Die Herren aus Wien haben ja schon mit jedem grossen Namen aus Jamaica zusammen gearbeitet, der noch nicht erschossen worden ist. Lee Perry oder Dillinger, zum Beispiel. Im Geschäft sind sie auch schon zehn Jahre. Da hat sich einiges an Erfahrung angesammelt. Man könnte also grosses erwarten. Allerdings dümpelt Dubblestandart leider im seichten Fahrwasser der mittlerweile zu Stars gewordenen Kollegen aus der Heimatstadt.
WeiterlesenKategorie: Musik
Liquid Visions: Hypnotized
Wir befinden uns im Lande der halluzinogenen Pilze und des Psychedelischen. „Berlins Psychedelic Rockband Nr. 1“ (O-Ton Bandinfo) hat mit „State Of Mind“ einen knackigen Opener geschrieben, der vielversprechend ist. „Waste“ bricht allerdings mit den Erwartungen. Statt flottem „stoned Rock“, wird jetzt die Hammond-Orgel ausgepackt und hippiesker Drogenrock vorgezogen. Der dritte Song beginnt wie von Dave Wyndorf (Monster Magnet) geschrieben, verliert sich aber in erst funkige, dann psychedelische Gitarrenakkorde.
WeiterlesenDepeche Mode – One Night in Paris
Sind das wirklich die vier milchgesichtigen Popper, die Anfang der 80er mit fröhlichem Synthie-Pop die Welt erobern wollten?!! Keine Frage, „One night in Paris“ ist ein Monument von Konzertfilm. Und es ruft unwillkürlich immer wieder die Folie von „damals“ wach – so stark ist der Kontrast.
Martin Gore hat mittlerweile ´was von einem alternden Pierrot, in Dave Gahans Gesicht haben die Drogen-Exzesse Spuren hinterlassen, und Andrew Fletcher wirkt immer noch wie ein auf die Bühne verirrter Student, der eigentlich nur beim Aufbau helfen sollte. Trotzdem ist klar: diese Band ist einer der besten Live-Acts überhaupt. Man muss sie dazu nicht aus der Nähe sehen, wie auf „One night in Paris“. Denn die Bühnensprache von Depeche Mode war immer eine aus klaren Zeichen, die man auch von Weitem gut lesen konnte. Die Silhouette von Martin Gore, ein Fels in der Brandung. Und Dave Gahan, ein umherwirbelnder Taifun, der schon lange vor Garth Brooks wusste, dass in den Stadien der Welt der Arm zur Augenbraue wird. Kleine Gesten müssen ins Große übersetzt werden.
Alejandro Escovedo: By The Hand Of The Father
„By The Hand Of The Father“ ist nicht wirklich ein neues Album von Alejandro Escovedo. Die 15 Songs sind der Soundtrack des gleichnamigen Theaterstücks und setzen musikalisch die Geschichte der mexikanischen US-Einwanderer um. Nur rund die Hälfte der Titel sind Songs im klassischen Sinne, die anderen musikalische Überleitungen und/oder Spoken Word Passagen. Zwei der Songs („Wave“ und „Rosalie“) waren auch schon auf dem Vorgänger vertreten. „By The Hand Of The Father“ ist zweifelsohne ein interessantes Album, man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass es „by the way“ nicht funktioniert.
WeiterlesenSongs In The Key Of Cooking Vinyl
Wenn die Großindustrie einen Sampler herausbringt, auf dem Singer und Songwriter versammelt sind, darf da jeder drauf, der schonmal sehnsüchtig blickend mit der Gitarre in der Hand in der Wüste stand. Wer’s ein bisschen differenzierter mag und sich auch nicht abschrecken lässt, wenn die Melodie nicht beim ersten Mal ins Ohr geht, sollte sich „Songs In The Key Of Cooking Vinyl“ antun.
WeiterlesenFozzy: Happenstance

Manchmal überrasche ich mich selbst. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass ich mal in einer Kritik die Scorpions loben würde. Ferner hätte ich auch nicht gedacht, dass mir ein Band, die Fozzy heißt und deren Mitglieder saublöde Synonyme haben doch irgendwie gefallen würde. Auf der einen Seite ist es fast schon enttäuschend, dass die sechs Chaoten ganz klassischen Hardrock spielen, auf der anderen Seite liegt genau hier die Überraschung.
