Adhesive: We Got The Beat

Schweden ist ja nicht gerade ein Land mit einer hohen Bevölkerungsdichte. Betrachtet man die Menge an Bands, die derzeit aus Saab-Land zu uns runterschwappen, muss eigentlich in jedem roten Holzhaus eine Band proben. Überhaupt scheint der Schwede an sich eine starke Affinität zu Gitarren zu haben. Gerüchten zu Folge gibt es bei IKEA demnächst eine Gitarre im Programm (Frontsau-Gönk).

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Ill Niño: Revolution Revolución

Ill Niño ist die neue Band des peruanischen ex-Pro Pain Drummers Dave Chavarri. Er hat fünf Südamerikaner aus den verschiedensten Ländern um sich geschart, und mit dem Debütalbum „Revolution Revolución“ roppen dir die Jungs die Ohren ab und drehen deinen Kopf um 360°. Während mir die wüsten Hassattacken von Slipknot überhaupt nix geben, regiert hier die Ausgewogenheit. Sänger Christian Machado kann ebenso kraftvoll shouten, wie die melodischen Parts überzeugend rüber bringen.

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Calvin Russell – Crossroad

alvin Russell war für mich bisher immer ein schmales Männlein mit einem lustigen Hut auf dem Kopf, der immer so Outlaw-mäßig wie nur möglich in die Kamera kuckt. Ich wusste auch nie, wo die Lederjacke aufhört und das Gesicht anfängt. Keine Ahnung, warum ich ihm bislang kein Ohr geschenkt habe – aber das hat sich mit „Crossroad“ schlagartig geändert.

Eine Western-Gitarre und Calvin Russell’s tiefe Whiskeystimme. Nicht, dass er besonders virtuos Gitarre spielt, aber er spielt emotional – und genauso singt er. Metallisch scheppernder Folk mit leichten Ausflügen in Blues und Country. Im Booklet schreibt Calvin Russell: „I once read ‚Always decorate construction, never construct decoration.’… On this CD, you can have a look at the construction without a decoration. I hope you find it solid.“ So ausgelutscht Unplugged-CDs oft sind, für „Crossroad“ gilt das zum Glück nicht. Just a man and his guitar – wär‘ doch nur Alles so einfach.

Calvin Russell
Crossroad
Last Call/SPV

V.A.: Xen Cuts

Eine phatte CD- bzw. Vinyl-Box hat das britische Label Ninja Tune derzeit im Angebot. Anlass ist das 10jährige Jubiläum, das gebührend mit Retrospektive und Vorausschau in einem Paket gefeiert wird. Jeder bis dahin wichtige Ninjakämpfer – u.a. Coldcut, Kid Koala, Up, Bustle & Out, Amon Tobin, DJ Food, DJ Vadim, The Herbaliser und die Quannum MCs – tritt an, um seinem Brötchengeber die Aufwartung zu machen. Zwei CDs voll neuem Material sowie Singleauskopplungen plus eine CD voll missed, flipped & skipped material.

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Steakknife: Plugged Into The Amp Of God

Vier vor und drauf – Steakknife definieren Punk wohltuend so, wie er sein soll: Direkt, keine Kinkerlitzchen und Melodien nur als kleine Farbaufhellung. Lee Hollis, der ehemalige Frontman der Spermbirds, setzt nicht auf Stadion-kompatible Refrains, sondern allein auf die Wucht seiner Kompositionen. Großes Kompliment, dass die 16 Songs trotzdem nicht niedergeknüppelt werden.

Getrieben von einer stürmischen Hintermannschaft, rotzen „Smoke House“ oder „Hope My Girlfriend Thinks I’m Cool“ mit beträchtlichem Schub durch „Gottes Verstärker“. Da wird dann auch nicht viel Zeit verschwendet und so brauchen Steakknife 32:17 Minuten für 16 Nummern. Auf der einen Seite ist die Anzahl der Tracks sehr käuferfreundlich, auf der anderen Seite aber auch das Problem des Albums. Die Songs sind wie ein kleines Dorf – alle sehen sich extrem ähnlich. Da hilft es dann auch nicht, dass die Gitarren gerne mal durch den rechten oder linken Kanal gejagt werden. Irgendwann wird’s ein bisschen langweilig.

Steakknife: Plugged Into The Amp Of God (Nois-o-lution/Vielklang)
13.11.2000

Lynyrd Skynyrd: Christmas Time Again

Die Zeit ist nah: Alle Hausfrauen dieser Welt passen die Window Color-Dekoration der Jahreszeit an. Grün, rot und weiß sind überall ausverkauft. Der von einer Trinkerheilanstalt im Erzgebirge gebastelte Holzstern wird entstaubt und ins Fenster gehängt. Jaja, bald ist Weihnachten. Standesgemäß raffen sich immer eine Handvoll Künstler auf und präsentieren ihre musikalische Weihnacht.

