Kommissar Horatio Wickius und Kommissarin Anna Beller stießen – mit Blick auf die Landungsbrücke im Usedomer Kaiserbad Heringsdorf – lachend miteinander an. „Wusste gar nicht“, sagte Wickius, „dass sie hier oben so gutes Bier haben. Usedomer Brauhaus … prächtig!“
WeiterlesenDeutsche Krimis – eine statistische Klarstellung
Sind deutsche Krimis besser als ihr Ruf? Wird dieser Ruf in erster Linie von den Kritikern als den Meinungsmultiplikatoren ruiniert? Darüber haben wir in den letzten Tagen u.a. heftig diskutiert, und es wird Zeit, die Tatsachen sprechen zu lassen. Wie hält es wtd mit der einheimischen Produktion? Und als besonderes Bonbon: Eine kleine Auswertung der Links aus der Alligatorstellvertreterzeit…
WeiterlesenAlligatorersatz 190607, das Letzte?

Is this the end of the world we know? Nun, was das Alligatorersetzen anbetrifft: wahrscheinlich. Hier noch einmal ein paar Tipps der Herren Mitty und Bussmer. Herrn Mittys Wunsch, Frau Jolie gegen ein KJB 2007 einzutauschen, konnte übrigens entsprochen werden. Wir überreichen ihm das Werk demnächst im Rahmen einer kleinen Feierstunde. Keine Ahnung, was wir jetzt mit Frau Jolie machen.
WeiterlesenAlligatorersatz 190607

Heute also ist der letzte Tag der Volksherrschaft über das große Reich der Krimilinks. Morgen ist er wieder da, der dickhäutige Dicktator aus Wuppertal, die Schwebebahn aus den Tiefen des Internet in die Herzen der Krimifreunde. Alas!
WeiterlesenDenise Mina: Field of Blood
Glasgow 1981 scheint räumlich wie zeitlich nahe bei uns zu sein und doch erleben wir es in Denise Minas Buch „Field of Blood“ als kulturell sehr weit weg. Das Buch gibt ein beredtes Zeugnis von der Kunst seiner Autorin. Da ist die Szenerie über der man meint, wie über einem Schaukasten zu sitzen und beobachten zu können wie Patty Meehan, aus der ärmsten katholischen Arbeiterschicht kommend, der bürgerliche Konventionen ihrer Arbeitsumgebung kaum weniger fremd vorkommen als einer Frau, die am Hindukusch aufgewachsen ist. Der Leser meint förmlich zu sehen, wie in Glasgow und seiner Umgebung (vor dem Ölboom Schottlands) die Schwerindustrie verfällt und die gesamte Region in einem religionsdevoten Sumpf feststeckt.
Und dann ist da Patty Meehan selber, eine knapp 18jährige junge Frau, als Laufbursche bei der Zeitung arbeitend und davon träumend, wie wohl die meisten Laufburschen, für die Zeitung zu schreiben. Sie ist eine Verlorene zwischen den Welten: Mit der kleinbürgerlichen katholischen Welt der irischen Einwanderer kommt sie nicht zurecht und mag doch nicht mit ihr brechen, und die Regeln der (männerorientierten) bürgerlichen Zeitungswelt scheinen ihr noch fremd. Patty ist außergewöhnlich fett und deswegen voller Selbstzweifel.
Der Fund der Leiche eines 4jährigen Jungen ist der Ausgangspunkt einer krisenhaften Zuspitzung im Leben Patty Meehans. Zwei 10jährige Jungen werden beschuldigt, den kleinen Jungen nicht nur getötet, sondern zuvor auch misshandelt zu haben. Es stellt sich heraus, dass einer der Beschuldigten ein Cousin des Verlobten von Patty ist. Als die Zeitung einen Artikel mit der Geschichte der Jungen bringt, fühlt sich ihre Umgebung von Patty verraten. Von der Familie misstraut, von der Polizei verachtet, am Arbeitsplatz kritisch beäugt und mit dem Bedürfnis zu rebellieren, macht sie sich auf zu sehen, warum und wie die Jungen sich an ihr Opfer heran machten und es entführten.
Dabei stößt sie auf Ungereimtheiten und auf einen zweiten ähnlichen Fall, der sich am Tag des Unglücks das achte Mal jährte und für den jemand verurteilt wurde, der als Täter nicht recht überzeugend wirkt. Aber wer hört schon auf Patty Meehan, die nicht nur eine unsichere junge Frau ist, sondern die zudem den Namen mit einem bekannten Exkriminellen gemein hat.
Dieser Pat Meehan, eigentlich ein Kleinkrimineller, wurde Ende der 60er Jahre für einen Mord verurteilt und kam später aufgrund der Arbeit eines investigativen Journalisten frei, welcher zeigen konnte, dass Meehan von der Polizei Beweismittel untergeschoben wurden. Immer wieder schiebt Mina zwischen ihrer Erzählung der jungen Meehan kurze Stücke der Geschichte des älteren Meehan. Diese Unterbrechungen irritieren und sorgen doch für Spannung, denn natürlich wartet man auf die elegante Verbindung zwischen den beiden Geschichten. Am Ende wird sich so mancher Leser gefragt haben, ob denn diese Einschübe überhaupt notwendig waren.
Auf jeden Fall zeigen sie sehr schön die Qualität, mit der Mina ihren wunderbaren Text ordnet und wie unterschwellig sie „Fakten“ schafft. Denn grundsätzlich stellt sich natürlich die Frage, warum denn der Leser, warum denn eine junge 18jährige Frau daran zweifeln sollte, dass die Polizei korrekt arbeitet. Hier hilft die Geschichte des älteren Meehan, denn sie beweist eindeutig, dass die Polizei gelegentlich mit untergeschobenen Beweismitteln arbeitet.
Am Ende, wenn die junge Patty Meehan das Rätsel mit gelöst und überlebt hat, kann sie gereift ins Leben zu treten und so werden wir sie wieder sehen, wenn der zweite Teil ihrer Geschichte Denise Mina eine Nominierung für den Edgar eingebracht haben wird.
Denise Mina: Field of Blood.
Hachette 2006, 456 Seiten. 7,80 €
(Erscheint im August als “Der Hintermann”, Droemer/Knaur, 528 S. 8,95 €)
Alligatorersatz 180607

