Ween: Even if you don’t

Es gab mal einen Supergrass-Hit („Alright“), mit hämmerndem Piano, der klang so ähnlich wie dieser hier. Bei Gitarren würde man „stampfend“ sagen, und das trifft´s irgendwie auch. „Even if you don´t“ ist dennoch eine sehr entspannte Hymne, die sich auch auf einem End-80er-Jahre-Album von George Harrison gut gemacht hätte. Auf „Cloud Nine“ zum Beispiel. Der Sound ist scharf wie eine Rasierklinge, und die gefälliger Melodie hat ´was von Bubblegum-Teenie-Hits der späten 70er. Trotzdem gehen technische Brillianz und 3-Akkord-Appeal in anderen Takes des Ween-Longplays „White Pepper“ charmantere Kombinationen ein.

Weiterlesen

Sublime: What I Got

Die Ska-Dub-Rocker und Dauer-Haschischkonsumenten Sublime beehren uns posthum mit einer Single-CD, die seit längerem einen Werbejingle eines Handynetzbetreibers untermalt. Nun will sich jene Firma zwar mit der Unterstützung der nach dem Tod ihres Sängers aufgelösten Band brüsten, dabei hat „What I Got“ schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Trotzdem werden sich Sublime (jetzt: Long Beach Dub Allstars) freuen, weiterhin kräftig Tantiemen abgreifen zu können.

Weiterlesen

Barenaked Ladies: Pinch me

Mit den Barenaked Ladies lässt sich´s entspannen. „Pinch me“ ist ein hübscher, kleiner Mid-Tempo-Song mit locker gezupften Akustik-Gitarren, plüschigem Casio und lässigem Groove. Unspektakulär, aber tricky. Auch, weil sich der Chorus mit schöner Regelmäßigkeit wie eine riesige, schmeichelnde Blüte entfaltet. Ungwohnte Töne von den als schräge Spaßtruppe verschrienen Kanadiern. Mal sehen, wie lang die Atempause dauert.

Barenaked Ladies: Pinch me SCD
(Reprise Records)

Infectious Grooves: Mas Borrachio

Früher war alles irgendwie besser. Da waren Suicidal Tendencies noch einmalig und Infectious Grooves das funkige Nebenprojekt von Hauptinitiator Mike Muir. Mittlerweile sind die Grenzen zwischen beiden Unternehmen verwischt. Die einen rocken mehr (IG), die anderen funken mehr. Trennlinien zu ziehen fällt schwer. Und ob man diese Entwicklung unbedingt ausnahmslos gutheißen sollte ebenso. Wie gesagt: Früher war alles besser. Da hatte Mike Muir noch eine Vision und ließ die Finger vom sommerlichen Gefunke. Früher halt.

Weiterlesen

The Walkabouts: Train leaves at eight

Wenn The Walkabouts mal etwas Zeit brauchen weil die Stücke für ein neues Album noch nicht beisammen sind und gerade keine Tournee und kein neues Chris & Carla-Projekt ansteht, dann produzieren sie gerne ein „Zwischendurch-Album“. Vor sieben Jahren hieß das „Satisfied Mind“, brachte ihnen viel Kritikerlob ein und versammelte diverse Coverversionen angelsächsischer Musiker. Das neue Überbrückungs-Werk heißt „Train Leaves At Eight“ und ist wieder eine Sammlung von Fremdkompositionen, nur dass sich die Walkabouts diesmal auf Songschreiber vom europäischen Festland beschränken

Weiterlesen

Station Rose: Au ciel

Station Rose machen´s einem nicht leicht. Mit „Elektro-Pop“ ist die Musik des Wiener Duos zwar kategorisiert, im Grunde ist aber noch gar nichts gesagt. Vor allem, weil die stilistische Bandbreite der beiden jeden Rahmen sprengt. Von der strengen Reduktion bis hin zum verspieltem, überbordenden Kitsch findet sich auf „Au ciel“ einfach alles. Trip Hop, Drum&Bass, anarchistische Klangkunst, karge, labyrinthische Space-Trips mit verfremdeten Frauenstimmen… Stets mit Groove und Beats, aber auch mit kitzeligen Geräuschen, Sirenen oder sperrigem Noise, selten mit weichem Moog. Und so schnell, wie sich auftauchte, ist die spirrelige Melodie-Linie über den scheppernden Bässen auch schon wieder weg.

Weiterlesen

Lane-Marriott: The Legendary Majik Mijits

Hat schon was von Tragik an sich, wenn sich zwei ehemalige Rockstars nach vielen Jahren als Loser wieder treffen. Beide bildeten in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre unter dem Dach der SMALL FACES eines der britischen Songwriter-Duos, neben Lennon/McCartney oder Jagger/Richards, gingen dann mit den FACES bzw. HUMBLE PIE eigene Wege, fanden kurz wieder zusammen (SMALL FACES-Reunion 1976), um dann im Streit auseinander zu gehen.

Weiterlesen

Phat World (7)

Was soll ich sagen: Wieder zu spät. Daher ab jetzt keine Versprechungen mehr. ‚Tschuldigung dennoch. Nun aber zu Big L, Busta Rhymes, The Creators, Dilated Peoples, Drama, Eve, Lil‘ Kim, Gunshot, J-Shin, Jurassic 5, The Pharcyde, Trick Daddy, Trina, den beiden Samplern Ryde Or Die Vol. II und 2001: Rhyme Odyssey sowie Absolute Beginner, Das Bo, 5 Sterne Deluxe, MC Rene, Plattenpapzt, Sékou The Ambassador, Spax und Texta.

