Hat nicht ganz geklappt – aus dem Albumtitel ist keine selbsterfüllende Prophezeiung geworden. Bandkopf Tim Kasher muss noch ein bisschen basteln, bis er an das Prädikat „Album Of The Year“ heranreicht, aber seine Bemühungen sind alles andere als hoffnungslos.
WeiterlesenThe Good Life: Album Of The Year
Hat nicht ganz geklappt – aus dem Albumtitel ist keine selbsterfüllende Prophezeiung geworden. Bandkopf Tim Kasher muss noch ein bisschen basteln, bis er an das Prädikat „Album Of The Year“ heranreicht, aber seine Bemühungen sind alles andere als hoffnungslos.
WeiterlesenBeatnuts: Milk Me
Argh, wieder ein HipHop-Promo-Album mit störendem Dazwischen-Gequassel. Nun denn. Wir machen das beste daraus und konzentrieren uns auf den neuesten Streich der Beatnuts. Der heißt „Milk Me“ und begrüßt uns mit einem Paar Brüste, über das Milch läuft. Noch Fragen?
WeiterlesenJustin Sullivan And Friends: Tales Of The Road
Die Zeiten ändern sich. War New Model Army die Band, die mir vor rund 20 Jahren Pogo ins Bewusstsein und gegen meine Schienbeine trat, schätze ich heute in erster Linie an Justin Sullivan den introvertierten Geschichtenerzähler.Da schon vor Erscheinen seines phantastischen Soloalbums aufgenommen, ist „Tales Of The Road“ nur ein Song von „Navigating By The Stars“. Mir ist ein bisschen schleierhaft, warum das Album unter „Justin Sullivan And Friends“ erscheint, da die beiden mitgenommenen Freunde Dean White und Michael Dean fest zur aktuellen New Model Army Besetzung gehören und auch das Programm vornehmlich mit NMA-Songs bestritten wird.
WeiterlesenThe Mooney Suzuki: Alive & Amplified
Alle guten Dinge sind drei, sagt man doch so. Im Falle von The Mooney Suzuki und ihrem dritten Werk „Alive & Amplified“ trifft diese These auch zu.Erinnern wir uns: 1997 in NYC gegründet, der Bandname basiert übrigens auf den Nachnamen zweier Can-Mitglieder, veröffentlicht man drei Jahre später das Debüt „People Get Ready“ auf dem Label Estrus. Danach erfolgt die Grundsteinlegung für den glorreichen Aufstieg der Mooneys. In Detroit nistet sich das Quartett mit Jim Diamond (u.a. The White Stripes, The Dirtbombs) im Studio ein, veröffentlicht 2001 „Electric Sweat“ und landet zwei Jahre später mit dem Re-Release der Platte über den Giganten Sony auch in den Regalen von WOM & Co. Mit „Alive & Amplified“ bleiben die New Yorker hingegen sich und ihrem Stil treu, präzisieren lediglich ihren Sound und knüpfen dort an, wo sie vor drei Jahren aufgehört hatten.
WeiterlesenStatic-X: Beneath, Between, Beyond
Herrlich. Auf dem Cover ihres ersten Raritäten- und Sammleralbums steht Frontmann Wayne Static in Adiletten, umgeben von seiner bitterböse und wütend dreinschauenden Truppe, vor einem schmucken Cadillac. Static ist ein ungewöhnlicher Kauz, der seine Haare gern zu Berge trägt und eine Vorliebe für alberne Kinnbärte hegt.
WeiterlesenBlackfield: Blackfield
Dass Steven Wilsons zweiter Vorname „Atmosphäre“ ist, wissen all die, die Porcupine Tree schätzen und sich an seiner Produzententätigkeit bei z.B. Opeth’s „Damnation“ erfreuen. Blackfield ist ein neues Projekt gemeinsam mit dem israelischen Musiker Aviv Geffen, das weder vertrackt noch besonders rockig daherkommt, aber selbstverständlich auch atmosphärische Momente bereithält.
Die oft beschriebene Nähe zu Pink Floyd tritt aufgrund der ruhigen Stücke deutlich zu Tage, außer, dass sich die Songs in normalen Längen und Strukturen bewegen und auf den progressiven Ansatz von Porcupine Tree verzichten. Ein bisschen unklar bleibt, wie stark der kreative Input von Aviv Geffen ist. Auch ohne sein Werk zu kennen, entdeckt man auf „Blackfield“ nichts, was Steven Wilson von seiner Vision entfernt.
