Tiles: Window Dressing

Im Gegensatz zu den von mir ebenfalls rezensierten TOC gehen Tiles einen wesentlich progressiveren und geradlinigen Weg. Das heißt leider auch, dass auf „Window Dressing“ die Überraschungen völlig ausbleiben. Da hilft ihnen auch nicht großes Lob von Seiten Mike Portnoys (Dream Theater). Wer Fates Warning- und Rush-Platten sammelt, braucht nicht noch Tiles.

(4 Fritten)

Tiles: Window Dressing
(Inside Out/SPV)

Bad Religion – The Empire Strikes First

Irgendwann muss man sich entscheiden, ob man Bad Religion mag oder nicht. Auch wenn die Band Variationen über ein bekanntes Thema perfekt beherrschen, sind ihre Songs einfach nicht unterschiedlich genug, um jedes Mal mit Großtaten rechnen zu können. Der Schwung von Brett Gurewitz‘ Rückkehr ist raus und „The Empire Strikes First“ wäre auch in den „Epic-Years“ nicht entscheidend aufgefallen.

Aber wie gesagt, wenn man die Band mag, macht das immer noch eine Menge Spaß. Ruckzuck sind drei, vier Lieblingssongs entdeckt und allein das Studium des Textbuches lohnt die Anschaffung der CD. Wobei mich Bandkopf Greg Graffin zusehends an Reinhard Mey erinnert – alle paar Jahre steckt er den Kopf aus dem Loch und gibt Kommentare zur Lage der Welt. Parallelen zum musikalischen Korsett zu ziehen, scheint aber sogar mir zu weit hergeholt… 🙂


Bad Religion - The Empire Strikes First
Epitaph
VÖ: 7.6.2004
Link: www.badreligion.com

Josh Ritter: Golden Age Of Radio

Chronologisch in der falschen Reihenfolge, im Musikerlebnis die richtige. Josh Ritters aktuelles Werk „Hello Starling“ ist ein gutes Singer/Songwriter-Album, verblasst aber gegen sein Debüt „Golden Age Of Radio“. Insofern wundert es nicht, dass einige Kritiker über das zweite Werk nicht mehr ganz so erfreut waren. Da bei mir dieser Ernüchterungsschock ausfiel, mag ich beide Alben, aber „Golden Age Of Radio“ ist eindeutig das besonderere Werk. Knorzig, direkt und mit zwölf wunderbaren Songs, die an Dichte und songwriterischer Qualität nichts zu wünschen übrig lassen. Hört euch am besten beide Alben an und quält euch selbst mit der Entscheidung welches das „schlechtere“ ist.

Josh Ritter
Golden Age Of Radio
Setanta/Rough Trade
VÖ: 16.2.2004
Link: www.joshritter.com

Ron Sexsmith: Retriever

Hier muss man gar nicht lang rummachen – das siebte Werk des kanadischen Songwriters krönt nicht nur sein bisheriges Schaffen, sondern entmachtet sanft lächelnd alle, die sich in den vergangenen Monaten an emotionalem Schwelg-Pop versucht haben.

Auf „Retriever“ gibt es nicht eine langweilige Sekunde, nicht ein Takt wirkt aufgesetzt und es scheint völlig sinnlos, auch nur einen schlechten Song auszumachen. Auf der einen Seite ist Ron Sexsmith in seinen Arrangements so opulent und verschwenderisch wie nie zuvor, auf der anderen Seite hat er die präzise Instrumentierung der vergangenen Alben bewahrt. „Retriever“ lohnt sich allein um zu hören, wie sich Klavier und knorzige Gitarre in dem genialen „Imaginery Friends“ permanent das Staffelholz überreichen.

Aber Ron Sexsmith gibt nicht nur den sanftmütigen Pausback, sondern schüttelt auch das verhältnismäßig rockige „Wishing Well“ aus dem Ärmel. Und da es wenig Sinn macht, euch jetzt noch die fehlenden zehn Songs aufzuzählen und sie mit blumigen Adjektiven auszuschmücken, schließ ich mit kühnem Pathos: Ron Sexsmith gibt die glückliche Vermählung von Perfektion und Emotion bekannt.

Ron Sexsmith
Retriever
V2/Rough Trade

Amplifier: s/t

Jeder kennt in irgendeiner Form die Geschichte vom charmanten Meisterdieb, der nicht zu fassen ist. In dieser Hinsicht dürfte das britische Trio Amplifier der Thomas Crown der Rockmusik sein. Die drei klauen wie die Raben, aber man kann es ihnen nicht übel nehmen. Stattdessen reißt man begeistert den Lautstärkeregler in die Höhe und freut sich an effektüberladener, theatralischer Gitarrenmusik. Wer generell Bands mag, die beim Rocken dick auftragen (Muse, The Tea Party, Oceansize), wird sich allumfassend für „Amplifier“ begeistern.

Weiterlesen

The Alarm: In The Poppy Fields

Lieber Mike,
ich bin echt ein großer Fan von dir, ich hab die alten Alarm-Scheiben auf Vinyl, die neueren auf CD, war traurig über den Band-Split und deine Erkrankung und habe mich gefreut, als du wieder gesund warst. Deine Soloalben habe ich alle drei gekauft, genauso wie dein Nebenprojekt Coloursound und als du 2000 im Vorprogramm von Big Country gespielt hast, stand ich mit erhobenen Händen laut singend im Publikum: „…going out in the blaze of glory…“. Ja, du bist eine echte Frontsau, du hast es drauf, die Massen zu begeistern und wenn du den „Spirit Of ’76“ beschworen hast, dann war ich immer gerne dabei.

Weiterlesen