Robert B. Parker: Hundert Dollar Baby

Ist es Lob oder Tadel, einem Kriminalroman zu bescheinigen, er lese sich „nett“? Wohl beides. Robert B. Parkers Spenser-Romane um den Schnüffler aus Boston und seine skurrilen Helfershelfer gehören jedenfalls in diese Schublade der netten Krimis, bei deren Lektüre man vor Enttäuschungen sicher ist, aber auch keine wirklich aufregenden Erkenntnisse erwarten darf. Das liest sich eben. Routiniert, flott, mit ein wenig Tiefgang, pointierten Dialogen und der üblichen Action der Sorte „Spenser und Co. haben immer den letzten Schlag“.

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Presseschau 9. Dezember 2009

The Quietus interviewt die Wild BeastsOn Courting In Kendal And Life In The Lake District

Nochmal Technics-Ende. der Freitag: ↑Die Abschaffung des Plattenspielers

Durchgeschwitzte Rockpalast-Musik für iPod-Mädchen. Eric Pfeil in der FAZ über ein Moneybrother-Konzert in Köln:  ↑Zu viel ist nicht genug

Was ist das Raubkopieren eines Songs gegen das Betreiben eines Labels? ↑Artists‘ lawsuit: major record labels are the real pirates (dabei geht es nur um Kanada und um eine Summe zwischen 50Millionen und 6Milliarden Dollar!)

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Notdienst 1

Uh, uh, der Chef hat gerade eine lesbische Jungpharmazeutin in einem Flüsschen ertränkt… da wollen wir ihn gar nicht stören. Sondern nur sagen, dass bei der Krimi-Couch dem Chef seine →Dezemberkolumne jetzt auch offiziell online ist. Ein kleiner Jahresrückblick mit vielen Geschenktipps! Und dann hat er noch eine →kompakte Besprechung von Andrea Maria Schenkels „Bunker“ geschrieben, weil ihn der Herr König von der Couch dazu genötigt hat. So, jetzt aber auf leisen Sohlen aus der Redaktion und schon mal das Badewasser eingelassen. Nach dem Dichten ist der Chef immer so verschwitzt.

Oxana und Elena, diensthabende Zwangspraktikantinnen

Unaufgeräumte Krimienden

„Zwei Figuren und Romandrittel lang hält Rudolph den Provinzkrimi bravourös durch, dann schlägt er einen gewagten Haken. Mit dem dritten Erzähler strapaziert er vorsätzlich die Glaubwürdigkeit. Er will die Aufgeräumtheit eines normalen Krimiendes und die Fassbarkeit von Figuren und Verhältnissen sabotieren.“

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Sidewaytown: Years In The Wall

Im Herbst 2006 hatte der saarländische Sänger, Gitarrist und Songschreiber Markus Baltes (Ex-Paragon Of Beauty) seine Band Autumnblaze zu Grabe getragen und meldete sich kurze Zeit später mit Sidewaytown zurück. Auf dem Debütalbum dieses neuen Projekts, „Years In The Wall“, verbeugt sich Baltes im wahrsten Sinne des Wortes vor den sogenannten Shoegazer-Bands. Zu denen gehörten Mitte der Achtziger und Anfang der Neunziger britische Gitarrenrock-Bands wie Ride, Slowdive, The Jesus And Mary Chain und My Bloody Valentine. Die Genrebezeichnung rührt daher, dass deren Musiker dafür berüchtigt waren, zum Boden blickend Gitarre oder Bass zu spielen.

