Pilze statt Emo. Open Hand haben Gefühlsduselei und Postrock gegen orange Kreise getauscht und wabern abwechslungsreich durch 70er Jahre Hardrock.
WeiterlesenAutor: Dirk-Michael Mitter
Cho-Jin: Woanders
Die Schublade hätte ich beinahe zu schnell zugeschlagen. Die junge Düsseldorfer Band (!) veröffentlicht ihr Debütalbum auf dem Label von Wölli (!!) und huldigt direkt in der Strophe des Openers „Schattenläufer“ Düsseldorfs Rock-Export Nr. 1. Als Cho-Jin dann auch noch im Refrain gefährlich in Richtung Crossover/NuMetal abrutschen, scheint dieser kurze Kampf schon verloren. Aber bereits im zweiten Song „Carpe Diem“ stehen die Jungs wieder auf und präsentieren sich Schritt für Schritt als erstaunlich reife und druckvolle Band.
WeiterlesenBrendan Benson: The Alternative To Love
Brendan Benson hat nach dem letzten Boxenstopp ein bisschen langsam ins Rennen zurückgefunden. Führte er mit „Lapalco“ das Feld an, schlingert „The Alternative To Love“ etwas unentschlossen im Mittelfeld. Die drei lebenswichtigen Harmonien B, E und A (Beach Boys und Beatles) sind zwar immer noch vorhanden, werden aber von etwas durchsichtigen Popsongs und bratzigen Gitarren in die zweite Reihe gestellt. An sich ein nettes Album, aber es gibt eine Menge Leute, die das mindestens genauso gut können.
(6 Fritten)
Brendan Benson: The Alternative To Love
V2/Rough Trade
www.brendanbenson.com
VÖ: 14.3.2005
Evergrey: Live – A Night To Remember
Die schwedische Band Evergrey ist in Sachen wuchtiger Prog-Metal eine Bank. Fünf starke Alben in Folge, von denen die schlechteren Momente immer noch taugen, um die halbe Konkurrenz wegzuwischen. Nach heutigen Veröffentlichungsmaßstäben haben sich Evergrey verhältnismäßig lange Zeit für ihr erstes Livealbum gelassen, biegen jetzt aber mit einem prallen Werk um die Ecke. Ein Heimspiel in Göteborg haben sie für die Nachwelt konserviert, das mit Streichquartett, Backgroundchor und Gastvocals mit einigen Extras aufwartet. Das begeisterte Publikum feiert seine Helden euphorisch und Evergrey sind mit mächtig Druck und Fingerfertigkeit zu Gange.
WeiterlesenKillswitch Engage: The End Of Heartache
Die Menge der schreienden, wild moshenden Bands, die ihre Erlösung in melodischen Refrains suchen, war in den vergangenen Jahren kaum noch zu bestimmen. Dabei haben Killswitch Engage mit ihrem zweiten Album „The End Of Heartache“ bewiesen, dass sie deutlich mehr auf dem Kasten haben als vergleichbare Kollegen.
WeiterlesenFavez: Old And Strong In The Modern Times
Darf man einer großartigen Band empfehlen, sich aufzulösen? Nein! Aber wenn Favez sich mit diesem Gedanken tragen, sollten sie es jetzt tun.Ihr fünftes Werk „Old And Strong In The Modern Times“ ist die Essenz aus allen bisherigen Alben. Ungestüm wie „(From Lausanne, Switzerland)„, aber gleichzeitig mit ‚Hits‘ gesegnet wie „Gentlemen, Start Your Engines“ und „Bellefontaine Avenue“. Neben dem auffallend gelungenen Songwriting wächst hauptsächlich Drummer Fabrice über sich hinaus. Im treibenden Opener „Looking For Action“ schiebt er Chris Wicky ein furioses Schlagzeuggeboller unter die Stimme, gegen das Wicky mit dem ihm eigenen Enthusiasmus ansingt. Mindestens unentschieden! Aus Fan- oder Musikersicht kann man nur eine Plattitüde verwenden: „Die Band platzt vor Spielfreude“.
