Mother Tongue: Streetlight

Wie viele Jahre es letztendlich sind, die Mother Tongue im Nirgendwo der Musikwelt abgetaucht waren, ist schon nicht mehr nachzuvollziehen. Eine halbe Ewigkeit ist es her. Aufgegeben hatten sich Mother Tongue nie. Weitermachen und durchhalten hieß es. Die Ausdauer könnte sich in den kommenden Wochen auszahlen. Nämlich dann, wenn „Streetlight“ auf den Markt gekommen ist und jeder, der mit Rockmusik liebäugelt, über diese rundum großartige Scheibe gestolpert ist.

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Tigerbeat: No. 1

Huch, die neue Platte von Jon Spencer und seiner Blues Explosion? Fast. Nicht New York, sondern Hamburg ist der Brutkasten dieser vorzüglichen trashigen Rock’n’Roll-Band. International Frehn, The Rev D und Angry S.E. (klasse Pseudonyme!) verstehen ihr Handwerk und sich nicht als Kopisten. Sind sie auch nicht. Jedoch haben sie die Musikgeschichtsbücher gut und eingehend studiert. Besonders die Kapitel über The Make-Up und über eben jene Blues Explosion. Da kommt Freude auf.

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Sparta: Austere

Jetzt es geht es los, die musikalische Post-At The Drive-In-Ära. Mars Volta haben just eine EP auf den Markt gebracht, da wollen die anderen Ex-Mitglieder der aufgelösten Emo-Heroen nicht lange auf sich warten lassen. Sparta sind Tony Hajjar (Schlagzeug), Paul Hinojos (Gitarre), Matt Miller (Bass) und Jim Ward (Gesang, Gitarre, Keyboards). Miller spielte vor Sparta bei Belknap, der Rest in eben jener sagenumwobenen Band, die von El Paso aus Rock revolutionierte und alles auf den Kopf stellte.

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Sunstorm: The Comeongohigher EP

Sie versprühen den Geist des zeitgenössischen Rock’n’Roll à la Oasis. Sie kokettieren mit Post-Space Rock, wie er von Lupine Howl und deren Ex-Band Spiritualized zelebriert wird. Sie spielen mit den unnachahmlichen Sounds einer Hammond-Orgel. Verdammt britisch für eine Band aus Los Angeles. Das trifft alles auf den ersten Song „High Resolution“ zu. „Mojave’s Town“ indes erinnert in den ersten paar Takten an Radiohead und Sigur Ros, ehe die Stimme von Jerold Balcolm ertönt und – in Verbindung mit der verträumten Inszenierung – leichte Parallelen zu Chris Issak offenbart. Es könnten auch Coldplay Pate gestanden haben.

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Múm: Green Grass Of Tunnel

Eine engelsgleiche Stimme, die zu wohlüberlegter Elektronik (sanfte Beats, flächige Keyboards und Samples), gemischt mit Indie-Instrumentarien (Glockenspiel, Akkordeon Bass, Cello), den Hörer mit der magischen kraft einer Fee wach küsst. Sie können sagen, was sie wollen, seitdem Sigur Rós sich in die Herzen Avantgardebegeisterter gespielt haben und isländischen Pop zurück auf die Landkarte des Pop gebracht haben, ist nichts Zauberhafteres von jener entlegenen Insel gekommen. Múm, um bei Sigur Rós zu bleiben, lassen kleinere Parallelen in ihren Melodien erkennen. Beider Musik klingt himmlischer, nicht irdischer Natur. Sie ist unbeschwert, warmherzig und zuckersüß. Wir dürfen uns auf das Album „Finally We Are No One“ freuen. Das kommt Ende Mai.

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Elvis Presley: The Country Side Of Elvis

Der Titel lässt vermuten, dass hier Elvis‘ Faible für Country gefrönt wird. Das trifft leider nur zum Teil zu. Denn das ein oder andere genrefremde Liedchen hat sich auf diese Doppel-CD verloren, obwohl es (laut Titel) nun wirklich nicht hierher gehört. Davon abgesehen vereint diese Zusammenstellung Elvis‘ Lieblings-Countrylieder, die der spätere Meister des Rock’n’Roll gern und oft (nach)sang – ob sie nun von anderen für ihn oder für andere geschrieben wurden.

