Eve: Eve-Olution

Namhafte Produzenten wie Dr. Dre, Irv Gotti und Swizz Beatz engagierte Eve Jihan Jeffers für ihr drittes Album „Eve-Olution“. Zu ihnen gesellten sich bekannte Gesichter des HipHop wie zum Beispiel der dauerbekiffte Snoop Dogg, sein Kollege Nate Dogg, Truth Hurts, Senkrechtstarterin Alicia Keys und Jadakiss. Sie stiegen zu Eve in den Ring und gaben ihr Bestes, nicht von der selbstbewussten und kratzbürstigen Rapperin ausgeknockt zu werden. Schließlich verstehe Eve ihr Handwerk und ist schon lange nicht mehr zu den Newcomern zu zählen. Sie gehört der obersten Riege der rappenden Weiblichkeit an. So hoch ihre Ansprüche an sich selbst sein mögen, so überzeugend sind die neuen Songs.

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Idlewild: The Remote Part

Idlewild sind die versiffte Ausgabe von Travis oder Coldplay. Von ihrem rumpelnden Debüt „Hope Is Important“ haben sie sich zwar schrittweise entfernt, aber der Dreck steckt noch in den Poren. Ihre drittes Langeisen „The Remote Part“ bietet, wie seine Vorgänger, exquisites Songwriting mit nötiger Empathie vorgetragen. Oder anders gesagt, wer von dem Herzschmerz der o.g. Gesinnungsgenossen manchmal die Nase voll hat, bekommt hier die zupackende Variante präsentiert. Das zeigt sich schon allein in der Länge der Songs, selten wird die 3 Minuten-Marke überschritten.

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International Pony: We Love Music

Die Zukunft von Fischmob steht weiterhin in den Sternen. DJ Koze und Cosmic DJ haben sich in der Zwischenzeit mit Erobique zusammengetan und das Projekt International Pony aus der Taufe gehoben. Bei ihrem Debütalbum „We Love Music“ ist der Name Programm. Die Freude am Kreieren von Sounds ist jedem Stück anzuhören. Der trockene norddeutsche Humor, zum Teil wohl vom Verzehr holländischen Grases beeinflusst, ist dem von Fischmob ähnlich.

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Mia.: Hieb & Stichfest

Mia. (mit Punkt, bitte!) heißt die Band um die kreischende Frontgöre Mieze. Kein Scherz, sie heißt wirklich Mieze. Sie singt über eine „Cool Cat“ und gesteht in „Kreisel“, selbst eine zu sein und gerne durch Berlins Strassen zu flitzen. Bei dieser Gelegenheit hatte sie 1997 Andi, Robert und Ingo getroffen und mit ihnen Mia. gegründet. Später stieß noch Gunnar hinzu. Die Sache nahm schnell konkrete Formen an. Mia. hatten beschlossen, Elektropunk zu machen. Was das ist? Nun, man stelle sich 80er Jahre-Elektropop vor, dem Punk und Riffgewitter injiziert werden. PIL und Ideal schießen einem unweigerlich durch den Kopf.

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Custom: Fast

In den USA hat sich Custom – hinter dem Pseudonym verbirgt sich nämlich lediglich ein Musiker und der heißt Duane Lavold – schon gehörigen Ärger eingehandelt. In seiner Radio-Hitsingle „Hey Mister“ heißt es: „Hey Mister, I really like your daughter / I’d like to eat her like ice cream“. Upps. Das war den Zensurliebhabern zu provokant. MTV ließ das Video links liegen. Es war ihnen zu heiß und provokant.

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Black & Proud Vol. 1 & 2

Es waren die Olympischen Sommerspiele in Mexiko City, 1968. Die afroamerikanischen 200 Meter-Läufer Tommie Smith, Sieger des Rennens, und John Carlos (Bronze) reckten auf dem Siegerpodest je eine mit schwarzem Lederhandschuh geschmückte Faust in die Luft. Smith die Rechte, als Symbol für die Macht der Schwarzen; Carlos die Linke, als Zeichen für Einheit. Die Öffentlichkeit war empört. Die Anhänger der Black Panther Party For Self-Defence mussten wohl eher schmunzeln. Besagte Organisation verstand sich als Partei der Schwarzen, mit dem Auftrag, gegen den Terror der Polizei vorzugehen. Sie trat teilweise äußerst aggressiv und gewaltbereit auf. Andererseits unterstützte sie im gleichen Maße soziale Projekte. Gegründet 1966 von Bobby Seale und Huey Newton, war sie Anfang der 70er auf Veranlassung von Edgar J. Hoover fast völlig zerschlagen worden. Viele ihrer Anführer wurden entweder ermordet oder eingesperrt. Die, die entkamen, ließen sich in Kuba nieder.