Der Ersatzalligator kommt auf die Zielgerade – morgen noch, dann sitzt das Original wieder auf seinem Thron. Bis dahin: Wer einen Link loswerden will – →hier wird er gern genommen!
Auf Ihrer →„Krimischiene“ für den österreichischen „Standard“ rollt unbeirrbar Ingeborg Sperl durch die Spannungslandschaft. Michael Collins‘ „Schlafende Engel“, Patrick Lennons „Tod einer Strohpuppe“, Pablo de Santis „Die sechste Laterne“ und Gabriel Baryllis „Ballerina“ fahren diesmal mit und werden wohlwollend besprochen – mit Ausnahme von „Ballerina“:
Kapitel V

Was bisher geschah: Ein berüchtigter Krimiblogger tot; eine merkwürdige Liste bei ihm gefunden; sieben Syndikatsmitglieder nach einer Lesung entführt; die Beller noch mal ins Büro gefahren; Wickius allein zuhaus.
WeiterlesenOkay, dann lektoriert mal
Ein wahllos aus einem Krimi herauskopierter Text. Der Autor fragt: Gut so? Bedenken? Einwände? IHR seid die LektorInnen! Ihr könnt hier nach Herzenslust…Wir wollen ja in Zukunft gute Krimis lesen, oder? Dann mal los!
Noch so einer mit Bügelfalten in der Trainingshose: Gupphorst; schon der Name. Hüpfte am Spielfeldrand auf der Stelle, klatschte in die Hände – was sie ihm bei einem Seminar als akustisches Motivationsmittel beigebracht hatten – schrie seine Anweisungen in grammatisch korrekten und vollständigen Sätzen aufs Feld, wo sich die Halbwüchsigkeit hinter Bällen herbemühte.
Alligatorersatz 160607, auf dem Zahnfleisch
Wochenende? Pah! Sie schütten einen zu: der Chef, der Patzer, die reizende Gerichtsmedizinerin Barbra Reinhardt. Dabei bräuchte man wirklich mal ein bisschen Erholung. Rumliegen auf Amrum, zum Beispiel. Hier also die letzten Neuzugänge.
WeiterlesenAlligatorersatz 160607, Sonderschicht

