2006: The lost novels

Das Jahr neigt sich nach vorne und liegt, kaum sind die Weihnachtsplätzchen gegessen, vollends auf der Schnauze. Die Zeit der Rückschau ist angebrochen, in der wir Rechenschaft über das vergangene Krimijahr ablegen müssen. Aufgrund unserer außergewöhnlich guten Beziehungen zu den Putzgeschwadern der deutschen Verlagshäuser ist es uns gelungen, die Manuskripte dreier Kriminalromane zu lesen, die nicht das Licht der Welt erblickten. Drei Romane von drei Heroen des Genres – schnöde von den Lektoraten für unwürdig befunden und in die Papierkörbe entsorgt. Hier sind sie.

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The Magic Numbers: Those The Brokes

Eigentlich hätten die Magic Numbers nach dem Erfolg ihres Debütalbums und den darauf folgenden Tourneen eine kleine Pause verdient gehabt. Doch die Band war nicht zu bändigen. „Wir haben wirklich darüber nachgedacht, eine Pause einzulegen. Selbst unsere Plattenfirma hat uns das empfohlen. Aber wir hatten bereits wieder einen Haufen neuer Songs zusammen und konnten es kaum abwarten, wieder ins Studio zu gehen. Wir wollten uns einfach nicht monatelang auf die faule Haut legen, um dann feststellen zu müssen, dass wir eingerostet sind.“ So erklärt Romeo Stodart die damalige Situation.

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Gunnar Steinbach: Des Schreinermeisters schönster Sarg

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(Weihnachten naht. Und mit ihm die Frage: Welche Krimis schenke ich meinen Liebsten? Jeder weiß: Das kann ins Auge gehen und langjährige Freundschaften abrupt beenden. Doch keine Angst: Hinternet hilft. Die Krimiredaktion hat einige aktuelle Spitzenprodukte der Spannungsindustrie unter die Lupe genommen und ihnen den jeweiligen Idealtypus Leser (hier „Geschenkempfänger“ genannt) zugeordnet. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen.)

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Wirklich nur ein Zufall?

Soeben frisch ausgepackt: Bücher von Stieg Trenter („Eine Puppe für Samarkand“, Neuer Europa Verlag) und Leif G.W. Persson („Zwischen der Sehnsucht des Sommers und der Kälte des Winters“, btb). Na und?
Bücher kommen hier täglich an, aber – das hier sind schwedische! Schwedische! Ich krieg eigentlich eher mauretanische als schwedische und jetzt gleich zwei und das einen Tag nachdem mir der Band „Fjorde, Elche, Mörder. Der skandinavische Kriminalroman“, herausgegeben von Jost Hindersmann auf den Tisch geflattert ist! Zufall?

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Laura Lippman: Gefährliche Engel

Laura Lippman, so schrieb der Rezensent anlässlich des letzten Abenteuers ihrer Protagonistin Tess Monaghan, gehöre „zu den Lieferantinnen solider Spannungsware“. Dieses Urteil muss nach der Lektüre von „Gefährliche Engel“ revidiert werden: Denn nicht nur solide Spannungsware beschert uns die Autorin, auch fein ausgedachte Beobachtungen psychischer und weltlicher Kalamitäten hat sie im Programm.
Wobei das einzig leicht Ärgerliche an „Gefährliche Engel“ eben dieser deutsche Titel ist. Engel sind Alice und Ronnie, die beiden elfjährigen Mädchen nämlich nicht, gefährlich schon, denn sie entführen einen Säugling und töten ihn anschließend. Für diese Tat sperrt man sie sieben Jahre weg, Elfjährige, wohlgemerkt. Als junge Frauen werden sie in die Freiheit entlassen, doch als wiederum ein Kleinkind gekidnappt wird und sich herausstellt, dass sich die beiden Mädchen ganz in der Nähe des Tatorts aufgehalten haben, holt sie die Vergangenheit ein.

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Jahrbuch-Leckerli 1

Die heiße Phase des Krimijahrbuchs 2007 hat begonnen. Nach und nach trollen sich die Manuskripte in meinen Briefkasten, erste Fingerübungen zum Satz werden angestellt, Fotos begutachtet (ja, diesmal auch mit Bildern drin! Schwarz-weiß-schön). Wer bis Donnerstag 24 Uhr nicht geliefert hat, erhält in den nächsten Tagen dezenten Besuch zweier italienischer Herren, Spezialität: Finger brechen, Schultern auskugeln, Korrektur lesen. Selbiges gilt auch für Leser, die nicht so-fort vorbestellen. Und lieber eine kleine Extragabe des Herausgebers wollen als einen dicken Krankenschein. Kleinere Leckerli zum Appetitmachen werden ab sofort in unregelmäßiger Folge verabreicht.

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Ken Bruen: The Killing of the Tinkers

Mit „The Killing of the Tinkers“, dem zweiten Band der Jack Taylor Reihe schreibt Ken Bruen die Darstellung eines Alkoholikerlebens am Rande des Abgrunds (und manchmal darüber hinaus) fort. Bestand am Ende von’The Guards’, dem ersten Buch der Jack Taylor Reihe, noch Hoffnung auf Rettung, da Taylor nach einer harten Entziehung trocken nach London zog, erfahren wir nun, dass er dort auf Dauer nicht zurecht kam. Die Schuld die er meint, auf sich geladen zu haben, sie lastete zu schwer auf ihm. Und als er ein Jahr später nach Galway zurückkommt, ist er nun auch noch kokainabhängig.