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Cage: Movies For The Blind

Das Leben kann katastrophal starten: Als Sohn eines amerikanischen Militärpolizisten in Deutschland zur Welt gekommen, vom Vater im Stich gelassen und von der Mutter in eine psychiatrische Klinik gesteckt. Was für ein Horrorszenario, das Christian Palko in seiner Jugend miterleben musste. Vieles von dem, was von damals in seinem Gedächtnis hängen geblieben ist, hat der Reimakrobat auf seinem Album „Movies For The Blind“ verarbeitet.

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J Mascis & The Fog: Free So Free

Der einstige Frontmann der Indie- und Alternative Rock-Band Dinosaur Jr. kehrt mit seinem dritten Studioalbum zurück. Auf Solopfaden scheint er sich wohl zu fühlen und alle künstlerischen Freiheiten zu genießen. Das ist ihm anscheinend sehr wichtig, zieht man den Albumtitel („Free So Free“) und aktuelle Songtitel wie „Freedom“, „Set Us Free“ und „Free So Free“ in Betracht.

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The Transporter OST

Die Musik, die vom Film „The Transporter“ inspiriert ist (also nicht unbedingt im Film zu hören sein wird), deckt so ziemlich das komplette Spektrum der schwarzen Musik ab. Butterweicher Soul, der in der Sonne zergeht, dargeboten von Keith Swert, Lola Troy und Lade Rac („One On One“). Peppiger HipHop von Missy Elliots Entdeckung Tweet („Boogie 2nite“), von Angie Martinez („If I Could Go“) und der Meisterin Elliott höchstpersönlich („Scream Aka Itchin“). Schmuse-Gangsta-R’n’B von Nate Dogg in Form des Hits „I Got Love“. Party-HipHop von DJ Pone und Brixxxé („Fightin Man“) und Knoc-Turn’al („Muzik“).

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Ani DiFranco: So Much Shouting / So Much Laughter

Das vorliegende Doppelalbum ist seit „Living In Clip“ (1997) das zweite Live-Werk der quirligen Kanadierin. Obwohl die 24 Songs über einen Zeitraum von gut 1½ Jahren aufgenommen wurden, strahlt „So Much Shouting / So Much Laughter“ eine kompakte Dynamik aus. Ani DiFranco lebt ihre Songs und gibt ihnen die Möglichkeit, sich mit den Jahren zu entwickeln.

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Thine: In Therapy

Thine? Nie gehört. Das erste Album war wohl irgendwo in den Tiefen des Metal angesiedelt, während das neue Werk „In Therapy“ irgendwo im Alternative-Rock zuhause ist. Mit leichten Düsteranleihen rocken die Jungs aus England ziemlich straight los und spätestens nach dem genialen Opener „Best Kept Secret“ faltet sich hier ein Album auf, dem man sich schwerlich entziehen kann. Außer der etwas sperrigen Nummer „“Homewrecker Extraordinaire“ agiert die Band mit so positiver Abgeklärtheit, dass es schon fast ein Wunder wäre, wenn diese Platte keine Aufmerksamkeit erregt.

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Live: Xavier Naidoo

München, Olympiahalle, 23.09.02

Biblische Weisheiten im Schunkel-Rhythmus: Xavier Naidoo gab alles für den Herrn

Der Mann will uns ein Rätsel sein: Ist er nun begnadeter Sänger, vorbestrafter Kiffer, streitbarer Sturkopf, ebenso gutaussehender wie militanter Fundamental-Christ oder alles auf einmal? Sein Äußeres gibt vorerst keine Hinweise, die zu einer Antwort führen könnten: Mit Jeans und weißem Hemd gekleidet sieht Xavier Naidoo auf der Bühne der Münchner Olympiahalle ziemlich normal aus. Auch das Bühnenbild ist weit entfernt von Pomp und Plüsch, eng stehen Naidoo und seine Musiker beieinander, lediglich einen kleinen Laufsteg in Richtung Publikum gönnt sich das Konzept. Überraschung geglückt.

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Lost Dogs: Real Men Cry

Nach dem Tod von Gene Eugene haben sich die verbliebenen drei Lost Dogs wieder für ein Album zusammengetan und klingen erwartungsgemäß melancholisch. Wohl überlegter, leicht skurriler Country-Folk mit genialen Harmonien und schönen Vocal-Arrangements. Die stilistische Bandbreite ist diesmal zwar etwas enger gesteckt, tut aber der Qualität keine Abbruch.

(7 Fritten)

Lost Dogs: Real Men Cry
BEC Recordings/BV-Music

Gordon Gano: Hitting The Ground

„Hitting The Ground“ ist ein musikalisches Überraschungsei. Drei Alben in einem: Soundtrack für einen Film, der nie einen Vertrieb gefunden hat, Indie-Sampler und ein Soloalbum von Violent Femmes Frontman Gordon Gano. Dieser hat verschiedene Alternative Haudegen dazu vergattert, seine Songs zu interpretieren und allein die Namen lassen das Schmalz in den Ohren zusammenfließen: PJ Harvey rotzt den Titelsong mit debilem Wahnsinn in die Menge, während John Cale in gewohnter Brummigkeit brilliert („Don’t Pretend“).

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