Bye bye, Eye Catcher

no_cover.jpgAuch LeserInnen sind zunächst Augenmenschen. Ein ansprechendes Cover erhöht die Bereitschaft, das dahinterstehende Produkt näher zu besehen, die alte Weisheit „Don’t judge a book by its cover“ gilt nur eingeschränkt. Verlage werben also mit einem Cover. Sie sind daran interessiert, es möglichst weit zu verbreiten, „Wiedererkennungswert“ nennt man das auch. Doch damit ist es nun wohl vorbei. Jedenfalls auf diesem Blog.

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Guido Rohm: Fleischwölfe / 0 – Eine Noirvelle

rohm.jpgWie weit muss man sich vom Krimi entfernen, um einen zu schreiben? Vielleicht gar nicht so weit; vielleicht genügt es, einfach aus dem Wagen zu steigen, mit dem man auf gut ausgebauten Straßen durch das Genre fährt. Lustwandeln. Die Landschaft – das Verbrechen – zu Fuß erkunden – oder sagen wir besser: mit den Möglichkeiten einer neugierigen Literatur beobachten. Guido Rohms Erzähldoppelband „Fleischwölfe / 0 (Null), eine Noirvelle“ ist das auf- und anregende Ergebnis einer solchen Exkursion abseits der von gelangweilten Spannungsanimateuren gesäumten Pfade des Genres.

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Buchmessenaudienz 2012

Auch in diesem Jahr steht der Blogger anlässlich der ihm zu Ehren veranstalteten Buchmesse in Frankfurt wieder für Ehrenbezeugungen seiner Fanschaft zur Verfügung. Und zwar offiziell zwischen 11 und 12 Uhr am Freitag, 12.10. am Stand des ihm huldigenden Conte Verlags in Halle 4.1 D118 (direkt neben der Leseinsel der unabhängigen Verlage). Inoffizielle und möglicherweise konspirative Treffen sind möglich und sollten →persönlich vereinbart werden.

So hat alles angefangen…

1999, der erste Krimi. Bislang nur im Internet veröffentlicht, jetzt auch als E-Book: →„Die Pfauenfeder“. Es geht um einen Treppensturz und die Fußballweltmeisterschaft 1998 (sie endet völlig anders als in Wirklichkeit…), um Schlafzimmer und Jugendlieben – und um eine Pfauenfeder, die irgendwo steckt wo sie nicht hingehört… Einfach mal reinlesen.

Und ach ja, ab 10 Uhr heute (27.9.2012) gibt es den Tausendseiter →„Die Edwin-Drood-Verschwörung“ für drei Tage kostenlos…

Was ist Krimi? Dunkelzettel

Von den fünf Krimis, die ich in letzter Zeit angelesen habe, nur zwei fertig gelesen. Was hat das zu bedeuten? Dass ich mich „vom Genre entfremde“? Oder das Genre sich von mir? Einer der gelesenen Romane erhält das Urteil, selten etwas so An- und Aufregendes gelesen zu haben. Es ist derjenige, der sich von den Fünfen wohl am schlechtesten verkaufen wird. Also entfremdet sich der gemeine Leser, die gemeine Leserin von Kriminalliteratur? Und es wird endlich Zeit für den großen Schnitt zwischen Krimi und Kriminalliteratur, zwischen dem anspruchslos Konsumierten, dem immer wieder Affirmativen, und dem wirklich Spannenden, dem Unerwarteten?

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Drood komplett!

droodcoverklein.jpgEndlich! Nach dem Ende des „Edwin-Drood-Projekts“ gibt es die 600 Folgen nun als wohlfeiles E-Book. Gute 1000 Druckseiten für 3,99 €, mit einem Personenregister und nur echt mit dem Original-Vorwort von Ch. Dickens! Wer den legendären Internetkrimi ohne Ende schon immer mal in Ruhe lesen wollte, kann es ab sofort tun! Oder warten, bis das Ding werbemäßig für umsonst angeboten wird, aber das macht ihr natürlich nicht…

Neues von den Jungs

rohm.jpgLassen Sie uns, während alle Welt von Schwedenkrimis und toten Feuilletonisten schreibt, doch einmal von Literatur reden. Literatur. Das ist das, was der Kopf braucht, wenn er als Hutablage zu schade ist. Oder das, was nicht zwingend in Talkshows vor Grinsefressen in die Kamera gehalten wird, was nicht naturgesetzlich auf den Krabbeltischen der Buchhandlungen liegt, ja, was manchmal gar nicht „Buch“ ist, sondern Datei. Lassen Sie uns, kurz, von drei neuen Texten von drei Männern reden, die Literatur machen. Kriminalliteratur. Doch, die gibt es noch. Man muss sie nur suchen. Oder hier finden.

