Miles: Miles

Was macht denn die fränkische Indie-Hoffnung auf ihrem neuen Album? Ich hätte viel von den vier Würzburgern erwartet, aber die Hinwendung zum Breitwand-Pop ist eine echte Überraschung. Abba spielt die größten Hits der Pet Shop Boys – so könnte man das schlicht „Miles“ betitelte Album auf einen Nenner bringen. Pop-Musik im großen Stil, weg von den Alternativ-Gitarren, hin zu Fender Rhodes und Moog Synthesizer. Weißer Frack statt Jeans.

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Bananafishbones: Glam

Der Wille zum Ohrwurm klingt aus jeder Note. Doch trotz des lässigen Swings, trotz Schrammelgitarren und Moog bleibt „Glam“ als Popsong allzu flach. Außerdem hören sich Bananfishbones erschreckend stark nach Schülerband an. Mehr als nötig jedenfalls. Weniger Koketterie täte es auch…

Bananafishbones: Glam
(Bonanza/Polydor/Universal)

Gallery: Blue

„Blue“ in der Original-Version von Eiffel 65 war schon peinlich genug. Als Melodiccore-Elektronik-Stück wird´s nicht unbedingt besser. Man sollte vielleicht nicht rausposaunen, dass diesmal Deutsche am Werk waren. Um mit grässlichem Akzent und bar jeder Inspiration einen Song zu Tode zu daddeln, der noch nie einer war.

Gallery: Blue
(Virtual Records)

Tocotronic vs. Console: Freiburg V3.0

Die Spezialität von Tocotronic besteht darin, schluffige, laute und oft irgendwie zerrende Gitarrenmusik zu machen. Für ihre Melodien würden zwei oder drei Notenlinien vollkommen ausreichen. Popmäßig simpel und hymnisch sind sie, vor allem aber apathisch. Denn Tocotronic sind die Meister des Midtempo-Rocks. Der Gesang ist klagend, monoton und meistens am Rande des Ausdruckslosen. Als Slacker wurde das Hamburger Trio mal bezeichnet, in Wahrheit aber unterwandert es den Rock durch gezieltes Understatement und gibt ihm durch seine Teilnahmslosigkeit die Leidenschaft zurück. Die Riff-Folgen haben die Einfachheit eines Status Quo-Songs und die Melancholie eines Leonard Cohen. Pathos und Charme sind ein anderes Thema, die Texte auch – eine normale Rockband sind Tocotronic jedenfalls nicht.

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Musikbücher VI

A href, Freunde! Mit diesem orientalischen Gruß melde ich mich nach einer längeren Zeit des Schweigens wieder einmal mit neuen Musikbüchern, die sich wie immer dadurch auszeichnen, dass sie schon steinalt sind.

Aber halt! Eine Ausnahme. In bälde erscheinen wird die erste deutschsprachige Joni-Mitchell-Biografie, ein Werk von außerordentlicher literarischer Klasse, philosophischem Tiefsinn und aberwitzigstem Witz. Der nicht genug zu lobende Starcluster-Verlag wird die gut 200, mit vielen unglaublichen Fotos gewürzten Seiten as soon as possible herausbringen, lächerliche 49 Mark 80 dafür verlangen und expressement versenden.

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Dimitri from Paris: A Night at the Playboy Mansion

At the Playboy Mansion tanzen die Bunnies. In den Hügeln von Beverly Hills, im Haus von Hugh Hefner inklusive unterirdischer Oase. Ein Bunny hat es sogar auf das Cover des Albums geschafft, während sich der Meister selbst vornehm zurückhält. Und damit ist nicht etwa Hefner, sondern Dimitri from Paris gemeint, der Mann an den Turntables. Ob besagte Party nun wirklich stattfand oder als mythische Chiffre schon völlig ausreicht, spielt keine Rolle. Hedonismus, Dekadenz und Machoismus – die Welt des „Playboys“ zählt längst zur Popkultur. Mehr noch: die Centerfolds&Co. haben etwas Klassisches an sich, sind sozusagen Old-School, daher auch die pure Seventies-Untermalung.

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Prefuse 73: EstrocaroEP

Gleicher Mann, gleiches Label, andere Baustelle. Scott Herren, der in diesen Tagen eine LP „Folk Songs for Trains, Trees and Honey“ unter dem Pseudonym Savath+Savalas auf Warp herausbringt, kann nicht genug bekommen. Gleicht Savath+Savalas einer rudimentären, abgespeckten Version von Kreidler, aufgefüllt mit elektronischer Watte à la Boards of Canada, kommt bei Prefuse weniger Wärme aus den Boxen gekrochen. Zwar gleicht ein ganzes Stück „Five Minutes Away“ dem Bruderprojekt in seiner einheimelnden Wärme, diese wird aber bei dem Großteil der EP durch Push Button Object-mäßige Beatarhythmetik durchtrennt.

