Alligatorersatz 130607

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Nachdem wir die traurige Nachricht des Tages ja schon gesondert meldeten, hier der bisherige Rest der Alligatorjagd. Sie wissen ja: Wer mitjagen will, der schicke uns seine Links. Hierhin. Danke.
Die monatlichen →Krimibuchtipps der 3sat-Kulturzeit widmen sich diesmal James Pattersons „Todesschwur“, wobei uns der Autor„in rasanter Weise (zeigt), wie machtlos die US-amerikanische Justiz ist.“ und James W. Bennetts „Tricky“, einem „Thriller über die Macht des Geldes und des Internets“.

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metro kopflos

Nein, diese Nachricht darf nicht im heutigen Alligatorteich untergehen. →„Buchmarkt“ berichtet lapidar:

„Nach sieben Jahren, 150 Titeln und 55 neu entdeckten Autorinnen und Autoren haben Thomas Wörtche und der Unionsverlag vereinbart, die Zusammenarbeit Ende September 2007 auslaufen zu lassen. Thomas Wörtche wird sich neuen Projekten und Herausforderungen zuwenden. Der Unionsverlag wird die Spannungsreihe mit bisherigen und neuen Autoren im Rahmen der allgemeinen Programmarbeit des Verlags weiterführen.“

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Paula L. Woods: Dirty Laundry

Anfangs faltet Charlotte Justice noch einen weißen Streifenpolizisten zusammen, weil dieser, taschenbillardspielend, seiner jüngeren Kollegin großmäulig erklärt, dass die Intensität des „kleines Todes“ eh nur an der Größe des Gemächts hängt. Kurz darauf muss sie den Mord an einer jungen Amerikanerin koreanischer Abstammung aufklären und sich erneut mit den Unwägbarkeiten der Polizeiarbeit `rumplagen.
Mit „Dirty Laundry“, ihrem dritten Buch, zeigt Paula L. Woods, dass sie immer besser wird. Konnte man schon im zweiten Band ihrer Serie um die afroamerikanische Polizistin Charlotte Justice beobachten, wie ihre schriftstellerische Kühnheit wuchs, verlässt sie nun auch thematisch ein wenig das angestammte Gebiet. Nichts ist es mehr mit dem dichotomen Konflikt zwischen Weiß und Schwarz, der ihre Bücher bisher dominierte, und der Latinos, wie im zweiten Band noch, nur eine kleine Nebenrolle zugesteht.

In diesem Buch zeigt sich der undurchsichtige „Frontverlauf“ zwischen Weißen, Latinos, Koreanern und Afroamerikanern, der sich auch in den Rodney King Unruhen offenbarte, die 1991 in Los Angelos für mehrere Tage tobten und einige Bezirke der Stadt schwer verwüsteten, wobei Schwarze auch die Geschäfte der Koreaner plünderten.

Die Handlung findet nur wenige Monate nach den Unruhen statt. Ungefiltert fallen die verschiedenen Ethien übereinander her. Und plötzlich sind sich Weiß und Schwarz ganz nah. [Sinnbildlich, könnte man meinen, deshalb auch der beziehungsreiche Titel des Buches nach einem Lied von Don Henley, also eher aus der „weißen“ Musiktradition.] Denn beide fürchten die koreanischen Aufsteiger mit ihrem Arbeitsethos genauso wie sie den Anspruch auf Machtteilhabe der Latinos fürchten.

Die Leiche einer jungen Frau ist in Koreatown gefunden worden. Sie arbeitete im Stab eines Kandidaten für die anstehende Bürgermeisterwahl. Im Weiteren kreisen die Ermittlungen um zwei Komplexe. Einmal eben um dieses Wahlkampfteam, zum Anderen wurde die Leiche in der Nähe eines Massagesalons gefunden, der im Zusammenhang mit einer geheimen Operation der Polizei steht und möglicherweise, so stellt sich `raus, gibt es da einen „schmutzigen“ Polizisten, der den Erfolg der Operation gefährdet.

Die beiden Ermittlungen laufen parallel und sind doch miteinander verbunden. Ein weiterer Todesfall beschäftigt die Abteilung, als der Vater eines japanstämmigen Bürgermeisterkandidaten erschossen aufgefunden wird; und der Leser wird Zeuge einer geheimen Sitzung in einer Bar, bei der die Ermittlungsbeamten über die geheimen Welten einer geheimen Abteilung der Polizei informiert werden.

Politiker in den USA müssen andere Voraussetzungen erfüllen als bei uns um Erfolg zu haben. Woods hätte die Tatsache, dass Kandidaten grundsätzlich große Mengen Geld herbei schaffen müssen, zu einer billigen Actionsequenz oder zu burlesken Klamauk nützen können, aber tatsächlich ist es eine der besten Szenen des Buches, als der Kandidat für das Amt, ein Latino, ohne Spott und Häme von der Erzählerin zu ernten, ganz nüchtern seine Wahlkampfstrategie erläutert, die hauptsächlich darin besteht, mit zielgruppenspezifischen Politikprodukten einzelne regionale „Bevölkerungsmärkte“ in der Art und Weise zu besetzen, wie es Automobilkonzerne tun, wenn sie ihre Produktpalette diversifizieren … mit Charakter, Meinungsführerschaft und Menschenführung hat das alles natürlich nichts zu tun.

Politischer Unrat und das brüchige Fundament, auf dem die multiethnische Gesellschaft der USA aufgebaut ist, hochdynamisch, rasant und spannend verpackt in einem „police procedural“, dabei ihre Blickrichtung als Teil einer „minority“ nutzend: Woods Bücher wollen ausgedeutet werden.

