gerne ein paar Takte mit ihm gesprochen. Aber Anobella, die im Cafe der Verlage auf mich wartet, gilt als Pünktlichkeitsfanatikerin, ich muss mich beeilen.
14.30: Ich habe es pünktlich geschafft. Keine Spur von Anobella. 14.31: Eine atemberaubende rothaarige Schönheit (also nicht Anobella) geht an mir vorbei. Ganz in Schwarz. High Heels. Schlagartig vergesse ich, warum ich hier bin.
14.35: Anobella weckt mich aus meinen Tagträumen. „He! Da bin ich! Pünktlich wie immer!“ – Ich verkneife mir den Widerspruch und überlasse mich der Sprachlosigkeit, welche mich beim Anblick der Wiesbadener Krimischaffenden gepackt hat. Sie trägt entgegen des skizzierten modischen Trends eine über den Knien unsachgemäß abgeschnittene Jeans, dazu gelbe Lackstiefel, die unter den Knien enden. Die dadurch unbedeckt bleibenden Kniescheiben wollen als erotisches Moment nicht so recht überzeugen. Gleiches gilt für das pinkfarbene T-Shirt am Oberkörper der bekennenden Hessin. „What you read is what you eat“ steht dort in grellblauen Buchstaben.
Anobella zieht mich – mir stockt der Atem – zum Tisch der rothaarigen Schönen. „Das ist Henrike Heiland!“, stellt sie vor. Wir geben uns die Hand. Fünf Minuten lang.
„Können wir jetzt was trinken?“ unterbricht Anobella, leicht gereizt, die Höflichkeitszeremonie. Können wir. Theoretisch. Doch im Cafe der Verlage gibt es Kaffee nur für Verlage. Wir schauen uns an. Wir sind Krimischaffende, keine Verlage. Die Verlage leben von uns, aber sie verweigern uns die Getränke. Verbittert ziehen wir weiter. Nach odyseeischen Wanderungen erreichen wir ein Cafe, das auch an NormalautorInnen Getränke ausschenkt.
„Ein Mineralwasser“, bestellt Henrike Heiland, „aber bitte laktosefrei.“
Anobella schaut mich an. Gereizt.
„Du mit deinem Wasser!“, zischt sie der vielversprechenden Nachwuchsautorin (euphorische Besprechungen ihrer Werke auf diesem Blog folgen!) zu und bestellt selbst „Kaffee! Und Kuchen! Ich zahl heute alles!“ Der Berichterstatter schließt sich an.
Austausch erster Floskeln. Natürlich habe ich ALLES von Henrike Heiland gelesen (stimmt nicht), natürlich ist alles wunderbar (stimmt natürlich!), natürlich finde ich es toll, das mit dem laktosefreien Wasser, natürlich ist es auch toll Kaffee zu trinken (Anobella lockert den Griff um meinen Hals).
„Geh mal eine rauchen, wir müssen jetzt über Frauenthemen sprechen“, fordert mich Anobella rüde auf, eine rauchen zu gehen. Ich gehe eine rauchen. Als ich zurückkomme, ist Ano“ich zahle alles“bella beim zweiten Kaffee und dem dritten Stück Kuchen. Der Blick, den sie mir entgegenwirft, kann nur als finster bezeichnet werden.
„Du riechst nach Rauch“, faltet sie mich zusammen, „wir mögen das nicht. Müsstest du nicht längst am Bahnhof sein?“
Ja, wenn ich es mir recht überlege… Ich verabschiede mich von Henrike Heiland, gebe ihr wieder die Hand (fünf Minuten), verabschiede mich auch von Anobella („Tschüs. Man sieht sich.“). Die drückt mir die Rechnung in die Hand. „Bezahl das mal da vorne an der Kasse. Ich glaub, ich hab meinen Geldbeutel vergessen.“
Seufzend opfere ich einen Zwanziger und quäle mich durch die Massen. Nächstes Jahr werde ich wieder dabei sein. Es hat sich gelohnt.
WeiterlesenVolksbloggen -1-
Heute gebe ich mal kein Thema vor. IHR seid dran! Ran an die Kommentarfunktion und geschrieben, was euch zum Thema Krimi auf der Zunge oder am Herzen liegt. Empfehlungen, Abräte, Wünsche an den Blogger, Anregungen, Rezensionen, Polemiken, Kritik in allen Formen. Oder hemmungslose Eigenwerbung (aber, bitte, nicht unter Pseudonym!). Und niemanden beleidigen. Nicht einmal die Bielefelder.