Vonwegen Wochenende. Jetzt hauen sie mir wieder das Mailprogramm zu, die üblichen Verdächtigen von Patzer bis Schulz. Also Wochenendsonderschicht, mit Lohnzuschlag.
WeiterlesenAlligatorersatz 150607, noch ein‘
Also gut, ein’noch, dann aber weekend. Den schickt mir der Herr H., der ohne Ich, über die Frau P., immer dritte Person Singular, und verbrochen hat das natürlich der Patzerschorsch. In der →„Literaturkritik“. So euphorisch, man hat ihn einfangen und wieder festbinden müssen.
WeiterlesenAlligatorersatz 150607, Nachträge
Äh…Johannes?…heute nichts im Köcher? Du glaubst wohl, der Goldene Ehrenersatzalligator am Band wäre dir sicher? Mal abwarten. Chef Walter surft schon wieder durch den Schweizer Blätterwald. Nun denn, dann bringen wir hier den kümmerlichen Rest des Tages.
WeiterlesenAlligatorersatz 150607

Hm, ganze drei Links bisher. Ob noch was reinkommt? Man weiß es nicht. Diese Mailbox wartet jedenfalls geduldig auf neue Nahrung.
WeiterlesenKrimiexport oder Wozu in die Ferne schweifen
Weltniveau. Exportweltmeister. Kulturleitnation auf allen Gebieten, sogar Hollywood lehren wir schon das Fürchten, na, hoffen wir doch wenigstens. Nur bei Krimis bleiben wir Provinz. Schön; Schätzing. Gut; Schafsthriller. Hier und da etwas, das ins Holländische, Mongolische oder Kisuaheli übersetzt wird. Internationales Renommee sieht anders aus.
WeiterlesenFuneral For A Friend: Tales Don’t Tell Themselves
Eine Screamo-Band, die wie ein Elton John Song heißt, sollte man kritisch im Auge behalten. Mit dem deutlich softeren Zweitwerk „Hours“ (2005) und dem Soloausflug von Sänger Matt Davies (The Secret Show) haben Funeral For A Friend bereits angedeutet, wohin die Reise gehen könnte.
WeiterlesenDream Theater: Systematic Chaos
Die New Yorker sind nicht totzukriegen. Dream Theater sind und bleiben die Speerspitze des Prog-Metals. Die Stellschrauben werden, trotz unverkennbaren Sounds, immer wieder neu gedreht und wirklich schlechte Alben sind dabei bisher nicht herausgekommen. „Systematic Chaos“, ihr neuntes Studioalbum, ist zwar kein Meisterwerk geworden, gehört aber klar in die Spitzentruppe der Veröffentlichungen.
WeiterlesenAlligatorersatz 140607

Die Tagesausbeute so far. Wir besuchen noch einmal Ian Rankin oben in Schottland, zuvor aber Lob und Tadel aus Deutschland. Haben Sie auch noch was? Her damit!
WeiterlesenCrime School: Unterrichtsmaterialien

Im Rahmen der großen Bildungsoffensive „Krimiwissen für alle Stände“ bieten wir in Zusammenarbeit mit der „Criminalbibliothek des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts“ sowie dem Ministerium für seltsame Lesarten einen Meilenstein frühen deutschen Krimischaffens zum Download an: Adolph Müllners „Der Kaliber“ (1828), in einer Ausgabe von 1908. Natürlich kostenlos (der Steuerzahler blecht) und →nur hier!
P.J. Tracy: Memento
P.J. Tracy, das Mutter-Tochter-Krimiduo aus den Staaten vollführt seit nun vier Romanen einen besonderen Balanceakt. Zwischen perfekt gebrauter Kriminalliteratur, die allen Globalisierungsmaßstäben genügt, und dem kleinen störrischen Etwas, der individuellen Note, die sie aus der Masse ähnlicher Markenware heraushebt. Auch „Memento“ lässt die beiden nicht vom Seil fallen. Das schwankt aber ein wenig.
WeiterlesenAlligatorersatz 130607, die Nachlese

Hm, das ist jetzt aber merkwürdig! Horst Eckerts neuer Kriminalroman „Königsallee“ – einmal in höchsten Tönen gelobt, einmal ziemlich in der Luft zerrissen. Darf man das? Geht das überhaupt?
Axel „Ick bin ein Berlina“ Bussmer wollte eigentlich nur eine kurze Rezension zu „Königsallee“ für seine →„Kriminalakte“ schreiben, doch dann hat ihm schiere Begeisterung die Fingerchen förmlich auf die Tastatur genagelt.