David Benoit: Here’s to you, Charlie Brown: 50 Great Years!

Zeichentrick und Jazz, das ist ungefähr wie ein Comicfan, der lesen kann. Um mal das Klischee zu bedienen… Viele Peanuts-Fans werden wahrscheinlich sagen: „Jazz? Mag ich nicht. Kenn ich auch gar nicht.“ „Doch“, muss man dann entgegnen, „das ist der pfiffige Sound, der in den Fernsehfolgen drunterlegt. Das ist Swing.“ Das ist das, was diese Serie so angenehm von anderen unterschied, unter anderem… Das hatte was, das war irgendwie – sophisticated. Und weil auch Jazzer Peanuts-Fans sein können, hat der amerikanische Pianist David Benoit eine komplette Peanuts-CD eingespielt. Schon Anfang der 80er hat er für die Folge „The great Inventors“ aus der Reihe „This is America, Charlie Brown“ die Musik komponiert, und Peanuts-Fan ist er im Übrigen seit Mitte der 60er. Charles M. Schulz hat das fertige Album noch gehört, bevor er im Monat darauf gestorben ist. Was eigentlich ein fröhlicher Tribut werden sollte, ist jetzt eine wehmütige Hommage.

Weiterlesen

Planet X: Universe

Keyboarder bei Dream Theater ist kein sehr sicherer Job. Der Eine ging freiwillig, dem Anderen wurde nahe gelegt, seinen Platz hinter den Tasten zu räumen. Der Erste ist Kevin Moore, der mit seinem Projekt Chroma Key bereits sein zweites Album („You Go Now“) veröffentlicht. Der Zweite ist Derek Sherinian, der nach seiner Arbeit mit Platypus nun seine eigenen Band ins Leben gerufen hat. Bei Planet X wird er unterstützt von Drummer Virgil Donati und Gitarrist Tony MacAlpine. Dabei herausgekommen ist ein etwas anstrengendes Instrumentalalbum mit 11 Titeln.

Weiterlesen

Terry Radigan: Terry Radigan

Mit dem ersten Lied „My Love Is Real“ scheint das Genre schon sicher: Terry Radigan ist ein „Nashville Girl“. Dieser Eindruck kann sich noch mühsam bis zum dritten Lied halten, um dann Song für Song widerlegt zu werden. Ihr Wurzeln sind zwar hörbar im Folk und Country, aber durch einfallsreiche Arrangements und überraschende Sounds erweitert die Multiinstrumentalistin ihr Spektrum beachtlich.

Weiterlesen

Sonic Youth: NYC Ghosts & Flowers

Sonic Youth live zu begutachten ist nicht unbedingt ein Ereignis dem man mit großer Vorfreude entgegenblicken muss. Thurston Moore, Kim Gordon, Lee Ronaldo und Steve Shelley können sich ohne weiteres in Trance spielen und damit in improvisierten Versatzstücken ihrer Songs verlieren und das Publikum auf eine Geduldsprobe stellen. Sie übertreiben es öfters gerne. Liest man sich dann die Liner Notes ihres neuen Albums „NYC Ghosts & Flowers“ durch und stolpert über den Namen Jim O’Rourke, der für den Job des Produzenten engagiert wurde, kann unsereins Böses erahnen. Sollten sich Sonic Youth dem Chicagoer Avantgardisten gnadenlos ausgeliefert haben? Jein.

Weiterlesen

Sampler: Caroline Now!

Brian Wilson, ist das nicht…? Beach Boys, Surf-Sound, Mädels und Autos, genial und gaga, Sand unterm Piano, Musiker in Feuerwehrkluft… Ja, aber nicht nur. Brian Wilson ist vor allem ein Magier des Pop, sein Oeuvre eine einzige legale Droge. Und so umfangreich, dass mühelos ein üppiges Tribute-Album mit unbekannteren, zum Teil auch unveröffentlichten Songs des Amerikaners bestückt werden kann.

Weiterlesen

Tocotronic: KOOK Variationen

Ein Remix-Album ist ja im Grunde ein Ritterschlag. Und viel besser als die üblichen Tribute-CDs, für die man entweder schon tot oder unverschuldet in finanzielle Nöte geraten sein muss. Ein Tocotronic-Remix-Album verspricht darüber hinaus interessant zu werden, weil hier eine satte Rockband elektronisch aufbereitet wird, zumal durch eine ganze Riege von deutschen Freestylern, die in ihrer Kategorie genauso innovativ am Werk sind wie die „Tocos“. Innovativ und abseits des Mainstreams, versteht sich.

Weiterlesen

Le P´tit Jezu: Le P´tit Jezu

Die Antwort auf die Frage nach dem Stil kommt wie aus der Pistole geschossen: „Le chanson francais néoréaliste“. Le P´tit Jezu aus Metz wissen, wo sie stehen. Die scharf geschnittenen Gerüste ihrer Songs lassen sie hinter milchgläsernem Lo-Fi-Sound verschwimmen, und unwiderstehliche Hooks kombinieren sie grundsätzlich mit spröden, sparsamen Arrangements. Es ist eine Gratwanderung zwischen Artistik und Leichfüßigkeit, und sie funktioniert! Nicht zuletzt dank einer Rhythmik, die nicht im Hintergrund zu pulsiert, sondern ein interessantes Eigenleben führt.