Olen Steinhauer: Liberation Movements
„Liberation Movements“ ist das vierte Buch innerhalb von Olen Steinhauers in der Zeit des kalten Krieges spielenden und auf fünf Bücher angelegten Serie. Im Vergleich zu den vorigen Bänden nimmt die Zahl der bespielten Orte ebenso zu wie die Zahl der Personen, aus deren Perspektive erzählt wird. Den Begriff der Serie sollte man bei Steinhauers Büchern nicht zu eng auslegen, es ist mehr ein Gespinst von locker verbundenen Fäden. Die Abteilung der Polizei, einige der Polizisten und die Stadt, in der die Polizei agiert, sind gleich geblieben. Aber schon die Stadt (und erst recht das Land) ist eigentümlich unscharf geworden. War man sich in den früheren Büchern sicher, in Rumänien zu sein, spielt sich die Geschichte jetzt in einem nicht genannten Land, irgendwo hinter dem eisernen Vorhang ab.
Steinhauer bewegt sich in Siebenmeilenstiefeln durch die Nachkriegszeit. Nahezu 10 Jahre liegen zwischen den Geschichten der einzelnen Bände. Erst im Rückblick fällt einem auf, wie sehr sich die Welt in diesen Zeiten verändert hatte. Auch in Steinhauers Büchern ist das so. Das wird noch verstärkt durch den Umstand, dass seine früheren Geschichten wenig Einfluss auf die neueren nehmen.
1975: Um auf den Genozid
durch die Türkei aufmerksam zu machen, kapern Armenier eine türkische Passagiermaschine, die auf dem Wege von dem nicht genanntem Land nach Istanbul war. Noch während der Gespräche der Entführer mit dem Tower wird die Maschine in die Luft gesprengt. In Istanbul warteten schon Brano Sev und Gavra Noukas. Sev war Hauptperson des letzten Buches, 36 Yalta Boulevard , diesmal ist er mit einer tragenden Nebenrolle als Manipulator im Hintergrund bedacht; er ist Noukas Mentor und führt ihn in die Arbeitsweise der Staatssicherheit ein. Sie sollten einen der ihrigen in der türkischen Metropole begleiten. Zurück in der Heimat beschäftigen sie sich, zusammen mit Katja Drdova, Mitarbeiterin der Polizei, mit der Aufklärung des Vorgangs. Irgendwie scheint Sev dabei immer ein wenig mehr zu wissen als seine beiden jungen Kollegen und die Aufklärung in eine ganz bestimmte Richtung lenken zu wollen.
Im Weiteren ist es in meinen Augen ein wenig unglücklich, dass sich Steinhauer eines Tricks bedient, um die Geschichte (und insbesondere die der unglücklichen Flugzeugentführung) voran zu bringen: Eine Frau taucht auf, die, mit besonderer Weitsicht geprägt, die allen möglichen Personen vorab sagt, wie sie sich zu verhalten haben werden.
„Liberation Movements“ widmet nicht ganz so innig seinem Personal, wie es die vorausgehenden Bücher getan hatten, die nur aus einer Perspektive erzählt worden waren, aber dennoch bleibt Steinhauer sich in einem wesentlichem Punkt treu: „Liberation Movements“ ist ein Buch über die psychischen und gesellschaftlichen Befreiungsbewegungen. Mag er auch eine Geschichte erzählen, wie Mitarbeiter von Staatssicherheit und Polizei Spuren folgen, Menschen ausfragen und Konspirationen aufdecken – sogar die „Freiheitsbewegungen“ des Westens tauchen auf – , im Grunde geht es doch um die Menschen, ihre Motivationen, Ängste und Zwänge. Es ist ein delikates Gleichgewicht, welches er zu wahren hat. Mehr noch als in den früheren Büchern scheint ihm das hier massenverträglich gelungen zu sein.
Olen Steinhauer: Liberation Movements.
St. Martin’s Minotaur 2007. 304 Seiten. 10,98 €
(noch keine deutsche Übersetzung)
Die Buchmesse. Eine Vorfreude
Am Donnerstag zieht es mich, wie jedes Jahr, für einen Tag aus der tiefen Provinz in die noch tiefere Metropole. Frankfurt! Am Main! Buchmesse! Mit Stullenpaket, Wechselsocken und Brustbeutel (90% aller Frankfurter sind Taschendiebe) werde ich die heiligen Hallen betreten – und mich im gleichen Moment fragen, warum ich mir das alles antue. Wegen der Bücher, du Idi!, schreit das Fräuleinchen Anobella jetzt, ich hörs mit sämtlichen inneren Ohren.