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Mogwai: Zidane: A 21st Century Portrait

Die Sympathien der Schotten zu den Franzosen, das geht wohl auf die Historie zurück und damit auf ihre gleichsam gehegte Antipathie gegen die Engländer. Unter diesem Gesichtspunkt verwundert es etwas weniger, dass ausgerechnet die schottischen Leise-leise-laut-Treter Mogwai für das filmische Porträt des just mit einen Knall abgetretenen französischen Fußball-Idols die musikalische Untermalung besorgt haben.

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Ein handgemachter Mord

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(Ex-Kommissar Wickius, nach einer Intrige denk- und kommentarfauler Blogleser seines Amtes enthoben und in den vorzeitigen Ruhestand geschickt, kennt die Verbrechens- und Kriminalliteratur der letzten ca. 2500 Jahre in- und auswendig, er löst jeden Fall, indem er das literarische Muster dafür sucht. Und Sie? Wissen auch Sie, welche klassischen Fälle den hier in loser Folge geschilderten Mordtaten zu Grunde liegen? Dann nichts wie ran an die Kommentarfunktion! Für alle Unbelesenen gibt es die Auflösung immer ein paar Tage nach der Veröffentlichung der Geschichte.)

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Krimiwelt-Bestenliste Dezember 2006

Die besten Krimis des Monats Dezember gibt es →hier. Die besten Krimis des Monats? Natürlich nicht; sondern die von einer Reihe ausgewiesener Experten empfohlenen. Diesmal besonders diskussionswürdig, denn mit Richard Rayners „Das dunkle Herz der Wüste“ und Thomas Kasturas „Der vierte Mörder“ stehen nicht nur gleich zwei Neueinsteiger auf den vorderen Plätzen, sondern auch zwei Kriminalromane, über deren Qualität man aus verschiedenen Gründen streiten kann. Und genau das ist das Gute an der Bestenliste. Schlecht wäre es, würde man sie jeden Monat kommentarlos durchwinken. Also werden wir in nächster Zeit mal drüber streiten.

Hübsch hässliches Fundstück

Dem deutschen Dichter rat ich, sich ein Nilpferdfell überzuziehen, sonst hält ers nimmer aus in seinem Vaterlande. Vor nicht langer Zeit verblich der als Mensch so liebenswürdige und vortreffliche, wie als Romanschreiber fleißige, tüchtige, wackere Schriftsteller Ewald August König. Er war bei den Deutschen sehr beliebt. Zeitschriften und Zeitungen rissen sich um seine Arbeiten. Fürstinnen und Nähmamsells lasen ihn »unbeschreiblich« gern. Er soll Vermögen hinterlassen haben. In demselben Jahre, fast an einem Tage, starb der Dichter Albert Lindner, der aus Nahrungssorgen wahnsinnig geworden war, im Irrenhause. Acht Leidtragende nur folgten dem Sarge. Deutschland – – –

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Das Recht auf Erden

„Flehen wir submissest zu Ihro Gnaden, dem gemeinen Juristen Temme, welcher im Nest der Zürcher Emigrantenbrut sitzt wie die Fliege im Schmeiß, das schmutzige Handwerk dringendst zu legen, alldieweil Genannter Preßwerke zu veröffentlichen sich nicht versagt, welche geeignet sind, das blöde Volk zum Murren zu bewegen, welches gar allzu schnell zum Amoklaufen…“

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Oliver Buslau: Das Gift der Engel

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(Weihnachten naht. Und mit ihm die Frage: Welche Krimis schenke ich meinen Liebsten? Jeder weiß: Das kann ins Auge gehen und langjährige Freundschaften abrupt beenden. Doch keine Angst: Hinternet hilft. Die Krimiredaktion hat einige aktuelle Spitzenprodukte der Spannungsindustrie unter die Lupe genommen und ihnen den jeweiligen Idealtypus Leser (hier „Geschenkempfänger“ genannt) zugeordnet. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen.)

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Gepieksackt

…werden in der neuen Kriminalreportage von Pieke „Krimijahrbuch-Schwerpunkt“ Biermann die Hütchenspieler, die ihrerseits die armen Berlin-Touristen piekieren. „Asphalt-Hazard“ spielt man am Sonnabend, 25.November 2006 in DER TAGESSPIEGEL und auf RBBinfoRADIO 93,1 um 11:45 Uhr. Ein eventuell notwendiges Elfmeterschießen wird in den Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 0:45 und 5:45 Uhr erledigt.

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Krimiverbot!

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„Na, Herr K., heute die Pumpgun dabei? Kleiner Amoklauf geplant?“ – Diese Hackfresse! Eines Tages klopp ich dem sein Abteilungsleitergrinsen zurück in seine Abteilungsleitergedärme! Aber ist immer dasselbe: Kaum hat irgendwo wieder einer mit der Knarre um sich geballert, zeigen sie mit dem Finger auf mich und hämeln: „Guck ma, der K.! Der liest Krimis! Wer Krimis liest, bringt auch Menschen um!“

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