Brassy: Got It Made

Muffin Spencer ist mitverantwortlich dafür, dass im letzten Jahr im vereinigten Königreich eine einheimische Band auf den Plan trat, die gar nicht britisch klang, trotzdem von vielen Seiten Lob einsteckte. Single der Woche im NME und überschwängliche Livekritiken in selbiger Gazette. Auch die deutsche Presse hielt sich nicht zurück. Die taz urteilte wie folgt: „Wo Sonic Youth in der Elektronik nach Verunsicherung suchen, dienen die Techniken aus dem HipHop bei Brassy allein dazu, ihren Poprock an die Neuzeit anzudocken. Die Breakbeats, die Schlagzeuger Johnny Barrington gebaut hat, sind im HipHop-Kosmos zwar arg altertümlich, für flotten White Trash aber gerade gut genug. Zudem gehen die sloganartigen Refrains unverschämt gut ins Ohr.“ Die Süddeutsche Zeitung schrieb anlässlich eines Konzertbesuchs: „Front-Göre Muffin Spencer, die Schwester vom großen Jon, und ihre scratchenden und polternden Mitstreiter kämpften für ihr Recht auf Partys und gegen Spießertum. Nicht oft kommen Vorgruppen so gut an. Und doch spielte Muffin die Genervte und schnauzte das Volk an.“

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And You Will Know Us By The Trail Of Dead: Madonna

Sie kommen aus Austin, Texas, und sie werden bald in aller Munde sein. Mund ist das richtige Stichwort, denn der steht einem offen, begegnet man zum ersten Mal ihrer Auffassung von gnadenlos rockender Gitarrenmusik. Was sich auf ihrem selbstbetitelten Debüt noch vage andeutete, bekommt auf „Madonna“ (Der Albumtitel hat nichts mit der Pop-Ikone zu tun!) seinen perfekten Schliff. Verzerrte Gitarren, dezenter Gesang mit kurzweiligen Schreieinlagen, Tribal-mässige Drums mit hoher Kopfnicker-Verwertbarkeit und absoluter Ekstase-Garantie.

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Prefuse 73: EstrocaroEP

Gleicher Mann, gleiches Label, andere Baustelle. Scott Herren, der in diesen Tagen eine LP „Folk Songs for Trains, Trees and Honey“ unter dem Pseudonym Savath+Savalas auf Warp herausbringt, kann nicht genug bekommen. Gleicht Savath+Savalas einer rudimentären, abgespeckten Version von Kreidler, aufgefüllt mit elektronischer Watte à la Boards of Canada, kommt bei Prefuse weniger Wärme aus den Boxen gekrochen. Zwar gleicht ein ganzes Stück „Five Minutes Away“ dem Bruderprojekt in seiner einheimelnden Wärme, diese wird aber bei dem Großteil der EP durch Push Button Object-mäßige Beatarhythmetik durchtrennt.

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End Of April: In Your Arms… Like Chains

Mit einem Jerky Boys-artigen Hörspiel (das sind zwei verrückte New Yorker, die per Telefon Leute verarschen) beginnt die Mini-CD von End Of April, der neuen Band des ehemaligen Headcrash-Shouters Allen Wright. Nachdem sich Headcrash aufgrund der nicht enden wollenden Probleme mit dem Business auflösten, ging Allen zurück in die USA in den Kreis der Familie. Zeitgleich kündigte er an, dass man bald wieder von ihm hören würde. Damit sollte er Recht behalten.

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Travis: Driftwood

Mit dieser zweiteiligen Single-CD wollen uns Travis den Tag versüßen und erreichen dies natürlich auch. Zwar ist eine Doppel-Maxi besonders auf der Insel Gang und Gäbe und irgendwie doch nur dazu da, den Jungs und Mädels das Geld aus der Tasche zu locken, aber diese hier hat es in sich. Schließlich kann man von den vier sympathischen Schotten, die noch keinerlei Starallüren an den Tag legen, nie genug bekommen. Einmal ihnen verfallen, kommt man nicht mehr von ihnen los. Oder?