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Turtle Bay Country Club Presents Dub Decade

Es fliegen die Bässe tief, wenn Matthias Arfmann das Studio entert und seine Vision des Dub durch die riesengroßen Lautsprecher jagt. Der ehemalige Kastrierte Philosoph und Ex-Echo-Nominierte – das war anlässlich des legendären Absolute Beginner-Albums „Bambule“ – hat den Turtle Bay Country Club eröffnet. Dahinter verbergen sich sein Studio und sein Label, keine hippen Urlaubsinsulaner mit zu viel Geld auf der hohen Kante. Im Gegenteil: Arfmann ist trotz mehrer Erfolge bescheiden geblieben und zieht das Ding nach seinen Regeln und Vorstellungen durch.

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This Is Where I Belong: The Songs Of Ray Davies & The Kinks

Ramrode und The Ravens hießen 1962 die von der Besetzung her identischen Bands, in denen der spätere Kinks-Kopf Ray Davies erste Gehversuche in Richtung Stardom unternahm. Zwei Jahre später tauschte der Sänger der Formationen das Mikrophon mit dem Terminkalender eines Managers aus und kümmerte sich fortan um die geschäftlichen Belange der in The Kinks umbenannten und von Davies angeführten Truppe. Das war der Startschuss für eine Karriere, die im Laufe ihrer vielen Jahre weite Kreise ziehen sollte.

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James Yorkston And The Athletes: The Lang Toun

James Yorkston ist Singer/Songwriter, stammt aus dem malerischen Edinburgh und hat mit seiner Band The Athletes einen Deal beim großartigen Indie Domino landen können. Seiner Single nach zu urteilen, muss man eingestehen, dass die Welt doch gerecht ist. Weg sind die Zeiten, in denen man von Zweifeln zerfressen wurde. Dass Yorkston hier und heute bei uns Erwähnung findet, ist ein Segen.

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Yeah Yeah Yeahs: Yeah Yeah Yeahs

Greil Marcus, der bekannte Rockkritiker, hält ganz große Stücke von dem New Yorker Newcomer Yeah Yeah Yeahs. Er sagt, der Name sei schlecht. Kann man beipflichten. Oder? Vielleicht drückt er genau das aus, wofür die Band steht: Exzess, Jubel, Trubel, Action. The Action is go – das sagten mal Fu Manchu. Das Trio um Sängerin Karen O fügt sich nur zu gut als Glied in eine Kette ein, deren vorderen Elemente von The Moldy Peaches, The White Stripes und The Strokes besetzt sind. Rotzfrech rock’n’rollen sie mit.

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Simple Minds: Cry

Verwirrung. Liegt es an meinen Ohren? Sind nicht Simple Minds höchstpersönlich an der misslichen Lage schuld, dass Teile ihres Comeback-Albums „Cry“ wie Auszüge aus U2-Alben klingen? Zum einen wäre da die Stimme von Jim Kerr. Zum anderen der Hang der schottischen Band, sich elektronischen Klangspielereien offen gegenüber zu sein. Beats und Effekte von Keyboards haben sich eingeschlichen. Nicht unbedingt eine schlechte Idee sollte man meinen. Doch andere würden argumentieren, dass Bands immer dann die Elektronik verstärkt zu Rate ziehen, wenn ihr nichts Gescheites mehr einfällt.

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A Boy Named Sue: Johnny Cash Revisited

Tributalben sind eine nette Sache. Sofern sie gut gemacht sind und von einem Kenner zusammengestellt wurden. Bei „A Boy Named Sue“ ist das durchaus der Fall. Hier hatte der deutsche Country-Poet Franz Dobler die Oberaufsicht übernommen und sorgfältig in seinen persönlichen Tonarchiven nach obskuren Interpretationen bewährter Johnny Cash-Klassiker geforscht. 19 Songs hat er für hörenswert erachtet, von denen immerhin 15 zuvor noch nicht veröffentlicht worden waren. Der Anlass für dieses Unternehmen war natürlich der 70. Geburtstag von Mister Cash, den dieser am 26. Februar dieses Jahres feiern durfte.

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Pentagram: First Daze Here

Eines der Doom-Meilensteine überhaupt kommt von Pentagram: „Be Forwarned“ (1994). Eine Band, die den meisten vielleicht unbekannt ist. Bis dato hoffentlich nur. Denn in diesem Monat beschert uns Relapse die Veröffentlichung einer Raritätensammlung der Band um Sänger Bobby Liebling. Er, Bassist Greg Mayne und Schlagzeuger Geof O’Keele trafen sich 1970 zur ersten Probe. Ihr habt richtig gelesen: Seit den frühen Siebzigern gibt es Pentagram schon – sieht man von zwischenzeitlichen Pausen, Auflösungserscheinungen, Drogenexzessen und Besetzungswechseln ab.

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