WeiterlesenÄnderungen
Ja, es muss sich was ändern. Jahrelang habe ich mit Erfolg versucht, hier Montags bis Freitags zu bloggen. Jetzt ist es an der Zeit, wenigstens vorübergehend etwas kürzer zu treten. Für den Mittwoch habe ich schon eine hübsche Idee: Nicht ICH blogge, sondern IHR bloggt…
WeiterlesenThe Bielefeld Chainsaw Massacre
Nee, nee, schon in Ordnung, lieber „Ultimo auf Draht“ aus Bielefeld. Das „Krimijahrbuch 2007“ darf man durchaus →„vorwiegend peinlich“ nennen und einen seiner Herausgeber wahlweise „Lektüre-Spießer“, „Knallkopf“ oder einen „paternalistischen Eckensteher“. Ich mag so etwas, manchmal echauffiere ich mich ja durchaus ähnlich…
WeiterlesenRick DeMarinis: Kaputt in El Paso
Auch der Krimikritiker strebt manchmal nach Höherem. Eine gute Story ist eine gute Story, aber sie wird besser, wenn sie sich ins Bedeutend-Allgemeine transponieren lässt. Jedenfalls für den Kritiker, dem sich dann die Gelegenheit bietet, von pars pro toto oder gar der Welt in nuce zu raunen. Das ist Feuilleton. Die Kunst, im Kaffeesatz des Mediokren die Umrisse des eigenen Bildungsschrotts zu zeichnen. Rick DeMarinis’ Roman „Kaputt in El Paso“ ist so ein Text, der die Ambition des Kritikers, mehr zu sein als nur Buchbesprecher, geradezu verschwenderisch füttert. Gleichzeitig ist dieser Text aber so gelungen, dass ihm jeder Versuch, mehr aus ihm zu lesen als in ihm steht, nur schaden kann.
WeiterlesenJan Burke: Kidnapped
Im Zentrum von „Kidnapped“ von Jan Burke steht der Clan der Familie Fletcher. Die Großeltern und „Gründer“ des Clans, beide aus reichen Häusern stammend, konnten selber keine Kinder bekommen und adoptierten deshalb über die Zeit 21 Kinder. Diese sind nun erwachsen und haben selber (eigene oder adoptierte) Kinder. Eine Sippe mit einem ausgeprägten Corpsgeist und fast so verzweigt wie die Forsythes, der auch ein Kindergarten und sogar eine eigene Schule gehört.
WeiterlesenKapitel XX (Ende)

Was bisher geschah: Raphael Wünsch ist der Täter! Er, der eigentliche Chefredakteur der verbrecherischen Internetillustrierten HINTERNET, kann für alles verantwortlich gemacht werden! Und jetzt geht es ihm an den Kragen! Hoffentlich…oder?
WeiterlesenTATORT FRANKFURT!

Nicht erst seit Anne Chaplet, Astrid Paprotta und Jan Seghers ist Frankfurt die Metropole gehobener Kriminalliteratur und folglich Standort der tiefsten Abgründe menschlicher Seelen. Bereits in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts wütete am Main das literarische Verbrechen und harrte seiner dialektischen Aufklärung, u.a. in Gestalt von Inspektor Fischer, einer Schöpfung von Otto Schwerin. In der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ präsentieren wir nun stolz diesen TATORT FRANKFURT. Schon der Titel des Werkes aus dem Jahr 1923 hat regionalen Bezug: „Venus vulgivaga (Der letzte Schuß)“. Urfrankfurter Mundart – und die deutsche Übersetzung wird in Klammern angegeben.
Pieke stellt Verbindungen her

Lernen wir aus der Geschichte? Mag sein; aber nur, wenn wir sie kennen. Pieke Biermann kennt den Vormärz und sie kennt die Gegenwart. Beides verbindet sie in ihrer neuen Kriminalreportage „Lichtenrader Vormärz“, die uns erzählt, warum Berliner Partykids gar nicht so weit von Georg Büchner entfernt sind. Am Sonnabend, 29. September 2007 in DER TAGESSPIEGEL und im RBB-Inforadio 93,1 um 11:45 Uhr. Und wenn sich auch Geschichte nur manchmal wiederholt, Pieke Kriminalreportage wiederholt sich garantiert. Und zwar um 19:45 Uhr und in der folgenden Nacht um 0:45 und 05:45 Uhr. Podcast gibts auch. Fragt die Frau im Radio.
