Bonnie „Prince“ Billy: Greatest Palace Music

Wenn dieser Mann zur Gitarre greift, behutsam die Saiten anschlägt und sein Südstaaten-Organ erklingen lässt, es ist zum Dahinschmelzen. Bonnie „Prince“ Billy ist ein Großer seiner Zunft. Was nichts mit hohen Verkaufszahlen zu tun hat. Da ist er seinen Kollegen weit unterlegen. Gemeint ist sein Timbre, seine Ausstrahlung und sein Feingefühl. Er ist der moderne Outlaw. Interviews? Ach was. Der Mann lebt irgendwo in den Staaten. Auf dem Land. Genaues weiß man nicht. Oder will man es nicht wissen? Wenn ihm danach ist, versteckt er sein Gesicht hinter einem Kubikmeter Bartwolle. Er will ein Mysterium bleiben. Das macht ihn um so sympathischer und faszinierender.

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Mia.: Stille Post

Die „Stille Post“ schlägt ziemlich hohe Wellen. Ein Auftritt vor Studenten, während dem sich Sängerin Mieze in eine Deutschlandfahne hüllte und ein paar unglücklich eingesetzte Sprachbilder in dem Song „Was es ist“, wo in einem Atemzug von schwarzem Kaffe, roten Lippen und der aufgehenden gelben Sonne die Rede ist, haben Mia. ins Rampenlicht katapultiert. Vergessen sie das alles schnell wieder.

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Now It’s Overhead: Fall Back Open

Es ist definitiv ein Vorteil, wenn die Europa-Releases von manchen Platten ordentlich verschlafen werden. Dann liegen zwischen dem abgehangenen und dem neuen Album gerade mal ein paar Monate. Aktuell passt diese Situation zu Now It’s Overhead, die aus dem Saddle Creek Stall kommen und nach ihrem überragenden Deutschland-Debüt im November 2003 jetzt schon das neue Album nachlegen.

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Snuff – Greasy Hair Makes Money

Gibt es so was wie eine positive Schändung? Ich glaube nicht. Falls doch, lässt sich damit „Greasy Hair Makes Money“ vorzüglich umschreiben. Die Malocher von Snuff haben mal wieder ein Album rausgehauen und zerhäckseln neun anderer Menschen Lieder.Das reicht von zwei obskuren japanischen Coverversionen über Bob Dylan („You’re A Big Girl Now“) bis hin zu Shannons „Let The Music Play“. Wie bei Snuff zu erwarten durch den Hochgeschwindigkeitswolf gedreht, aber man hat nie das Gefühl, sie würden sich über die Originale lustig machen.

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Chicago Underground Trio: Slon

Rob Mazurek, Chad Taylor und Noel Kupersmith sind das Chicago Underground Trio. Ihr Vorsatz ist es, anspruchsvolle Musik zu produzieren. Dass diese im Grenzbereich zwischen Post-Rock, Jazz und abstraktem Elektro der Marke Clicks & Cuts liegt, ist noch okay. Doch aufgrund einer angeborenen Abneigung gegen Saxophon-Klänge oder ähnlich geartete Instrumente wie in diesem Falle dem meist nervtötenden Kornett, geht mir der Hörspaß schnell verloren.

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Days In Grief – Portrait Of Beauty

Eigentlich ist es sehr dreist von Days In Grief, sich so dermaßen offensichtlich der Vorarbeit anderer Bands zu bedienen. Wenn die Days In Grief-Jungs nicht Refused („The Shape Of Punk To Come“) und At The Drive-In („Relationship Of Command“) zu ihren liebsten Bands beziehungsweise Platten zählen, ich will für immer und ewig verdammt sein. Sie machen ihre Sache ja ganz gut. Das muss man ihnen lassen. Neu ist aber anders.

[5 Fritten]

Days In Grief
Portrait Of Beauty
Eat The Beat/Pirate/Sony Music

Ritual – Ritual

Das Debütalbum der schwedischen Band Ritual ist ein Leckerbissen für all diejenigen Prog-Metal-Fans, die ein Mittelding zwischen Dream Theater, Fates Warning, Yes, Queensryche und gelegentlichen Folk-Auswüchsen suchen. Es erschien bereits 1995 und kommt jetzt in neu bearbeiteter Fassung auf den Markt.

