Weezer: Weezer

Im Grunde sind Weezer ein einziger Affront. Dass sie es wagen, ihren unbekümmerten Highschool-Rock derart glattgebügelt zu präsentieren! Dass sie sich nicht nur in die Nähe, sondern sogar ins Zentrum des Garagen-Sounds zu begeben, mit ihren kleinen Pop-Perlen, diesen Mini-Teenie-Dramen… Dass sich hinter den Milchgesichtern eine solche Cleverness verbirgt!!!

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Lullacry: Be My God

Herzlich willkommen in der Abteilung „sinnfreier Rock’n’Roll“. Nach dem Mai-Sieger Lucyfire präsentieren wir heute: Lullacry. Man vermag nicht zu sagen, ob es die Resonanzkörper der Sängerin oder das ideenreiche Wortspiel im Bandnamen sind, die den Blick auf dem CD-Cover verweilen lassen. Wer mutmaßt, dass alle Düsterbands des 1000-Seen-Landes ähnlich klingen, mag Recht haben, bringt sich aber selbst um den Spaß.

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She’s China: Satellite Motel

Die Jungs von She’s China haben bestimmt eine gaaanz riesige Plattensammlung mit gaaanz vielen Lieblingssongs. Leider hat ihnen niemand den Unterschied zwischen inspiriert und geklaut erklärt. Textlich wie musikalisch wird hier alles verbraten; Albert Hammond, Pink Floyd, OMD, Spandau Ballett treffen auf Seventies-Rock. In weiten Teilen kann man Original und Fälschung problemlos übereinander legen – passt wie die sprichwörtliche Rechte auf die Iris.

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Prime Sth: Underneath The Surface

Eine durchschnittliche Rockband mit US-College Radio-tauglichen Songs, wie sie tagtäglich aus jedem Cabrio in Kalifornien zu hören sind. Nicht schlecht für eine schwedische Band. Ob ihr dieser Vergleich schmecken wird, darf angezweifelt werden. Musikalisch gibt es auf „Underneath The Surface“ leider nur Oberflächliches.

(3 Fritten)

Prime Sth: Underneath The Surface
(Rebelution/eastwest)

Styx: World Live 2001

Styx live? Gab’s das nicht erst vor ein paar Jahren als Doppel-CD? Genau – hieß „Return To Paradise“ und war noch mit Dennis DeYoung am Mikro. Die vorliegenden Aufnahmen stammen alle von der Tournee mit Glen Burtnik und Lawrence Gowan und lassen aber den Unterschied zur letzten Live-CD vermissen. Sattsam bekanntes Programm, nur 6 von 13 Songs, die nicht auf „Return To Paradise“ sind. Gut, „Come Sail Away“ oder „Rockin‘ The Paradise“ gehen immer, aber sowas riecht schwer nach Abzocke.

(5 Fritten)

Styx: World Live 2001
(Sanctuary)

The Quireboys: This Is Rock’n’Roll

Penetrant proklamatisch starten The Quireboys in ihr erstes Album seit acht Jahren mit dem Titelsong „This Is Rock’n’Roll“. Ich hab‘ mich für einen Moment gefragt, ob man eine Reunion oder ein Wiederkommen der Quireboys wirklich braucht, aber im Laufe der Spiellänge entwickelt das Album einen ganz eigenen Charme und besinnt sich auf den Old-School-Rock’n’Roll.

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Blackmore’s Night: Fires At Midnight

Als 1997 die erste CD von Blackmore’s Night erschien, hegte ich noch die Hoffnung, dass der Gitarrengott irgendwann zurückkommt und sagt: „Ha, war Alles nur Spaß.“. Statt dessen hat er zum dritten Mal hoch in die Küche gerufen und seine Lebensgefährtin Candice Night ans Mikro gebeten. Und da liegt das größte Problem des Projekts: Ihre Stimme passt nicht zur Musik. Irgendwo zwischen Abba und Anita Hegerland angesiedelt, will einfach keine Assoziation zu holden Jungfrauen oder geheimnisvollen Elfen aufkommen.

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Tenfold Loadstar

Ja, irgendwie ist das Coverbild gut gewählt: so unterkühlt wie der Pelikan darauf ist auch die Musik von Tenfold Loadstar. Aber auch so romantisch-poppig wie die zarten Rosé- und Orange-Töne auf dem Foto. Und das technisch ausgefeilte, bearbeitete Design entspricht den Elektronik-Anteilen, die Tenfold Loadstars Musik zur Hälfte ausmachen. Der Rest ist melancholischer Gitarren-Pop mit Kinderliedmelodien und – immer wieder – Noise, Industrial…

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2raumwohnung – Kommt zusammen

Das erste, was man wahrnimmt, ist die Stimme. Auf der Schwelle zwischen Unschuld und Laszivität. Lakonisch und aufreizend phlegmatisch. Jungmädchenhaft naiv seit rund zwanzig Jahren, mit einem Hauch von Mickey Maus. Die Stimme von Inga Humpe ist eine Chiffre des Deutsch-Pop. Jedem, der in den Achtzigern jung war, ist sie ein Stück Heimat.

