Was passiert, wenn Verlierer ein Zipfelchen des Glücks erhaschen? Jean, 64 Jahre alt, ist Haussitterin und hat die Aufgabe, für neun Monate in einem herrschaftlichen Haus zu wohnen. Mit der Zeit finden in diesem einsamen und abgeschiedenen Haus drei von der Gesellschaft verlassene und ob der Ausweglosigkeit ihrer Lebenssituation verzweifelte Menschen zusammen. Statt nur das Haus zu betreuen, richten sie sich dort ein und schaffen sich ihr eigenes, von der Realität abgekoppeltes Reich. Endlich einmal, so scheint es, haben die drei Glück, endlich einmal können sie dem „schlechten Stern“, unter dem ihre Leben stehen, entkommen.
WeiterlesenSchlagwort: Krimi
Morag Joss: Half broken things
Was passiert, wenn Verlierer ein Zipfelchen des Glücks erhaschen? Jean, 64 Jahre alt, ist Haussitterin und hat die Aufgabe, für neun Monate in einem herrschaftlichen Haus zu wohnen. Mit der Zeit finden in diesem einsamen und abgeschiedenen Haus drei von der Gesellschaft verlassene und ob der Ausweglosigkeit ihrer Lebenssituation verzweifelte Menschen zusammen. Statt nur das Haus zu betreuen, richten sie sich dort ein und schaffen sich ihr eigenes, von der Realität abgekoppeltes Reich. Endlich einmal, so scheint es, haben die drei Glück, endlich einmal können sie dem „schlechten Stern“, unter dem ihre Leben stehen, entkommen.
WeiterlesenP.J. Tracy: Der Köder
P.J. Tracys „Der Köder“ war einer jener “intelligenten amerikanischen Thriller“, die ich vor etlichen Tagen hier en passant erwähnte. Da ich im Urlaub auf Vorrat gelesen habe, konnte das Werk nicht „zeitnah“ besprochen werden. Tja, und jetzt ist es zu spät.
WeiterlesenJeff Lindsay: Des Todes dunkler Bruder
Psychotriller. So, so. Herr Freud kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus, und nicht nur das 20., das 19., das 18. Jahrhundert lachen mit, bis in die Jungsteinzeit hört man es glucksen und wiehern.
Dort vielleicht, wo der erste Psychologe vor seiner Höhle sitzt, mag man „Des Todes dunkler Bruder“ von Jeff Lindsay für einen „Psychothriller“ ästimieren. Hat er doch vielleicht, unser erster Psychologe, soeben folgendes Experiment gemacht: Seinen zwanzig Mitbewohnern einmal kräftig in den Hintern getreten, als sie in die Höhle wollten. Und dann hat unser erster Psychologe beobachtet, wie alle zwanzig, als sie das nächste Mal vor dem Eingang standen, sich vorsichtig umschauten und die Hände vor den Hintern hielten. Ursache, Wirkung, Trauma und fortwährender unbewusster somatischer Reflex. Auf diesem Niveau spielt sich Psychologie in Lindsays Roman ab.
WeiterlesenLeonardo Padura: Das Meer der Illusionen
„Das Meer der Illusionen“ ist der vierte Band des „Havanna Quartetts“ von Leonardo Padura. Er bringt damit seine Beschreibung der Gesellschaft Kubas Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts zum Abschluss. Wie bei den vorigen Büchern auch hat er wahre Begebenheiten, die sich in Kuba zugetragen hatten, aufgegriffen und mit in die Geschichte einfließen lassen.
Havanna, 1989. Mario Conde ist Kommissar bei der kubanischen Polizei und hat die Schnauze voll von seinem Job. Eine Reinigungswelle fegt durch die Polizei, viele korrupte Kollege wurden entlassen, und dann erwischt es auch seinen Chef (und Freund), der als Vorgesetzter die Verantwortung übernehmen muss. Mario Conde hat Angst vor der Zukunft und träumt von dem großen Roman, den er schreiben möchte, und so kündigt er seinen Job.
