„The most sexiest band of the world. Ich würde sie alle heiraten. Hier sind Gus Gus.“ Nach dieser entzückenden Ankündigung der Viva II Moderatorin kamen sie auf die Bühne. Das bunte „Künstlerkollektiv“ aus Island präsentiert das neue Album „This is normal“; live – und in Farbe, mittels genialer Videoperformance. Das Publikum klatscht und tanzt zu den ersten Takten von „Polyesterday“. Ebenso punktgenau, wie die Bilder auf der Videoleinwand, erscheinen die beiden männlichen Sänger auf der Bühne. Aber da fehlt doch jemand?
Reibeisen mit Ekstase Der „Boss“ ist zurück. Mit opulenter Besetzung – vier Gitarren, zwei Flügel, Saxophon, Baß und Schlagzeug(!) – zauberten Bruce Springsteen und seine „E-Street Band“ in der ausverkauften Münchner Olympiahalle Rock und Blues vom Feinsten, konturenreich, mit Pepp und Biß. Satte Gitarren, solide Soli, über allem Springsteens Reibeisen-Stimme, dazu ein Schuß Ekstase in Form von grandiosen Saxophon-Soli – eine mitreißende Kombination.
Love them or leave them. Es gibt wohl wenige Bands, bei denen sich die Geschmäcker dermaßen von „Bäääähhh“ bis „Hhhhhmmmmm“ unterscheiden als im Fall von Suede. Ein englisches Phänomen, das in Deutschland bisher nicht soviele Anhänger gefunden hat wie auf der Insel. Der ewig zelebrierte Bowie, auch diesmal keine Ausnahme, wird bei manchem Hörer schon das kalte Grausen hervorrufen. Brett Anderson schmalzt und kiekst wie eh und je, die Gitarre nudelt sich Einen zurecht, die Spacigkeit kommt durch den Flanger.
Eigentlich bin ich kein großer Fan von Tom Petty, in meinem Besitz hab ich einen Billig-live-Mitschnitt der bekannten Petty Hits (Into the great white open,…) und „Wildflowers“ von 1994 und jetzt eben die aktuelle „Echo“. „Echo“ hab ich mir eigentlich nur zugelegt, weil mir „Wildflowers“ mit knarrziger, zeitloser Musik im Gedächtnis ist. Alte Bekannte trifft man ja manchmal auch ganz gerne. Wie bei alten Bekannten fragt man sich dann hinterher oft, sag mal war der immer schon so? Ja genauso war der früher!
Dies ist keine Rezension, sondern eine Warnung. Knorkator ist ein Trio, dessen Mitglieder sich Alf Ator, Stumpen und Buzz Dee nennen. Und schon der Titel der CD deutet an: hier versucht jemand witzig zu sein. Krampfige Wortspiele, Analvokabular im Überfluß (gähn), Mähdrescher-Gitarren wie von der Schablone gezeichnet und Klavier-Balladen aus dem Idioten-Computer wahlweise zu Gebrüll oder Kastraten-Geheul.
Hoppala- wer hätte das gedacht?! Eine Drum’n’Bass Platte, die völlig unvorbereitet meine direkte Begeisterung findet, hatte ich dieses Genre schon für nicht mehr ausbaufähig und festgefahren gehalten. Dort wo Ronnie Size mit Reprazent die Meßlatte 1997 mit ihrem grandiosen „New Forms“-Album stehen ließen, ergreifen London Elektricity den Stab und rennen weiter. Der Schwung kommt von der Live-Instrumentierung, die gekonnt mit den für Jungle üblichen Patterns aufs Vorzüglichste kickt.
