Marketing oder die Kunst Platten zu verkaufen

Die Plattenindustrie stöhnt! Der Tonträgermarkt stagniert bzw. die Absatzzahlen gehen sogar zurück. Hier ist der Marketingmann (oder -frau) der Plattenfirma gefragt. Die haben sich in der letzten Zeit etwas einfallen lassen. Nicht umsonst war es gerade dieser blinde Tenor, der mit Henry Maske im Duett die Verkaufs- charts erstürmte. Der Mix zwischen Song, Sport, Fernsehübertragung und entsprechender Werbung hat hier wohl den Erfolg gebracht. Im folgenden will ich nun drei weitere Möglichkeiten darstellen, Platten (genauer Maxis) an die Frau oder an den Mann zu bringen.

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Trieb: Mein Gott ist weiblich

Hardcorer verknallt

Trieb – Deutscher Hardcore der besseren Sorte. Sind Hardcore-Rocker verknallt, verlieren Sie meist die Härte. Auch im vorliegenden Fall sind die Verzerrer ausgeschaltet und die Anzahl der Overdubs wurde reduziert. Das Ergebnis ist ordentlich, hätte man den Jungs nicht zugetraut. Auch textlich nicht nicht platt. Die Titelzeile singt er so überzeugend: der ist wirklich verknallt.

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Pixies: Death to the Pixies

Ein Abgesang auf eine große Band, deren Einfluß auf die Rockmusik der späten Achtziger und der frühen Neunziger wahrscheinlich immer noch unterschätzt wird. Eventuell ist diese Doppel-CD ja auch nicht das letzte, was wir von der Band aus Boston, oder besser gesagt, aus den Archiven der Band noch hören werden. „Death to the Pixies“ enthält bekanntes Studiomaterial und neu veröffentlichte Live-Aufnahmen der Band um Black Francis (bzw. Frank Black). Für den Fan hat die Compilation mit ausgewählten Songs der Jahre ’87 bis ’91 keinen großen Wert, da er die regulären Alben wahrscheinlich alle besitzt.

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Michael Palin: Hemingways Stuhl

Das Ambiente kommt mit Rosamunde-Pilcher-Charme daher – Meer, Möwen und Moor. Im Morast der Langeweile sumpft auch Martin, der Anti-Held. Er ist sechsunddreißig und lebt bei seiner Mutter. Ein Durchschnittstyp mit einem Durchschnittsgesicht und einem Durchschnittscharakter. Von Beruf Postbeamter in der südostenglischen Kleinstadt Theston. Leidenschaft lodert bei ihm nur dort, wo es sich um Papa Hem dreht, seinen Abgott und Ersatzvater. Sproale ist durch und durch Hemingway-Aficionado. Sein Jugendzimmer enthält ein Sammelsurium von Reliquien. Und nur dort, miteinem vollen Glas Grappa vor seiner Reiseschreibmaschine, einer CoronaNr.3, erwacht er für Momente zum Leben.

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Charles d‘ Ambrosio – Ihr wirklicher Name

Bei einem guten Buch wie diesem kommt man nie ganz dahinter, warum es so gut ist. Phrasen von der „unverwechselbaren Stimme des großen Erzählers“, wie sie der Klappentext bemüht, helfen da nicht weiter. Über den Autor erfahren wir nur, daß er 1960 geboren ist – ganz so neu ist die Stimme also auch nicht mehr – und in Seattle lebt. Im Nordwesten der USA spielen auch die sechs Stories, die unter dem Titel ‚Ihr wirklicher Name‘ bei btb erschienen sind.

Erzählt wird von Menschen zwischen Meer und Schnee, die unter der sogenannten ‚Schwere des Seins‘ leiden, zugleich aber „spüren, wie die Ewigkeit auf einen herabblickt“. Die große Welt ist immer da, im Hintergrund. Vor Augen die kleinen Dinge des tätlichen Lebens, ein Weingummi, eine gebackene Kartoffel, die – so glasklar wie d’Ambrosio betrachtet – eine neue Dimension gewinnen. Alles eine Frage der Perspektive und d’Ambrosio entdeckt aus seiner Persprektive im Unbedeutenden etwas, das eine neue Leichtigkeit mit sich bringt.