Blackfield
Blackfield
Snapper Music/SPV
VÖ: 23.8.2004
The Secret Machines: Now Here Is Nowhere
Glam-, Fuzz-, und Kraut-Rockanleihen paaren sich mit einer Portion Psychedelic, treffen auf jede Menge Pathos und vermischen sich auf „Now Here Is Nowhere“ zu einer wahrhaft bombastisch und gleichwohl progressiven Rock-Platte, welche heutzutage ihres Gleichen sucht.
WeiterlesenMPS Jazzreworks
Keine Angst: Selbst wer in Bezug auf Jazz nicht unbedingt firm ist, könnte an den Remixen der legendären Originale aus dem Hause MPS großen Gefallen finden. Die Originale, die ausnahmslos von Größen der Jazz-Szene stammen, wurden von nicht minder angesehenen Elektro-Musikern beziehungsweise -Bands überarbeitet.
WeiterlesenThe Hidden Hand: Mother Teacher Destroyer
Es ist fast nicht zu glauben und irgendwie würde es nicht wundern, wenn ihr an unserer Glaubwürdigkeit zweifeln würdet. Aber es ist, wie es ist: „Mother Teacher Destroyer“ stellt einige der letzten Alben, die Scott „Wino“ Weinrich gemacht hat, bei weitem in den Schatten. Man kann in diesem Zusammenhang wirklich nicht mehr von Doom sprechen. Hier und da klingt das vielleicht noch nach alten Balladen von Black Sabbath zu Zeiten ihres einzig wahren Sängers Ozzy Osbourne. Das war aber auch schon alles.
WeiterlesenSharkey: Sharkey’s Machine
Man muss sich Sharkey’s Maschine als ein elektronisches Gerät vorstellen, das leicht zu bedienen ist und in dessen Innenleben eine Vielzahl genialer Samples und Beats darauf wartet, abgerufen und in einen seiner umwerfenden Songs eingeflickt zu werden. Dieser Sharkey sieht so etwas von gewöhnlich aus, ist auf der anderen Seite aber für eines der aufregendsten HipHop-Alben der letzten Monate verantwortlich.
WeiterlesenGibby Haynes And His Problem: Gibby Haynes And His Problem
Gibby Haynes? Den kennt man! Entweder, weil er mal sturztrunken in einem Videoclip von Ministry legendär abrupt vom Stuhl fiel. Oder als Frontmann der ebenso legendären und leider etwas ins Abseits geratenen Butthole Sufers.
Nun wandert Haynes auf Solopfaden. Zumindest teilweise, denn ganz ohne das Dazutun seiner Freunde und Kollegen ging der Entstehungsprozess dieses Albums nicht vonstatten. Dass sein Soloalbum von seiner Vergangenheit geprägt sein würde, das war abzusehen: „Charlie“ klingt wie einer dieser höllisch groovenden Doom-Industrial-Monstersongs aus der Feder von Ministry. Anderswo setzt sich der Einfluss der Butthole Surfers durch. Andererseits hat Haynes auch Neues ausprobiert: eine Ballade etwa („Stop Foolin“). Ansonsten singt er nach wie vor in einem Blecheimer sitzend und steht für schrägen bis ohrwurmartigen Indierock mit Rock’n’Roll- und Blues-Anleihen ein. Ein Tipp zum Schluss: Ganz groß ist „Redneck Sex“.
Gibby Haynes And His Problem: Gibby Haynes And His Problem
Surfdog/Sony Music
VÖ: 30.8.2004
Thomas Dybdahl: That Great October Sound
Den großartigen Sound des Oktobers, wie ihn sich der Norweger Thomas Dybdahl vorstellt, hat über weite Strecken etwas fluffiges, manchmal schon fast tuffiges.Melodie- und arrangementverliebt wie so viele Skandinavier hat er ein schönes Album zusammengezimmert, das in Schichten begreifbar wird.
WeiterlesenSons And Daughters: Love The Cup
Nach Franz Ferdinand schickt das englische Label Domino mit den vor drei Jahren gegründeten Sons And Daughters bereits die nächste (Hype-)Band aus Glasgow ins Rennen, um den Versuch zu starten, die gegenwärtige Musiklandschaft zu dominieren. Wenn auch musikalisch keine wirkliche Parallele zu dem derzeit erfolgreichsten Exportschlager Schottlands besteht, so hat Alex Kapranos, Frontmann von Franz Ferdinand, mit seiner Dauerschwärmerei für die Sons And Daughters durchaus seinen Anteil an dem Rummel um das Gespann geleistet. Konsequenterweise tourten im vergangenen Frühjahr die Söhne und Töchter im Vorprogramm Franz Ferdinands durch die Staaten. Und wo man doch gerade schon mal über den großen Teich geflogen war, bot sich für die Newcomer natürlich ein Gig bei dem legendären South By South West-Festival an. Danach verfiel dann auch Pop-Literat Greil Marcus den Schotten.