Paula L. Woods: Dirty Laundry. 
Fawcett Books 2005, 288 Seiten. 6.98 €
(noch keine deutsche Übersetzung)

Kapitel IV

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Was bisher geschah: Der berüchtigte Krimiblogger „Der Unbenennbare“ ist ermordet worden. Kommissarin Beller, in lockerer, wenngleich pikanter Wohngemeinschaft mit Horatio Wickius, dem King of Crime, lebend, findet am Tatort eine mysteriöse Liste, auf der die Namen von KrimiautorInnen verzeichnet sind – und dahinter, durch Gleichheitszeichen verbunden, die Namen bekannter Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und sonstigem Showgeschäft. Nach einigen erotischen Verirrungen erholt sich Wickius im Zölibad, während die Beller telefoniert – und unvermittelt einen Schrei ausstößt…

ACHTUNG: Diese Folge ist eine Anklage gegen den Missbrauch des Geschlechtsverkehrs in der Kriminalliteratur. Um diese Anklage zu stützen, muss auf ein besonders ekliges Beispiel eingegangen werden. Wir bitten um entsprechende geistig-moralische Lesevorbereitung.

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Alligatorersatz 080607, einer noch

Hm, heute kommt wohl nichts mehr. Was jetzt noch →hier eintrifft, wird für Montag gesammelt, aber einen fürs Wochenende gibts noch. Und zwar, aus „The New Statesman“, die Besprechung des Buches →„The Seventh Gate“ von Richard Zimler. Spielt in Nazi-Deutschland, Protagonistin ist eine Vierzehnjährige, „a Kabbalistic Girl“, es geht um die Kabbala, Geheimorganisationen und jüdischen Widerstand. Jo Glanville, der/die das Buch bespricht, ist nicht so amused.

Pieke zersetzt

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Manchmal gibt Pieke Biermann in ihren Kriminalreportagen auch Geschichtsunterricht. So wie am kommenden Samstag, 9. Juni 2007 in DER TAGESSPIEGEL und im RBB-Inforadio 93,1 um 11:45, wenn es heißt „Zersetzung gefährdet“ und wir von Stasi-Knästen erfahren, die jetzt kriminaltechnisch untersucht werden. Da sich Geschichte bekanntlich wiederholt, tut es diese Sendung auch. Und zwar um 16:45 und in der folgenden Nacht um 0:45 und 05:45. Wer podcasten will, der klicke wie üblich oben auf die Pieke im Radio.

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Paul Cleave: Der siebte Tod

Natürlich konnte der deutsche Titel nicht “Der Putzmann” lauten, aber statt des präzisen, sarkastischen “The Cleaner” des Originals „DER SIEBTE TOD“ in Großbuchstaben auf den Buchdeckel zu setzen, zeugt mal wieder von der Vermessenheit der Ahnungslosen. Denn wenn, geht es um die ‚siebte Tote’ oder den ‚siebten Mord’, die/ der nicht in die blutige Reihe passt, für die der „Schlächter von Christchurch“ verantwortlich zeichnet. Der deutsche Titel, von einem fettem Blutkreuz unterteilt, suggeriert eher einen Thriller für bibelfeste LeserInnen, die den DaVinci Code als Tattoo auf dem Steißbein tragen. Weit gefehlt.
Ein Serienkiller, der Frauen vergewaltigt und tötet macht die neuseeländische Stadt Christchurch unsicher. Sechs Morde gehen bislang auf sein Konto, dann wird eine siebte Leiche gefunden.

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Alligatorersatz 070607, Feiertagsausgabe

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Feiertag in allen katholischen Gebieten der Republik. Nachrichtenflaute, Krimimangel. Aber zwei Sachen haben wir denn doch gefunden, und wenn Sie auch noch etwas haben: →hier freut man sich drüber.
„Nachtschuss. Die Kriminalkolumne von Friedrich Ani“ gibt es in der „Süddeutschen Zeitung“. Aber wohl nur im Bezahlteil. Das Abdrücken der Euros lohnt indes, denn Friedrich Anis Beitrag ist „Der Herrgott und die Seinigen. Die nackte kalte Welt der Andrea Maria Schenkel“ übertitelt, und jetzt weiß ich, was ich seit Monaten vermisste habe: Gottsucher Ani schreibt über „Tannöd“. Und in welchen Sätzen! Unser Münchner Korrespondent, dem wir diese Zeugnisse wahrer Nachtschüssigkeit verdanken, hat beim Abschreiben sein „Herrgott, ich danke dir dafür“ gemurmelt.

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Robert Brack: Schneewittchens Sarg

Durch zwei vertrackte Fälle hat Robert Brack seine Serienheldin Lenina Rabe schon gejagt. Und durch das Hamburg jenseits des schönen Scheins. Jungmädchenkrimis, die Heldin verletzlich und wehrhaft zugleich, viel bunte Fassade in den Vierteln der kleinen Leute, der Andersdenkenden und –lebenden, dahinter nicht selten die Mechanismen der ausgekochten Mehrwertwelt, die doch eigentlich bekämpft werden sollen.

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Kammerer wurde noch wahnsinnig.

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Das Polizeipräsidium war nicht mehr so, wie er es kennen- und liebengelernt hatte. Mit klarer Aufgabenverteilung und hierarchischen Strukturen. Alles vermischte und verwischte sich. Jetzt hatte dieser Praktikant Jo Kaiser, den Kammerer seit Tagen ergebnislos zu feuern versuchte, dem Polizeipräsidenten eine Antwort auf sein E.A.Poe-Blog geschrieben. Es gäbe ein neues Buch über das Geheimnis der Marie Roget, er hätte es beim >>>Krimiblog gefunden, einem sehr informativen und lustigen Blog aus Hamburg. Kenne es der Polizeipräsident? Nein? Da entginge ihm aber was …

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