Stoned: Stoned

Eine der wenigen schwedischen Melodycore-Bands, die anscheinend den Boom vor ein paar Jahren irgendwie doch überlebt und überstanden hat und sich noch nicht verdrossen aufgelöst hat. Nach den Alben „Partysongs“ (1994), „Music For The Morons“ (1995), „Ed’s Diner“ (1997) und „Way Back In The Day“ (1999), haben Stoned in diesem Monat ihr neuestes und nach sich selbst betiteltes Werk nachgeschoben.

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Terrorvision: Good To Go

Vorsicht – das Album geht ab wie eine geschüttelte Wasserflasche. Terrorvision haben das, was so vielen Bands fehlt: Esprit. Den Geist des Rock’n’Roll, den Geist des Punk, aber auch den Pop-Geist. Auf ihrem mittlerweile fünften Album klappern sie die komplette Stilpalette durch und haben elektronische Geschwindigkeitsattacken („D’Ya Wanna Go Faster“) genauso drauf wie melodische Pop-Nummern („Sometimes I’d Like To Kill Her“).

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Ringsgwandl – Gache Wurzn

Ringsgwandl? Der telegene Kauz mit dem Sprachfehler? Quatsch. Chuck Berrys „C´est la vie“ als eingedeutschter Opener stellt klar: That´s Rock´n´Roll. Und das Kauderwelsch ist Bayerisch. Komma nix moachn. Warum auch? Wertkonservativ und rustikal, wie man´s in Bayern nunmal mag, pflegt man dort auch den akustischen Schrammelrock alter Schule. Und zwar so beseelt, wie vielleicht nichtmal in Hamburg, London, Tennessee.

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Brave Captain: Go with yourself

Wer in den neunziger Jahren ein Freund guter Popmusik war, der erinnert sich bestimmt noch an die Boo Radleys. Zehn Jahre bereicherten sie vor allem die britischen Charts – größter Hit: „Wake up, Boo“. Vor zwei Jahren war dann Schluß mit lustig. Die Band löste sich auf, aber der schottische Vorsteher der Liverpooler macht weiter. Hinter dem Namen „Brave Captain“ verbirgt sich niemand anderes als Martin Carr.

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John Frusciante: To Record Only Water For Ten Days

John Frusciante ist hauptberuflich Gitarrist der Red Hot Chili Peppers. Obwohl, besser trifft auf ihn die Bezeichnung Songschreiber zu. Er ist einer der besonderen Sorte, denn er hat das gewisse Etwas. Das ist den RHCP-Alben „Blood, Sugar, Sex, Magic“ und „Californication“ unweigerlich anzuhören. Leider nur investiert er manchmal zu viel Energie in seine Musik und zerstört damit sich selbst. Seine langjährige Heroinsucht ist ein Zeugnis davon. Es scheint, dass er sie mittlerweile im Griff hat und das wünsche ich ihm von Herzen. Frusciante ist einfach ein zu begnadeter Songschreiber.

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Motorpsycho: Barracuda

Neu ist das Material des gerade veröffentlichten Mini-Albums „Barracuda“ ja nun nicht mehr. Es wurde bereits zwischen Februar und Mai 1999 aufgenommen und erst jetzt unters Volk gebracht. Das sollte aber nicht weiter stören, denn zum einen sind hier echte Profis am Werk, die eigentlich immer ein bis zwei Scheiben zur Sicherheit in petto haben und diese auch mehr als regelmäßig auf den Markt werfen. Zum anderen bürgen die Trondheimer für Spitzenqualität – zumindest wenn sie nicht gerade wieder ihre Energie in ein etwas sperriges Livealbum investieren (wie zuletzt geschehen). Aber lassen wir das.

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Helgoland: Media Music EP

Storage ist das Label mit der Erdbeere. Auch wenn eine Schraube als Logo passender wäre. Oder vielleicht eine Diskette, wahlweise ein Kabel oder eine Steckdose. Denn Storage bringt vorzugsweise Elektronik unters Land. Allerdings kein Techno, Dancefloor oder Trance, sondern schwer verkäufliche Avantgarde. Trotzdem: poppig, bunt und munter klingt der überwiegende Teil des Sortiments – Storage macht die Welt ein Stückchen fröhlicher. Und die Rezensentin gleich mit. Grund genug, dem Label an dieser Stelle einmal noch vor dem zu rezensierenden Interpreten Tribut zu zollen…

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Land of the Kantrie Giants

In der Reihe der xxs-Kantrie-Compilations ist dies schon die zweite Folge. Die erste ist seit drei Jahren vergriffen. Man lasse das Faktum mal einen Moment für sich sprechen…

… und fahre dann fort, die Bedeutung von xxs für deutschen „Kantrie“ zu erläutern. xxs gründeten sich einst, um die Musik einer Band zu veröffentlichen, die den hiesigen Neo-Country endgültig etablieren sollte: Fink. Mittlerweile ist die Gruppe zu L’age d’or gewechselt und hat den Country über den Umweg des Chanson verlassen, um heute düster-folkigen Roots-Rock zu spielen.

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Lydia Lunch: Champagne, Cocaine& Nicotaine Stains

Der Titel sagt schon alles: eine 5-Track-EP für den Tag nach einer langen Nacht. Auflegen, entspannen, rekapitulieren, Kaffe aufstellen, Zigarette an und die Zeitung lesen. Verspielter TripHop mit Indie- und Big Band-Anleihen, der den Raum mit Wärme erfüllt und den Kopf mit vielen Bildern sexueller Stimulanz. Lydia Lunch sei dank.