WeiterlesenSarah Bettens: Scream
Sarah Bettens, die Frontfrau von K’s Choice, hängt sich auf der Bühne schonmal gerne eine Flying V um und debütiert dazu passend mit einem rockigen Soloalbum. Wer bislang dachte (oder hoffte), dass diese zerbrechliche, schlaksige Frau für die melancholischen Songs bei K’s Choice zuständig ist, muss für „Scream“ umdenken.
WeiterlesenThe Wedding Present: Take Fountain
Bei Hochzeitsgeschenken ist schon mal die ein oder andere Netzhautpeitsche dabei, die man gar nicht so schnell aus dem Keller zerren kann, wie die Verwandtschaft um die Ecke biegt. Chefdenker David Gedge hatte seine Band The Wedding Present für acht Jahre auf Eis gelegt und sich stattdessen mit Freundin im gemeinsamen Projekt Cinerama ausgetobt. Die ist jetzt weg und als Trennungsgeschenk für die Hörer gibt es wieder The Wedding Present. „Take Fountain“ ist ein feiner Ausflug in elf kleine Schrammelhymnen, die sich – wen wundert’s – um Liebe, Verlust und Sex drehen.
WeiterlesenJanove Ottesen: Francis‘ Lonely Nights
Manchmal fragt man sich wirklich, wo die Radiosender diesen ganzen Schrott auftreiben. Betrachtet man allein die ersten zehn Wochen des neuen Jahres, kann man fast in Verzückung geraten ob der vielen Kleinode, die schon veröffentlicht wurden oder in den Startlöchern stehen. Dazu gehört sicherlich „Francis‘ Lonely Nights“ von Janove Ottesen. Dabei ist das Solodebüt des Kaizers Orchestra Sängers in keiner Weise mit seiner Stammband zu vergleichen.
WeiterlesenParadise Lost: Paradise Lost
Ich fand Paradise Lost mal richtig großartig. Meiner Sympathie konnte das laue Album „Believe In Nothing“ nichts anhaben und selbst bei „Symbol Of Life“ habe ich noch versucht, die guten Songs zu finden. Die Mannen um Greg Mackintosh und Sänger Nick Holmes haben in den vergangenen Jahren viel Prügel für ihre Outputs einstecken müssen und reißen sich auf ihrem zehnten Album mächtig am Riemen, um die Kurve wieder zu kriegen.
WeiterlesenUnder Byen: Det Er Mig Der Holder Træerne Sammen
Langsam müsste die Schublade mit verspulten skandinavischen oder isländischen Bands eigentlich voll sein. Die Dänen Under Byen haben sich noch reingequetscht und klingen noch mehr auf links gedreht als vergleichbare Bands wie Sigur Rós oder Lampshade.
WeiterlesenStoppok: Solo – Live
Ich habe es in diesem Magazin schonmal erwähnt: Meine Sympathie für Stoppok begann erst, als ich ihn live gesehen habe. Von daher ist „Solo“ für mich ein uneingeschränktes Freudenfeuer. Die Spielzeit einer Doppel-CD hat Stefan Stoppok ordentlich ausgefüllt und präsentiert 27 Songs in fast 140 Minuten.
WeiterlesenMinor Majority: Up For You & I
Skandinavische Schwermut, ein paar Typen im Sommerhaus und das 1×1 des gehobenen Arrangements waren in den vergangenen Jahren gute Voraussetzungen für erfreuliche Ergebnisse. Wer mit Platten rund um Kristofer Åström und Isolation Years was anfangen kann, sollte „Up For You & I“ auf keinen Fall verpassen.
Die Band um Sänger Pål Angelskår schlendert durch den Supermarkt der Popgeschichte und legt dabei nur First-Class-Produkte in ihren Wagen. Nie überladen, immer zurückhaltend branden hier kurz die Bläser hoch, biegt da eine weibliche Backgroundstimme um die Ecke oder stumpt dich ein Geigenbogen noch tiefer in die Melancholie.