Gemessen an ihrem Oeuvre ist Inga Humpe (Ex-Neonbabies, Ex-DÖF, Ex-Humpe&Humpe, Produzentin, Songwriterin und Solokünstlerin) eine Grande Dame deutschen Liedguts. In Wahrheit verhält es sich aber wie mit Madonna und Britney Spears: die Ältere lässt die Jüngeren alt aussehen. Und 2raumwohnung, das Projekt von Inga Humpe und ihrem Lebensgefährten Tommi Eckart, ist an Leichtigkeit und Esprit kaum zu überbieten.

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Popshopping mixed up

Modisch! Schick! Modisch! Schick!

Super! Klasse! Super! Klasse!

Die ganze Welt soll es wissen, und Konishi Yasuharu teilt es ihr mit. Alle nochmal herhören!… Wieviel der Japaner (und eine Hälfte des japanischen Easy Listening-Duos Pizzzicato Five) von den Slogans der „Nordwest Schuhe“ versteht, ist nicht überliefert. Aber sein Remix ist ebenso furios, wie die Idee dahinter kurios:

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Live: Swing Legenden

Hannover, Kuppelsaal. 15.7.2001

mit Max Greger, Paul Kuhn und Hugo Strasser und der SWR Big Band

Max Greger zeigt auf den Saxophonisten der SWR Big Band, der gerade sein Solo beendet hat. „Stellen Sie sich vor, 23 Jahre ist er erst. Da sind ja meine Lackschuhe älter.“ Nicht die letzte coole Ansage des Bandleaders und Saxophonisten an diesem Abend im Kuppelsaal Hannover. Wer hätte das gedacht? Greger, 75 Jahre alt, ist ein Entertainer par excellence. Ein bayerischer Grantler mit urigem Charme, Anzug und blitzblanken Lackschuhen, in denen sich gelegentlich das vom goldglänzenden Saxophon reflektierte Licht widerspiegelt.

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Boozoo Bajou: Satta

Von „hardcore slowmotion“ ist die Rede, wenn es darum geht, die Musik des Duos Boozoo Bajou zu beschreiben. Langsamer als langsam. Der Rhythmus tröpfelt wie zäher Honig aus der Box. Gerade mal drei Singles veröffentlicht, stand die Elektro/Dubgilde im Nu Kopf und offerierte Peter Heider und Florian Seyberth, auf sage und schreibe 38 Sampler gepackt zu werden. Hut ab! Gewinnmaximierung nennt man das wohl. Die Aktien von Boozoo Bajou wären sicherlich am Neuen Markt im Nu in die Höhe geschnellt.

„Satta“ heißt so viel wie „relaxen“ und ist pawta-jamaikanisch. Man muss aber nicht aus der exotischen Ferne kommen, um Dub und Elektro in dieser ungemein lässigen Art und Weise verschmelzen zu lassen. Heider und Seyberth leben nämlich in Nürnberg und nicht am Zuckerberg. Dennoch gilt: Wasser in die Wanne, Cocktail gemixt, Füße ins Wasser, Sonnenbrille auf, nach hinten gelehnt und im Nebel des Ganjas die Gedanken entschwirren lassen. Easy going, baby. So fucking easy. Nur kein Stress, nur keine Hektik. Hier bleibt die Zeit stehen, fließt das Wasser langsamer. Nix für die Tanzfläche, aber was für den heißen Sommerabend nach einem anstrengenden Tag. Balkonien, ich komme.

Boozoo Bajou: Satta
(Stereo Deluxe/Connected)

For Stars: We Are All Beautiful People

Spröder Akustik-Folk, der manchmal zu behäbig ist, um restlos zu überzeugen. Es kommt aber einer satten Überraschung gleich, wenn die Band nach 11 Titeln schlurfenden Wohlklanges beim letzten Track „If I Could“ auf einmal Gas gibt, als müßte noch jemand den Bus erwischen. Wunderbares Ergänzungsfutter für Abhängige von Leisetretern wie Kings Of Convenience oder Turin Brakes.

(7 Fritten)

For Stars: We Are All Beautiful People
(Munich Records)