WeiterlesenSommerkrimi -7-
Mit einem Städtetripp nach Shanghai beschließen wir heute unsere kleine Reihe mit Sommerkrimis. Irgendwo vertraut, was uns an Verbrechen dort erwartet, aber doch auch fremd, überraschend und lehrreich.
WeiterlesenNorbert Horst: Todesmuster
Authentische Polizeiarbeit ist eine triste Sache. Berufsalltag halt und daher nur in Maßen krimitauglich. Da ist es fast ein Glück, dass die meisten Autoren nichts von Polizeiarbeit verstehen, ihr Wissen von Vorgängern übernehmen, die auch nichts davon verstanden haben oder ein recherchiertes Faktengerüst mit den Ergebnissen ihrer Phantasie behängen.
Norbert Horst versteht etwas von Polizeiarbeit; sie ist sein täglich Brot. So gesehen, beginnt man die Lektüre von „Todesmuster“ mit einer gewissen Befürchtung ob der drögen Dinge, die einem da wohl geschildert werden. Es braucht indes nur wenige Seiten, diese Befürchtung als unbegründet ad acta zu legen.
WeiterlesenCharles Benoit: Relative danger
Im US-amerikanischen Krimi kann man über die letzten Jahre eine Verschiebung, weg von verwurbelten Rätseln hin zum erzählenden Roman beobachten. Charles Benoits Erstling „Relative Danger“ ist ein gutes Beispiel für die neue Stilistik. Er ist ein Krimi gewordener Reiseroman, geschrieben für eine Nation, bei der man das Gefühl hat, dass für sie die Juden der Gegenwart die Moslems sind.
WeiterlesenSommerkrimi -6-
Italien dort, wo es stirbt. Ein kleiner Ort im Hinterland der Adria, ein paar Zwanzig Menschen, viele schon älter, eine Gemeinschaft, die vergangenen Zeiten nachtrauert und von den gegenwärtigen vergessen wurde. Und dann ist alles anders: In diesem drückend heißen Sommer wird ein Mann von einer Viper gebissen, und eine andere Person sorgt dafür, dass jede Rettung zu spät kommt. Etwas bewegt sich in Montesecco.
Bernhard Jaumann erzählt uns in „Die Vipern von Montesecco“ eine hochmoralische Geschichte, den allmählichen Einbruch des „Anderen“ in eine auf den ersten Blick idyllische Welt. Das Verbrechen schürt Misstrauen, bringt Dinge ans Tageslicht, die besser verborgen geblieben wären, und je mehr diese Welt ins Wanken gerät, desto bedrohlicher schiebt sich eine andere in die harmlose Topografie Monteseccos. Eine Welt ohne Ordnung, ohne Gesetz, eine Welt am Rande des Archaischen.
WeiterlesenGunnar Steinbach: Prälat Abels letzte Fahrt
Bei Krimis legt man nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Sie sind handlungsorientiert und verbauen einen Gutteil ihrer Energien in Spannungsbogen. Die Sprache bleibt sekundär. Sie sollte uns nicht quälen; nicht gekünstelt sein aus „Literaturgründen“, nicht hingerotzt aus „Authentizitätsgründen“.
Aber es ist kein Naturgesetz, dass sich Sprache stets mit dem Transport von Inhalten begnügen muss, auch nicht in Krimis. Chandlers Sprache etwa war eins mit dem Inhalt. Ja, und weil dem so war, wurde sie selbst Inhalt. Das kann so weit gehen, dass, wie etwa bei Wolf Haas, die Sprache den Inhalt dominiert. Zu dieser Gruppe kann man auch Gunnar Steinbach mit seinem Romandebüt „Prälat Abels letzte Fahrt“ rechnen.
