Nasskaltes Wetter, Feierabend, im Fernsehen flimmern die Ereignisse aus Sydney in meine Wohnstube, auf dem Herd kocht cremige Tomatensoße, im Topf sprudeln Gnocchi, es riecht nicht nach Zigarettenrauch in der ansonsten leblosen Wohnung und der Geruch nach Stallungen ist auch verschwunden. Merkwürdig. Wo ist meine Frau??? Ach ja, die ist ja wieder eine Woche nach Karlsruhe strafversetzt worden, um dort unter abenteuerlichen Jugendherbergsverhältnissen die Tierpflegerschule zu besuchen. Das heißt: Ich bin Strohwitwer – also ein Ehemann, der vorübergehend ohne seine Frau lebt. Das hat nicht nur Nachteile, meine Herren.
WeiterlesenAutor: Kai Florian Becker
Sunny Day Real Estate: The Rising Tide
Sunny Day Real Estate haben zwar ihren bisherigen Heimathafen Sub Pop nach vier Alben (dreimal Studio, einmal live) verlassen, dass soll jedoch nicht Anlass zu Spekulationen um Sellout sein. Im Gegenteil: Sunny Day Real Estate kochten bisher ihr eigenes Süppchen und sie wären törichte Narren, den eingeschlagenen Kurs zu verlassen.
WeiterlesenSzenen einer Ehe (3)
Die Hochzeitsfeier, die meine Frau Dany und ich am Abend dieses besonderen Tages Ende Juli 2000 feierten, war relativ schlicht – kein Alleinunterhalter, keine Bigband, dafür ein exquisites vom Verwandten- und Familienkreis zusammengestelltes Büffet, das passende Ambiente in einem Haus der Wanderfreunde Völklingen und ein Grillmaster mit großen Entertainerqualitäten. Das reichte, um ein gelungenes Fest auf die Beine zu stellen.
WeiterlesenCharming Boys: Superchase

Die Idee ist nicht unbedingt so verkehrt, alte Blaxploitation-Tunes neu aufzulegen. Doch sie gerade mit Bigbeat zu kombinieren, halte ich für keine originelle Idee. Schließlich zählt Bigbeat im wahrsten Sinne des Wortes zu den schnelllebigsten Genres der letzten Jahre. Der Vorteil ist, die Musik geht schnell ins Ohr. Der Nachteil ist, sie ist ebenso flott wieder draußen und ward noch rasanter vergessen.
WeiterlesenDJ Koze: Music Is Okay

Stefan Kozalla ist Sänger, Gitarrist und natürlich DJ. Was in der heutigen Zeit kein Wunder ist. Bekannt wurde er als Mitglied der Hamburger Allroundtalente Fischmob, deren Zukunft seit der Trennung von Sven Francisco ungewiss ist. Koze, so nennt sich Stefan Kozalla, seit einigen Jahren, ist als DJ schon länger aktiv und hat letztes wie dieses Jahr auf der Popkomm live sein Können unter Beweis stellen dürfen.
WeiterlesenVA: We Love You… So Love Us
Compilations sind oft genug der größte Stuss und glänzen durch unsinnige Songauswahl, Konzeptlosigkeit und qualitativer Diaspora. Warum also den Sampler aus dem Hause We Love You, neben Nu Camp und Bad Magic das dritte Sublabel von Wall Of Sound (u.a. The Wiseguys, Propellerheads, Les Rhythmes Digitales), kaufen, anhören und akzeptieren? Ganz einfach: Weil er klasse ist und mindestens ebenso gut ist wie „Super Discount“, einer der besten Sampler überhaupt.
WeiterlesenMice Parade: Collaborations
Wie würde sie wohl aussehen, die Parade der Mäuse? Niedlich, schätze ich. Die Tierchen würden stolz und ohne den Zuschauern besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden in Reih und Glied entlang der Menge patrouillieren und vielleicht das ein oder andere Piepen von sich geben. Eine Metapher, die auf das Projekt Mice Parade übertragen werden könnte.
