Novotones: Me sunny e. p. (7″)

Ansprechende Platten-Cover sind was Feines. Zum Beispiel zwei niedliche Krakelmännchen mit ´ner Fleppe, beschienen von einer ebenso griesgrämigen Sonne. Eines der Männchen macht es kurz: „Me sunny“. Ach so. Wie gesagt, tolles Design. Aber es kommt noch besser, nämlich wenn man die Scheibe abspielt. Die ist genauso wie das Cover: ein Kleinod im fröhlichen Retro-Stil! Und alles instrumental.

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Ich kann nicht gut spielen, aber es klingt toll

Bernd Begemann im Hinternet-Interview

Hinter-Net!: Du wirst oft als „elektrischer Liedermacher“ bezeichnet? Trifft es das?

Begemann: Ich bin eher ein Solo-Pop-Künstler. Liedermacher sind Leute, die auf einer Wandergitarre spielen und gegen Atomkraft sind. Nun ist Atomkraft zwar nicht so toll, aber ich würde nicht die kostbare Zeit meiner Zuhörer damit verschwenden.

Hinter-Net!: Aber zu Deinen Vorbildern zählt Ulrich Roski.

Begemann: Ja, ich hab mit neun die ersten Lieder geschrieben, und die waren unheimlich Roski-beeinflusst.

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Paula: Als es passierte

Vor circa sechs Jahren knallte ein Sommerhit in das Leben der Allermeisten, der so lässig groovte, dass es fast tödlich war. Das Ganze zu dezenter Western-Atmo und mit einer Frauenstimme, die eigentlich mehr redete denn sang, aber es war klasse, und es war Sheryl Crow. „Als es passierte“ atmet zumindest den Geist von „All I Wanna Do“. Derselbe Schlenz, derselbe Swing. Und ein ähnlich nonchalanter Gesang, wobei hier nun tatsächlich gesungen wird, noch dazu mit engelsgleicher Stimme.

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Gry: Summer Wine

„Summer Wine“ ist Bestandteil eines Projekts namens „FM Einheit präsentiert: Gry – Public Recording“. Public Recording ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen, denn die Aufnahmen im Münchener Marstall fanden unter ausdrücklicher, wenn auch offenbar lautloser, Einbeziehung des Publikums statt. Über-Die-Schulter-Gucken-Dürfen als Avantgarde? Klingt eher nach Workshop. Zugucken-Dürfen, wie die Profis es machen. Oooooooooh! Gaff!! Staun!!! Nein Nein, würden die Künstler wahrscheinlich sagen: die Anwesenheit von Publikum beeinflusst die Atmosphäre zutiefst und fliesst unterbewusst, also keineswegs unhörbar, ins Resultat ein. Eine Konserve mit Aufführungscharakter, also quasi live! Eine radikale seinsgeschichtliche Absage an Zwänge der Reproduzierbarkeit, die die Schranken der Kultuindustrie in herrschaftszerstörender Absicht unterläuft.

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Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot: Tänze

„Smells like teen spirit“ hat „Smoke on the water“ längst abgelöst. In der Kategorie „Attraktivster Song für jugendliche Möchtegern-Rockstars“. Es wird von Cello-Lehrern berichtet, die seit bald zehn Jahren am Wunsch ihrer Schüler verzweifeln, den Grunge-Klassiker auf vier Saiten zu kratzen. Mein Bruder brauchte vor sechs Jahren dringendst eine E-Gitarre, um sich im Schnellverfahren die Griffe des Nirvana-Hits draufzuschaffen. Wie sich zeigte, tatsächlich die einzige Bestimmung des bedauernswerten Utensils, das seit seiner kurzen „Smells like…“-Blüte in der Ecke vor sich hin staubt.

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Earthlings?: Human Beans

Wer hätte das gedacht: Raumfahrer des 21. Jahrhunderts tragen Hemdsärmel! Und sie haben eine Farm in Kalifornien, nahe der Mojave Wüste und des Joshua Tree Monuments, wo es auch den seligen Gram Parsons ein letztes und noch ein allerletztes Mal hinzog. Earthlings? sind ein US-Trio (Fred Drake, Dave Catching, Pete Stahl), in dem jeder quasi alles spielt, und kennengelernt haben sie sich sinnigerweise 1994 während einer kalifornischen UFO-Konferenz…

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Viva MTV!

Es war am 1. August 1981, als im amerikanischen Fernsehen ein Mann auf dem Mond landete. Er stieg aus einem Raumschiff, in der Hand die obligatorische Fahne, die er nun natürlich hisste, aber statt Stars-and-Stripes gabs nur drei Buchstaben: TVM klang den Machern zu platt. MTV schien da schon mehr herzumachen. MTV, wie: Music Television. Ein Fernsehkanal, nur mit Musikvideos. Das war der Anfang.