WeiterlesenMidtown: Forget What You Know
Fünfzehn Songs auf ein Album zu packen, das ist schon eine Leistung. Für Midtown war das kein Problem. Ihr Album leidet nicht an Überlänge, obwohl es mit 53 Minuten nicht wirklich schlank daherkommt. Doch wie heißt es so schön: In der (gefühlten) Kürze liegt die Würze.
WeiterlesenThe Libertines: The Libertines
Die Überraschung war dem „Spiegel“ gelungen. Für das zweite Album der von Skandalen geschüttelten Libertines zog der Kritiker mal locker die zehn aus dem Hemdsärmel, also die Höchstnote, und meinte, da wäre ihm was „Ewiges von den Libertines“ untergekommen. Ui. Hatte der gute Kollege eine andere Platte gehört, oder saß unsereins mit dem Arsch auf den Ohren? Um es kurz zu machen: Letzteres.
WeiterlesenMax Herre: Max Herre
Die traurige Nachricht zuerst: Das Thema Freundeskreis liegt derzeit auf Eis. Nicht, dass sich Max Herre, DJ Friction und Don Philippe zerstritten hätten. Momentan geht nur jeder eigene Wege. Herre hat sich beispielsweise gleich zahlreicher Aufgabenfelder angenommen.Er produzierte das Solodebüt seiner Frau Joy Denalane („Mamani) und zeichnete sich zudem als Regisseur ihrer Videos verantwortlich.
WeiterlesenRadio 4: Stealing Of A Nation
Auf diese Platte haben wir gewartet: die perfekte Emulsion aus Dance und Punk. Ohne Klischees. Ohne Klimbim. Ohne Kinderfasching. Mit Köpfchen und dennoch aus dem Bauch raus. Da hat der Arsch Kirmes! Elegant und fast zu schlau spielen sich Radio 4 durch drei mal mehr Stücke. Da begegnet man New Wave und Britischem à la Primal Scream, wo doch der moderne Zeitgeist drinsteckt. Sie sind nicht The Killers, The Rapture oder Interpol. Sie sind Radio 4, kamen einst aus einem Emo-Grenzbereich und haben nunmehr die Grenzmauer zwischen Dance (oder doch Disco?) und Punk sperrangelweit eingerissen und ein verzückendes Album vorgelegt. Die Musik für Zappelphilippe. Bei jedem Song möchte man lauthals den Refrain mitschreien. Bei jedem Song treibt es einen aus dem Schreibtischstuhl auf die Tanzfläche inmitten fröhlich zappelnder Gleichgesinnter.
WeiterlesenRogue Wave: Out Of The Shadow
Und schon wieder veröffentlicht Sub Pop alleine in diesem Jahr ein weiteres herzerwärmendes Album, welches man als Indiepop-Liebhaber unbedingt in seinem Regal stehen haben sollte. Die Rede ist von den aus San Francisco stammenden Rogue Wave und ihrem Debüt „Out Of The Shadow“. Rogue Wave machten in den USA bereits als Vorband ihrer Labelkollegen der The Shins auf sich aufmerksam und sind ähnlich wie diese dazu im Stande, herrliche Melodien mit poppigem Charme zu schreiben, die einem immer wieder das Gefühl geben, dass alles, egal wie schlimm es auch sein mag, wieder gut werden wird.
WeiterlesenWolfgang Ludewig: Glücksritter im Labyrinth der Leidenschaften
Saarländer, die Romane schreiben? Das stimmt fast so hoffnungsvoll wie einarmige Zwerge beim Hammerwerfen. Und ein Titel wie „Glücksritter im Labyrinth der Leidenschaften“ animiert geradezu zum Nichtlesen. Wäre aber ein Fehler.
Worum geht es in Wolfgang Ludewigs Roman (den Titel wiederhole ich jetzt nicht mehr)? Birdie und Mollie, zwei Saarbrücker Langzeitstudenten/ABMler brechen im Jahre 1991 nach Kreta auf, um dort zu urlauben, d.h. für ein paar Wochen einer südlicheren Variante ihres saarländischen Lebens zu frönen, dessen Eckpfeiler Suff, Sex und Quatschen sind.
