The Inchtabokatables: Ultimate Live

Übertreibe ich, wenn ich bei The Inchtabokatables von einer deutschen Independent-Institution spreche? Ich glaube nicht. In den vergangenen elf Jahren hat sich das Quintett mit seinen Streichinstrumenten den Arsch abgespielt und wahrscheinlich in jedem Ort der Nation die Geigen ausgepackt. Als es das Genre Mittelalterrock noch gar nicht gab, sind The Inchtabokatables wie die Derwische über die Bühne gefegt und haben dieses zu enge Korsett hinter sich gelassen, als andere hinterhergehechelt kamen. Die experimentellen Noise-Ansätze auf den Alben „Quiet“ und „Too Loud“ haben sicherlich den ein oder anderen alten Fan vergrault, der dann wahrscheinlich das gelungene Abschlussalbum „Mitten im Krieg“ nicht mehr mitbekommen hat.

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Interpol: Turn On The Bright Lights

Sie werden bereits gefeiert und zu den derzeit interessantesten Newcomern aus New York gezählt. Wer in den letzten Monaten gut aufgepasst hat, der wird wissen, dass Interpol letztes Jahr eine EP über das schottische Indielabel Chemikal Underground veröffentlicht haben. Diese legte den Grundstein für erfolgreiche Vertragsverhandlungen mit Matador (USA, Großbritannien) beziehungsweise Labels (Rest Europas). Auf dem Weg zum Studio angelten sich Interpol Peter Kadis (Mercury Rev) und Gareth Jones (Depeche Mode, Nick Cave) für die Produktion ihres Debütalbums und spielten unter deren Regie spannende und atmosphärisch-dichte Songs ein, die mal Indierock, mal Wave, mal Postrock sind.

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Fear Factory: Concrete

Nein, „Concrete“ ist kein neues Album von Fear Factory. Ja, sie haben recht: Die Band hat sich nach dem Ausstieg von Sänger Burton C. Bell aufgelöst. Was nun hinter „Concrete“ steckt? Nun, es handelt sich um ein verschollenes Debütalbum, könnte man sagen. Noch bevor sie bei Roadrunner einen Vertrag unterschrieben und damit ihren Industrial/Metal-Siegeszug antraten, hatten sie diese Songs mit Produzent Ross Robinson aufgenommen. Veröffentlicht wurden sie jedoch nie – nicht offiziell und nie als Bootleg.

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Messiah’s Kiss: Prayer For The Dying

Metalheadz kann man ja die größte Freude machen, wenn die Sachen so richtig schön nach der guten, alten Zeit klingen. Jaja, Vorurteile, ich weiß. Aber gerade deswegen müssten Messiah’s Kiss ziemlich begeistern. Die vier Teutonen haben mit Mike Tirelli zum Glück einen Muttersprachler am Mikrofon, so dass die erste Peinlichkeit schon von allein ausgeschaltet ist.

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Threshold: Critical Mass

Threshold dürfen das. Dass sie sich jeder musikalischen Schublade entziehen, erwartet man inzwischen fast von ihnen, aber es klingt immer noch ungewohnt, dass eine epische Progressive-Band mit solch hymnischen Refrains aufwartet. Aber nicht dass mir jetzt einer an die italienische Drachentöter-Liga und ihre simplen Melodien denkt. Obwohl Threshold auf Hymnus setzen, sind sie erfrischend anders und verschmelzen wie kaum eine andere Combo Artrock, Progressive-Rock und Metal.

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Glassjaw: Worship & Tribute

Ross Robinson schlägt mal wieder zu. Natürlich als Produzent harter Töne. Dieses Mal auf dem Regie-Stuhl während der Studiosessions von Glassjaw. Das Quintett aus Long Island ist weit davon entfernt, in das typische Robinson-Soundschema zu passen. Die Band kommt aus dem Hardcore-Sektor und keineswegs aus dem Nu Metal-Bereich. Eher noch haben die Jungs ein paar Emo-Brocken geschluckt, so dass zwischen all der urgewaltigen Mosh-Musik ein Raum für ruhige Töne geblieben ist.