WeiterlesenLa Musica Della Mafia: Il Canto Di Malavita
„Während die abgesägte Schrotflinte singt / Schreit und stirbt der Verräter“, „Verräter, erst schlitze ich Dir das Gesicht auf, dann bringe ich Dich um“ oder „Du bist ein Spitzel und ein Verräter / Wer Fehler macht, bezahlt mit dem Leben“. Auf der anderen Seite dann: „Ich bin lieber im Gefängnis als ein Verräter“ oder „Dieser Mund spricht nicht / Ich werde diese drei Jahre schultern“. Dazu die Musik der ´Ndrangheta, die Klänge der kalabrischen Mafia, die die Beteuerungen der Inhaftierten, entgegen der verhängten Gerichtsurteile unschuldig zu sein, untermalen. Zusammengestellt wurde diese bis dato einzigartige Ansammlung an Mafialiedern von dem Fotografen Francesco Spano, dem Journalisten Maximilian Dax und dem Labelchef Peter Cadera.
WeiterlesenToday Is The Day: Live Till You Die
What a sick bastard, but that’s why we all love him.
Today is The Day kommen einfach nicht zur Ruhe und legen ein Raritäten/Livealbum vor, das sich gewaschen hat. Von obskuren Coverversionen von Bad Company, Chris Isaac und The Beatles über eine Akustikversion von „Ripped Off“ bis hin zu live im Radio dargebotene Tracks.
Text: Text
Kopfschütteln war die erste Reaktion, die ich für einige der Tracks übrig hatte. Augenbrauenhochziehen und gleichzeitiges Stirnrunzeln ebenso. Ein bejahendes Seufzen und ein schön eine andere. Kurzum: „Text“ ruft sehr gemischte Gefühle ab. Verlassen kann man sich auf nichts. Von einer Sekunde zur nächsten ändert der Kahn seine Richtung. Von himmelblau zu stockduster. Von Gitarre zu Keyboards und seltsam anmutenden Soundarrangements.
WeiterlesenLive: Ween
Stuttgart, Longhorn. 5.9.2000
Sie lachen sich auf der Bühne an und witzeln über ihre eigenen Gags und auch über das Publikum. Ween, das sind Dean und Gene Ween, im richtigen Leben natürlich keine Brüder, sowie drei gut bezahlte und ausgezeichnete Musiker, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die ganze Geschichte der Rockmusik kreuz und quer zu zitieren und auf Bands wie Pink Floyd, AC/DC, Elvis Presley, Van Halen oder The Doors querzuverweisen. Einmal in einer Coverversion, einmal mittels geschickt eingebauter Zitate in die eigenen Songs.
WeiterlesenSublime: What I Got
Die Ska-Dub-Rocker und Dauer-Haschischkonsumenten Sublime beehren uns posthum mit einer Single-CD, die seit längerem einen Werbejingle eines Handynetzbetreibers untermalt. Nun will sich jene Firma zwar mit der Unterstützung der nach dem Tod ihres Sängers aufgelösten Band brüsten, dabei hat „What I Got“ schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Trotzdem werden sich Sublime (jetzt: Long Beach Dub Allstars) freuen, weiterhin kräftig Tantiemen abgreifen zu können.
WeiterlesenInfectious Grooves: Mas Borrachio

Früher war alles irgendwie besser. Da waren Suicidal Tendencies noch einmalig und Infectious Grooves das funkige Nebenprojekt von Hauptinitiator Mike Muir. Mittlerweile sind die Grenzen zwischen beiden Unternehmen verwischt. Die einen rocken mehr (IG), die anderen funken mehr. Trennlinien zu ziehen fällt schwer. Und ob man diese Entwicklung unbedingt ausnahmslos gutheißen sollte ebenso. Wie gesagt: Früher war alles besser. Da hatte Mike Muir noch eine Vision und ließ die Finger vom sommerlichen Gefunke. Früher halt.
WeiterlesenSzenen einer Ehe (2)
Verheiratet zu sein macht mir nach nunmehr drei Wochen Ehe weiterhin Spaß und bereitet mir tatsächlich große Freude. Einerseits ist die Last sehr groß. Man weiß, man hat seinen Partner fürs Leben (hoffentlich) gefunden. Nun liegt es an einem selbst – an der Kompromissbereitschaft, der Anpassungsfähigkeit, dem Verständnis – die Beziehung nicht zu vernachlässigen. Andererseits gibt einem das amtlich beglaubigte Papier eine vorher nicht gekannte Rückendeckung, sozusagen ein feinmaschiges Netz unter dem Salto Mortale Beziehung, einen Airbag für die Achterbahnfahrt namens Leben.