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V.A.: Misturada 4

Der vierte Teil dieser Serie ist zugleich der erste, der mir untergekommen ist. Macht aber nix. Das Konzept der mir vorliegenden Platte ist simpel aber trotzdem spannend. Brasilianische Musik, wie sie bei dem Label Far Out auf der CD „Friends From Rio 2“ vor einiger Zeit erscheinen ist, wird auf „Misturada 4“ von Dance-, Electro- und TripHop-Experten in neue Klanggewänder gesteckt. So kamen 4 Hero, IG Culture, Dalata, Kyoto Jazz Massive, Offworld, Soul Circuit, Roc Hunter, Flytronix und G. Force & Seiji in den Genuss des Remixens von brasilianischen Hüftschwingern.

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Payola: For Those Who Know

Sie haben schon eine Single, eine EP und ein Album (oder waren es zwei? Das Labelinfo gibt ungenaue Angaben hierzu.) veröffentlicht und waren schon fast in den ewigen Jagdgründen Gast nachdem ihr Sänger das Handtuch warf. Aber Payola geben sich so leicht nicht geschlagen. Der Weg aus der Krise war in Neuzugang Nico Kozik (auch Nico Le Bon genannt) – nicht verwandt oder verschwägert mit dem berühmten Posterkünstler aus San Francisco – gefunden. Schlag auf Schlag ging es fortan zu.

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Lotte Ohm: 17º

Ein neuer Tag, ein neues Glück. Oder: Ein neues Album, ein neues Glück. So könnte man das Vorhaben von Lotte Ohm auf den Punkt bringen. Fast im Alleingang kommt er daher. Songs und Texte sind allesamt aus seiner Feder, die Produktion hat Mario von Hacht überwacht, den viele vielleicht durch seine Arbeit mit Fischmob und Fettes Brot kennen werden. Ein kooperatives Team, wie sich nach mehrmaligem Hören der CD erweist. Mario produziert phantastisch komplett und vollkommen und gibt dadurch den teils skurrilen Ideen von Herrn Ohm die nötige Plattform.

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Unter Unserem Himmel 2

Im letzten Jahr erschien „Unter Unserem Himmel“ anlässlich des 25jährigen Geburtstages des Jugendsenders Zündfunk vom Bayerischen Rundfunk. Alexander Schaffer, Redakteur des Senders, hat jetzt ein weiteres Mal bayerische Bands, Projekte und Künstler ausfindig gemacht, die er unterstützenswert findet. Bedingung war alleinig, dass die Band aus dem Einzugsbereich des Senders also aus dem Süden der Republik stammt.

„Unter Unserem Himmel 2“ ist dennoch grenzüberschreitend, insofern als süddeutsche Musiker mit solchen aus dem hohen Norden kooperiert haben. Console treffen zum Beispiel auf Tocotronic, Blumentopf gesellen sich zu Fettes Brot, Miles begrüßen Rocko Schamoni und Erobique.
Das Hauptaugenmerk des Samplers liegt weitestgehend auf elektronischer Musik – was allerdings Zufall und nicht Konzept war. Neben einigen (Semi-) Hörspielen (Da Blumentopf vs Fettes Brot, Sportfreunde Stiller und einer Dalli Dalli-Huldigung), haben zudem ein paar HipHop-Tunes (Kaleidoskop alias Total Chaos und Blumentopf, Square One) ein neues Zuhause gefunden. Irgendwie ist fast alles klasse und vor allem Beanfield aus München, das funkige Trüby Trio mit Sitz in München wie Freiburg, das Soundsystem Lions Den aus des Bayerns Hauptstadt, Slut auf den Spuren von Robbie Williams (Bandinfo, du hast Recht behalten!), unser geliebtes Tied & Tickled Trio sind extra klasse. Es lohnt sich, diese CD nicht im Regal eures Dealers versauern zu lassen. Zwanzig mal mehr oder weniger originell den Süden repräsentiert, das kann schon schön sein – sieht unsereins von ein, zwei deplazierten Repräsentanten ab.

