Wer wird’s?

Bevor sich ganz Deutschland diese Frage stellt und dabei 22 Hanseln plus 1 Ball im Visier hat, beschäftigt sich ganz Krimideutschland mit einer anderen spannenden Frage: Wer wird nächste Woche an dieser Stelle von dpr fachgerecht zerlegt? Die Qualifizierungsphase ist abgeschlossen.

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Neu in der Criminalbibliothek

… ist ab sofort Ernst von Wildenbruchs „Das wandernde Licht“ (1893). Ein schönes Beispiel dafür, dass „Verrücktsein“ kein objektiver Zustand ist, sondern im Auge des Betrachters definiert wird. Der Text ist als pdf → hier zu lesen. Außerdem: Wer sich für den Jahresband 2006 der „Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“ interessiert, kann jetzt schon kostenlos und unverbindlich eine Broschüre mit Leseproben und weiteren interessanten Informationen bestellen. Hier. Erscheinen wird das Ding voraussichtlich im Juli, handgeheftet, Generalprobe für die „Krimiporträts“, zu denen es → hier mehr Einzelheiten gibt. Ach ja: Noch können einzelne Titel aus der „Criminalbibliothek“ gesponsort werden. Wäre doch was für unsere Krimiverlage? Keine schlechte Werbung jedenfalls.

Dieter Hirschberg: Tödliche Loge

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Kenner der Literaturgeschichte müssen es für eine naheliegende Idee halten, E.T.A. Hoffmann zum Helden von Kriminalromanen zu machen, wie dies Dieter Hirschberg nun schon zum dritten Male versucht hat. Kenner der Literaturgeschichte wissen aber auch, wie schnell und gründlich so etwas in die Hose gehen kann. Denn Hoffmann, Autor von „Das Fräulein von Scuderi“ und damit Teil der Krimientwicklung, war ein durchaus komplex-verschränkter Charakter, nicht nur künstlerisch als Dichter-Musiker. Wer ihn also in persona literarisch abzubilden gedenkt, sollte diese Komplexität wenigstens andeuten.

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Achtung, Verleger!

Peter J. Kraus („Geier“) hat fünf neue Krimis auf Halde. Irgendwann, bald, wird hoffentlich ein Agent auf euch zukommen und euch das anbieten. Und dann, liebe Verleger: zu-grei-fen! Jemand der so gut erzählen kann wie old Peter, ist auch eine Zierde eures Hauses. Und falls mal wieder das Mittagessen zu üppig war, der Schlaf zu fest in den Knochen sitzt, der letzte Banalkrimi in Sechsklässler-Aufsatzdeutsch euch mehr verspricht: dann verflucht euch bis ins fünfte Glied:

dpr
*der einen guten Verleger daran erkennt, dass er jetzt schon aktiv wird

Gute alte Zeit


…als man mit einem akkurat gespaltenen Schädel erwachte. Oder einer Kugel im Großhirn. Heute: ein Buch im Kopf. Das tut weh. Ein Fremdkörper, der einen zwickt und zwackt. Um ihn loszuwerden, muss man das Buch aus dem Kopf schreiben. Das tut noch weher. Den Lesern.

Krimiwerbung

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Krimigrübeln fürs Hinternet: Das ist reines Ehrenamt, nicht mal die Spesen kriegt man ersetzt, wohl dem also, der sich bei der Oberfinanzdirektion Oberursel unkündbar den Hintern plattsitzen kann wie unsereiner. Das Hinternet ist eine völlig geldfreie Zone. Hier hat Gott Mammon noch nicht seine Tempel erbaut, ist „Konsum“ nichts weiter als ein Eintrag im Fremdwörterbuch. Aber das muss nicht so bleiben. Mit Krimirezensionen lässt sich viel Geld verdienen, man muss nur wissen wie. Ich weiß es.

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Wichtige Eilmeldung

Wie dpa soeben gemeldet hat, wurde Ludger Menke, Betreiber eines Krimiblogs, zum diesjährigen „Krimipapst“ gewählt. Die Jury (sie ist mit der des „Glauser“ identisch) begründet diese Wahl u.a. wie folgt: „Ludger Menke ist von jener natürlichen Heiligkeit, die ihn zum Amt eines Hirten prädestiniert, der seine Schafe und ihre Krimis hütet wie das Aug seinen Apfel.“ Papst Syndikator I folgt Papst Thomas XXXIII nach, der kürzlich wegen Rauchens beim Segen „Urbi et Orbi – dem Regionalkrimi und dem Globalkrimi“ seines Amtes enthoben worden war.

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Eine Szene aus David Peace, »1974«

Wer das → Krimijahrbuch 2006 vorbestellt hatte, kennt diesen Artikel schon. Die anderen haben ihn zwar nicht verdient, aber hier ist er halt. Eine Szene, bei der dem Leser ein „Toll!“ raus rutscht, die aber auch – Warnung! – leicht ins Pornografische kippt. Und am Montag gibts wieder was zum Lachen mit dem Herrn K.
Edward Dunford, Gerichtsreporter und ebenso zynischer wie sensibler Held in David Peaces »1974«, besucht Paula Garland, die Mutter eines entführten und auf grässlichste Weise ermordeten Mädchens. Er stellt zunächst die üblichen Fragen, bekommt die üblichen Antworten. Das Gespräch wird hitziger, ein Verdacht geäußert, und plötzlich springt Dunford auf:

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Ach ja…

…um Missverständnisse zu vermeiden: Die Krimiporträts werden in einer Auflage von HÖCHSTENS 100 Stück gedruckt. Da liegen also nicht in zehn Jahren noch irgendwo „lieferbare Exemplare“ rum. Ich sags ja nur. Damit mir später niemand einen Vorwurf machen kann, niemand jedenfalls, der gleich hier bestellt.

dpr
*klopft weich
**beherrscht die Pseikollätschi

Anne Perry: Das Geheimnis der Miss Bellwood

Miss Bellwood stürzt die Treppe runter. Immer wieder, fast 450 Seiten lang. Und die Verdächtigen beteuern ihre Unschuld. Und rekapitulieren das Geschehene. 450 Seiten lang. Das klingt nun nach kriminalistischer Diätkost, Minimal Music goes Crime, und irgendwie ist das auch so. Es tut sich wenig in diesem Buch, nach zweihundert Seiten glaubt man, es tue sich eigentlich gar nichts. Aber das täuscht.

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Klassisch

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Klassisch seriös das Äußere. Streng aus den Texten hergeleitet das Innere. Kein biografischer Versuch, kein Klatsch, nur Literatur. Exklusiv der Vertrieb: Auf höchstens 100 Exemplare limitiert, in der Reihenfolge des Bestelleingangs nummeriert. Nur Direktbezug. Irgendwann im Spätsommer. Weitere Porträts können peu à peu folgen. Auf der Warteliste: Horst Eckert, Wolf Haas, Pieke Biermann, Horst Bieber. Deutsche Krimikunst exemplarisch. Jeweils ca. 24 Seiten. Jeweils ca. 5 € all inklusive. Nur hier. Ab sofort, bis es zu spät ist.