Phat World (5)

Eins vorweg: Wieder ist Phat World nicht pünktlich erschienen. Das nehme ich voll und ganz auf meine Kappe. Es lag wirklich nicht an dem von Viren oft befallenen Chefredakteur; es lag allein an meiner Trägheit. Daher habe ich mir zur Strafe (so wie die Bayern) ein Eigentor geschossen und musste satte 27 (!) Scheiben in Augenschein (?) nehmen. Auf einen Schlag. Dazu gehörten Angie Stone, Black Rob, Bone Thugs-N-Harmony, D’Angelo „Voodoo“, Del The Funky Homosapien, D.I.T.C., DJ Food, DJ Krush, Dynamite Deluxe, Ghostface Killah, Ice Cube, J-88, MC Paul Barman, Rascalz, Royal Fam, Screwball und die Stereo MC’s. An Samplern hätten wir in petto „Ghost Dog: The Way Of The Samurai“, „Hip Hop 101“, „Next Friday“, „Romeo Must Die“, „Urban Renewal“ und „Word Lab“ während in der deutschen Abteilung Curse, Thomas D und Freundeskreis bereitstehen. Uff!

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Einstürzende Neubauten: Silence Is Sexy

Blixa Bargeld legt nicht viel Wert auf die Meinung der schreibenden Zunft. Das kann unsereins gut verstehen. Sind wir nicht alle Wortverdreher, die wir mit unserer Kunst (?) Geld verdienen und uns allesamt selbst darstellen möchten? Wohl schon. Es mag auch Ausnahmen geben. So wie die Einstürzende Neubauten seit Jahren eine absolute Ausnahmeband am deutschen Musik-Firmament sind. Ein einsam leuchtender Stern, der früh von internationalen Beobachtern gesichtet und für besonders empfehlenswert interpretiert wurde. Das war vor zwanzig Jahren.

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Asian Dub Foundation: Community Music

Viele Gazetten der internationalen Musikpresse – siehe NME, Select (beide U.K.) und The Source (US) – sind derzeit von der Diskussion beherrscht, ob Musik nicht wieder politischer werden sollte. Eine durchaus sinnvolle Erörterung, schließlich könnte zuviel oberflächliches, belangloses Geseiere aus der Pop-Ecke die Gehörgänge schnell verschmalzen. Diesen Stein ins Rollen gebracht haben in den vergangenen Wochen/Monaten mitunter Acts wie Rage Against The Machine (The battle of Seattle?), Primal Scream, Dead Prez (HipHop-Newcomer der besonderen Art) und nicht zu vergessen die britische Revoluzzer-Formation Asian Dub Foundation, die schon immer gegen politische und gesellschaftliche Missstände revoltiert haben.

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Ian Brown: Golden Greats

Länger als ein Jahr ist es her, dass Ian Brown, früher Mitglied bei der britischen Gruppe Stone Roses, mit den Arbeiten zu seinem weiten Soloalbum begann. Zuvor verbrachte er allerdings unfreiwillig 60 Tage hinter schwedischen Gardinen. Einige der Songs auf „Golden Greats“ sind insofern von diesem ungewollten Aufenthalt im Gefängnis gezeichnet – u.a. „Free My Way“, „Babasonicos“ und „So Many Soldiers“. Sie strahlen allerdings Optimismus und nicht – wie man annehmen könnte – Pessimismus aus.

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Stereoblonde: Confidential

1999 fungierten sie noch als Opener für Echo & The Bunnymen. Dieser Tournee folgten Auftritte mit Glow und Armanda Marshall. Jetzt haben sie ihr Debüt im Kasten. Das Frankfurter Duo Stereoblonde alias Sängerin/Texterin Sabrina Winter und (ex-Session-)Gitarrist Andy Fehn haben immerhin Selig- und Echt-Produzent Franz Plasa dafür gewinnen können, ihre musikalischen Ideen in die richtige Richtung zu fokussieren. „Confidential“ klingt deshalb erwartungsgemäß makellos. Zumindest was die Produktion betrifft, die professioneller kaum sein könnte.

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Bowery Electric: Lushlife

Ich gebe zu, dass ich Bowery Electric bis dato nicht gekannt habe (Früher bei Kranky unter Vertrag.). Ein Fehler wie mir nach Anhören von „Lushlife“ erscheint. Doch wer kann schon alles mitbekommen, jeden Insidertipp verfolgen und auf Rentabilität prüfen? Ich auch nicht, macht euch nichts draus. Bowery Electric, das sind die Multiinstrumentalisten Lawrence Chandler und Martha Schwendener, deren bezaubernde Stimme Besitz von meinem Gehirn ergriffen hat. Sie singt fast nicht, sondern flüstert, ja haucht ihre Texte ins Mikrofon.

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LTJ Bukem: Journey Inwards

Über LTJ Bukems Good Looking-Label wurde in Hinternet schon oft, viel und begeistert geschrieben. Jetzt hat der Labelchef endlich sein erstes eigenes Album auf den Markt gebracht. Und Fans von Good Looking werden auf „Journey Inwards“ schon mit Spannung gewartet haben. Er ist ein Meister seines Fachs und das zeichnet sich durch ultra-lässigen, beschwingten Drum’n’Bass aus, der schnell ins Ohr geht und dort gerne lange hängen bleibt. Nichts wurde hier dem Zufall überlassen. Jedes Sound-Segment erfüllt seine für ihn erdachte Aufgabe mit Bravour.