V.A.: Unter Unserem Himmel 2
(Virgin)

The Want: Greatest Hits Vol. 5

Mir fliegt der Helm weg und das sogar mit Ansage. Der zuständige Herr von der Plattenfirma lag goldrichtig, als er mir dieses Meisterwerk mit Entzücken anzupreisen versuchte. „Greatest Hits Vol. 5“ ist ganz nach meinem Geschmack. Da wird noch in traditioneller Art und Weise schweinegerockt. The Want sind der bis vor kurzem mir unbekannte Bastard aus Led Zeppelin und Black Sabbath.

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Nativity In Black II

Wir kennen das Spielchen bereits von der ersten Version der Black Sabbath-Huldigung, die im Jahre 1994 auf den Markt kam. Seinerzeit löste sie einige heiße Diskussionen aus. Warum diese oder jene Band sich nun von Black Sabbath inspiriert fühlt und warum sie auf diesem Sampler vertreten sein musste waren die Fragen. Ich denke insbesondere an Biohazard (!) und Ugly Kid Joe (!!). Im Grunde sind wir doch alle von den guten alten Heroen des Metal beeindruckt und beeinflusst.

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Lolita No. 18: Yalitamin

Vier durchgeknallte, rotzfreche Japanerinnen kommen daher und wollen uns vormachen, wie Punkrock auf Japanisch gemacht wird. Das kann mitunter ganz seltsam klingen – zumindest was den Gesang betrifft. Da ist das Geschrei der Damen aufgrund der besonderen asiatischen Intonation noch kreischender und hysterischer als man das ansonsten von All Girl-Punkrockern gewohnt ist. Sängerin Masayo, Gitarristin Ena, Bassistin Kim Rin und Schlagzeugerin Aya sind – das kann ich dem Cover der CD entnehmen – typische Ausgeburten des Punkrock. Verrückte Kleidung, bunte Haare (einmal die Farbpalette rauf und wieder runter bitte) und geben sich in frechen, wilden Posen.

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Sigur Rós: Ný Batteri

Ja, sie sind die derzeit beste Band auf dem Gebiet der atmosphärischen Gitarrenmusik. Sie laufen selbst Do Make Say Think, Godspeed You Black Emperor!, Immense und Mogwai den Rang ab. Diese Meinung müsst ihr natürlich keineswegs teilen. Allerdings kann ich euch sagen, dass Sigur Rós noch jeden, dem ich ihr Material vorgespielt habe, in ihren Bann gezogen haben. Okay, ich gebe zu, dass ihre Musik obskur erscheint, da der Gesang eine selbst erfundene Überblendung von Isländisch und „Hopelandish“ (so der Anglizismus) ist. Nicht nur das ist einzigartig und bestaunenswert an dem isländischen Quartett.

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Nephew: Swimming Time

Gewöhnlicher, leider nur mittelklassiger Indie-Rock mit dezent britischer Prägung und auch kleineren Anleihen an US-amerikanischen Alternative Rock der Post-Grunge-Ära. Allerdings stammen Nephew aus Dänemark. Sie sind bemüht, doch das reicht noch nicht aus, um unsereins hinter dem Ofen hervorzulocken.

(4 Fritten)

Nephew: Swimming Time
(Martian Records/Indigo)

Interview: Pariah

The Glaswegian underground is rising

Imagine a band that sounds like Immense, Mogwai or the Icelandic newcomer Sigur Ros. Imagine this band is called Pariah and was formed six months before they recorded their first demo, a 3-track CD including the songs „The Night-Time Driver“, „Sleeps With Cactii“ and „Youths Can Help“. Imagine they are all 19 years old and live in Glasgow (one of them just moved from Edinburgh to Glasgow). Imagine – while doing this interview – we, that is: David (19, keyboard, bass), Andy (19, guitars, samples) and me, were standing in a Glaswegian pub called „Nice’n’Sleazy“ pouring down about three jugs of lager. Here is the result of it.

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