Weiterlesen

Peaches: The Teaches Of Peaches

Sie will, dass wir an ihren Nippeln nuckeln und uns mit einem guten Fick aller Schmerzen entledigen („Fuck The Pain Away“). Und ficken wollen sie wohl alle („Set It Off“). Ja, meine Damen und Herren, sie haben richtig gelesen. Mit Hilfe der Roland MC 505 Groovebox hat Peaches alias Merill Nisker, kanadische Staatsbürgerin wohnhaft in Berlin, ihre eigenen Stücke komponiert, die nun den Weg auf ihr Debüt „The Teaches Of Peaches“ gefunden haben. Entdeckt wurden sie von der Kitty-Yo-Mannschaft in einem Stripclub als sie gerade dabei war, sich auf der Bühne zu entblättern. Das hinterließ bleibenden Eindruck bei Patrick Wagner & Co.

Weiterlesen

Spock’s Beard: V

Es ist immer das Selbe: Kaum veröffentlichen Spock’s Beard ein neues Album, betonen alle Journalisten dieser Welt gebetsmühlenartig die Klasse dieser Band. Jetzt ist es mal wieder so weit – kniet nieder vor den Prog-Göttern. Wer sich nicht sicher war, wie das Quintett „Day For Night“ noch toppen wollte, bekommt mit „V“ die Antwort: Komplex, ideenreich melodisch und wirklich progressiv ohne ausgelatschten Tonfolgen hinterherzuhecheln.

Weiterlesen

Live: Senor Coconut

Stadtgarten Köln, 19.8.2000

Kraftwerk goes Latin

Senor Coconut y su conjunto gelang es mit dem Album „El baile aleman“ die Geschmäcker unterschiedlicher Gruppierungen zu vereinen. Kraftwerkfans, Popfans, Latin- und Elektrofans sind sich ausnahmsweise einig – so könnte die Zukunft elektronischer Musik aussehen. Uwe Schmidt (aka Atom Heart, Lassique Bendthaus, Senor Coconut) sampelte in monatelanger Kleinstarbeit Bruchstücke seiner Latin-Schallplatten und rekonstruierte daraus seine eigenen Versionen von Kraftwerk-Songs. Kraftwerk, die Band, die den typisch deutschen Ruf des kühl und verbeamtet sein repräsentiert, erscheint in warmem süd-amerikanischem Flair – und hat etwas ungewohnt menschliches. Das einzig menschliche bei der Produktion des Albums war die Stimme des chilenischen Sänger Agenis Brito; der Rest kam ausschließlich aus dem Sampler.

Weiterlesen

Glassjaw: Everything You Ever Wanted To Know About Silence

In den Special Thanks von Sänger Daryl Palumbo steht der symptomatische Satz „Fuck everyone who looked for the hook“. Da gibt es bei Glassjaw nicht viel zu gucken. Das Album erinnert an eine Kneipenschlägerei, bei der es dazu gehört, sich unvermittelt in den Arm zu nehmen, die Jacke abzuklopfen, um dann ebenso überraschend dem Anderen wieder eins auf die Zwölf zu geben. Fernab jeden Wohlklangs prügelt das Quintett seine Song heraus, um dann sehr überraschend und flüssig in melodische Parts zu wechseln. Die sind aber im Regelfall sehr kurz.

Weiterlesen

Interview: Sasha

Sasha ist ein Phänomen. Ein Bravo-Liebling, der auch bei „Zimmer frei“ oder Harald Schmidt einen guten (und vor allem: intelligenten) Eindruck macht. Ein Teeniestar, dessen Musik ganz ohne uffza-uffza-uffza-Rhythmen auskommt. Grund genug für unsere Fachfrau für Charts-Fragen, mit Sasha ein Telefongespräch über das Wesen des Pop, Brusthaare und singende Schauspieler zu führen.

Weiterlesen

Brazilectro – Latin flavoured Club Tunes

Dass eine Compilation mit dem Titel „Brazilectro“ versucht, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen, ist klar. Doch die Idee, einem brasilianischem DJ die Auswahl zu überlassen, klingt nach Authentizität, nach Kompetenz und rotem Faden. Was tun aber, wenn der Mann nur laue Lüftchen zusammenträgt, die lustig durcheinandergewirbelt auf zwei CDs gezogen werden und den Hörer mehr verwirren als weiterbringen? Ein Konzept gibt es auf diesem Sampler nicht, der schwammige Untertitel „Latin flavoured Club Tunes“ hätte es eigentlich schon vermuten lassen können…

Weiterlesen

Tocotronic: KOOK Variationen

Ein Remix-Album ist ja im Grunde ein Ritterschlag. Und viel besser als die üblichen Tribute-CDs, für die man entweder schon tot oder unverschuldet in finanzielle Nöte geraten sein muss. Ein Tocotronic-Remix-Album verspricht darüber hinaus interessant zu werden, weil hier eine satte Rockband elektronisch aufbereitet wird, zumal durch eine ganze Riege von deutschen Freestylern, die in ihrer Kategorie genauso innovativ am Werk sind wie die „Tocos“. Innovativ und abseits des Mainstreams, versteht sich.

Weiterlesen