Das Saarland ist rasch verlassen, und das ist gut so; denn leider ist auch Ludewig von der anscheinend typischen saarländischen Autorenkrankheit, bei der Beschreibung ihrer Heimat in den drögen Duktus eines Angestellten des Saarbrücker Fremdenverkehrsvereins zu fallen, heimgesucht worden.
„Über die Saarstraße gelangte er zum St. Johanner Markt. Der ‚Markt‘, wie ihn die Saarbrücker liebevoll nennen, hatte sich vom ehemals verrufenen Rotlichtbezirk zum Aushängeschild saarländischer Lebensart entwickelt. Klein-Paris sozusagen.“
(Nebenbei bemerkt wäre mir, dem bekennenden Fußgängerzonen-Hasser, lieber, die Nutten stünden sich dort noch die Beine in den Bauch. Angenehmer als in Straßencafés breitgesetzte Schickimicki-Ärsche ist dieser Anblick allemal.)
Das ist aber quantité négligeable, wie der Klein-Pariser sagt, ebenso der Reiseweg via Berlin und Prag. Ja, auch der Aufenthalt auf Kreta ist nichts, was Ludewig und seine Helden zu breitangelegten geografisch-soziologischen Reflexionen inspiriert. Was allein zählt, sind die Dialoge von Birdie und Mollie. Ihretwegen lohnt das Lesen dieses Buches.
Sie quatschen wirklich über Gott, die Welt, Pop und Architektur, denn die solide Halbbildung der beiden Geisteswissenschaftler muss raus wie alles andere, das man nicht richtig verdaut hat. Und hier nun gelingen Ludewig geradezu aparte und durch die Bank wahre Psychogramme einer Spezies Mensch, die es Anfang der Neunziger zuhauf und auch heute noch mehr als genug gibt: den leicht asozialen Besserwisser im eigenen Saft, der bevorzugt alkoholisch ist. Hören wir kurz in einen solchen Dialog:
„Mollie, wenn es gesellschaftliche Veränderung durch Literatur gibt, dann nur, wenn sie massenwirksam ist.“
„Quatsch. Literatur ist immer elitär. Es ist geradezu notwendig, dass wahre Kunst sich dem Massengeschmack entzieht.“
„Elitärer Sack!“
„Dummschwätzer!“
„Was ist Hemingway im Vergleich zu T.S. Eliot und Shakespeare und was sind Böll und Grass im Vergleich zu Arno Schmidt und Rainer Maria Rilke?“
Wahre Worte. Und wir ahnen schon, wie diese hochintellektuelle Unterhaltung endet. So nämlich:
„Für mich ist nur der ein echter Künstler, der malen kann.“
„Den deutschen Bauer auf dem Felde, du Fascho!“
„Ich Fascho? Es langt, Mollie!“
„Dein Kunstbegriff ist hochreaktionär bis kryptofaschistisch.“
Man wird zugegeben, dass diese Dialog nur begrenzt „witzig“ sind, und das ist gut so. Denn ihre eigentliche Komik beziehen sie aus ihrer Authentiziät, aus der Selbstverständlichkeit und Ernsthaftigkeit, mit der sie am laufenden Band produziert werden .
Ludewig begeht dabei nicht den Fehler, seine Personen und ihre Ergüsse als Karikaturen anzulegen. Sie schweben nur ganz knapp über der Normalität, was sich auch in ihren kretischen Aktivitäten wiederspiegelt. Mollie, Birdie und all die anderen Urlaubsdeutschen sind alternative Spießer, die in Diskos abhängen, Frauen resp. Männer aufreißen, über den griechischen Schlendrian fluchen und heimlich den Kondomvorrat ihres Reisepartnerns checken, um über dessen sexuelle Ergüsse auf dem Laufenden zu sein.
Erst gegen Ende des Romans zeigt sich diese Normalität in ihrer ganzen Absurdität, als es Mollie mit Hilfe eines Gesprächs über den korrekten Konjunktiv gelingt, eine Frau dort hin zu bringen, wo sie natürlicherweise alle landen: ins Bett.
Das ist, wie gesagt, komisch, weil es wahr ist, und nicht wahr, weil es so komisch ist. Ludewig ist ein unterhaltsamer, gut geschriebener Roman gelungen, in dem sich Alltag und Wahnsinn geben, wie sie nun einmal sind: so unzertrennlich wie Birdie und Mollie, so siamesisch verwachsen wie Bildungskultur und Wissensmüll.
Wolfgang Ludewig:
Glücksritter im Labyrinth der Leidenschaften.
Conte Verlag, 220 Seiten, €12,90.