Asita Hamidis Bazaar: Live

Plattenfirmen sind manchmal richtige Spaßvögel. Auf dem Backcover von „Live“ steht „File under: World & Beyond / Ethno / Bazaarmusic; Scandinavian & oriental roots, a unique set of instruments & wide-open interest in other cultures“. Wow, mit ein bisschen Mühe hätten wir bestimmt noch die Lieblingsmarmelade von Asita Hamidi untergebracht. Aber auch wenn sich das etwas ungelenk liest, trifft die üppige Information immerhin den Kern.

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Die Welt im Rucksack

„Sein Rucksack enthielt eine detaillierte Wanderkarte, einen Kompaß und ein Fernglas, zwei Sandwiches mit Käse und Gurken, einen Keksriegel mit Pfefferminzgeschmack, einen Apfel und eine kleine Fleischpastete. Außerdem Schokoladenbonbons für Jess, eine Flasche Wasser für beide und ein zerfleddertes Buch des Tierschutzvereins über heimische Vögel. Erst vor kurzem hatte er sich dazu durchringen können, den in Deutschland hergestellten Wanderstock mit Federung zu benutzen, den ihm eine seiner Nichten vor drei Jahren gekauft hatte.“

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Aus Piekes Bell-Epoque

Das muss schon ein selten dummer Hund sein, der nicht riecht, wie da aus Berlin nur kriminell Gutes aus Druckpresse und Äther kommt. Natürlich nur dann, wenn DER TAGESSPIEGEL und RBBinfoRADIO 93,1 involviert sind und la Biermann, die Trüffelschnauze der deutschen Kriminalreportage, wieder eine Wuchtknolle aus dem Polizeialltag freilegt. Am 20. Januar 2007, Punkt 11.45 Uhr im Radio (wann Sie’s im Tagesspiegel lesen, bleibt Ihnen überlassen), Wiederholungen um 16:45, um 22:45 und in der folgenden Nacht und 03:45: „Schnüffler vom Dienst“. Pieke bringt die Blutspur- und Leichensuchhunde auf Vordermann.

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Oh, how times have changed

Bobby Gillespie, als Primal Scream-Frontmann einst der Wildeste der Wilden, beschwerte sich per E-Mail bei der Stadtverwaltung über einen Pub in seiner Straße, der ihn mehrmals mit lauter(!) Musik(!) noch nach(!) Mitternacht wach hielt. Das mit der Mail kam raus und jetzt mokiert sich der Guardian → Primal Screamer can’t get no sleep.

Luckily for Gillespie and wife, the complaints have succeeded in limiting The Alma’s late licence to once a month. Unluckily for them, the leaked email means any illusions of rock’n’roll grandeur the public held for the Screamer have been firmly destroyed. But what’s a tattered reputation when a good night’s sleep is at stake?

Tja, Pete Townsend wär´das nicht passiert.

Andree Hesse: Das andere Blut

Deutsche Wertarbeit. Ein Mordfall wird ausermittelt, ein wenig Regionales sorgt für Atmosphäre, man hat private Probleme und sehr, sehr viele tiefe Gedanken. Das alles in einer Sprache, die auf merkwürdige Weise Marshall McLuhans legendäre Identifizierung des Mediums als Botschaft variiert. Die Botschaft: Kümmert euch nicht um das Medium, fragt euch einfach, wer der Täter ist, oder lasst es bleiben, ich sag es euch eh.

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Ohne Worte

Eigentlich erzählt „Schrei nicht so laut“ von John Harvey eine Geschichte, wie man sie schon oft gelesen hat. Ein Polizist, der jetzt im Ruhestand vor sich hin lebt, schleppt einen Fall mit sich herum, den er zu seinen aktiven Zeiten nicht hat aufklären können. Ein Mädchen ist verschwunden und nicht mehr aufgetaucht, weder tot noch lebendig. Der Polizist rollt nun den Fall wieder auf.

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Verschärfte Gedanken I

(Und wieder rotierts im Köpfchen. Form und Inhalt, das rechte Maß, die dicken und die dünnen Krimis. Verschärft Gedanken machen heißt die Nummer, ja, aber mehr als diese verschärften Gedanken kriege ich momentan nicht zustande. Ein paar besonders abwegige gibt es in nächster Zeit hier zu bestaunen. Der erste pöbelt gegen Pieke Biermann – die Strafe folgt auf dem Fuß.]

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Wieder was gelernt

Und wieder geht eine gesicherte Wahrheit den Bach runter. Wer liest eigentlich Krimis? Bisher antwortete man ohne Zögern: Na, linke Vögel, sexuell frustrierte Hausfrauen, alkoholisierte Arbeitslose, von Minderwertigkeitsgefühlen geplagte Angestellte des Öffentlichen Dienstes, durchgeknallte akademische Schreckensmänner, bei denen es für Kafka nicht gereicht und – „imbezile Couch-Potatoes!“, gröhlt vom Redaktionsdiwan der soeben vom „Raven“ eingetroffene, nun „outchillende“ Azubi Jochen. Jetzt aber muss auch die Geschichte der Krimilesersoziologie neu geschrieben werden, der „Westfälischen Rundschau“ sei Dank.

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Die dicken Krimis

In Mailand, habe ich gehört, dürfen jetzt Models, die aussehen wie mit Haut umspannte Kleiderständer, nicht mehr auf den Laufsteg. Weg mit den Hungerhaken, mehr Form, mehr Inhalt, bitte. Gut so. In Deutschland, lese ich gerade, will man übergewichtige Kriminalromane abspecken lassen. So jedenfalls steht es →hier und →hier, ja sogar →dort regt sich Unmut über die Wabbelkrimis und eigentlich ist das so wie in Mailand: mehr Form, mehr Inhalt, weniger Füllstoff.

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Carl Albert Loosli: Die Schattmattbauern

Im vorgeblichen Dunkel der Geschichte des deutschsprachigen Kriminalromans blitzen zwei Werke aus schweizer Federn: Friedrich Glausers „Wachtmeister Studer“ (auch als „Schlumpf Erwin Mord“ bekannt) aus dem Jahr 1935 und „Der Richter und sein Henker“ von Friedrich Dürrenmatt, 1950. Wüssten wir es nicht besser, wüssten vor allem nicht, dass die Leerstellen vor und zwischen diesen Marksteinen keine wirklichen Leerstellen sind, sondern einzig und allein der jahrzehntelangen betrieblichen Blindheit der Forschung geschuldetes Übersehen, dann also könnten wir uns den Spaß erlauben, neben die beiden Menhire, die da aus kriminalliterarischem Flachland wachsen, einen dritten eidgenössischen zu stellen: Carl Albert Looslis „Die Schattmattbauern“ von 1932.

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