WeiterlesenCrime School, Hausarbeit

Lassen wir doch heute einmal die lieben Leserinnen und Leser ein wenig vorarbeiten. Es geht noch immer um das Phänomen der „dünnen“ (und somit auch der „dicken“) Krimis. Und um Bilder.
Lesen erzeugt Bilder. Eine Handlung ist eine Folge von Bildern. Wie ich diese Bilder verarbeite, hängt von ihrer Qualität ab. Für diese Qualität ist der Autor verantwortlich. Dafür, wie ich sie als Leser verarbeite, bin ich verantwortlich.
Christoph Güsken: Dr. Jekyll und Mr. Voss
Über die Funktion des Lachens in der Literatur, somit auch in Kriminalromanen, könnte man ganze Bücher schreiben oder doch zumindest →längere Aufsätze. Abseits aller Theorie bliebe die simple Frage: Darf ich, wo gemeuchelt wird, überhaupt lachen? Lachen, weil etwas witzig ist und sonst gar nichts?
WeiterlesenDuane Louis: Blondes Gift
(Vorbemerkung der Redaktion: Ja, Jochen kann auch loben! Hier! Lesen, staunen Sie! — Was unser Azubi Jochen nicht wissen kann – das Thema Pseudonyme haben sie in der Berufsschule nämlich noch nicht gehabt : Duane Louis ist niemand anderes als Duane Swierczynski, der als Duane Swierczynski in Deutschland wegen akuter Zungenbruchgefahr beim Aussprechen seines Namens kaum Bücher verkauft hätte. Erst im Februar hat Bernd ein Swieurargh- oder wie-der-heißt-Buch besprochen. →Hier.
WeiterlesenDan Fesperman: The Prisoner of Guantanamo
Eigentlich verwunderlich, dass es um das Genre des Spionagekrimis in den letzten Jahren relativ ruhig geworden ist. Es ist ja nicht so, dass unsere Zeit nicht genügend Anregungen für interessante Geschichten böte. Dan Fesperman ist ein Autor, der sich von der Realität inspirieren lässt. Sein aktuelles Buch „The Prisoner of Guantanamo“ spielt, wie der Titel schon sagt, in der hermetisch abgeriegelten „amerikanischen“ Enklave auf der kubanischen Insel. Das Camp ist fest in der Hand seiner militärischen Leitung: Wer hier verhört wird, hat keine Rechte.
WeiterlesenFür den Regionalkrimi!
Sehr ordentlich gestern, der Münchner Tatort. Das Drehbuch? Von Friedrich Ani.
Okay, dass die Wies´n-Wirtstochter dem Batic einen Rilke schenkt, war überzogen, und vielleicht sogar, dass wir es auf einmal mit sprachkritischen Kommissaren zu tun hatten (mit hochgezogenen Augenbrauen gefragt: „voll umfänglich?“; „im Epizentrum der Macht?“), aber schön waren die vielen Auslassungen – Szenen, in denen nur Auto gefahren und nicht gesprochen wurde – und die wirklich schlauen und lustigen Dialoge. Fazit: Es bringt viel, wenn ein lokal ansässiger Autor vor Ort die Tatort-Drehbücher schreibt.
Kapitel XIX

Was bisher geschah: Völlig wurscht! Jetzt gehts ans Eingemachte! Der Übeltäter bekommt ein Gesicht und einen Namen! Der Showdown naht! Nächste Woche ist die Geschichte aus! Freut euch!
WeiterlesenKann man lesen; aber

Nicht alles, was ich so lese, wird hier auch besprochen. Manches ist so belanglos, dass einem nichts dazu einfällt außer eben – Belanglosigkeiten. Bisschen wenig für eine Rezension. Dann gibt es Bücher, die zwar nicht belanglos sind, sondern solides Zeug, aber eben auch nur das: solide. Zwei davon seien kurz vorgestellt.
WeiterlesenBernd Franzinger: Jammerhalde
Die Pfälzer haben kaum Freunde in dieser Welt. Gründe dafür gibt es reichlich, einer davon: der Pfalzkrimi, die Roman gewordene Maul- und Klauenseuche, das Ekelfleisch der Literatur. Leider ist es jetzt dem neuesten Erguss des Kaiserslauterner Autors Bernd Franzinger gelungen, auf dem Schreibtisch des Rezensenten zu landen.
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