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Grant Hart: Good News for Modern Man

Dank Amerikas vielleicht zukünftiger First Lady Tipper Gore, die jahrelang für eine Zensur in der Rockmusik kämpfte, um die Marktanteile der Countrymusik zu schützen – man kommt schließlich aus Tennessee – kommen manche Schallplatten heutzutage mit „Parental Advisory“ Aufklebern heraus. Aber manche brauchen eher eine Warnung, wie man sie aus der Apotheke kennt – nicht für den Konsum in Verbindung mit Autofahren oder dem Gebrauch von schweren Geräten geeignet.

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Sandvipers: Dead Slow (LP)

Hier haben wir eine zehn Songs umfassende LP, von einer Kölner Band veröffentlicht, und entweder fehlt uns ein Inlay-Sheet oder der Band das Geld, um eins zu drucken, denn sonst ist zu Besetzung/Bandgeschichte/Mitgliedern leider nichts zu sagen. Was besonders schade ist, denn wenn ich die Texte auch lesen könnte, würden die Band wahrscheinlich einen Preis für ihr fehler-sowie akzentfreies Englisch bekommen.

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Interview: Wollie Kaiser

Der Kölner Musiker kennt keine Gnade, wenn es um die Schöpfung neuer Musik, neuer Klänge geht. Schon immer griff er gerne auf Originale zurück, um zu unterstreichen, „wie unwichtig letztlich die Qualität der Vorlage ist“. Als Mitglied der legendären KÖLNER SAXOPHON MAFIA, als Sessionmusiker und Solist nahm Wollie Kaiser über 40 LPs/CDs auf, kooperierte u. a. mit Kenny Wheeler, Mark Feldman oder SERIOUS SOLID SWINEHEARD. Seit 1989 wirkt er zudem als Dozent an der Folkwanghochschule in Essen. Über sein jüngstes Projekt, die CD „New Traces For Old Aces“, mit schrägen Interpretationen von Songs der „Sixties Beat“-Heroen THE SMALL FACES sprach mit ihm Roland Schmitt:

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Steve Earle: Transcendental Blues

Steve Earle marschiert geradeaus. Vom Titel darf man sich nicht täuschen lassen lassen. Weder von der Metaphysik, noch vom Blues. Und auch nicht vom Vollbart des Propheten. Sogar Earle selbst bezeichnet „Transcendental Blues“ als Rock-Album. Genaugenommen ist der Nachfolger des Bluegrass-Opus „The Mountain“ aber ungemein vielschichtig. Sanft plätschernde Midtempo-Folksongs finden sich genauso wie straighte Uptempo-Rocker, traurige Singer-Songwriter-Balladen und versponnene Symphonien. Selbst ein Bluegrass hat sich wieder draufgeschlichen. Nach eigener Aussage, „just to tick everybody off“. Um allen, die schon den Finger recken, das Maul zu stopfen. Mal frei übersetzt….

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End Of April: In Your Arms… Like Chains

Mit einem Jerky Boys-artigen Hörspiel (das sind zwei verrückte New Yorker, die per Telefon Leute verarschen) beginnt die Mini-CD von End Of April, der neuen Band des ehemaligen Headcrash-Shouters Allen Wright. Nachdem sich Headcrash aufgrund der nicht enden wollenden Probleme mit dem Business auflösten, ging Allen zurück in die USA in den Kreis der Familie. Zeitgleich kündigte er an, dass man bald wieder von ihm hören würde. Damit sollte er Recht behalten.

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Lambchop: Up With People

Es fängt an als Zwitter zwischen Folksong und Akustik-Pop. Dann mischen sich Plüsch und Geblubber dazu, und unversehens avanciert das spröde Geschrammel zu dürrem Funk. Kurt Wagner soult sich die Seele aus den schäfrigen Stimmbändern, Bläser und Backingchor tun das ihre, über dem unaufhörlich perlenden Stromgitarren-Fluss eine Black-Music-Symphonie zu positionieren. Das Leben ist langer, träger Strom mit sanft keimendem Glückgefühl…

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Gee Strings: Bad Reputation (7″)

Punk Rock ist wie Bier, und erst nachdem ich das endlich festgelegt habe, konnte ich beide maximal geniessen. Ich meine, es gibt Bereiche im Leben– Arbeit, Wohnsitz, Beziehungen– in denen Fortschritt zum Vorteil ist. Aber auch Bereiche, in denen die Jagd auf was Neues keinen Sinn hat. Niemand setzt sich hin, drinkt sein Bier und beschwert sich, daß es genau so schmeckt wie gestern und vorgestern- genau das wollen wir alle. Wir sollen das auch von Punk Rock wünschen, und dafür gibt es Bands wie Gee Strings, die teils aus Köln und teils aus Aachen kommen.

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