WeiterlesenJean Amila: Mond über Omaha
Jean Amila (1910 als Jean Meckert geboren, 1995 gestorben) war ein Vertreter der „série noire“, jener französischen Nachkriegsvariante des amerikanischen hard boiled. Eine sehr eigenständige Bewegung, die den moralischen Zynismus, die schriftstellerische Ökonomie der Vorbilder um einige Errungenschaften der „alten Welt“ ergänzte. Lakonische Parolen, wütend hinausgespuckte Moral, dabei politisch wach, literarisch durchaus am Experiment und an der Provokation interessiert.
WeiterlesenRenate Kampmann: Fremdkörper
Über die Gründe für die nicht nur hierzulande enorme Beliebtheit von Krimis aus dem Forensikmilieu kann man nur spekulieren. Vielleicht ist es dieses Nebeneinander von archaischem Grauen und nüchterner Wissenschaft, das den Reiz des Zweiges begründet. Dass dessen Helden in aller Regel Heldinnen sind, mag das Bild abrunden. Die Frau als Mittlerin zwischen dem Irrationalen und dem Rationalen. Ende des psychoanalytischen Einstiegs.
Renate Kampmanns „Fremdkörper“ spielt in diesem Milieu. Ihre Protagonistin Leonie Simon arbeitet als Gerichtsmedizinerin in Hamburg, hat eine detektivische Ader und das ausgeprägte Talent, sich überall Feinde und sonstige Gegner zu machen.
WeiterlesenJeffery Deaver: The vanished man
Lincoln Rhyme ist gegenwärtig vermutlich der legitime Nachfolger Sherlock Holmes’. Wie dieser widmet er sich der minutiösen Analyse von am Tatort gefundenen Spuren. Während Sherlock Holmes mit aus heutiger Sicht etwas altmodischem Werkzeug zu Werke ging, verwendet Lincoln Rhyme [von Deaver allerdings sehr frei angewendete] „state-of-the-art“ – Werkzeuge, wie Gaschromatograph, hochauflösendes Mikroskop und die Kommunikationsmöglichkeiten des Internets.
WeiterlesenChristine Lehmann: Harte Schule
Erinnert sich noch jemand an das Champions-League-Finale Bayern München gegen Manchester United? Genau; das mit den beiden Toren in der Nachspielzeit, als die wackeren Bayern doch noch um die Früchte ihrer Arbeit gebracht wurden. In ähnlicher Erinnerung wird mir Christine Lehmanns „Harte Schule“ bleiben. Lehmann gegen die Unlogik, könnte man sagen, und zunächst sieht alles nach einem souveränen Sieg der Autorin aus.
Die in der ersten Halbzeit ihres Krimis alles richtig macht. Ein etwas zwielichtiger Lehrer wird ermordet im Schulhof aufgefunden, mit heruntergelassener Hose, erstochen. Lisa Nerz, Reporterin bei einer Stuttgarter Lokalzeitung, ermittelt, eine ungeliebte Volontärin im Schlepptau und nicht gerade mit konventionellen Methoden. Sie bricht ins Lehrerzimmer ein, macht sich an die Schüler ran, lernt einige merkwürdige Pädagogen kennen. Gut so.
WeiterlesenEin Serienheld erzählt

Hallo. Sie kennen mich. Oder nicht? Kevin Puffendorf, der Krimiserienheld. Na sehen Sie. Gewiss erinnern Sie sich noch, wie ich den vergrabenen Nazischatz aufgespürt und dabei die latente Pogromstimmung hierzulande gleich mit ausgebuddelt habe. „Kevin Puffendorf“, haben Sie ausgerufen, „Kevin Puffendorf ist schwer in Ordnung. Der bricht die Tabus, der ist einer von uns!“
WeiterlesenJohn Burdett: Bangkok 8
Britischer Humor, buddhistische Philosophie und thailändische Sexkultur, das ist der Mix für John Burdetts „Bangkok 8“. Sonchai Jitpleecheep ist Polizist in Bangkok. Der Sohn einer thailändischen Prostituierten und eines ihm unbekannten Amerikaners ist Buddhist und erzählt uns, den Weißen, den Farangs seine Geschichte.