(8 Fritten)

Lydia Lunch With The Anubian Lights: 
Champagne, Cocaine& Nicotaine Stains
Crippled Dick Hot Wax/EFA

Gotthard: Homerun

Kann man eine Band gut finden, die irgendwo zwischen den Scorpions und Bon Jovi steht? Geht schon; die Eidgenossen von Gotthard haben mit „Open“ von 1999 den schmalen Grat getroffen, den man da gar nicht vermutet hat. Im Hardrock gestartet, haben sie nach einem Unplugged-Ausflug („Defrosted“, 1997) ihre Rocker-Attitüde zurückgeschraubt und mit Blues- und Westcoast-Anleihen verfeinert. Das Ergebnis war ein akustisch geprägtes Mainstream-Album der besonderen Güte. Mit Merkmalen, welche die o.g. Bands verloren haben, bzw. nie hatten.

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Maya Singh: Maya Singh

Hübsche Stimme, nette Songs, raffinierte Pop-Produktion – und es swingt! Trotzdem: nicht Fisch, nicht Fleisch, sondern irgendwo zwischen Schlager, NDW und Dancefloor. Für´s junge Publikum zu „adult“, also mit richtig komplexen Elektronik-Arrangements und anspruchsvollen, manchmal poetischen Texten – für´s erwachsene Publikum zu mädchenhaft, zu viel Micky Maus und zu viel Disco. Also zu zeitgemäß.

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Medeski Martin and Wood: The Dropper

Blue Note ist mehr als ein Weltklasse-Jazzlabel: Blue Note ist eine sichere Bank für guten Geschmack. Und wenn Blue Note ein Album mit wilden, experimentellen Jazz-Improvisationen veröffentlicht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch Rock-Fans ihre Freude dran haben.

Geradezu infernalisch ist das Getöse, dass aus „The Dropping“ herausquillt. Im Innern zwar feingliedrig und verschachtelt – und natürlich gänzlich ohne Songstrukturen -, aber rauh in der Schale und feucht-dampfend im Sound. Das Wichtigste ergibt sich erst im Resultat: der unvergleichliche Groove! Er ist es, der „The Dropper“ so herausragend macht. Nur vereinzelt lugt mal ein Melodiesprengsel hervor, wie vom Broadway her versehentlich durchs offene Fenster geweht. Einzig „Note Blue“ fällt aus dem Rahmen: ein locker swingender, eingängiger Take mit viel Orgel – vielleicht eine Hommage ans Label, eine Verbeugung quasi vor den mittlerweile traditionalisierten, einst aber ungewohnten, modernen Klängen des Hauses.

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Le Hammond Inferno: My first political dance album


Political Dance Album? Das hat man so ähnlich schon mal gehört: Tanz den Mussolini… Entsprechend monoton und gnadelos geht´s auch bei Le Hammond Inferno los, als sei der Name nicht schon Warnung genug. Das Album (gemastert von Alex Gopher) startet mit einer Liste der zu bombardierenden Indie-Labels (das eigene, „Bungalow“, ist übrigens auch darunter), vervollständigt durch das nachfolgende „Move your MP3“. Die Elektronik-Anarchos machen einen auf dicke Lippe und harte Schale. Kaum aber sind die Verhältnisse geklärt, blitzen die ersten weichen Töne durch. Schon „An apple a day“ (der Anti-Microsoft-Song) kombiniert fetten Big Beat mit sexy Disco-Gitarren, und „C.K.-T-Shirts“ ist purer Lounge mit Jazz-Bläsern: gerade richtig für´s Familien-Picknick am Wochenende…

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Unicycleman: Arabian Aerobic


Arabian Aerobic? Erinnert fatal an einen Hit der frühen 80er: „Tokio Twist“ – irgendso´n Produzenten-Produkt, Synthie-Pop aus der Retorte, aber leider mit mehr Substanz als die Maxi der Leipziger Elektroniker. Schematisch und hölzern pluckert es dort vor sich hin, versehen mit Robo-Vocals vom Musikalien-Ramsch. Winterschlußverkauf bei Kraftwerk… Hooks und Grooves gab´s da wohl nicht.

Unicycleman: Arabian Aerobic
(What´s so funny about, SF 167)

Infamis: Alte Nacht

Vorweg ein Kompliment an den Fotographen: dreimal dieselbe Straßenecke, nur mit unterschiedlichem Licht. Vorn sieht´s aus wie Amerika, in der Mitte wie die Reeperbahn, und hinten wie Blackpool!

Und dann an die Adresse der Band: Respekt! „Alte Nacht“ kann sich hören lassen. Falls dies abwertend klingt, gilt es zu erklären: die Schuhe, die sich „Infamis“ anziehen, sind riesig. Es sind die des großen Johhny Cash. Dass die Band damit nicht baden geht, zumal mit deutschen Texten, ist die wahre Leistung. Aber der Vergleich relativiert natürlich. Nach oben wie nach unten…

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Tortoise: Standards

Ja, ist noch alles da, was Tortoise vor zwei Jahren mit „TNT“ zu einer Konsensband im Musik-für-Musiker-Lager gemacht hat. Man kann sich immer noch an John McEntires unverwechselbaren Schlagzeug, Marimba- und Vibraphonespiel erfreuen und der Bass trägt das Miniorchester mit seinem warmen Wummern wie gewohnt über so manche Improvisationsklippe. Dennoch ist „Standards“ das Gegenteil von einer Platte, die man gemäß dem Titel im Jazzkontext als die Interpretation von Klassikermaterial verstehen würde. Man bekommt weder „Raising The Roof“ oder „Weeping Willow“, noch die Reinterpretation von Tortoise eigenem Material zu hören, sondern eine etwas andere, abstraktere Version der alten Tortoise.

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