WeiterlesenThe Fullbliss: This Temple Is Haunted
Wie sehr kann man eine Gitarre verzerren, ohne ihr die Melodiosität zu nehmen? David Judson Clemmons, sonst Kopf von Jud kommt mit seiner neuen Band The Fullbliss der Grenze dieser Frage im Titelsong sehr nahe. Fast zwei Minuten nehmen die melodisch verstörenden Klänge den Zuhörer wie in einem Schraubstock gefangen und ziehen ihn tief hinein in pures Leid. Nachdem der Gesang von Clemmons einsetzt, wartet man auf die erlösende Bridge oder wenigstens auf einen kakophonischen Ausbruch – beides bleibt dem Hörer verwehrt und lässt ihn mit diesem fragenden, klagenden Song allein. Erst das direkt im Anschluss rockende „I See The End“ lockert die Schwere etwas auf.
WeiterlesenOrplid: Nächtliche Jünger
Ehemalige Chorknaben treffen Deine Lakaien – das ostdeutsche Duo Orplid verwirrt seine Hörer mit einer Mischung aus Choralgesängen und fein ausgearbeiteter Mittelaltermusik. Schade nur, dass der Gesang permanent zwischen Krypta und Chor hin und her pendelt und so in erster Linie nur anstrengend ist, sich aber nicht wirklich erschließt.
WeiterlesenStonesour: Stonesour
Oh, wie hab‘ ich sie alle satt, die Bands mit weggedrehten Augen und wirren Haaren. Jetzt beglücken uns zwei unmaskierte Iowaner mit ihren Sideprojects. Joey Jordison, der Schlagzeuger von Slipknot, hat zwar die Maske abgezogen, kann aber mit seiner Combo Murderdolls trotzdem nicht am Innovationswettbewerb teilnehmen. Im Vorfeld disqualifiziert wegen stumpfsinnigen Bedienens einer Erwartungshaltung. Ähnlich tumbes habe ich von Slipknot-Chef-Schreihals Corey Taylor erwartet. Fast zeitgleich bringt er sein Nebenprojekt Stonesour an den Tag und gönnt dem Zuhörer deutlich mehr Abwechslung zum Bandimage.
WeiterlesenSilkworm: Italian Platinum
Sie haben den Boom in Seattle überlebt und sich gar ins neue Jahrtausend gerettet. Allerdings sind sie nicht mehr bei Matador und auch nicht bei Touch & Go unter Vertrag, sondern bei dem noch eher unbekannten Label 12XU (zumindest in Europa). Silkworm, das sind vor allem mal Gitarrist Andy Cohen und Bassist Tim Midgett, die sich die Credits teilen. Auf „Italian Platinum“, ihrem nunmehr achten Werk, helfen zudem Kelly Hogan (The Pin Valley Cosmonauts) und Matt Kadane (The New Year) aus. Ihr Backgroundgesang und Keyboardspiel versteckt sich hinter den verqueren Songideen von Cohen und Midgett.
WeiterlesenGeoff Tate: Geoff Tate
Vor ein paar Jahren haben sich alle Hardrocker die Haare abgeschnitten und gleichzeitig ihren Stil geändert. Umgekehrt funktioniert diese Gleichung nicht mehr – wenn die Haare jetzt wieder lang sind, heißt das noch lang nicht, dass die Jungs wieder zur alten Klasse zurückfinden. Geoff Tate, seines Zeichens Frontröhre der Ausnahme-Rocker Queensrÿche, legt sein erstes Soloalbum vor und knüpft (leider) an die vergangenen Studioalben seiner Stammband an.
WeiterlesenPeter Green Splinter Group: The Best Of
Peter Green, der Mann mit der Neigung zu lustigen Kopfbedeckungen und ehemaliger Gitarrist von Fleedwood Mac, hat jetzt auf einem Doppelalbum seine größten Hits versammelt und verdient, dass man ihm ein Ohr schenkt. Sein respektables Schaffen ist an der großen Masse leider immer vorbeigegangen, aber wer sich Songs im Stil eines ungeschliffenen Eric Clapton vorstellen kann, der sollte hier zulangen.
