Herbert Dutzler: Letzter Kirtag

dutzler.jpg Nach einer Reihe eher unlustiger, dafür aber bekömmlicher Bücher sollte es diesmal etwas Leichtes sein. Weg vom amerikanischen Noir, hin zum österreichischen Schmäh. Während des Kirchweihfestes, titelgebend „Kirtag“ genannt, wird in Altaussee ein Mann erstochen. Gendarm Gasperlmaier, der den Toten entdeckt hat, macht sogleich einen schweren Fehler und schafft die Leiche aus dem Festzelt ins Pissoir, denn auch im Lande der Lederhosen und Dirndl muss die Show weitergehen, sprich der Gerstensaft ungestört von polizeilichen Ermittlungen fließen.

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Die Wege des Herrn

Ich gebe ja zu, →meine kleine Seite zu meinem ebenso kleinen Kriminalroman „Pixity – Stadt der Unsichtbaren“ ist nicht leicht zu finden, wenn man nicht weiß, was man suchen soll. Also benutzt man Suchmaschinen und gibt Begriffe ein. „hose unterm arsch“ zum Bespiel. Und schon ist man bei meinem Büchlein. Verstehe ich zwar nicht, gefällt mir aber. Hose unterm Arsch. Irgendeinen Bezug muss es ja geben…

Aus dem Leben eines Krimidesigners

Neulich landete ein dickes, ja, sagen wir ruhig: wohlhäbiges Buch auf dem wtd-Redaktionstisch, teure Broschur mit angeklebtem Lesebändchen, und auf dem Cover ein Aufkleber: „Ein kulinarischer Policeprocedural aus dem Rhein-Main-Donau-Kreis für alle Freunde des Noir und des Katzenkrimis“. Wir waren sprachlos. Und wie immer, wenn wir sprachlos sind, dachten wir angestrengt darüber nach, was in den Köpfen wildfremder Menschen vor sich gehen mag, wenn sie nachdenken. In welchem Gehirn werden solche Monstrositäten ausgebrütet? All die neuen „Subgenres“ und special-interest-Krimis, die „Kirchenthriller für Makrobiotiker“, die „Whodunits für Linkshänder“, der „erste Vollpfosten-Fußballkrimi zur Frauen-WM 2012?“ Dem wollten wir auf den Grund gehen.

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Kinderfest IX

Ahoi, liebe Retro-Köche. Gurkenschiffchen stechen in See, und „Rote Hexlein“ werden getrunken. Die Gurkenschiffchen haben interessante Fracht: einen Obstsalat aus Trauben, Banane und Mandarine, aber angereichert mit Reis und Mayonnaise. Also eine Mischung aus Süß und Pikant. Ich tippe, sowas hatte man damals öfter. Überhaupt scheinen mir die Mandarinenspalten aus der Dose von der Häufigkeit her die kleine Schwester der Mayonnaise zu sein. Mandarinenspalten und Cocktailkirschen. Das waren damals die Jahrzehnte des Konserven-Obstes, oder? Weiterlesen

Kinderfest VIII

Die Mission heißt: „Götterspeise mit Vanillesoße“ und „Eisbecher Tuttifrutti“. Okay, ich hab die Götterspeise mit so´ ner Schnellpackung gemacht, wo man nur noch heißes Wasser einrührt – und fertig. Ich bin jetzt der Konrad Kujau des Retro-Kochens. Aber die Vanillesoße hab ich vorschriftsmäßig gekocht. Inklusive Anbrennen. Stand nicht explizit dabei, aber so oft, wie mir das schon passiert ist, muss das irgendwo mit Agenten-Geheim-Tinte mit drauf gepinselt sein. Weiterlesen

Süß und fluffig

Sie schmecken, als hätte sie ein durchgedrehter Wissenschaftler in einem Geheimlabor ausgetüfelt. Und man kann sooo tolle Sachen mit Marshmellows machen! Man kann sich zum Beispiel mit kleinen gelben Pfadfinder-Vögeln am Lagerfeuer zum Marshmellows-Rösten treffen. So wie Snoopy. Aber ich hab weder Feuer noch Vögelchen, dafür aber Schmelzschokolade und jede Menge Verzierkram aus Zucker.
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Jim Nisbet: Tödliche Injektion

nisbet_injektion.jpg Es gibt keinen Grund, „Tödliche Injektion“ zu lesen. Gegen die Todesstrafe sind wir sowieso, über das schwere Leben in Fixerkreisen ausreichend informiert. Auch Ehekrisen und üble Gesellen, die älteren Frauen das Gesicht wegblasen, kennen wir aus der Kriminalliteratur zur Genüge. Ok, das Cover ist gewohnte Pulpmaster-Klasse und die Sache mit der Kakerlake, der man den Rücken lackiert hat… oder Colleen, deren mit Kratern übersätes Gesicht es schafft, dass wir an Hässlichkeit und Schönheit zugleich denken… aber sind das wirklich gute Gründe, sich einen „Noir“ reinzuziehen, also ein Stück Krimikuchen, das weder süß noch sahnig noch angenehm im Abgang ist? Nö. Es gibt nur einen einzigen Grund, der allerdings alle Nichtgründe überwiegt: Jim Nisbet hat das Buch geschrieben.