Eine Downbeat-Platte, die Spaß machen kann…wenn man die vorhergehenden Platten nicht hat. Dieses Urteil müssen sich The Herbalizer leider gefallen lassen. Der mit „Blow Your Headphones“ erreichte Standard wird gehalten, aber nicht übertroffen. Das Material hört sich wie aus der gleichen Session an. Vielleicht die hip-hoppigste Trip-Hop-Variante, mit coolen low down and dirty Raps von diversen Gastrappern, wie What What, die auf dem Vorgänger auch schon mit von der Partie war. Eine Menge Gescratche und mysteriös angehauchte Samples machen „Very Mercenary“ zu einem leicht verdaulichen Album, das man haben kann, aber nicht haben muß.
Auf Malta ist es immer schön warm, kein Wunder, daß dort keine allzu düstere Musik entstehen kann. Überhaupt, kennt ihr Bands aus Malta? Ich nicht, zumindest bis vor einigen Wochen nicht. Jetzt aber kenne ich die Beangrowers. Das Trio aus St. Julian hat sich 1995 für die Musik entschieden und seitdem an seinem Sound gefeilt. Mit Erfolg, wie ich meine. Das Debüt „48k“ überzeugt mit seinem poppigen Gitarrenrock und der schönen Stimme von Alison Galea (auch an der Gitarre zu bewundern). Ihr zur Seite steht Bassist Mark Sansone und Ian Schranz (sitzend am Schlagzeug).
Zwei halbe Hähnchen mit Pommes, zum Mitnehmen bitte…
So, hallo, da bin ich wieder und rieche nach Fritten. Nicht nur, weil ich für die Frittenbude schreibe, nein, nein, auch weil ich in einer arbeite. Was macht man nicht alles um Geld zu verdienen. Bis ich mich im Sommer um lebende Tiere kümmern darf – der Saarbrücker Zoo wird um eine exzellente Arbeitskraft erweitert – muß ich erst mal tote Tiere verkaufen.
Unser Kollege R. Keimel (nicht zu verwechseln mit R. Kelly!) ist von der HipHop-Crew The Roots noch nicht ganz überzeugt, da auf ihrem letzten Album lediglich ein erstklassiger Hit war. Ich hingegen ging unvoreingenommen an „Things Fall Apart“ heran, das nunmehr vierte und zugleich aktuelle Werk. Obwohl unvoreingenommen nur bedingt zutrifft, denn zwei Videos machten mich zuvor auf die Band aufmerksam. So war ich felsenfest entschlossen, mir das Album zu besorgen und fand es (zu meiner Überraschung) am nächsten Tag in meinem Briefkasten. Gespannt schob ich die CD in den Player und sogleich ertönten die mich noch heute frohlockenden Klänge dieser Band, der ich bis dahin nicht über den Weg gelaufen war.
Wenn ich mir die Bandgeschichte von den Goo Goo Dolls betrachte komme ich nicht umhin, den Vergleich zu Soul Asylum zu ziehen. Fünf Alben lang dümpelten sie mehr oder minder unbeachtet in der Indie-Szene rum, als „Runaway Train“ – gepusht durch ein cleveres Video – mit einem Schlag aus der Heavy Rotation der Musiksender nicht mehr wegzudenken war.
LTJ Bukem hat nicht nur mir die Augen geöffnet, was es heißt, guten Drum’n’Bass schätzen zu lernen. Seine bis dato drei Werke, die unter dem Serientitel „Earth“ erschienen sind, machen sich nicht nur optisch gut in meinem CD Regal. Der Junge weiß, was er kann. Und nett ist er nach meinem Empfinden auch. Ich habe ihn mal in einem von ‚BBC‘ gedrehten Special über ihn, seinen Manager und das Label gesehen. Da wirkte er durchaus sympathisch. Bevor ich abschweife, sollte ich zurück zum eigentlichen Thema kommen.
Soll ich ehrlich und direkt sein? Ich mag diese Doppel-CD nicht. Zum einen ist viel unnötiges Material drauf, zum anderen habe ich die guten Songs schon längst in meinem Regal stehen. Nach der Cover-Aktion („Straight Outta Compton – 10th Anniversary Tribute“) bin ich mit N.W.A.-Souvenirs gut eingedeckt. Da brauche ich nicht noch Songs von jedem Hansel, der nur im Entferntesten mit dieser HipHop-Crew in Verbindung zu bringen ist. Irgendwo hört der Spaß auch auf.
