Anna Bergendahl: „This is my life“
Für Fans der Kelly Familiy gibt´s hier ein ordentliches Mecker-Vibrato! Sängerin vom Typ „Kleiner blonder Pop-Kobold“ mit umgehängter Klampfe stemmt eine leider völlig bombastische Hymne. Weniger wäre mehr gewesen, denn Anna Bergendahl klingt durchaus nach Stärke und Personality. Der Song ist ebenfalls nicht schlecht, fließt angenehm dahin, hat aber auch genug Pep und eine gute Melodie. Weiterlesen
Das ist nicht nur auf französisch gesungen, das klingt auch nach schlimmer französischer Hitparadenkost der 80er, die dann aber gottlob nicht oft über die Grenzen rüberschwappte. Ziemlich ödes, mit Synthies und anderen künstlichen Effekten vollgepumptes Liedchen eines dagegen sehr sympathischen Sängers, der diese üble, altbackene Kost nicht verdient hat.
Wer war noch das Land, das praktischerweise gleich seine WM-Hymne für den ESC nominierte? Ach, nicht Dänemark? Dabei häufen sich hier die billigsten Klebefallen: Harmonien wie aus dem Baukasten „Der kleine Ohrwurm-Konstrukteur“, die Chöre aufs Künstlichste gedoppelt, der Text ein einziger reduzierter Mischmasch, auch im Schlaf und unter Narkose mitsingbar. Ganz ganz schlimm. Robotermusik, klingt seelenlos und bis zum Erbrechen kalkuliert. Dass sich hier optisch ein zerzauselter Dolph Lundgren-Typ und die kleine brünette Schwester von Mariah Carey zusammentun, macht´s nicht besser.
Viel Schwermut im Zeitlupentempo. Harel Skaat schafft es trotzdem, die ganz großen Gefühle und Melodiebögen angenehm zu erden. Klassische Grand Prix-Kost. Eine Hymne, wie geschaffen für schmerzverzerrte Gesichtsausdrücke und ausladende Gesten mit den Armen. Schlichtere Popgemüter machen es sich in diesen drei Minuten erfreut gemütlich und kuscheln sich in Skaats Harmonien ein wie in eine große Wolldecke.
Bittersüße Ballade, sogar der englische Akzent sitzt fast perfekt. Wechselt munter das Tempo, bleibt auch uptempo mediterran-melancholisch und bringt eine solch hübsche Ohrwurm-Melodie mit, dass Fans von Kelly Family-Musik vor Glück seufzen. Verbindet typisches ESC-Pathos in Moll und ebenfalls ESC-vertraute Stimmakrobatik mit erfreulicher Frische.
Mann, das Ding hat Highspeed. Und Funk, trägt also den Songtitel zu Recht. Bläserfunk, mit ganz schön inhalierter Folklore. Keine Standardkost, keine Fiedeln – fällt also sogar in diesem Jahrgang aus dem Rahmen. Insgesamt kleines nettes, aufgepepptes Popliedchen mit schlichter Melodie. Der Madness-Hear-a-like-touch rührt unter anderem von der Bandstärke: sechs Mann, hallo. Vielleicht auch vom Off-Beat.
Wo kommen dieses Jahr wieder all dieses 90er-Captain-Jack-Synthies her? Und das ausgerechnet noch bei einer Frau, die hoffentlich live genauso stark singt wie im Video. …und die nicht wie eine austauschbare Discomieze aussieht, sondern wie eine echte Frau. Power-Hymne mit Midtempo-Strophen und großem Energiesturm im Refrain.
So, da war also in Weissrussland eine große Blutspendeaktion nötig, und die freigiebigsten Spender hat man nachher völlig blutleer zu ESC-Finalisten erkoren. Langweiligster aseptischster Klassikpop mit viel Harmoniegesang.
Startet als ölige Ballade mit viel Stimmleistungsschau, entuppt sich dann als mittelprächtiger Stadionrock. Rockt durchaus, hat Melodie und Ohrwurmrefrain, könnte schlimmer sein. Stromgitarrensolo, hallo!