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San Dimas: Drowning

Sie tourten bis dato mit solch unterschiedlichen Acts wie Subway To Sally und Motörhead oder eröffneten für Bon Jovi, Billy Idol, Saxon oder Kreator. Dabei haben sie sich einer ganz anderen Musikrichtung verschrieben: Nu Metal. Verrückt, nicht wahr? Die vier Schweizer, die sich früher Mud Slick nannten (von 1993 bis circa 2000), dann aber den Namen einer kalifornischen Stadt vorzogen, versuchen, dem Genre Neues abzugewinnen.

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Jason Loewenstein: At Sixes And Sevens

Unter dem Bandnamen Sparkalepsy hätte dieses Albums erscheinen sollen. Doch darauf hatte Jason Loewenstein keine Lust. Er zog es vor, nicht mit einer Band aufzutreten und lieber einen Soloversuch zu starten. Ende 1989 stieg Loewenstein auf Geheiß von Eric Gaffney bei Sebadoh ein. Dort blieb er – im Gegensatz zu Gaffney – bis zum bitteren Ende, das vor einigen Monaten kam.

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All Boro Kings: Just For The Fun Of It

Just for the fun of it. Der Titel sagt schon alles über dieses Album. Lasst uns vergessen, dass in den letzten Jahren klassischer Crossover, also die Melange aus Hardcore und Metal mit Hüpfanteilen, keinen mehr richtig interessiert hatte. Lasst uns statt dessen lieber die Musik der einstigen Szenegrößen Mucky Pup, Scatterbrain, Murphy’s Law und Dog Eat Dog neu erleben. Man muss sich schließlich nicht an alle ehernen Gesetze des Business halten und darf getrost einsam gegen den Strom schwimmen. Sprich: Zurück zu den Wurzeln, zu dem, was seinerzeit den Nährboden für heutige Nu Metal-Acts spendete.

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Chumbawamba: Readymades

Die von mit sehr geschätzte britische Band Latin Quarter sang 1988 „The chosen course was writing anthems for the people, but no-one whistled, no-one noticed, no-one asked!“ (aus „It Makes My Heart Stop Speaking“ von „Swimming Against The Stream“) und löste sich nach dem dazugehörigen Album erstmal auf. Eine ähnliche Müdigkeit muss ich jetzt Chumbawamba unterstellen, die zwar inhaltlich immer noch was zu sagen haben, aber den Biss vermissen lassen. Zudem hat sich das Musikerkollektiv auf „Readymades“ in sehr poppiges Gefilde begeben und scheint zu versuchen, die bissigen Texte mit einschmeichelnden Pop-Hymnen zu tarnen.

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Slam: Alien Radio Remixed

Das atemberaubende Slam-Album „Alien Radio“ erfuhr eine Überarbeitung seitens namhafter Elektro-Künstler. Silicone Soul, Two Lone Swordsmen, Carl Cox, Unkle und Slam themselves machen sich über einige der Album-Tracks her, die uns vor einigen Monaten schon in die House-Schlappen stiegen ließen. Nun darf man den Tanz zu remixten House genießen.

(8 Fritten)

Slam: Alien Radio Remixed
(Soma/Zomba)

Coldplay: A rush of blood to the head


In der aktuellen Traurigkeitsliga rangieren Coldplay auf Platz zwei. Vor den kuscheligen Travis, aber hinter den herzzerreissenden Starsailor.
Was ist nur in die Briten gefahren? Große Gefühle und die Last der ganzen Welt – allein auf den Schultern von schmächtigen Gitarrenspielern.

Obwohl, so allein sind sie gar nicht. Auch Coldplay nicht. Im Studio hat ihnen jemand eine starke Wand aufgebaut. Eine akustische Männerbrust sozusagen. Aus viel, viel Technik. Dezente Synthesizer-Schwaden pumpen den Sound zusätzlich auf. Und helfen mit, dass der blitzblanke Klang trotzdem warm klingt.

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Doro: Fight

Ach Mensch, ich nehm‘ mir jedes Mal vor, die nächste Doro richtig scheiße zu finden und es gelingt mir nie so wirklich. Es ist aber auch zu gemein; während Manowar hören sich zum Kult entwickelt hat, ist es immer noch höchst peinlich Doro-CDs zu besitzen. Obwohl ich eine optische Begeisterung entschieden von mir weise, gebe ich aber offen zu, dass mir einige der CDs richtig gut gefallen haben. In der Pubertät von den Warlock Sachen versaut, habe ich zumindest jedes Mal die Ohren gespitzt, wenn Frau Pesch ein neues Langeisen unters Volk geschleudert hat.

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