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Untitled


Ja ja, sieht ganz so aus, als habe Frau Liebe erstmal wieder genug von der Schauspielerei, und wolle sich mal wieder dem Musikmachen zuwenden. Wer auf Handgranade jedoch einen neuen kreativen Outburst erwartet, wird ziemlich enttäuscht: das hier ist – bis auf ein paar Tracks – nichts neues; unter diesen allerdings die erste Aufnahme der Band, Turpentine, das mordsmäßig Gesäß tritt: Punkphase der Künstlerin, oder so. Damit aber hat es sich in puncto Interessantes.

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Bei uns ging’s eigentlich nie um Jugendlichkeit

Ein Gespräch mit Dirk von Lowtzow (Tocotronic)

Hinter-Net!: Tournee-Zeit heißt auch Interview-Zeit. Seid Ihr schon gestreßt?

Dirk: Nö, eigentlich nicht. Natürlich machen wir ’ne Menge Interviews, und oft sind es immer wieder dieselben Fragen. Eine gewisse Routine hat das schon. Daher kommt es auch selten vor, daß wir zu dritt ein Interview machen, meist geht nur Einer von uns hin. Da kann die Frage noch so gut sein, irgendwann hast du sie doch schon mal gehört, und wenn dann Einer von uns loslegt mit der Antwort, dann sitzen die beiden anderen rum und können nicht mehr zuhören, weil wir das untereinander alles schon mal gehört haben.

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Mike Grier: Shaken not stirred

Dieser Mann ist Kanadier,. Was an sich ja nichts Ehrenrühriges ist. Er könnte aber genausogut Japaner sein. Wenn es um die Kunst des Imitierens geht legt Grier nämlich eine Kunstfertigkeit an den Tag, die ihresgleichen sucht. Vielleicht hat er aber auch nur ein Identitätsproblem.

Vor einem halben Jahr veröffentlichte er mit seiner Band THE HOOBLERS eine CD, die als gelungene NEIL YOUNG & CRAZY HORSE Kopie durchging. Auch seine erste – nach dem James Bond Motto betitelte – CD beginnt er wieder als Neil „Gott“ Young-Imitat. Nicht die heftig rockende Crazy Horse Phase auch wenn er zwischendurch gerne mal in die Seiten brettert.

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Guided By (female) Voices

Ein Telefoninterview mit Hindernissen

Vielbeschäftigter Hinternet-Mitarbeiter

Hinter-Net! Mitarbeiter sind vielbeschäftigte Menschen und die Redaktion mangels spendabler Sponsoren (haaallloo! hört uns jemand da draußen?!) arm wie eine Kirchenmaus. Das heißt u.a. grüner Tee (Iiigitt! die Red.) und Salzstangen statt Champagner und Kaviar bei den Redaktionssitzungen. Und natürlich keine Flugtickets zu Interviewterminen in München, Hamburg oder London. Wenn der zu interviewende Berg nicht zu uns kommt, bleibt als letzte Möglichkeit meist nur noch ein Telefoninterview

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Glen Cook – Die Rätsel von Karenta

Bd. 6: Heisses Eisen
Bd. 7: Spitze Buben

Es war wieder einer der ganz speziellen Tage. Eigentlich wollte Garrett – seines Zeichens Privater Ermittler – nur auf ein Bier in Morpheus Ahrms Freudenhöhle vorbeischauen, aber just in diesem Augenblick taucht dort eine äußerst attraktive junge Dame auf und Garretts Hormone tanzen Salsa. Leider erscheinen die obligatorischen Fieslinge und vertreiben die Dame, doch nicht ohne ihm vorher die Möglichkeit zu geben, den Helden zu spielen. Am nächsten Tag klopft es an seiner Tür und Captain Wart Block bittet ihn um seine Hilfe in einer Reihe abgedrehter Morde. Natürlich verschließt sich unser Held nicht diesem Ansinnen und steckt binnen Kürze in einem widerwärtigen Fall. Blut, Magie, Horror, Sex. Ein böser Geist aus grauer Vorzeit. Bissige Schmetterlinge…