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Funki Porcini: Zombie

Die Genrebezeichnung „Freestyle“ ist eine hübsche Umgehung ungeliebter Schubladen und soll vermutlich auch Attribute wie „kreativ“ oder „originell“ mitschmuggeln. Funki Porcini ist für seine Fans ohnehin all das zusammen, und zwar auf dem Elektronik-Sektor. Für „Zombie“ hat er sich mal wieder einen Soundtrack vorgenommen beziehungsweise es sollte so ´was wie ein Soundtrack dabei rumkommen, auch wenn die Inspirationsbasis eine sehr freie (sic!) und eigenständige ist. Was nun konkret einen „Soundtrack-Sound“ ausmacht, sollte vielleicht auch mal generell geklärt werden. Ich vermute, es geht weg von den üblichen Songstrukturen, eher hin zu einer Aneinanderreihung von Stimmungen und Sequenzen, ziemlich flächig das Ganze, im Zweifelsfall wohl auch eher illustrativ als narrativ (also mehr Beigabe als Erzählung) und sicherlich verdammt experimentell. Right? Ach ja, und instrumental sollte das meiste wohl sein.

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Laika: Good Looking Blues

Keine Minute, und man weiß: Laika, unverkennbar. „Good looking Blues“ ist kein Ausbruch, sondern eine behutsame Weiterentwicklung. Die Markenzeichen sind geblieben, aber eingedampft zu einer weichen Klangmasse und durch neue Kanäle geleitet. Der spacige, gedämpfte Elektronik-Sound ist um einiges leichter geworden, tupft und federt wie auf Watte gebettet durch den Raum und schimmert edler denn je. Lounge pur, zarte Moog-Loops steigen wie Bläschen auf, weich puffend und mit dezentem Hall. Die Rhythmen federn, schwingen und sind trotzdem voll funkiger Spannung. Laikas Geräuschekosmos aufzudröseln, wäre was für Sisyphos. Die irrsinnigsten Sounds sind hier verwoben. Oft weiß man nicht: Industrielandschaft, Dschungel oder Paradiesgarten?

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Sampler: Sauerkraut nicht Sushi

Nach den LADOs kann man den Kalender stellen: Pünktlich zum Jahresende landet die alljährliche Label-Compilation auf dem Tisch der Rezensenten und beschert ihnen viele, viele „Ach ja“s. Jede Menge alte Bekannte aus der Hamburger Schule, aber auch Mini-Pop-Anarchisten wie die Aeronauten und GUZ, die chansonesquen Fink (sind sie mindestens genausosehr wie countryesque!) oder die kühlen Elektronen von Stella. Und und und… Lauter Preziosen halt, die der deutschsprachige Markt so abwirft. Aus den Jahren ´98, ´99 und – 2000. Ja, ein paar Vorab´s sind auch mit drauf. Zum Anfüttern.

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Reamonn: Torn

Achtung: diese Single gibt’s vorläufig (Januar 2000) nicht im Handel. Sie ist als Appetizer gedacht, um eine Band vorszustellen, die im April ihr Debütalbum veröffentlichen wird: Reamonn. Ein Quintett aus Süddeutschland mit irischem Sänger. Produziert wurde „Torn“ in der Nähe von Manchester von Steve Lyon (saß schon bei Depeche Mode, Cure etc. an den Reglern). So klingt’s leider auch: zu professionell.

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Moby: Play

So’n richtiger Songschreiber ist er ja nicht, der Moby. Eher ein Bastler von Klangteppichen, ein Tüftler genial fließender Harmonien und geschickt ineinander verschobener Sound-Cluster. Seine Tracks haben was von Endlosschleifen, klingen teilweise in höchstem Maße sakral und dann wieder gefährlich nah an Eso-Takes für den Yoga-Kurs nach Feierabend. Stimmungsbilder halt, Landschaften ohne Anfang und Ende.

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Favez: Gentlemen start your engines

„Hier ist es schön ruhig. Die Schweiz eben. Kriegt man da nicht Lust, ein bißchen Krach zu machen?“ Favez über Favez. Momentan ein Gitarren-Quartett mit offenbar erheblichem Drummer-Verschleiß. Guter, alter Rock mit weiten Melodie-Bögen, Harmoniegesang und schrammeliger Pop-Attitüde. Straight und schnörkellos. Mit Hang zum Melancholischen, viel, viel Drive und trotzdem sehr leichtfüßig. Kaum zu glauben, dass diese Band ein rein akustisches Debütalbum („A sad ride on the line again“) vorgelegt hat.

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Eläkeläiset: Humpan Kuninkaan Hovissa 1994-95

Was ist das? Eine Kirmestruppe, deren Frontman mit Tischtennisbällen im Mund singt? Nein, das sind Eläkeläiset: eine finnische Polkatruppe! Den Finnen sagt man oft nach, sie wären im Winter komplett andere Menschen als im Sommer. So, als bestünden sie eigentlich aus zwei Völkern. Der fröhliche Teil verabschiedet sich nach dem Sommer, und heraus kommen die Winter-Finnen, ein düster-verschlossenes Grüppchen. Eläkeläiset sind ganz offensichtlich Sommer-Finnen.

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Beck: Midnite Vultures

Es sei bewundernswert, wie Schwarze „I wanna fuck“ singen könnten, und trotzdem klinge es einfach nur rein und liebevoll. Er selbst höre privat gern R. Kelly, erzählte Beck jüngst in Interviews. Der gute, alte Adept. Voll der Anerkennung und des Respekts für die Kollegen, von denen er sich immer gern inspirieren läßt. Um dann wieder eine seiner eklektizistischen Fundgruben abzuliefern, ohne den Vorbildern dabei die Füße zu küssen.

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