Gemeinsam mit seinem Partner und langjährigen Freund verfolgt er einen schwarzen Amerikaner durch Bangkok. Der Amerikaner geht im Verkehrschaos verloren und als sie ihn wiederfinden, versucht eine Kobra vergeblich dessen Kopf zu verschlingen. Beim Versuch ihn zu retten, verstirbt auch Sonchais Freund und Partner an einem Schlangenbiss. Zusammen mit einer Mitarbeiterin vom FBI, die aus den USA kommt, macht Sonchai sich auf die Suche nach dem Verantwortlichen.
WeiterlesenNoch eine Spur nach Island
Viktor Arnar Ingólfsson, dessen lesenswerter Krimi „Das Rätsel von Flatey“ →hier besprochen wurde, macht seine Leser in seinem →Tagebuch auf eben diese Besprechung aufmerksam:
„28.07.2005 Flateyjargáta datt út af þýska sölulistanum í síðustu viku en kíkti svo inn á hann aftur í þessari viku í 49. sæti. Svo fann ég fína umsögn á vefnum.“
Auf Deutsch: „Jetzt hat mich auch das legendäre Hinternet in seinem noch viel legendäreren Krimiblog besprochen! Das hat nicht mal Björk geschafft!“
Carl von Holtei: Schwarzwaldau
Ich habe selten mit solch wachsendem Zorn und Unverständnis ein Buch gelesen wie Carl von Holteis „Schwarzwaldau“ – und das lag nicht an dem Buch, vielmehr daran, dass es ein Buch „Schwarzwaldau“ im handfest papiernen Sinne gar nicht gibt.
Seit seinem Erscheinen 1856 dürfte „Schwarzwaldau“ nicht mehr veröffentlicht worden sein; ein Kleinod der deutschen Kriminalliteratur, dessen man nur dank der vorbildlichen Arbeit der „Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser“ als →PDF-Datei habhaft werden kann, ein Kleinod, sage ich, das die uns gemeinhin als „Perlen der deutschen Kriminalliteratur im 19. Jahrhundert“ empfohlenen Werke à la „Judenbuche“ oder „Unterm Birnbaum“ als das erkennen lässt, was sie in Wirklichkeit sind: nette Petitessen, moralgetränkte, bestenfalls mit Küchenpsychologie gesäuerte Nebenarbeiten ihrer Schöpfer.
WeiterlesenNora Kelly: Old wounds
(Diese Rezension hätte auch in unserer aktuellen Sommerkrimi-Rubrik ihren berechtigten Platz. Cozy, meint der Rezensent – und nickt zustimmend.)
Krimis beschwören gerne die Geister der Vergangenheit und betonen die Verwurzelung von Verbrechen in der Vorzeit. Auch hierin offenbaren sie, in unserer zunehmend beschleunigenden Zeit, ihren im Kern eher konservativen Geist. So lebt dann auch Nora Kellys „Old Wounds“ von dem Wechselspiel zwischen den Erinnerungen Gillian Adams‘ an ihre Jugendzeit und der Gegenwart, die diesen Erinnerungen nur noch teilweise entspricht.
WeiterlesenSommerkrimi -2-
Kein Zweifel: Der sogenannte „Island Krimi“ (sein Markenzeichen ist der fehlende Bindestrich) erfreut sich bei deutschen Lesern zunehmender Beliebtheit. Arnaldur Indridason nähert sich dem Bestseller-Status, Stella Blomkwist schreibt für ihren Verleger schwarze Zahlen – und Viktor Arnar Ingólfsson beweist mit seinem Erstling „Das Rätsel von Flatey“, dass die Insel im Nordatlantik mit ihren knapp 270.000 Einwohnern jederzeit für Nachschub sorgen kann.
„Das Rätsel von Flatey“ spielt 1960 auf der gleichnamigen Insel im Breidafjord in Islands Westen. Auf einem öden Eiland wird die schon stark verweste Leiche eines Unbekannten gefunden, der Vertreter des Bezirksamtmanns soll den Fall klären, aber er ist neu, überfordert und hat mit eigenen Leichen im Keller genug zu tun.
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