Weiterlesen

Brassy: Got It Made

Muffin Spencer ist mitverantwortlich dafür, dass im letzten Jahr im vereinigten Königreich eine einheimische Band auf den Plan trat, die gar nicht britisch klang, trotzdem von vielen Seiten Lob einsteckte. Single der Woche im NME und überschwängliche Livekritiken in selbiger Gazette. Auch die deutsche Presse hielt sich nicht zurück. Die taz urteilte wie folgt: „Wo Sonic Youth in der Elektronik nach Verunsicherung suchen, dienen die Techniken aus dem HipHop bei Brassy allein dazu, ihren Poprock an die Neuzeit anzudocken. Die Breakbeats, die Schlagzeuger Johnny Barrington gebaut hat, sind im HipHop-Kosmos zwar arg altertümlich, für flotten White Trash aber gerade gut genug. Zudem gehen die sloganartigen Refrains unverschämt gut ins Ohr.“ Die Süddeutsche Zeitung schrieb anlässlich eines Konzertbesuchs: „Front-Göre Muffin Spencer, die Schwester vom großen Jon, und ihre scratchenden und polternden Mitstreiter kämpften für ihr Recht auf Partys und gegen Spießertum. Nicht oft kommen Vorgruppen so gut an. Und doch spielte Muffin die Genervte und schnauzte das Volk an.“

Weiterlesen

And You Will Know Us By The Trail Of Dead: Madonna

Sie kommen aus Austin, Texas, und sie werden bald in aller Munde sein. Mund ist das richtige Stichwort, denn der steht einem offen, begegnet man zum ersten Mal ihrer Auffassung von gnadenlos rockender Gitarrenmusik. Was sich auf ihrem selbstbetitelten Debüt noch vage andeutete, bekommt auf „Madonna“ (Der Albumtitel hat nichts mit der Pop-Ikone zu tun!) seinen perfekten Schliff. Verzerrte Gitarren, dezenter Gesang mit kurzweiligen Schreieinlagen, Tribal-mässige Drums mit hoher Kopfnicker-Verwertbarkeit und absoluter Ekstase-Garantie.

Weiterlesen

King´s X: Please Come Home…Mr. Bulbous


King´s X gehören zu einer handvoll Bands, deren Name zum Synonym eines ganz eigenen Stils, bzw. Sounds wurde. Die Texaner wurzeln vom Beginn ihrer Karriere im harten Rock, gepaart mit unglaublich guten Harmoniegesängen. Als King´s X 1988 ihr Debüt „Out Of The Silent Planet“ veröffentlichten, waren sie mit ihrem kantigen Sound und den verschachtelten Harmonien der musikalischen Zeit weit voraus.

Weiterlesen

Richard Ashcroft: Alone with Everybody

Richard Ashcroft ist ein ganz Großer. So groß, dass auch ein mittelprächtiges Solo-Debütalbum kaum Kratzer an seiner Reputation hinterlassen wird. Schade, denkt man schon nach wenigen Minuten, spätestens aber beim zweiten Take, dass dem Durchschnitt von der Musikpresse so breiter Raum eingeräumt wird, während Bands wie Jack Ashcroft in derselben Disziplin locker an die Wand spielen. Leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Weiterlesen

Gallery: Blue

„Blue“ in der Original-Version von Eiffel 65 war schon peinlich genug. Als Melodiccore-Elektronik-Stück wird´s nicht unbedingt besser. Man sollte vielleicht nicht rausposaunen, dass diesmal Deutsche am Werk waren. Um mit grässlichem Akzent und bar jeder Inspiration einen Song zu Tode zu daddeln, der noch nie einer war.

Gallery: Blue
(Virtual Records)

Tocotronic vs. Console: Freiburg V3.0

Die Spezialität von Tocotronic besteht darin, schluffige, laute und oft irgendwie zerrende Gitarrenmusik zu machen. Für ihre Melodien würden zwei oder drei Notenlinien vollkommen ausreichen. Popmäßig simpel und hymnisch sind sie, vor allem aber apathisch. Denn Tocotronic sind die Meister des Midtempo-Rocks. Der Gesang ist klagend, monoton und meistens am Rande des Ausdruckslosen. Als Slacker wurde das Hamburger Trio mal bezeichnet, in Wahrheit aber unterwandert es den Rock durch gezieltes Understatement und gibt ihm durch seine Teilnahmslosigkeit die Leidenschaft zurück. Die Riff-Folgen haben die Einfachheit eines Status Quo-Songs und die Melancholie eines Leonard Cohen. Pathos und Charme sind ein anderes Thema, die Texte auch – eine normale Rockband sind Tocotronic jedenfalls nicht.

Weiterlesen

Musikbücher VI

A href, Freunde! Mit diesem orientalischen Gruß melde ich mich nach einer längeren Zeit des Schweigens wieder einmal mit neuen Musikbüchern, die sich wie immer dadurch auszeichnen, dass sie schon steinalt sind.

Aber halt! Eine Ausnahme. In bälde erscheinen wird die erste deutschsprachige Joni-Mitchell-Biografie, ein Werk von außerordentlicher literarischer Klasse, philosophischem Tiefsinn und aberwitzigstem Witz. Der nicht genug zu lobende Starcluster-Verlag wird die gut 200, mit vielen unglaublichen Fotos gewürzten Seiten as soon as possible herausbringen, lächerliche 49 Mark 80 dafür verlangen und expressement versenden.

Weiterlesen