(7 Fritten)
Peter Green Splinter Group: The Best Of
Snapper/SPV
Mitchel Forman Quintet: Mr. Clean
Auch wenn der Live-Mitschnitt nach dem formidablen Studiowerk „Patience“ erscheint, war das Baked-Potato-Konzert schon im November 1998. Trotzdem sind zwei der Titel auch auf „Patience“ vertreten. In rund einer Stunde zelebrieren Mitchel Forman und seine Band feinste, tight gespielte Jazzkunst. Nur schade, dass von der Live-Atmosphäre nicht mehr zu spüren ist.
(7 Fritten)
Mitchel Forman Quintet: Mr. Clean (Live At The Baked Potato) Skip/Edel Contraire
Sonata Arctica: Songs Of Silence
„Es hat scho e Gschmäckle“ – würde der Schwabe sagen, wenn Bands, die erst zwei Studioalben am Start haben, direkt mit einer Live-Platte aufwarten. Die fünf Finnen sind zwar in Sachen Melodic-Metal die absoluten Überflieger, aber vielleicht wäre es auch ganz vernünftig, nicht sofort das ganze Pulver zu verschießen. Nichtsdestotrotz ist „Songs Of Silence“ ein gelungenes Dokument einer Band, die sich rasant entwickelt hat.
WeiterlesenCrown Of Thorns: Karma
Nachdem das vergangene Studioalbum von Jean Beauvoir eine ganz müde Nummer war, müsste das neue Crown Of Thorns Werk wenigstens die alten Fans von Voodoo X beeindrucken. Ich frage mich nur ernsthaft, wer sowas heute noch braucht – viel Fett, wenig Pommes. Nicht wirklich schlecht, aber halt nur Metal-Pop.
(5 Tütchen Majo, 3 Fritten)
Crown Of Thorns: Karma
Voodoo Island/Point Music
Sixth Revelation: Walking On The Rainbow
Sieh an, es gibt ihn noch, den melodischen, altmodischen, aber liebenswerten Roots Reggae. Seit den frühen 1980er Jahren ist die ehemalige Schülerband aus einem jamaikanischen Kleinstädtchen aktiv, hieß ursprünglich Salzburg Connection (!) und taufte sich dann sinnvollerweise, getreu ihrer religiösen Bindung, bibelfest um („6. Offenbarung“).
WeiterlesenShana Morrison: 7 Wishes
Nee, die Bürde von Shana Morrison würde ich nicht tragen wollen! Wenn der Vater einer der angesehensten Songwriter der Welt ist, ist die Wahrscheinlichkeit, permanent mit dem alten Herrn verglichen zu werden, doch ein bisschen hoch. Vielleicht ist das der Grund, warum sie ihr Album mit leicht verdaulichem Radio-Pop eröffnet. So weit so belanglos.
WeiterlesenGuided By Voices: Universal Truths And Cycles
Was ist Wahrheit? Läuft das Leben in Zyklen ab? Passieren wir öfters uns schon bekannte Punkte? Was Guided By Voices betrifft, heißt die Antwort: Ja. Sie hatten sich vor Jahren von Matador getrennt, um nach einiger Zeit bei TVT wieder zu besagtem US-Indie zurückzukehren.
WeiterlesenTrans-Am: AT
Major Tom? Depeche Mode? The Cure? Kraftwerk? Yes? Queen? Was ist denn im Hause Trans Am los? Früher ein Garant für Noise, dann mit Elektro angebändelt und jetzt in den Achtzigern gelandet. Sie überraschen einen immer wieder. „Cold War“, „Molecules“ und „Run With Me“ geben Anlass für kleinere Irritationen.
WeiterlesenVincent Gallo: Recordings Of Music For Film
Zu Vincent Gallo braucht man nicht mehr viel zu sagen. Er ist ein Exot, der sich wenig um Business-Regeln kümmert. Für sein beeindruckendes Debüt „When“ gab er nur Interviews, wenn die Magazine garantierten, dass er aufs Cover kommt. In Deutschland war die Spex bereit, dem nicht unumstrittenen Mann ein Forum zu bieten. Jetzt läutet Gallo die zweite Runde ein.
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