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Brazilification (Remixes 95-99)

Schon das erste Stück dieser vorzüglichen Remix-Doppel-CD läßt mir die Nackenhaare zu Berge stehen und einen kalten Schauer nach dem anderen den Rücken runter laufen. Die Stimme Thom Yorkes und ganz wenige Gitarrenparts wurden genommen, um „Climbing The Walls“ von Radiohead (vom Album „OK Computer) in ein neues Licht zu rücken. Im Vordergrund die einfühlsamen Vocals und ein satter Beat. Phantastisch.

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Immense: Evil Ones And Zero

Diese Musik ist ein Segen. Ein Segen für angespannte Nervenkostüme, für Menschen deren Nervenstränge blank liegen und die sich nach innerer Ruhe sehnen, aber wiederum keine Geduld haben, sich in ein Buch zu vertiefen. Oder: Ihr fühlt euch verdammt down, so down wie selten zuvor? Ihr glaubt, ihr seid eine Null und habt keine Zukunftsvisionen in der Schublade liegen? Die letzten Tage waren also unheimlich übel? Ich sehe. Hm. Wieso nicht „Evil Ones And Zeros“ auflegen, die schweren Lider schließen und frei von Gedanken, aber gebannt zuhören? Das könnte helfen, zumindest mir hat es das, das Album von Immense.

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The Life And Music Of Nick Cave

Eins gleich vorweg: „The Life And Music Of Nick Cave “ ist keine gewöhnliche Biographie. Zum einen ist da das übergrosse Format, zum anderen spricht die Tatsache, dass das Buch jeweils zur Hälfte aus Bildern und Texten besteht dafür. Es gibt nicht nur einen ausgiebigen Überblick über den begnadeten Musiker Nick Cave, der als Nicholas Edward Cave am 22. September 1957 im australischen Wangaratta geboren wurde und der weltweit mit The Birthday Party und Nick Cave & The Bad Seeds für Furore sorgen konnte, es beleuchtet auch den mystischen Privatmann, der sich hinter einem zumeist düsteren und melancholischen Image versteckt.

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Interview: Chemikal Underground

Kai Florian Becker im Gespräch mit Stewart Henderson und Alun Woodward von Chemikal Underground

Ein paar hundert Meter entfernt vom imposanten Stadion des 1887 von katholischen irischen Einwandern gegründeten Fussballclubs F.C. Celtic Glasgow liegt ein überschaubares Industriegebiet. In einem der wenigen Bürogebäude hat sich vor ein paar Jahren im obersten Stockwerk die junge und aufstrebende Plattenfirma Chemikal Underground Records eingenistet.

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Surrogat: Rock

Flammen auf dem Cover und ein Albumtitel, den die Violent Femmes bereits einmal gewählt hatten. „Rock“ prangt in fetten Lettern auf dem Vorderteil des mit Spannung erwarteten Albums von Surrogat. Hinter der Band verbirgt sich ein Trio aus der deutschen Hauptstadt. Maj-Linh Truong sitzt hinter dem Schlagzeug, Tilo Schierz-Crusius zupft den Bass und Patrick Wagner schrammelt und dröhnt mit seiner Gitarre und schreit seine in der deutschen Sprache vorgetragenen Vergangenheitsbewältigungen, Weltauffassungen, Selbstdefinitionen und Liebesbekundungen für Berlin ins Mikrofon.

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Pantera: Reinventing The Steel

Viele Gerüchte gingen diesem Album voraus, und es ist tatsächlich noch was geworden mit dem Nachfolger zu „The Great Southern Trendkill“. Vier lange Jahre der Durststrecke waren das für die hartgesottenen Pantera-Fans. Für einige vielleicht zu viel. Sie mögen in der Zwischenzeit auf den Nu Metal-Zug aufgesprungen sein und ihre Pantera-Poster durch die von Korn, Limp Bizkit oder Slipknot ersetzt haben. Laut Schlagzeuger und Großmaul (sorry, aber Fakt ist Fakt) Vinnie Paul hat sich das Quartett mehr Zeit denn je gelassen, um „Reinventing The Steel“ gedeihen zu lassen.

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Eels: Daisies Of The Galaxy

Mark Oliver Everett hieß er früher, heute nennt sich der Frontmann und Kopf der amerikanischen Band Eels nur E. Ihm zur Seite stehen Butch (Drums), Peter Buck (Gitarre, Bass, Piano, ansonsten in den Diensten von R.E.M.) und Grant Lee Phillips (Bassist, von Grant Lee Buffalo ausgeliehen). Nach der düsteren Thematik auf dem Vorgänger „Electro-shock Blues“, dessen Produktion der Selbstmord seiner Schwester und der Tod seiner Mutter vorausgingen, vertritt E auf „Daisies Of The Galaxy“ eine optimistischere Haltung. „Ich wollte eine schöne, fröhliche Platte machen“, gibt er zu Protokoll und ergänzt: „So passierte es, dass wir in Wirklichkeit gleichzeitig zwei ganz unterschiedliche Alben eingespielt haben: Die eine war laut, dunkel, erschreckend und voller Feedback, die andere war ‚Daisies Of The Galaxy‘. Obwohl beide zur gleichen Zeit entstanden sind, wollte ich nur das eine Album jetzt veröffentlichen.“

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