Tom McRae: Tom McRae

„Don’t call him a one-man Radiohead“, heißt es warnend im Magazin „Q“. Aber warum denn auch. Tom McRae, einer der zur Zeit vielen und fleißigen britischen Songschreiber, ist mit das Beste, was in den letzten Jahren aus Großbritannien zu uns rübergeschwappt ist. Seine Musik fesselt einen von der ersten Sekunde an, fasziniert dich, zerreißt deine Seele und näht sie in unzähligen Hördurchgängen mühsam wieder zusammen. Das fängt mit dem tieftraurigen und düsteren Opener „You Cut Her Hair“ an. Ein Song, der von McRaes Besuch im Konzentrationslager von Dachau überschattet ist. Dort sah er ein Foto mit einer jungen Jüdin, der man den Kopf kahlgeschoren hatte. Er war schockiert und konnte es nicht fassen, wie respektlos ein Mensch sein kann. Und genau dieses Gefühl vermittelt das Stück zielsicher.

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Rage: Welcome To The Other Side

Vorbei der Umbesetzungswirbel, vorbei der Fokus auf klassische Elemente. „Welcome To The Other Side“ ist das erste Album, das komplett in dieser Besetzung eingespielt wurde. Peavy Wagner (Bass und Vocals), Victor Smolski (Guitar) und Mike Terrana (Drums) meißeln es in Stein: Rage sind eine Metal-Band. Nicht so speedig wie in den Anfangstagen, aber auch nicht mehr so verspielt wie auf „Ghosts“.

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Avantasia – The Metal Opera Pt. I

Alle paar Monate wird das Bombastzentrum in meinem Kopf aktiviert. Dann höre ich Nightwish und Everon und schalt‘ nicht weiter, wenn Meat Loaf im Radio läuft („…no, I won’t do that…“). Die Hauptband von Tobias Sammet -Edguy- dreht sich dann auch vermehrt in meinem Player. Schneller, melodischer Metal mit fetten Chören und hymnischen Refrains. Generell geht es ja bei Combos dieser Art immer um Drachen, Zwerge, böse Druiden und so’n Gedöns. Tobias Sammet hat daraus gleich eine komplette Metal-Oper gemacht (Part II kommt noch), die mit einer komplexen Story aufwartet.

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Schock: Erwacht

Gibt es derzeit eine Szene, die mehr stagniert als Gothic/Dark-Pop? Diese düsteren Bands, die alle klingen wie Camouflage für Grufties? Ich glaube kaum! Um so mehr grenzt es an ein Wunder, wenn es sich überhaupt lohnt, genauer hinzuhören. Das Label greift zwar etwas hoch, wenn es die Band zwischen HIM und Marilyn Manson stellt, aber Schock passen nicht in das starre Schema der Düster-Szene.

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VA: Walter Ruttmann Weekend Remix

Maschinengeräusche, Sirenengeheul, Fliegersurren, Klavierakkorde, Kinderstimmen, die den Erlkönig pauken, ein Gesangsverein, ein pfeifender Flaneur, ein verärgerter Telefonbenutzer, Kirchengeläut, Autohupen… Was der Filmemacher und Medienkünstler Walter Ruttmann (1887-1941) da am 13. Juni 1930 im Radio präsentierte, war die Auslese eines Wochenendstreifzugs durch Berlin. „Weekend“ nannte er seine Geräusch-Collage, seinerzeit eine Pioniertat.

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16 Horsepower: Splinters/Nobody ´cept you

Das „Glitterhouse“-Label ist die deutsche Bastion des Neo-Country. Und die Südstaaten-Amerikaner 16 Horsepower gehören zu den stärksten Pferden im Glitterhouse-Stall. Düster, kraftvoll, mystisch und rootsy. Atmosphärisch, wuchtig und wie immer mit viel Pathos brechen sich ihre Balladen Bahn. Ingredienzien: krachende E-Gitarren (nach einem eher transparenten Einstieg in „Splinters“), Synthie-Schwaden, Chorgesang – und eine ziemlich dünne Stimme des Vorsängers.

Die zweite-Seite „Nobody ´cept you“ (ein Dylan-Cover) stimmt freundlicher. Weder muss der Sänger gegen wagnerianische Klangwände ansingen, noch wird die bedeutungsschwanger raunende Instrumentierung mit Metal-Gitarren zugekleistert. Nein, der Sound bleibt trotz der funkelnden Gitarren und des vielen Halls spröde wie der Gesang – und eins fügt sich wunderbar ins andere. Als Draufgabe gibt´s eine rüde Live-Version von „American Wheeze“ und das southernd-rockige, wüsten-gewürzte, spartanisch beginnende „De-Railed“ des verstorbenen Rainer Ptacek.

16 Horsepower: Splinters/Nobody ´cept you
(Glitterhouse GRCD 525)

Sepultura: Nation

Jetzt gilt es allerspätestens zu zeigen, dass der Werggang von Sänger, Familien- und Bandmitglied Max Cavalera keine nicht wieder zu kittenden Risse im Firmament von Sepultura hinterlassen hat. „Nation“ heißt das zweite Album der brasilianischen Band, auf dem Derrick Greene am Mikrophon zu hören ist. Er, der nach längerer Suche Max Cavalera zu ersetzen wusste, entpuppt sich als gute Wahl.

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Die Happy: Supersonic Speed

Da hat sich alle Welt so eine Mühe gemacht, Die Happy in die Guano Apes-Ecke zu stellen und dann kommt das Album raus – und jegliche Parallelen sind verschwunden. Mit Ausnahme des Bandgefüges (Trio + Sängerin) und der ersten Single („Supersonic Speed“) haben die beiden Bands nicht viel gemein. Die Happy sind eindeutig im Hard-Rock verwurzelt und überlassen auf ihrem Debüt nichts dem Zufall.

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Tantric: Tantric

Maverick, finanziell etwas angeschlagenes US-Label, versucht den Grunge aufleben zu lassen. Drei ehemalige Days Of The New-Musiker zusammen mit Sänger Hugo Ferreira blicken zurück auf eine Zeit der abgeschnitten Jeanshosen, langen Mähnen und Holzfällerhemden. Ob das mehr Geld bringt, wenn man Alice In Chains nacheifert?

(4 Fritten)

Tantric: Tantric
(Maverick/Wea)

Ladomat 100

Ladomat wird hundert. Zumindest in Longplay-Veröffentlichungen gerechnet. Es gibt also was zu feiern. Und zwar mit einer Doppel-CD voll exklusivem Material (fast) aller Label-Acts. Console, Erobique, Turner, Commercial Breakup, Sensorama, Netto Houz, Grom, Arj Snoek, Hans Nieswandt, Egoexpress und Arne Zank – um nur einige zu nennen. Und wenn der Begriff „Hamburger Schule“ je Sinn macht, dann um das Geflecht sich überschneidender und befreundeter Projekte einer ganz bestimmten Hamburger Szene zu benennen: auch unter den Ladomat-Künstlern finden sich Mitglieder von Stella, Tocotronic, zeitweilige Untermieter von Tocotronic-Mitgliedern und Ex-Whirlpool-Productions-Leute, zum Teil in fröhlichen Ko-Allianzen.

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