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Aasgeier

aasgeier.JPGWährend ein Teil der Krimikritik weiterhin munter Feuilleton spielt und hechelnd hinter PR-Aktionen her rezensiert (und damit endgültig den Nachtwächterstatus erreicht, den man seit Jahren schon mutmaßt), während also die Aasgeier aufessen, was die Aasgeier übrig gelassen haben, hat Peter J. Kraus endlich den Nachfolger seines legendären „Geier“-Krimis veröffentlicht. Ein Ereignis, wie schon kursorisches Lesen beweist. „Aasgeier“ heißt das gute Stück, vorerst nur →bei Amazon als E-Book für den Kindle zu haben, zu einem lächerlichen Preis auch noch. Man kann „Aasgeier“ übrigens auch auf dem Rechner lesen, eine entsprechende Kindle-Software bietet Amazon kostenlos und komplikationslos an. Worauf also warten? Und, nein: Keine Skandälchen. Einfach nur klasse Kriminalliteratur. Ist die überhaupt noch gefragt?

Injurien eines Genervten

Was muss ich eigentlich tun, um als Krimiautor ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu bekommen? In realitas meine Familie totschlagen? Nein, besser: in fictio einen Großfeuilletonisten killen. Nur, wen? Schirrmacher, Reich-Ranicki, alle schon weg, Karasek sowieso nur noch ein Fernsehspielshowkasper. Schade, Reich-Ranicki natürlich der beste von allen, auch noch Jude, da gibt’s den Antisemitismus als Verkaufsargument obendrauf.

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Toll! Der tolle Hans zum Schleuderpreis!

hans_300.jpgLange hat es gedauert, aber jetzt gibt es einen tollen alten Krimi auch als E-Book. „Der tolle Hans“ von Adolf Streckfuß, eine 1871 erstmals erschienene Bearbeitung des „Büchermörder Magister Tinius“-Stoffes, eine erstaunlich antiklerikale Geschichte vor dem Hintergrund eines Vater-Sohn-Konflikts. Und schon sehr „Krimi“, wie man ihn heute kennt. Nicht einmal einen Euro kostet der Roman →bei Amazon, für Leser dieses Blogs gibt es die epub-Version begrenzte Zeit umsonst. →Eine Mail genügt, schon kommt das Büchlein als schlanke Datei.

Was ist Krimi? Zettel 158

„Die Masse ist der Spielball aller äußeren Reize, deren unaufhörlichen Wechsel sie widerspiegelt. Sie ist also die Sklavin der empfangenen Anregungen.“ In der Kriminalliteratur bündeln sich die Affekte des Einzelnen als Teil der Masse. Der Krimi erfüllt alle notwendigen Bedingungen einer kulturell institutionalisierten Massenhysterie, er liefert die groben Impulse, das Unerhörte des Verbrechens und die aus Angst vor dem Unbekannten entstehende Panik.

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dprs elektronische Bibliothek

So langsam drängen sich die ebooks im virtuellen Regal. Nach den →„Menschenfreunden“ ist nun auch → „Pixity“ zum Spottpreis von 7,99 € bei Amazon zu haben (und auch schon im Apple Itunes Bookstore und bald auch überall sonst). Und die „Menschenfreunde“ soll es ab morgen sogar drei Tage lang kostenlos geben (wenn Amazon nicht wieder zickt…). Und →die ersten 100 Folgen des Edwin-Drood-Projekts kosten gar nur 1,02 €… und die „Armen Leute“ und „der Bote“ folgen auch noch in bälde… Damit wollte ich euch nur ins Wochenende schicken, eigentlich hab ich gar keine Zeit. Und ihr pimpt jetzt mal schön eure Ebook-Bibliothek auf…

Bartlomiej Rychter: Die Bestie von Sanok

sanok.jpgSchauerroman? Gerne. Vorkarpaten? Warum nicht. Da lauert hinter jeder Wegbiegung mindestens ein Vampir oder sonst etwas Untot-Unheimliches. Die Wälder sind düster, die Straßen von Sanok, jenem polnisch-ukrainischem Provinzkaff unter österreichischer Herrschaft, ebenso. Man schreibt das Jahr 1896. Das Setting von Bartlomiej Rychters Roman ist wie geschaffen für jenes wohlige Gruseln, dessen sich die Kriminalliteratur gerne bedient, wenn sie uns verwirren möchte. Übernatürlich? Ja, anfangs. Aber irgendwann muss alles logisch in unsere nüchternen Köpfe, da hat es sich ausgegruselt, da wollen wir Fakten und Motive, da sind wir ganz aufgeklärt und technokratisch. Die Herausforderung für Autoren solcher Romane liegt also immer darin, die Kurve zu kriegen, vom dramatisch-verwuselt Emotionalen zum Rationalen zu gelangen. Wie gelingt es hier? Etwas gezwungen.

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