Oh, how times have changed

Bobby Gillespie, als Primal Scream-Frontmann einst der Wildeste der Wilden, beschwerte sich per E-Mail bei der Stadtverwaltung über einen Pub in seiner Straße, der ihn mehrmals mit lauter(!) Musik(!) noch nach(!) Mitternacht wach hielt. Das mit der Mail kam raus und jetzt mokiert sich der Guardian → Primal Screamer can’t get no sleep.

Luckily for Gillespie and wife, the complaints have succeeded in limiting The Alma’s late licence to once a month. Unluckily for them, the leaked email means any illusions of rock’n’roll grandeur the public held for the Screamer have been firmly destroyed. But what’s a tattered reputation when a good night’s sleep is at stake?

Tja, Pete Townsend wär´das nicht passiert.

Seherische Fähigkeiten?

München (sid) Max Merkel ist tot. Der frühere Fußball-Meistertrainer starb am Dienstag, neun Tage vor seinem 88. Geburtstag, in seinem Haus in Putzbrunn bei München. Die Familie bestätigte eine entsprechende Vorabmeldung der Bild-Zeitung auf sid-Nachfrage.

Zielgenau

Halten Sie die Forderung von CDU-Politikern, „Counterstrike“ zu verbieten, für sinnvoll?
Nein. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Egoshooter-Spiele wirklich die Gewaltbereitschaft steigern. In Japan spielen Hunderttausende „Counterstrike“, ohne dass es einen empirisch überprüfbaren Anstieg realer Gewalt zur Folge hat. Genau die gleiche Debatte gab es auch nach Erfurt schon. Man will halt gerne etwas tun. Das ist ja verständlich, aber das macht ein Verbot nicht plausibler.

Weiterlesen

Gut gebrüllt, Gustav

Wer mag, wenn er eine Woche Bild intensiv gelesen hat, noch vorbehaltlos Chefredakteur Kai Diekmann, Verlagschef Mathias Döpfner und Verlegerin Friede Springer begegnen? Dass diese Personen geachtete Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft bleiben können, das ist das eigentlich unfassbare Skandalon, das Henschels Buch wieder ans Licht hebt.

Gustav Seibt in seiner Rezension von Gerhard Henschels neuem Buch „Gossenreport. Betriebsgeheimnisse der Bild-Zeitung“ in der heutigen Ausgabe der Süddeutschen: →Die Sozialisierung des Schnüffelns.

Zum Heulen

Günter GraSS
Ijoma Mangold → rezensiert in der Süddeutschen mit „Beim Häuten der Zwiebel“, dem neuen Buch von Günter „War da was?“ Grass, gleich dessen Gesamtwerk:

Überhaupt gilt für Grass´ Bücher das Mischungsverhältnis: Auf eine Einheit Denken kommen dreißig Einheiten Bilderwust. Die Literaturkritik hat das früher gerne sein überschäumendes Erzähltemperament genannt. In der Welt des Motorsports nennt man das übertourig. Sein Stil besteht fast ausschließlich aus Metaphern, kaum einmal ein normales Wort ist darunter gestreut. Die Lektüre dieser poetischen Essenz ist nur dem Lutschen von Brühwürfeln vergleichbar.

Alphatier

Gerade nutze ich eine ruhige Minute und blättere durch die Süddeutsche von gestern und sehe, dass man auf der „Wissen“-Seite für eine Rezension eines Buches von Harald Fritzsch über die sog. Naturkonstanten (→ „Das absolut Unveränderliche. Die letzten Rätsel der Physik“) mit → Theodor W. Hänsch einen veritablen Nobelpreisträger gewinnen konnte. Über die Feinstrukturkonstante liest man da u.a.:

Die Konstante ist eine dimensionslose Zahl, genannt Alpha, und 1/Alpha ist etwa 137.

So weit, so richtig, aber das dicke Ende kommt noch:

„Da Alpha relativ klein ist, etwa 0,07, (…)“



Wahrscheinlich hat der Korrektor nicht aufgepasst oder es gibt ihn gar nicht und es handelt sich einfach um einen der beliebten kleinen SZ-Fehlern. Wenn aber nicht, dann muß man sich um den Wissenschaftsstandort Deutschland ernsthafte Gedanken machen.
P.S.: Wer´s mit Mathe nicht so hat, kann natürlich einfach bei Google nachschauen…

Chuzpe

Es gibt ein paar ärgerliche Fehler in Ihrem Buch, zum Beispiel wenn da vom 9. September statt vom 11. September die Rede ist.
Ich wollte endlich mal ein Buch über Deutschland schreiben, das nicht nach Pfeifenschmauch riecht und Bedächtigkeit, sondern eines, das Tempo hat und Pop, in dem Joachim Lottmann und der Berliner Club „White Trash“ vorkommen. Leider hat es an manchen Stellen soviel Tempo, daß das Lektorat nicht mehr hinterhergekommen ist. In der nächsten Ausgabe werden die Fehler ausgemerzt sein.

Weiterlesen

Das Grauen

Mit erstaunlicher Leichtigkeit trippelte er auf der aus amerikanischen Musicals geliehenen Showtreppe, parodierte zwischen Hans Moser und Boris Becker alles mit gleicher Nonchalance, spielte selbstverständlich auch Charleys Tante und überzeugte (wie die Theaterkritiker sagen) als Graf Bobby: einschichtig, großäugig, mit Resten vergangener Größe. Das war das gute alte Österreich, ein bisschen debil, aber gnadenlos exportfähig, wenn auch nur bis an die Westgrenze des Altreichs.

Seichtmeister Dieter Bohlen und selbst Dieter Thomas Heck verzwergen vor Peter Alexander, der die Zuschauer zu Beginn der siebziger Jahre massenhaft vor den Fernseher saugte.

Willi Winkler in der Süddeutschen über Peter Alexander, der heute 80 Jahre alt wird: → Es schnurrdiburtt

What a difference a day makes

Klar, dass Schmidbauer, der den Spitznamen „007“ trug, auch Jahre später versuchte, herauszufinden, woher die Interna der Affären-Geschichte stammten.

(Süddeutsche Zeitung, 16.5.2006)

Schmidbauer hingegen agierte gerne sowohl hinter als auch vor den Kulissen und war von seinem Spitznamen „008“ durchaus geschmeichelt.

(Süddeutsche Zeitung, 17.5.2006)

Klasse

In den Unterklasse-Quartieren greift ein rabiater Sozialdarwinismus nach dem Vorbild des Gangsta-Rap. Wo keine Politik, keine Gewerkschaft und keine (christliche) Kirche mehr Strukturen aufrechterhält, die die Konkurrenz um prekäre Jobs und lukrative Deals abfedert oder reguliert, da gehört das Erniedrigen & Beleidigen deines Nächsten zum guten Ton.

Klaus Walter in der taz über Beleidigungen und Laudatios im Pop (und warum Bohlen auch Polizisten duzen darf)
→ Ey, du Scheißopfer!

Weiterlesen

Die Wahrheit über ENIAC

Vor 60 Jahren wurde in Philadelphia der erste elektronische digitale Universalrechner mit Namen ENIAC (Electronical Numerical Integrator and Computer) der Öffentlichkeit vorgestellt. Aus Anlass dieses Jubiläums buddelte Alexander Randall für die Computerworld ein 1989 entstandenes und bisher unveröffentlichtes Interview mit Presper Eckert, einem der „Väter“ von ENIAC, aus, in dem auch mit einigen Mythen rund um die 27 Tonnen schwere Rechenmaschine aufgeräumt wird:
Q&A: A lost interview with ENIAC co-inventor J. Presper Eckert