„Fairground“ ist das bislang fünfte Album aus der Feder der langjährigen Wegbegleiter Brad und Jeff Dope. Ihre letztjährige EP „Pot Of Gold“ möchte ich bei der Zählung mal kurz außer Acht lassen. Auffallend ist neben der musikalischen Entwicklung auch die Tatsache, daß das Trio (mit Sebastian Meyer am Schlagzeug) kein Zuhause zu finden scheint. Sechs Veröffentlichungen auf nunmehr fünf Labels. Liegt es an der Qualität der Band? Ich glaube kaum. Ich schätze dagegen, es ist die Unfähigkeit der Labels, die es kaum noch wagen, in eine Band Zeit und Geld zu investieren und diese sich in Ruhe entwickeln zu lassen. Was soll’s, wir werden nie die Machenschaften mancher Labelbosse durchschauen können.
Nach 5 Sterne Deluxe, Fischmob, Fettes Brot, Absolute Beginner und noch vor Freundeskreis und den Fantastischen Vier kommt das neue Album der Stuttgarter Kolchose-Rapper Massive Töne auf den Markt. Mitten in einer Zeit, da der Nährboden für HipHop/Rap nicht in besserem Zustand sein könnte. Die deutsche Sprache hat sich endlich durchgesetzt und etabliert und wird nicht wie früher als verächtlich angesehen. In gleichem Maße haben die hiesigen Wortakrobaten einen Reifeprozeß durchlaufen, der sie nunmehr deutlich von dem unterscheidet, was noch vor ein paar Jahren an deutschem HipHop das Licht der Welt erblickte. Von Party-Texten und albernen tough-sein-Versuchen wurde Abstand genommen. Auch Massive Töne sind „older, wiser, and better“.
Wenn er denn mal zu singen versucht, wie bei seiner ganz eigenen Version des Underworld-Hits „Born Slippy“, können sich einem schon die Nackenhaare hoch stellen. Das ist sicherlich nicht eine seine Stärken. Allerdings ist das Bedienen der Tasten, bunten Knöpfchen, Regler und Schieber seiner schon fast legendären Heimorgel Marke Yamaha D-85, „dem besten elektronischen Instrument der Welt“ (siehe Booklet), eine seiner Stärken.
Was war nicht schon alles vor der Veröffentlichung dieser CD über die britischen Newcomer The Beta Band zu lesen. Wie leider viel zu oft hat sich die englische Presse mit Lob nicht zurückhalten können, was natürlich nicht unbedingt heißt, daß die gehypten Künstler auch nur im Entferntesten diesem gerecht werden. Bei der Beta Band sieht die Sache da schon etwas anders aus. Ganz klein angefangen haben sie, nämlich mit drei EPs. Dann wurden die Leute langsam aber sicher auf Steve Mason (Gitarre, Gesang), Richard Greentree (Baß), John MacLean (DJ, Samplegott) und Robin Jones (Schlagzeuger) aufmerksam, so daß es notwendig wurde, besagte EPs abermals auf den Markt zu bringen. Diesmal auf einer CD. Eine kluge Entscheidung, denn es wäre ansonsten schade um die meisten ihrer Kompositionen. Der ‚NME‘ leistete sicherlich die größte Aufklärungsarbeit die Band betreffend. Die „innovativste Band Großbritanniens (…) klingt wie: The Velvet Underground, The Beach Boys, Led Zeppelin, Can, King Tubby, The Beatles, Yes, The Rolling Stones, Primal Scream, Beck, Emerson, Lake & Palmer, Prodigy, The Stone Roses und Parliament“. Dem wäre nichts mehr hinzuzufügen außer vielleicht noch Ween, die für ein Zitat immer gut sind.