Oha, die Sängerin wirkt schon im Promovideo nicht besonders stimmsicher. Das ist blöd, denn sie soll hier auf Whitney Houston machen. „Oversouled“ nenn man das, wenn man sich beim Zuhören vor lauter Melodieschnörkeln schreiend die Ohren zuhalten möchte.
Kein schlechter Trick am Anfang, einfach mal einen Klingelton nackt stehen zu lassen. Auf der Couch müssen die Leute dann einfach nur sagen: „Weisst du noch, das Ding mit dem Klingelton“, und jeder weiß, was gemeint ist. Das gibt schonmal einen Extrapunkt. Ansonsten könnte das auch der Beitrag aus der Türkei sein, klingt reichlich orientalisch. Kraftpaket mit Stampfrhythmus und vielen abrupten Wechseln. Die Griechen scheinen genau studiert zu haben, wie Ruslana damals ans Werk gegangen ist – zumindest musikalisch.
Gute alte klassische ESC-Hymne. Frau träumt sich singend in andere Welt. Naja. Aber fertig gesungen, ist das Lied auch schon wieder raus aus dem Ohr. Die aparte Stimme, der Liza Minelli-Look und der Flattermensch im Megakostüm hinter der Sängerin nützen da auch nix. Noch nichtmal der Oktavsprung am Ende.
Es reicht, den Titel zu lesen, um zu wissen, wohin die Reise geht. Larmoyanter James Blunt-Schrammelpop. Natüüüüüüüüüüüüüürlich eine Ballade in Moll – kann ein Mann, der nur seine Gitarre hat, fröhlich sein? Nein, natürlich nicht.
Junge, was ist das denn für ein Einstieg? Düsterer Harmoniegesang, direkt danach Zwölfton-Fiedelklänge. Das ist doch mal was anderes! Irgendwie folkloristisch, aber auch verdammt sperrig und nur mit einem Hauch von Polenklischees. Die eingängigeren Melodieteile zeigen sich peu à peu, wie das Fruchtfleisch beim Schälen einer Apfelsine. Keine leichte Kost, obwohl der Song flüssig plätschert. Hm. Schon wieder einer mit einer bleischweren Ballade. Dürfte es schwer haben.
Midtempo-Stadionrock mit bemüht testosterongeschwängertem Gesang. Rockistisch auf die müdeste Art. Soll wohl wie eine Hymne klingen und ist vergessen, bevor das Lied zu Ende ist.
Nicht jedermanns Sache – sowas von demonstrativ Balkanesisches! Aber das Ding kickasst, Ohrwurm, Sommerhitpotential, furiose Bläser. Balkan-Techno? Serbendisko? Hoffentlich bringt Milan Stankovic (Le Frisur!!!!! Blonder Pagenkopf mit Experimentalpony, die zweite) seine lustigen Dragonertänzerinnen mit. Schonmal von der Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot (oder so ähnlich) gehört? In deren Repertoire würde das hier auch prima passen.
Düstere Balladen mit spärlicher Synthie-Begleitung scheinen dieses Jahr irgendwie in zu sein. Typische Schluchz-Ballade und auch sonst irgendwie zum Heulen, unter anderem durch den Akzent der Sängerin, für den sie natürlich nichts kann – aber muss es unbedingt auf englisch sein? Kein Herz, keine Wärme, reichlich nerviger Refrain, der am Ende die Rampe zur großen stimmlichen Leistungsschau bildet. Typisches furioses Finale, tausendmal gehört.
Entschuldigung, ist das türkisch? Nein, was sich erst so anhört, mündet in eine Polka (mit Geige, klar), muss also irgendwo aus dem Norden kommen. Und richtig: die Finnen. Mit vielen harten gerrrrrrrrrrrollten Rrrrrrrrrrrrrrrrrrs. Musikantenstadlfreunde können mitschunkeln, und in dunkeln Kaschemmen kann man sich zu solcher Musik auch prima ins Koma saufen.