Gang Starr: Moment of Truth

They’re back! Schon nach der Vorab-Single „You know my Steeze“ konnte man ja schon auf Großes hoffen. Wie schon erwartet geht es hier um die Grundwerte des „Underground“-HipHop. Erwartet deswegen, weil Puff Daddy mittlerweile auch schon den letzten Track seines Albums als Single und Heavy- Rotation-Video ausgekoppelt hat und sich langsam auch in Deutschland Epigonen finden, wie Moses P und sein ganzer 3p-Klan, der ja mittlerweile schon ein Lächerlichkeits-Level erreicht hat bei, dem mir fast schon das Lachen im Hals stecken bleibt. Aber bevor ich mich schon gleich am Anfang verzettele: Back to Program.

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Henry Rollins: You Saw Me Up There

Henry Rollins einmal ganz privat? Das ist ihr sehnlichster Wunsch? Na bitte, hier gibt es 83 Minuten lang Rollins live auf der Bühne zu bestaunen. Allerdings nicht von seinen musikalischen Mitstreitern unterstützt, sondern nackt – will meinen: solo. Eine Flasche Wasser neben sich auf dem Boden, eine riesige Pappdeckeltasse Kaffe im Hintergrund und das Mikro fest in der Hand steht der Hobby-Bodybuilder auf der Bühne und erzählt Geschichten aus seinem Leben.

Meist witzig und weniger traurig oder ernst. Er erzählt von seinem Leben in New York, als er nachts ein Schwarm Kakerlaken in seinem Bad erwischt, von seinem akrobatischen Versuch, in ein zu hoch montiertes Waschbecken zu onanieren, von fluchenden Omas, idiotischen Taxifahrern, einem Höllentrip nach Tulsa, Texas, um eine Lesung zu halten, die jedoch wegen der widrigen Reiseumstände nie stattfindet, einem grandiosen Festivalauftritt bei dem sich der Kraftprotz selbst per Kniescheibe-an-die-Stirn-Schlag fast ausknockt und und und Rollins offenbart in seinen Geschichten, daß auch er Mensch ist und nicht nur ein gefühlsarmer Workaholic wie er oft dargestellt wird bzw. sich selbst gerne sieht. Greift also zu und lernt ihn von einer etwas anderen Seite kennen.

Henry Rollins
You Saw Me Up There
(DreamWorks)

Jonas: september sex relationship

Jonas ist eine vierköpfige Band aus Niedersachsen. Laut Label-Info entstammen sie „der Generation, die mit Grunge, nicht mit Indie-Rock aufgewachsen ist.“ Das bedeutet nun zweierlei:
1.) Die Jungs sind wirklich blutjung, d.h. zwischen 17 und 19 Jahren alt.
2.) Da sie noch mit Aufwachsen beschäftigt sind bzw. seitdem nicht viele Musiktrends erlebt haben, fühlen sie eine enge Bindung zu den Klängen, die den Abgesang ihrer Kindheit und das Heraufdämmern jenes Unheils begleiteten, was manche Leute „Leben“ nennen, und sie pflegen diese Bindung. Kurz gesagt: Jonas spielen Grunge-Rock.

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Ein Zirkus für Sarah

Astrid Lindgren für Anfänger! So könnte der Untertitel der dänischen Produktion „Ein Zirkus für Sarah“ lauten. Scheinbar unterschätzt Regisseur Claus Bjerre die Kombinations- und Auffassungsgabe seines jungen Zielpublikums. Und das will ja schließlich auch unterhalten werden. Von Anfang bis Ende wirkt sein Kinderkino-Debüt nämlich derart simpel und konstruiert, daß Spannung gar nicht erst aufkommen will und die Phantasie außen vor bleibt – vom in skandinavischen Kinderfilmen so wichtigen Humor ganz zu schweigen.

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Dobermann

Was schenkt man dem Kind von heute zur Taufe? Eine Frage, die sich für den Patenonkel des kleinen Yann (Vincent Cassel) nicht stellt: Er legt dem Nachwuchs seines Ganovenkumpels einfach eine brandneue 357er Magnum in die Wiege. Dann stellt sich ihm einen glänzend schwarzer Dobermann zur Seite, der für den richtigen Spitznamen sorgt, und schon hat der Knabe die besten Voraussetzungen, um sich zu einem gefürchteten Verbrecher zu entwickeln.