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Krücken nach Babylon

Wenn Jagger zum Mikro greift, Richards und Wood ihre Gitarren schrubben und Watts stoisch den Takt angibt, dann erst ist alles ganz vertraut, dann können rüstige Senioren sich zurücklehnen und erleichtert sein, daß es in einer Welt voller Laptops, Tamagotchis und Maggi Fix Produkten noch etwas gibt, woran man sich festhalten kann

Marlon Wilhelm auf SR2 Kulturradio über die neue Rolling Stones-CD „Bridges to Babylon“

Timo Wuerz/Niki Kopp: XCT 2

Was ist das für ein Gefühl, als einzige zu wissen, daß ein Stadion nicht nur mit 25.000 hippen Kids vollgestopft ist, die sich ein Megakonzert anhören wollen, sondern auch mit munter tickernden Sprengsätzen, die ihrer digitalen Fernzündung freudig entgegensehen? Ein Scheißgefühl, vor allem wenn man glaubt, noch eine verschwindend geringe Chance zu haben, die Sache aufzuhalten.
Mit diesem Attentat versucht ein Erzschurke Corky, ein Powergirly wie es im Comic steht, zu erpressen, um ihr die Information über ein Waffenlager zu entlocken, das sie vor Jahren entdeckt hat. Angesichts der Tatsache, daß im jungen 21. Jahrhundert kein Mensch mehr Waffen besitzt, stellt diese Information eine ähnliche Bedrohung dar wie die Sprengungdes Stadions. Sonnige Alternativen tun sich da auf, und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Niki Kopp und Timo Wuerz legen sich auch mit dem zweiten und letzten Band von XCT wieder mächtig ins Zeug. Statt sich orwellschen Visionen zu verschreiben projizieren sie die gegenwärtige Jugendszene in die nahe Zukunft. Statt auf SF-Versatzstücke wie den Cyberspace zurückzugreifen entwerfen sie ein dekadentes Szenario, das alle Elemente der Gegenwart von der Netzkultur übers Pillenschlucken und Technocult verarbeitet und sich aus der Masse der zukunftsnahen Comics heraushebt, die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen. Dieser Eindruck wird nicht zuletzt durch das für Comics ungewöhnliche Artwork unterstrichen: Montagen, harte szenische Schnitte, halt alles, was das MTV-geschulte Auge so liebt. XCT liest sich wie im Endorphinrausch.

Timo Wuerz/Niki Kopp
XCT - band zwei
Carlsen Verlag 16,90 DM
ISBN 3-551-72892-5

Martin Frei: Gregor Ka im 21. Jahrhundert

Ein wiedervereinigtes Deutschland hätte auch anders aussehen können. Wirtschaftskonzerne hätten die Macht übernehmen können und ein Schattenkabinett hätte den demokratischen Schein nach außenhin gewahrt. Für Zucht und Ordnung hätte eine Volkspolizei gesorgt und statt einer innerdeutschen Mauer wären die Grenzen zum Ausland dichtgemacht worden.

Ein solches Szenario hat Martin Frei entworfen und – wen überraschts – in der (zu) nahen Zukunft, im Jahr 2005 angesiedelt.

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E.L.Doctorow – Billy Bathgate

Jede Zeit bringt ihre eigenen Idole hervor. In der trostlosen Bronx zur Zeit der Depression orientiert sich die Jugend an ganz speziellen Vorbildern. Eines davon ist Dutch Schultz, respektierter Boss eines florierenden Verbrechenunternehmens. Wie viele seiner gleichaltrigen Kumpanen träumt auch Billy Bathgate von dem aufregenden Leben eines Gangsters, nicht nur weil es ach so aufregend erscheint. Wohlorganisiertes Verbrechen ist schlicht und ergreifend ein verlockender Weg, den Dreck der Hinterhöfe hinter sich zu lassen.

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