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Hugo Bettauer: Hemmungslos

Ach, das waren lustige Tage! Ein Vatertagsausflug auf Staatskosten mit Aussicht auf fremde Länder und Ordensbrust. Man skandierte „Jeder Schuß ein Russ‘, jeder Stoß ein Franzos'“ oder – auch der Wortwitz sprühte in jenen Tagen – „Serbien muss sterbien“. Ob man die „Dicke Berta“ sehen würde, jene legendäre Großkanone aus dem Hause Krupp? Oder gar, wer weiß?, auf dem Feld der Ehre einen ähnlich dicken Fisch an die Angel bekäme wie damals 70/71 den französischen Kaiser persönlich? – Doch es sollte kein Feld der Ehre mehr geben. Statt dessen Massenvernichtung mit zeitgemäßer Hightech. Verdun, die nordfranzösischen, belgischen Schützengräben, Ypern, Giftgas und Granaten, Verrecken in der eigenen Scheiße. Erster Weltkrieg.

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Presseschau 2. Dezember 2009

Große Wahrheiten, einfach ausgesprochen. Die taz zum Beginn der (vorerst letzten?) Deichkind-Tour: ↑Pimp dein Showtool

„…einer der bedeutendsten Musiker der vergangenen zehn Jahre“. Eric Pfeil kann sich in der FAZ für Pete Doherty – den Doherty jenseits der Schlagzeilen – erwärmen: ↑Der letzte Verlorene des Rock’n’Roll Und wo wir schon dabei sind noch ein Artikel aus dem Bildblog zum Doherty-Medienbohei der letzten Tage: ↑Peter Doherty singt Medien in Nazirausch

Pitchfork wählt ↑The worst album covers of 2009

Das Wall Street Journal über Kris Kristofferson: ↑That ’70s Guy at 73

Der Tagesspiegel ahnt, dass HipHop noch nicht tot ist: ↑Das Lied von der schwarzen Gitarre

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Gereizte, humorlose Spießigkeit

Der Kanzler verschränkte die Hände hoch über dem Kopf, diese Geste, für die er wohl eher das Copyright verdient hätte als für irgendeine vaterländische Tat, grinste sein Kohl-Grinsen, und die Medien jubelten, endlich: Glückwunsch, Kanzler! Wir aber wollen uns merken: Helmut Kohl war nicht der Vater der deutschen Einheit. Er war die Rache an ihr.

Joachim Lottmann in der taz: ↑Heute gibts Kohl

In Zeiten in denen Helmut Kohl ein „Milleniums-Bambi“ verliehen wird, weil er uns die Einheit brachte kann ein bisschen Geschichtsunterricht nicht schaden. Danke, Herr Lottmann.

Presseschau 1. Dezember 2009

FAZ-Konzertkritik: Max Herre – ↑Der Teufel trägt Jute

Herre aber will zu sehr der sympathische Stufensprecher sein, als dass er seinen Songs auch nur den Hauch des Rätselhaften oder Herausfordernden verliehe, die sie doch so dringend benötigten. Gerade „Geschenkter Tag“, seine an „Sympathy for the Devil“ entlang arrangierte Hymne auf Freigeistigkeit und Alltagsremmidemmi, wirkt brüllend bieder. Herres sympathischer Teufel, so scheint es, ist Attac-Mitglied und kauft nur Bio-Produkte.

R.I.P. SL-1200. Michael Pilz ruft in der Welt dem Technics-Plattenspieler nach, dessen Produktion jetzt eingestellt wird: ↑Als die Welt noch eine Scheibe war

PopMatters-Interview mit den Wild Beasts: ↑“We’re Trying to Make Our Own Kind of Mythology”

Die taz über die Rückkehr von Kiss: ↑Donnergötter im Schweinebusiness

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Eine Geschäftsidee

Eine pfiffige Idee, auch in Zeiten der Finanzkrise auf ihre Kosten zu kommen, hat die Arbeitsgemeinschaft der Freunde des literarischen Landhauskrimis (Internetauftritt wird vorbereitet). Die vehementen Verfechter einer nachzuholenden deutschen Krimitradition (Motto: „Ingrid Noll die deutsche Agatha Christie? Nur über unsere Leichen!“) kämpfen nicht nur für eine Wiederbelebung alter und bewährter Strickmuster der Kriminalliteratur. Sie wissen auch, wie man damit Geld verdienen kann…

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