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Driving New Roots For 50 Years

Es gibt fünf Major-Labels und es gibt gute Musik. O.K., ganz so einfach funktioniert die Gleichung nicht, aber was wäre die Musik ohne die kleinen Labels, die Künstler signen, die bei einem Major durch das Raster gefallen sind? Jeder, der nicht nur die Bravo-Hits-CDs kauft, hat eine Handvoll Lieblingslabels, deren Namen im Regelfall für eine Musikrichtung und für Qualität stehen.

Vanguard aus den USA blickt jetzt mit einer Doppel-CD auf seine 50jährige Geschichte zurück. Die erste CD widmet sich der Retrospektive und präsentiert 21 bearbeitete, analoge Originalaufnahmen von Künstlern wie Big Mama Thornton, James Cotton oder John Hammond. Einen Überblick über das aktuelle Schaffen des Labels gibt die zweite CD: Jeweils 2 Songs von David Wilcox, Peter Case, Terry Radigan und 6 weiteren Künstlern. Wer die aktuellen Alben der genannten Musiker kennt, weiß, welch hervorragende Qualität ihn erwartet.

Da sich in Kürze die Nikoläuse wieder zusammenrotten und man nie genau weiß, was man schenken soll, kann man mit dem Vanguard-Sampler Jeden begeistern, der an aktuellen Singer/Songwritern und an Blues, Country und Folk aus den vergangenen 50 Jahren seine Freude hat.

50th Anniversary Sampler Driving New Roots For 50 Years
(Vanguard Records/Zyx)

V.A.: Motor Mania

„Motor Mania“ ist mit Abstand der kurioseste Sampler, der je in meinem CD-Player gelandet ist. Auf der ersten CD gibt’s 19 Tracks, die das Biker-Herz erfreuen. Neben den üblichen Verdächtigen (Lynyrd Skynyrd, Deep Purple, Motörhead) wurde auch noch tiefer in der Easy-Rider-Kiste gekramt (Highlander, Brigitte Bardot, Doc Holliday). Die zweite CD ist randvoll mit den Original-Sounds der verschiedenen Harley Davidson Motoren, unterteilt in Start, Tod, Neustart, usw.

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Fireside: Elite

In den vergangenen Monaten war es still um die einstigen Emorock-Vorreiter aus Schweden. Vor drei Jahren erschien ihr letztes reguläres Album, das von der Presse gefeierte „Uomini d’onore“. Dem folgte ein Jahr später die Raritäten/Best Of-Sammlung „Hello Kids“. Seitdem herrschte Funkstille. Bis jetzt, denn aus dem Nichts heraus kommt „Elite“, die experimentellste Fireside-Platte, in die Läden. Die an sie gestellten Erwartungen haben sie nicht enttäuscht und sich einmal mehr weiterentwickelt.

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Illegal Aliens: International Telephone

Im Vergleich zu seinem Solowerk „Comfortably Homeless“ geht Marco Minnemann auf „International Telephone“ verhältnismäßig eingängig vor. Die Sängerin Artemis ist Vocal-Coach für z.B. Guano Apes oder Donots und hat eine ehrfurchtgebietende Stimme: Fauchend, flüsternd, kraftvoll, zärtlich sanft – wie auf Zuruf wechselt sie die Klangfarbe ihrer Stimme und drückt so „International Telephone“ einen deutlichen Stempel auf.

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a.c. acoustics: Understanding Music

ie gehören zum festen Bestandteil der schottischen Musikszene, die derzeit auf den Eckpfeilern Arab Strap, Mogwai, The Degados, Belle & Sebastian und Looper aufgebaut ist. Fast alle genannten entstammen der kulturellen Metropole Schottlands: Glasgow. So auch a.c. acoustics, die sich 1990 gegründet haben und dank John Peel in Großbritannien schnell einen Namen hatten. Der Kult-DJ spielte ihre Peel Session gleich dreimal. Das können nur wenige Bands von sich behaupten. Aber nicht nur auf Peel haben a.c. acoustics eine besondere Ausstrahlung. Auch Brian Molko, Sänger der vielerorts abgefeierten, aber für meine Begriffe total überschätzten Placebo, hat Gefallen an den Schotten gefunden. Im Melody Maker bezeichnete er a.c. acoustics als eine „most underrated band ever produced in Britain“. Das werden C. Paul Campion (Gesang, Gitarre), Mark Raine (Gitarre, Keyboards, Programming), Caz Riley (Bass) und David Gormley (Schlagzeug) gerne gehört haben.

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