Hidalgo: I Wrote A Song For You

Erinnert sich noch jemand an die Charming Prophets aus Nürnberg, die vor zwei Jahren ein vielseits sträflich missachtetes Album über Stickman Records auf dem Markt brachten? Deren Sängerin ist Betty Mugler und live ist diese Dame eine bezaubernde Erscheinung, die schon einmal mit lässigem Cowboyhut die Bühne betritt und ihr daraufhin einige männliche Gäste zu Füssen liegen und sie um Autogramme bitten. Das kann passieren. Habe ich selbst so erlebt. Jetzt ist sie nachdem ihre vorherige Band das Handtuch warf, zurück und möchte nicht nur mir, nein, uns allen ein Lied, ja sogar mehrer vortragen, die sie für mich/uns schrieb. Herrlich das.

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The Amazing Crowns: Royal

Twäng – das hier ist Rock’n’Roll. Und The Amazing Crowns leben und zelebrieren ihn so, wie ihn besorgte Eltern in den 50er Jahren gesehen haben: Roh, verschwitzt, rebellisch und sündig. Mit einem Schuss Rockabilly und Swing hat das US-Quartett den Rückwärtsgang eingelegt und huldigt den alten Meistern. Dabei werden sie nicht müde zu erwähnen, was sie für böse Buben sind, die sich am liebsten mit Mädels, Glücksspiel und Sex beschäftigen. Geregelte Arbeitszeiten, Eigenheim und Ehefrauen kommen in den Texten auch vor, aber da ist der Zusammenhang ein anderer….

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David Benoit: Here’s to you, Charlie Brown: 50 Great Years!

Zeichentrick und Jazz, das ist ungefähr wie ein Comicfan, der lesen kann. Um mal das Klischee zu bedienen… Viele Peanuts-Fans werden wahrscheinlich sagen: „Jazz? Mag ich nicht. Kenn ich auch gar nicht.“ „Doch“, muss man dann entgegnen, „das ist der pfiffige Sound, der in den Fernsehfolgen drunterlegt. Das ist Swing.“ Das ist das, was diese Serie so angenehm von anderen unterschied, unter anderem… Das hatte was, das war irgendwie – sophisticated. Und weil auch Jazzer Peanuts-Fans sein können, hat der amerikanische Pianist David Benoit eine komplette Peanuts-CD eingespielt. Schon Anfang der 80er hat er für die Folge „The great Inventors“ aus der Reihe „This is America, Charlie Brown“ die Musik komponiert, und Peanuts-Fan ist er im Übrigen seit Mitte der 60er. Charles M. Schulz hat das fertige Album noch gehört, bevor er im Monat darauf gestorben ist. Was eigentlich ein fröhlicher Tribut werden sollte, ist jetzt eine wehmütige Hommage.

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Planet X: Universe

Keyboarder bei Dream Theater ist kein sehr sicherer Job. Der Eine ging freiwillig, dem Anderen wurde nahe gelegt, seinen Platz hinter den Tasten zu räumen. Der Erste ist Kevin Moore, der mit seinem Projekt Chroma Key bereits sein zweites Album („You Go Now“) veröffentlicht. Der Zweite ist Derek Sherinian, der nach seiner Arbeit mit Platypus nun seine eigenen Band ins Leben gerufen hat. Bei Planet X wird er unterstützt von Drummer Virgil Donati und Gitarrist Tony MacAlpine. Dabei herausgekommen ist ein etwas anstrengendes Instrumentalalbum mit 11 Titeln.

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Terry Radigan: Terry Radigan

Mit dem ersten Lied „My Love Is Real“ scheint das Genre schon sicher: Terry Radigan ist ein „Nashville Girl“. Dieser Eindruck kann sich noch mühsam bis zum dritten Lied halten, um dann Song für Song widerlegt zu werden. Ihr Wurzeln sind zwar hörbar im Folk und Country, aber durch einfallsreiche Arrangements und überraschende Sounds erweitert die Multiinstrumentalistin ihr Spektrum beachtlich.

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Sonic Youth: NYC Ghosts & Flowers

Sonic Youth live zu begutachten ist nicht unbedingt ein Ereignis dem man mit großer Vorfreude entgegenblicken muss. Thurston Moore, Kim Gordon, Lee Ronaldo und Steve Shelley können sich ohne weiteres in Trance spielen und damit in improvisierten Versatzstücken ihrer Songs verlieren und das Publikum auf eine Geduldsprobe stellen. Sie übertreiben es öfters gerne. Liest man sich dann die Liner Notes ihres neuen Albums „NYC Ghosts & Flowers“ durch und stolpert über den Namen Jim O’Rourke, der für den Job des Produzenten engagiert wurde, kann unsereins Böses erahnen. Sollten sich Sonic Youth dem Chicagoer Avantgardisten gnadenlos ausgeliefert haben? Jein.

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Sampler: Caroline Now!

Brian Wilson, ist das nicht…? Beach Boys, Surf-Sound, Mädels und Autos, genial und gaga, Sand unterm Piano, Musiker in Feuerwehrkluft… Ja, aber nicht nur. Brian Wilson ist vor allem ein Magier des Pop, sein Oeuvre eine einzige legale Droge. Und so umfangreich, dass mühelos ein üppiges Tribute-Album mit unbekannteren, zum Teil auch unveröffentlichten Songs des Amerikaners bestückt werden kann.