[7 Fritten]

Ritual
Ritual
Tempus Fight/Inside Out/SPV

Gadget – Remote

Grindcore der kompromisslosesten und ruppigsten Sorte, haben Gadget auf ihr Album gepackt. Extrem ist in diesem Fall nicht das passende Attribut. Gadget gehen nämlich noch einen Schritt weiter. 21 brutale Songs knüppelten die Schweden mit Produzent Fredrik Reinedahl, Bekannt durch Burst- und In Flames-Jobs ein. Satter Sound, luftdichte Gitarrenwände und Schlagzeug-Salven, die lebensgefährlich sind. Dagegen ist Cannibal Corpse ein Knabenchor.

[5 Fritten]

Gadget
Remote
Relapse Records

The Gathering – Sleepy Buildings

Nicht ganz unplugged, aber fast gibt es in diesem Monat The Gathering zu erleben. Dass Anneke Van Giersbergen eine verdammt gute Stimme besitzt, kommt besonders auf diesem The Gathering-Album zur Geltung. Zumal sich die Band endlich einmal ihrer (Gothic) Metal-Wurzeln entledigt hat. „Sleepy Buildings“ rückt die Holländer mehr denn je in den epischen Indierock-Kontext. Und da fühlen sie sich hörbar wohler denn anderswo.
[7 Fritten]

The Gathering - Sleepy Buildings: A Semi Acoustic Evening
Century Media/SPV

The Singles – Better Than Before

Ja glaube ich es. Die Beatles sind zu 50% auferstanden, zu 50% wieder jung und frisch. Oder? „Es wird schwierig sein, The Singles zu hassen“, schrieb das britische Magazin „Kerrang“. Verwunderlich für eine Metal-Postille. The Singles sind waschechte Britpop-Freaks, die aus Detroit Rock City stammen und sich musikalisch ins England der Sechziger verirrt haben. George Harrison wäre stolz ob dieser schmeichelhaften Huldigungen, könnte er sie denn noch hören.
[7 Fritten]

The Singles - Better Than Before
(Rainbow Quartz/Alive)

Boomhauer – Wild Human Condition

War ja klar, dass es nach dem Erfolg der „The“-Bands nicht lange dauern würde, bis auch bei Tug Rec. die ersten Garagenbands unter Vertrag genommen sein würden. Boomhauer – wie es könnte es bei Tug Rec. anders sein – sind in Skandinavien groß geworden. Von klein auf wurden sie sicherlich regelmäßig mit den umwerfenden Songs der Jon Spencer Blues Explosion gefüttert. Denn an die erinnern Boomhauer in jedem Moment. Dass das kein Fehler sein muss, zeigt „Wild Human Condition“.
[7 Fritten]

Boomhauer - Wild Human Condition
Tug Records/Indigo

Hans Söllner – Oiwei I

Bei Hans Söllner vergisst man häufig, vor lauter Kiffergeschichten und laufenden Prozessen die Musik zu erwähnen. Auf seinem neuen Album „Oiwei I“ bringt er zum wiederholten Male Reggae mit bayerischer Volksmusik zusammen und man fragt sich, warum die zwei nicht schon länger verheiratet sind. Ergänzt um dylaneske Folk-Schraddeligkeit, macht das Hans Söllner, neben seinen Texten, zu einem ausgesprochen unterhaltsamen Musiker.

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The Get Up Kids: Guilt Show

So, die Pullunder haben sie wieder ausgezogen, Brille durfte fürs neue Bandfoto auch keiner aufsetzen und The Get Up Kids geben sich redlich Mühe, ein bisschen wie Rocker zu kucken. Nach dem umstrittenen Vorgänger „On A Wire“ ist „Guilt Show“ entwicklungstechnisch ein Schritt zurück. Mir persönlich gefällt „On A Wire“ mit seiner Detailverliebtheit und der gedrückten Stimmung immer noch gut und da schmerzt der recht platte Opener des neuen Werks „Man Of Conviction“ doch ein bisschen.

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