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Twentyfour Seven

Keine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, keine Kohle wegen Jobmangels und schon gar keine Möglichkeit, diese Mißstände in der näheren Zukunft zu beheben – so sieht es für die Jugendlichen einer trostlosen, englischen Vorstadt aus. Gesellschaftliche Unterschiede gibt es hier nicht, denn jeder ist so arm wie sein Nachbar. Ihren Frust darüber lassen Knighty (James Hooton) und seine Kumpel gern an Stuart (Karl Collins) und dessen Freunden aus – ein Verhalten, das auf Gegenseitigkeit beruht. Diese ärgerliche Energie will der ehemalige Box-Champion Alan Darcy (Bob Hoskins) nun in sinnvolle Bahnen lenken, indem er die Jungs in seinem Verein rechte Haken und Wirkungstreffer lehrt. Doch seine Vision davon, seinen Schützlingen durch Sport und Disziplin eine Perspektive für’s Leben zu verschaffen, scheitert leider an der Realität. Denn die schickt Drogen, renitente Väter und Grundstücksspekulanten gegen Trainer Darcy in den Ring.

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Live: The Cramps

La Laiterie, Straßbourg, 18.4.98.

For the love of Ivy

Zum ersten Mal live sah ich die Band mit der „Date with Elvis “ Tour, was mich damals dermaßen begeisterte, daß ich kurz danach das Studium schmiß (mit dem Ergebnis, daß ich dann im Plattenladen jobbte). Lux und Ivy waren, wohl schon vor Mitte der 80er, die wandelnden R&R Götter und erreichten mit „Date with Elvis“ ein „größeres“ Publikum als mit den vorhergehenden Veröffentlichungen.

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U-Turn

Bobby Cooper (Sean Penn) ist gut gelaunt auf dem Weg nach Las Vegas, wo ein Geldeintreiber ungeduldig auf die 13.000 Dollar im Gepäck Coopers wartet. Ein geplatzer Kühlerschlauch jedoch bringt ihn vom rechten Weg ab und führt ihn nach Superior, einem Wüstenkaff in Arizona. Während er hier seinen ’64er Mustang vertrauensvoll in die Hände des schrulligen KFZ-Mechanikers Darrell (Billy Bob Thornton) gibt, lernt Bobby das rassige Indianer-Halbblut Grace (Jennifer Lopez) kennen. Gerade kommen sich die beiden ein wenig näher, da stößt Jake McKenna (Nick Nolte) zu ihnen.

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´68 – Design und Alltagskultur zwischen Konsum und Konflikt

Wer die ´68er Ausstellung im Düsseldorfer Kunstmuseum verpaßt hat, hat vor allem eines verpaßt: das finnische Kunststoffhaus „Futuro“, ursprünglich als Après-Ski-Hütte im Sci-Fi-Look konzipiert. Es sieht aus wie eine fliegende Untertasse, hat 8 m Durchmesser, rundum Bullaugen, steht auf drei Beinen und ist wie ein Flugzeug über eine herunterklappbare Treppe zu besteigen. Genau: zu besteigen! Was man sonst nur (nachsichtig grinsend) in Dokumentationen über die gute alte Zeit der Zukunftseuphorie zu Gesicht bekommt, konnte man in Düsseldorf in der Tat begehen! Innen gab´s einen Wohnraum, gestaltet wie die Kommandozentrale eines Raumschiffs, zwei Schlafkojen und tatsächlich – Bad und Küche! Wer das architektonische Kleinod nicht live erlebt hat, dem sei zum Trost verraten: die Zukunft roch verdammt muffig!

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Interview: Propain

Der Weg ist ziemlich lang

Im Info heißt es, daß Euer Hauptthema in Musik und Texten die Aggressivität ist. Seid Ihr auch privat so drauf oder reagiert Ihr Euch ausreichend auf der Bühne ab?

Gary Meskil: Ich sehe uns selbst eigentlich nicht als aggressive junge Männer, die sich auch so aufführen müssen. Aber es ist nun mal diese Art von Musik, die uns Spaß macht. Wir sprechen untereinander viel über politische Themen, die uns wichtig sind. Das versuchen wir auch in unserer Musik und den Texten ‚rüberzubringen.

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Interview: Liv Kristin

Hast du eine klassische Gesangsausbildung?

LK: Ich habe überhaupt keine Stimmausbildung. (lacht) Eigentlich habe ich immer schon gesungen. Als ich ganz klein war, habe ich in der Schule ein paar Auftritte gehabt, aber eine richtige Ausbildung habe ich nicht gemacht. Einmal hatte ich zwei Stunden Gesangsunterricht, weil ich dachte, daß es mir irgendwie helfen kann. Dem war aber gar nicht so. Deswegen habe ich das gelassen.

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Tortoise: Kollektive Bewußtseinserweiterung

Echo, Preisverleihung der deutschen Schallplattenindustrie. Unter den üblichen Verdächtigen für Veranstaltungen dieser Art – wie Tic Tac Toe etc. – auch Wolfgang Petry mit seinem diesjährigen Brüller „Weiber“. Gekleidet in dezent verwaschene Jeans von der Stange, offenstehendes, über der Hose getragenes Flanell-Hemd Marke „Vorstadt-Grunge“ und als letzten Knaller dann noch sein eigenes Tour-Shirt mit fett rot-schwarzem „Scheißegal“-Aufdruck. Mir wird schlecht. Alpträume. O Gott!

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