WeiterlesenPeaches: The Teaches Of Peaches
Sie will, dass wir an ihren Nippeln nuckeln und uns mit einem guten Fick aller Schmerzen entledigen („Fuck The Pain Away“). Und ficken wollen sie wohl alle („Set It Off“). Ja, meine Damen und Herren, sie haben richtig gelesen. Mit Hilfe der Roland MC 505 Groovebox hat Peaches alias Merill Nisker, kanadische Staatsbürgerin wohnhaft in Berlin, ihre eigenen Stücke komponiert, die nun den Weg auf ihr Debüt „The Teaches Of Peaches“ gefunden haben. Entdeckt wurden sie von der Kitty-Yo-Mannschaft in einem Stripclub als sie gerade dabei war, sich auf der Bühne zu entblättern. Das hinterließ bleibenden Eindruck bei Patrick Wagner & Co.
WeiterlesenPhat World (7)
Was soll ich sagen: Wieder zu spät. Daher ab jetzt keine Versprechungen mehr. ‚Tschuldigung dennoch. Nun aber zu Big L, Busta Rhymes, The Creators, Dilated Peoples, Drama, Eve, Lil‘ Kim, Gunshot, J-Shin, Jurassic 5, The Pharcyde, Trick Daddy, Trina, den beiden Samplern Ryde Or Die Vol. II und 2001: Rhyme Odyssey sowie Absolute Beginner, Das Bo, 5 Sterne Deluxe, MC Rene, Plattenpapzt, Sékou The Ambassador, Spax und Texta.
WeiterlesenSonic Youth: NYC Ghosts & Flowers
Sonic Youth live zu begutachten ist nicht unbedingt ein Ereignis dem man mit großer Vorfreude entgegenblicken muss. Thurston Moore, Kim Gordon, Lee Ronaldo und Steve Shelley können sich ohne weiteres in Trance spielen und damit in improvisierten Versatzstücken ihrer Songs verlieren und das Publikum auf eine Geduldsprobe stellen. Sie übertreiben es öfters gerne. Liest man sich dann die Liner Notes ihres neuen Albums „NYC Ghosts & Flowers“ durch und stolpert über den Namen Jim O’Rourke, der für den Job des Produzenten engagiert wurde, kann unsereins Böses erahnen. Sollten sich Sonic Youth dem Chicagoer Avantgardisten gnadenlos ausgeliefert haben? Jein.
WeiterlesenHidalgo: I Wrote A Song For You
Erinnert sich noch jemand an die Charming Prophets aus Nürnberg, die vor zwei Jahren ein vielseits sträflich missachtetes Album über Stickman Records auf dem Markt brachten? Deren Sängerin ist Betty Mugler und live ist diese Dame eine bezaubernde Erscheinung, die schon einmal mit lässigem Cowboyhut die Bühne betritt und ihr daraufhin einige männliche Gäste zu Füssen liegen und sie um Autogramme bitten. Das kann passieren. Habe ich selbst so erlebt. Jetzt ist sie nachdem ihre vorherige Band das Handtuch warf, zurück und möchte nicht nur mir, nein, uns allen ein Lied, ja sogar mehrer vortragen, die sie für mich/uns schrieb. Herrlich das.
WeiterlesenYuppie Flu: Hollow Beep
Die letzte italienische Band, die mir untergekommen ist, das waren … hm (?) … ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern. Um so besser, dass es zur Abwechslung Italiener sind, die mich froh stimmen. Yuppie Flu sind nicht nur die südländische Hoffnung, sondern gar die europäische Indiehoffnung des Jahres.
WeiterlesenSzenen einer Ehe (1)
Früher hatte ich eine Freundin. Damit ist seit ein paar Tagen Schluss. Nein, nicht mit ihr, sondern mit dem Status des Freundinnenhabens. Ein kurzes Ja mitten im Post-Junggesellenabschiedsfeierrausches genügte und: aus der Traum. Nie mehr Freundinnen, nie mehr Beziehungen. Statt dessen: Verheiratetsein und Ehe-Alltag. Manch einem soll beim Erklingen des Wortes Ehe ein eisiger Schauer über den Rücken laufen. Ich hingegen hatte kaum Zeit in den Stunden vor dieser weitreichenden Sekunde des Ja-Sagens über Sinn oder Unsinn nachzudenken – geschweige denn nachher: Händeschütteln, Küsschen hier, Küsschen da, Feiern, Wohnung putzen (Stroh im Bett und dieser miesen Scherze nachts um vier), Flittertage (ganze drei an der Zahl), Ämterochsentour, links liegengebliebene Arbeiten erledigen etc.
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