WeiterlesenKino: Picture
Die Proggies sind schon ein lustiges Dorfvölkchen: 400 Einwohner, aber nur vier Nachnamen. Präziser formuliert: Da wird gemischt, getauscht, neu zusammengewürfelt und befruchtet, dass es eine wahre Lust ist. Mit John Mitchell (Arena), Pete Trewavas (Marillion, Transatlantic), Chris Maitland (ex-Porcupine Tree) und John Beck (It Bites) ist Kino mehr als prominent besetzt und darf sich den Sticker „Supergroup“ allemal ans Revers heften.
WeiterlesenJosh Rouse: Nashville
Was für ein Songwriter! Wirkte die müde Platte „1972“ wie ein Niedergang nach drei großartigen Alben, meldet sich Josh Rouse mit „Nashville“ eindrucksvoll zurück. Im ersten Überschwang behaupte ich mal, es ist sein bestes Album.
Hat Rouse in der Vergangenheit auch manchen schwachen Song durch perfekte Arrangements aufgehübscht, zeigen die zehn neuen Tracks seine gewachsene Qualität als Songwriter. Er wirkt fokussierter, weniger verspielt und packt nicht die Countrykeule aus, die man durch den Albumtitel vermuten könnte. Großmeister wie Ron Sexsmith oder Elvis Costello wohnen in direkter Nachbarschaft von Songperlen wie „My Love Has Gone“ oder dem entspannten „Winter In The Hamptons“.
Schon jetzt beste Empfehlungen für die Jahresbestenliste.
Josh Rouse
Nashville
Rykodisc/Rough Trade
VÖ: 14.2.2005
Link: www.joshrouse.com
Savoy Grand: People And What They Want
Was soll man über diese Band noch schreiben? Für nur zwei Alben wurden über sie schon alle Superlative ausgeschüttet, die man sich vorstellen kann. Dabei bringen Savoy Grand alles mit um sie sturzlangweilig zu finden.Wie auch auf dem Vorgänger „Burn The Furniture“ geht es um die Penetranz des Klanges. Und genau das ist der Grund, warum Savoy Grand nicht langweilig, sondern außerordentlich bemerkenswert sind.
WeiterlesenDisco Ensemble: Viper Ethics
Während Name und Covergestaltung noch darum ringen, wer von beiden der Beklopptere ist, ballern die vier Finnen ein Album unters Volk, das komplett konträr zum ersten Eindruck läuft.
WeiterlesenButterside Down: Fishing In A Goldfish Bowl
Auch wenn bei Butterside Down das Brot immer auf die falsche Seite fällt, ist das süddeutsche Trio auf dem richtigen Weg. Den Alltag in angenehme Rocksongs umgewandelt, die sich leider zwischen überambitioniert und belanglos nicht so ganz entscheiden können.
WeiterlesenJimmy Chamberlin Complex: Life Begins Again
Nachdem Billy Corgan alle Bands und Projekte eingestampft hat, hat sich Jimmy Chamberlin flugs emanzipiert und zeigt mit seinem ersten Soloalbum, dass er nicht versucht in die Stapfen von Smashing Pumpkins oder Zwan zu treten. Instrumentalrock flirtet behutsam mit Jazz- und Fusionanleihen und Songwriterkollege Billy Mohler und auch Ex-Chef Billy Corgan gehören zu den rar gesäten Vokalisten.
WeiterlesenLes Hurlements d’Leo: Ouest Terne
Kaizers Orchestra meets Firewater auf Französisch. Les Hurlements d’Leo ist eine achtköpfige Combo, die sich wild in der Welt der bunten Töne dreht. Schräger Folk mit Geige und charmantem französischem Gesang.Leider bleiben die meisten der 17 Songs ein bisschen gesichtslos, aber die Konzerte der anstehenden Deutschlandtour ab Ende Februar müssten ein Riesenspaß werden.
(6 Fritten)
Les Hurlements d'Leo: Ouest Terne
Hipster Records/Soulfood
www.hurlements.com
:format(jpeg):mode_rgb():quality(90)/discogs-images/R-3451610-1564615926-2279.jpeg.jpg)