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Kinderfest VII


In der Weihnachtsbäckerei
ausnahmsweis´ mitten im Mai!

Das ist schon lustig, flankiert von ein paar Wärmegewittern Baseler Herzen zu backen und Äpfelchen einen Pelzmantel anzuziehen. Die Baseler Herzen waren ganz einfach zu machen und schmecken himmlisch! Selbst an Tagen, wo einem die ganze Wohnung schon vorgeheizt vorkommt, bevor man den Ofen überhaupt angerührt hat. A propos „angerührt“: Ich sollte zerlassenes Fett in den Teig manschen einarbeiten und hatte schon den Topf zum Zerlassen auf den Herd gestellt – da sah ich, dass es um einen einzigen Esslöffel Butter ging. Verzweifeltes Haare-Raufen! Das waren die seligen 70er, als der liebe Gott nebenwirkungsfreien (und praktisch kostenlosen) Strom aus der Steckdose fließen ließ. Aber wir haben doch 2011! Weiterlesen

Pardon my french

100. Geburtstag des großen Vincent Price. Price spielte auf der Bühne oft und gerne Shakespeare, wurde im Film aber mit Horrorfilmen („Das Kabinett des Professor Bondi“, „Das Pendel des Todes“, „Der Rabe“) zum Star. Er schrieb auch einige Bücher: neben seiner Autobiografie („I Like What I Know“) veröffentlichte er Kochbücher und ein Werk über den Maler Eugène Delacroix.

Hier zu sehen in einer Folge von „What´s my line?“ (dem US-amerikanischen Vorbild für Robert Lembkes „Was bin ich?“).


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Eine geheime Gesellschaft

Wer nach ihr googelt, wird nicht fündig, wer Betroffene auf sie anspricht, erntet heftiges Kopfschütteln. Die „Deutsche Gesellschaft zur vollständigen Beseitigung der Kriminalliteratur“? Gibt es nicht! Was soll das sein? Hä? Wohl verrückt geworden? – Die Wirklichkeit jedoch sieht anders aus. Mächtige Buchscheiterhaufen, die nächtens auf entlegenen Weizenfeldern vor sich hin lodern; Krimikritiker mit ausgelaufenem Auge, gebrochenen Rippen und zerquetschten Genitalien; Autoren, die plötzlich „keine Lust mehr auf Krimi“ haben und sich – „äh, ich hab geerbt!“ – selbst in einer mallorquinischen Finca frühverrenten. Also gibt es sie doch, die DGVBK? Ja! Nur: Wer oder was ist das, wer oder was steckt dahinter? WTD ist es gelungen, den Mantel des Schweigens zu lüften.

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David Osborn: Jagdzeit

osborn.jpg Drei Mörder, zwei Opfer, ein Rächer. Die Rollen in David Osborns „Jagdzeit“ sind klar verteilt, das Setting verspricht Hochspannung nach dem Reinheitsgebot des Genres. Ein turbulenter, harter Thriller, der seit seiner Erstveröffentlichung 1974 nichts verloren hat und zumindest an Patina nichts dazugewonnen. Aber ganz so reibungslos und als Filetstück für im Lesesessel versunkene Genießer verläuft dann die Lektüre doch nicht. Zum Glück.

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It Was Almost Like a Song

„Raindrops Keep Falling on My Head“, „What’s New Pussycat?“, „The Man Who Shot Liberty Valance“, „24 Hours from Tulsa“, „Anyone Who Had a Heart“, „Close to You“, „Do You Know the Way to San Jose“, „I Say a Little Prayer“, „Make It Easy on Yourself“, „The Look of Love“, „There’s Always Something There to Remind Me“, „Trains and Boats and Planes“, „Walk on By“, „What the World Needs Now is Love“, „A House is Not a Home“, „Wishin‘ and Hopin'“ – alles Hits zu denen Hal David den Text geschrieben hat. Heute wird er 90 und wir gratulieren mit einer klassischen Version von „I Just Don´t Know What to Do With Myself“. Eigentlich wollte ich die Version der White Stripes nehmen, aber da hätte ja doch wieder keiner auf den Text geachtet.

http://www.youtube.com/watch?v=YYiowohwVuY

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Play a song for me

Ja, ja, ich weiß. Heute ist der 70. von Bob Dylan. Aber erstens feiert den schon jede Zeitung und jeder Sender ab und zweitens ist der Song, den ich ihm zu Ehren gerne gepostet hätte „in meinem Land nicht verfügbar“ „Mr. Tambourine Man“ wär`s gewesen, allerdings in der „Interpretation“ von William Shatner.

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