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Le P´tit Jezu: Le P´tit Jezu

Die Antwort auf die Frage nach dem Stil kommt wie aus der Pistole geschossen: „Le chanson francais néoréaliste“. Le P´tit Jezu aus Metz wissen, wo sie stehen. Die scharf geschnittenen Gerüste ihrer Songs lassen sie hinter milchgläsernem Lo-Fi-Sound verschwimmen, und unwiderstehliche Hooks kombinieren sie grundsätzlich mit spröden, sparsamen Arrangements. Es ist eine Gratwanderung zwischen Artistik und Leichfüßigkeit, und sie funktioniert! Nicht zuletzt dank einer Rhythmik, die nicht im Hintergrund zu pulsiert, sondern ein interessantes Eigenleben führt.

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Brassy: Got It Made

Muffin Spencer ist mitverantwortlich dafür, dass im letzten Jahr im vereinigten Königreich eine einheimische Band auf den Plan trat, die gar nicht britisch klang, trotzdem von vielen Seiten Lob einsteckte. Single der Woche im NME und überschwängliche Livekritiken in selbiger Gazette. Auch die deutsche Presse hielt sich nicht zurück. Die taz urteilte wie folgt: „Wo Sonic Youth in der Elektronik nach Verunsicherung suchen, dienen die Techniken aus dem HipHop bei Brassy allein dazu, ihren Poprock an die Neuzeit anzudocken. Die Breakbeats, die Schlagzeuger Johnny Barrington gebaut hat, sind im HipHop-Kosmos zwar arg altertümlich, für flotten White Trash aber gerade gut genug. Zudem gehen die sloganartigen Refrains unverschämt gut ins Ohr.“ Die Süddeutsche Zeitung schrieb anlässlich eines Konzertbesuchs: „Front-Göre Muffin Spencer, die Schwester vom großen Jon, und ihre scratchenden und polternden Mitstreiter kämpften für ihr Recht auf Partys und gegen Spießertum. Nicht oft kommen Vorgruppen so gut an. Und doch spielte Muffin die Genervte und schnauzte das Volk an.“

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And You Will Know Us By The Trail Of Dead: Madonna

Sie kommen aus Austin, Texas, und sie werden bald in aller Munde sein. Mund ist das richtige Stichwort, denn der steht einem offen, begegnet man zum ersten Mal ihrer Auffassung von gnadenlos rockender Gitarrenmusik. Was sich auf ihrem selbstbetitelten Debüt noch vage andeutete, bekommt auf „Madonna“ (Der Albumtitel hat nichts mit der Pop-Ikone zu tun!) seinen perfekten Schliff. Verzerrte Gitarren, dezenter Gesang mit kurzweiligen Schreieinlagen, Tribal-mässige Drums mit hoher Kopfnicker-Verwertbarkeit und absoluter Ekstase-Garantie.

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King´s X: Please Come Home…Mr. Bulbous


King´s X gehören zu einer handvoll Bands, deren Name zum Synonym eines ganz eigenen Stils, bzw. Sounds wurde. Die Texaner wurzeln vom Beginn ihrer Karriere im harten Rock, gepaart mit unglaublich guten Harmoniegesängen. Als King´s X 1988 ihr Debüt „Out Of The Silent Planet“ veröffentlichten, waren sie mit ihrem kantigen Sound und den verschachtelten Harmonien der musikalischen Zeit weit voraus.

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Richard Ashcroft: Alone with Everybody

Richard Ashcroft ist ein ganz Großer. So groß, dass auch ein mittelprächtiges Solo-Debütalbum kaum Kratzer an seiner Reputation hinterlassen wird. Schade, denkt man schon nach wenigen Minuten, spätestens aber beim zweiten Take, dass dem Durchschnitt von der Musikpresse so breiter Raum eingeräumt wird, während Bands wie Jack Ashcroft in derselben Disziplin locker an die Wand spielen. Leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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Miles: Miles

Was macht denn die fränkische Indie-Hoffnung auf ihrem neuen Album? Ich hätte viel von den vier Würzburgern erwartet, aber die Hinwendung zum Breitwand-Pop ist eine echte Überraschung. Abba spielt die größten Hits der Pet Shop Boys – so könnte man das schlicht „Miles“ betitelte Album auf einen Nenner bringen. Pop-Musik im großen Stil, weg von den Alternativ-Gitarren, hin zu Fender Rhodes und Moog Synthesizer. Weißer Frack statt Jeans.

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Bananafishbones: Glam

Der Wille zum Ohrwurm klingt aus jeder Note. Doch trotz des lässigen Swings, trotz Schrammelgitarren und Moog bleibt „Glam“ als Popsong allzu flach. Außerdem hören sich Bananfishbones erschreckend stark nach Schülerband an. Mehr als nötig jedenfalls. Weniger Koketterie täte es auch…

Bananafishbones: Glam
(Bonanza/Polydor/Universal)